07.07.2025
AUSTRIAN INVESTING REPORT 2024

Trotz Rückgang: 225 Millionen Euro Kapital für Innovation in Österreich verfügbar

Das Finanzierungsvolumen in Österreich ist im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen. Trotzdem zeigt der aktuelle Austrian Investing Report 2024, dass Investor:innen weiterhin bereit und finanziell in der Lage sind, Kapital für Startups, Scaleups und KMU bereitzustellen.
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Joshua Maurer (Data Analyst, invest.austria), Daniela Haunstein (Geschäftsführerin, invest.austria), Niki Futter (Präsident, invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Johanna Stolberg (Head of Communications, invest.austria) und Markus Lang (General Partner, Speedinvest) | © invest.austria
Joshua Maurer (Data Analyst, invest.austria), Daniela Haunstein (Geschäftsführerin, invest.austria), Niki Futter (Präsident, invest.austria), Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, Johanna Stolberg (Head of Communications, invest.austria) und Markus Lang (General Partner, Speedinvest) | © invest.austria

Das erste Halbjahr verlief bislang alles andere als vielversprechend – zumindest legt das der aktuelle „EY Start-up Barometer“ nahe. Demnach ist das Gesamtfinanzierungsvolumen auf 110 Millionen Euro gesunken. Das bedeutet einen Rückgang um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und markiert den niedrigsten Halbjahreswert seit 2019.

Wie geht es nun weiter für die Startup- und Investmentszene in Österreich? Einen Überblick über Potenziale und aktuellen Stand gibt der Austrian Investing Report 2024, der heute Vormittag von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner gemeinsam mit invest.austria im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus vorgestellt wurde. Die zentrale Botschaft: Österreichs private Investor:innen blicken „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft.

Großes Potenzial

Zunächst ausschließlich positive Nachrichten: Trotz geopolitischer Unsicherheiten, hoher Zinsen und teils herausfordernder regulatorischer Vorgaben planen private Investor:innen, ihre Mittel in diesem Jahr stärker zu mobilisieren als im Vorjahr.

Die Analyse stützt sich auf eine Umfrage unter 165 Investor:innen, darunter Business Angels ebenso wie institutionelle Anleger – also Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds, Family Offices und Beteiligungsgesellschaften.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Investitionsbereitschaft nach wie vor vorhanden ist. Auch ausreichend Kapital steht zur Verfügung: Rund 225 Millionen Euro könnten theoretisch in Startups, Scaleups und KMUs in Österreich fließen. Business Angels wollen im Durchschnitt 270.000 Euro investieren – ein Plus von 13 Prozent. Institutionelle Anleger planen mit einem Durchschnittswert von 12,6 Millionen Euro, was einer Steigerung von 15,6 Prozent entspricht.

Ein weiterer Trend: Immer mehr Kapital soll im Land bleiben. Institutionelle Investor:innen wollen ihren Inlandsanteil von derzeit 39 Prozent auf 47 Prozent erhöhen – ein Zuwachs von gut 20 Prozent. Bei den Business Angels liegt der geplante Anstieg sogar bei über 30 Prozent: Sie wollen künftig 59 Prozent ihrer Investments im Inland tätigen, verglichen mit 45 Prozent im Vorjahr.

Tech-Bereich im Mittelpunkt

Für 80 Prozent der befragten Investor:innen stellen Startups und Scaleups die wichtigste Anlageklasse dar. Institutionelle Kapitalgeber setzen darüber hinaus einen klaren Schwerpunkt auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Bei den thematischen Schwerpunkten liegt der Fokus deutlich auf technologiegetriebenen Bereichen: Über 81 Prozent der Befragten nennen KI und Big Data als Top-Priorität, gefolgt von Cybersecurity, Defense sowie Health Care und MedTech.

Neben dem Erhalt bestehender Beteiligungen geht es dabei auch um neue Engagements: 70 Prozent der Angels und 45 Prozent der institutionellen Investoren planen, 2025 in neue Startups zu investieren. Im Bereich der KMU wollen 86 Prozent der institutionellen Investoren neue Beteiligungen eingehen.

Motivation hinter den Investments

Ein weiteres Ergebnis des Reports zeigt, dass 81 Prozent der befragten Investor:innen selbst bereits unternehmerische Erfahrung gesammelt haben. Hinter ihren Investments steht also meist mehr als nur die Aussicht auf Rendite: “Sie machen es deshalb, weil sie Know-how, Netzwerk und unternehmerische Expertise einbringen wollen in diese jungen Unternehmen”, sagt Zehetner.

Vor allem Business Angels betonen dabei die Freude an der Zusammenarbeit mit den Gründerteams – rund 65 Prozent sehen darin eine ihrer wichtigsten Motivationen. Ebenso möchten sie aktiv zum Wachstum der Unternehmen beitragen. Auch das Engagement für Nachhaltigkeit und die Weiterentwicklung des Standorts spielt für viele Investor:innen eine zentrale Rolle. 

Hoffnung liegt auf rot-weiß-roten Dachfonds

Einer der Ansätze, um das vorhandene Kapital im Land wirksam zu mobilisieren, könnte der von der Bundesregierung geplante rot-weiß-rote Dachfonds sein. „Das wird von über 60 Prozent der Befragten als wichtiger Hebel genannt wird, um Kapital zu aktivieren“, sagt Niki Futter, Präsident von invest.austria und Business Angel. Mit dem geplanten Dachfonds erhofft man sich, die Investitionsbedingungen zu verbessern, zusätzliches Kapital zu erschließen und die Gründung weiterer VC- und PE-Fonds zu fördern. Auf diese Weise sollen Risiken gestreut, private Mittel effizient mobilisiert und neue Impulse für den Standort gesetzt werden.

Derzeit befindet sich die Bundesregierung noch in Verhandlungen darüber, wie der Dachfonds konkret ausgestaltet sein könnte. Dafür werden unterschiedliche Modelle aus den USA, Europa und Asien unter die Lupe genommen, um herauszufinden, was sich für Österreich am besten eignen könnte. Geplant ist, wie Staatssekretärin Zehetner vor Ort bestätigte, den Fonds bis Ende 2026 finalisiert zu haben.

„Wir wollen einen Dachfonds auf den Weg bringen, der für Investorinnen und Investoren interessant ist und der genau das Ziel erreicht, dass wir möglichst viele Unternehmen in Österreich unterstützen können, hier zu skalieren, aber auch Österreich als Startup-Nation international attraktiv zu machen“, so Zehetner.

Potenzial von universitären Spin-offs

Der Standort Österreich verfügt laut invest.austria und Staatssekretärin Zehetner nicht nur über Innovationskraft und verfügbares Kapital, sondern auch über ein großes Reservoir an Talenten. Dementsprechend seien „Initiativen rund um die Förderung des Unternehmergeistes wichtig. Damit zeugen wir auch den Nachwuchs für die Menschen, die später bereit sind in neue Ideen, die für diesen Standort wichtig sind, zu investieren“, betont Zehetner.Ein erhebliches ungenutztes Potenzial sieht sie dabei vor allem in universitären Spin-offs. „Wir müssen dorthin, dass aus jedem Patent, das an einer Universität erfunden wird, am Ende auch eine Chance wird. Ganz wichtig ist dabei auch wieder der Fokus auf diese Entrepreneurship Education, weil es eine sehr große Hemmung bei Forschenden gibt, tatsächlich selbst Unternehmerin oder Unternehmer zu werden“, so die Staatssekretärin weiter.

Aktuell beschäftigen heimische Startups rund 30.000 Menschen. Laut Austrian Startup Monitor 2024 planen fast 80 Prozent von ihnen, im kommenden Jahr neue Mitarbeiter:innen einzustellen. Langfristig könnte die Startup-Szene damit ein Beschäftigungspotenzial von bis zu 200.000 Arbeitsplätzen in Österreich schaffen. „Dieses Potenzial kann nur realisiert werden, wenn man auch die nötigen Fachkräfte findet und dabei braucht man natürlich auch internationale Talente“, sagt Zehetner. Dafür sei eine Vereinfachung und Entbürokratisierung der Rot-Weiß-Rot-Karte ausschlaggebend.

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Martina Egger, Director Country Management Österreich bei Redcare Pharmacy (Shop-Apotheke.at) |(c) brutkasten / Haris Dervisevic

Redcare Pharmacy ist Europas führende Online-Apotheke und tritt in Österreich unter Shop-Apotheke.at auf. Die Gruppe setzte 2025 rund 2,9 Mrd. Euro um, ein Plus von 24 Prozent, und zählt europaweit über 14,2 Millionen aktive Kund:innen. Laut Handelsverband war das Unternehmen zuletzt der drittgrößte Onlineshop des Landes, nach Amazon und Zalando. Ein zentrales Geschäftsfeld bleibt hierzulande aber verschlossen: Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente, in acht EU-Ländern längst erlaubt, ist in Österreich verboten.

Für dieses Thema steht bei Redcare Martina Egger. Die gebürtige Deutsche wurde in der heimischen Startup-Szene als Mitgründerin von Pluz Care bekannt, einer Plattform, die rezeptfreie Medikamente gemeinsam mit lokalen Apotheken nach Hause lieferte. Nach dem Aus des Startups holte sie Redcare Pharmacy als Director Country Management Österreich, unter der Bedingung, unternehmerisch frei agieren zu können.

Im Gespräch mit brutkasten plädiert Egger offen für eine Liberalisierung des Rx-Versands und verweist auf eine von Redcare beauftragte EcoAustria-Studie, die ein volkswirtschaftliches Potenzial im dreistelligen Millionenbereich sieht. Sie erklärt, warum sie kein Apothekensterben fürchtet, wie das Unternehmen Beratung digital abbildet und welche Rolle KI-Agenten künftig spielen sollen.


brutkasten: Du hast Pluz Care mitgegründet, das später in Liquidation übernommen wurde. Was hat dich zu Redcare gebracht?

Ich bin dem Thema treu geblieben. Pluz Care wollte Medikamente binnen einer Stunde nach Hause bringen, in Österreich aber nur rezeptfreie. Als die Finanzierung scheiterte – zwei Due-Diligence-Runden durch, dann geplatzt – hat mich Shop-Apotheke als Country Managerin geholt. Meine Bedingung war, unternehmerisch frei handeln zu können. Heute kann ich viel mehr an der Sache arbeiten als zur Startup-Zeit, in der ich vor allem am Fundraisen war.

brutkasten: Wie entwickelt sich Redcare in Österreich?

Konkrete Österreich-Zahlen nennen wir als börsennotiertes Unternehmen nicht, wir berichten auf Group Level. Aber laut Handelsverband waren wir zuletzt der drittgrößte Onlineshop des Landes, nach Amazon und Zalando. Wir gewinnen weiter eine fünfstellige Zahl neuer Kund:innen pro Monat. Den größten Mehrwert sehen die ländlichen Regionen, dort wird die Online-Bestellung von Medikamenten am stärksten angenommen.

brutkasten: Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist in Österreich verboten. Warum?

Pharmazeutisch gibt es keinen Grund, der gegen den Rx-Versand spricht. In Deutschland gibt es ihn seit 25 Jahren, in der Schweiz ist er erlaubt. In Skandinavien sind Online-Apotheken bereits lange etabliert. Shop-Apotheke ist eine echte Apotheke, die denselben Regularien unterliegt wie jede andere in Europa. Dass es das Verbot in Österreich gibt, ist eine Frage des politischen Willens. Ähnlich wie bei der Notariatskammer geht es um den Schutz bestehender Strukturen.

brutkasten: Führt der Onlineversand zum Apothekensterben?

In Österreich nicht, im Gegenteil, die Zahl der Apotheken steigt. Das deutsche Problem liegt an der schwierigen Nachfolge und an schließenden Arztpraxen. In Startup-Sprache: Der Arzt ist der Lead Generator für die Apotheke, fällt er weg, ist der Sales Funnel done. Die Dimension ist ohnehin überschaubar: In Deutschland liegt der Online-Anteil am Rx-Geschäft bei fast zwei Prozent, in Märkten mit langer Erfahrung wie Schweden bei etwa 20 Prozent.

Martina Egger im Gespräch mit brutkasten | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

brutkasten: Wie versucht ihr, das zu ändern?

Wir sprechen uns seit rund einem Jahr offen für die Rx-Liberalisierung aus, auch im Austausch mit der Apothekerkammer. Eine von uns beauftragte EcoAustria-Studie hat das volkswirtschaftliche Potenzial einer Öffnung berechnet, etwa durch ersparte Wege, herausgekommen ist ein Betrag im dreistelligen Millionenbereich. Auf EU-Ebene erwarte ich viel, gleichzeitig liegt die Entscheidung bei den Mitgliedstaaten. Wichtig ist das hybride Modell: Niemand wird gezwungen, aber wer in Vorarlberg 30 Kilometer zur nächsten Apotheke hat, soll die Option bekommen.

brutkasten: Eine Online-Apotheke verschickt also nicht nur Pakete?

Nein, wir sind eine Apotheke und müssen beraten. Der durchschnittliche Rx-Kunde in Deutschland ist über 60, entsprechend hoch ist die Zahl unserer meist telefonischen Beratungsgespräche. Jede Bestellung durchläuft einen Wechselwirkungscheck, das Vier-Augen-Prinzip bilden wir digital ab. Erkennt das System eine Wechselwirkung, nehmen wir Kontakt auf, notfalls auch zum Arzt.

brutkasten: Wo setzt ihr auf KI?

KI nutzen wir, wo es geht, viel im Hintergrund, etwa im Pricing. Eine eigene AI-Unit beschäftigt sich mit Conversational Commerce. Wir tracken auch schon den Traffic über ChatGPT, der ist noch nicht relevant, steigt aber leicht.

brutkasten: Wo wollt ihr wachsen, und ist Amazon Pharmacy eine Gefahr?

Wachsen wollen wir in allen Bestandsmärkten, neue Markteintritte sind derzeit kein Thema, wir schauen uns aber immer potenzielle Märkte an. Der Fokus liegt klar auf dem Kerngeschäft. Amazon Pharmacy sehe ich nicht als unmittelbare Bedrohung, der US-Markt funktioniert so anders, dass sich die Modelle kaum vergleichen lassen.

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