01.07.2025
PIAST-Q

Tiroler Startup AQT bringt Quantencomputer nach Polen: „Europas Sprung ins Quantenzeitalter“

Das Tiroler Startup AQT entwickelte mit PIAST-Q einen 20-Qubit-Rechner, der Quanten- mit Supercomputing verbindet.
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AQT, PIAST-Q
© AQT - PIAST-Q ist ein laserbasierter Quantencomputer mit Ionenfallen-Technologie, der in Polen vom PCSS betrieben wird und von AQT in Innsbruck, Österreich, geliefert wurde.

Das Startup AQT (Alpine Quantum Technologies) aus Innsbruck verkündete im März 2023 einen Europa-Rekord. Mit einem Quantum Volume-Wert von 128 setzte AQT damals einen markanten Schritt für den europäischen Kontinent. Dabei handelt es sich um eine metrische Kennzahl, die entwickelt wurde, um die Leistungsfähigkeit eines Quantencomputers insgesamt zu beschreiben.

AQT: „Erster EuroHPC-Quantencomputer“

Im Juli 2024 integrierte AQT in die Universität Innsbruck unter dem Projekttitel „HPQC“ erstmals einen Quantenrechner und schloss im Dezember des gleichen Jahres mit dem israelischen Anbieter einer Plattform für Quantencomputer-Software, Classiq Technologies, eine strategische Partnerschaft.

Nun vermeldet man den Start des „ersten EuroHPC-Quantencomputers“, der vom Poznańskie Centrum Superkomputerowo‑Sieciowe (PCSS) betrieben und von AQT geliefert wurde. Der Computer mit dem Namen PIAST-Q – der nach der Piasten-Dynastie, der ersten historischen Herrscherdynastie Polens benannt ist – basiert auf Ionenfallen-Technologie und bietet 20 Qubits (Anm.: kleinste Informationseinheit in der Quanteninformationsverarbeitung und das Äquivalent zum klassischen Bit in einem herkömmlichen Computer).

Wie alle anderen derzeit in Betrieb genommenen EuroHPC-Quantencomputer wird dieses System in Hochleistungsrecheninfrastrukturen (High-Performance Computing, HPC) integriert. PIAST-Q wird zunächst mit dem ALTAIR-Supercomputer gekoppelt und später mit dem PIAST-AI-Supercomputer, wodurch europäischen Nutzer:innen der Zugang zu einer hybriden klassisch-quantischen Architektur ermöglicht wird. Die Initiative verfolgt das Ziel, die europäische Forschung und Innovation vorzuantreiben und ist für Nutzer:innen aus Wissenschaft, Industrie und öffentlichem Sektor zugänglich.

Ionenfallen-Technologie

Obwohl die finale Kalibrierung des Systems in den kommenden Monaten fortgesetzt wird, stellt die Inbetriebnahme von PIAST-Q den Abschluss der ersten operativen Bereitstellung eines EuroHPC-Quantencomputers dar.

Speziell die Ionenfallen-Technologie verwendet elektromagnetische Felder, um geladene Atome (Ionen) zu fangen, die dann mithilfe hochpräziser Laser manipuliert werden, um Quantenoperationen durchzuführen. Sie bietet dabei lange Kohärenzzeiten. Das System wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck sowie mit einer umfangreichen Kundenbasis entwickelt bzw. validiert und passt in zwei 19-Zoll-Racks, wie sie üblicherweise in Rechenzentren verwendet werden. PIAST-Q wird bei Raumtemperatur betrieben und verbraucht weniger als zwei Kilowatt elektrische Leistung, wodurch kein spezielles Kühlsystem, kein Wasser oder umfangreiche Energieinfrastruktur benötigt werden.

PIAST-Q als „europäische Exzellenz“

„Die heutige Inbetriebnahme von PIAST-Q ist ein bedeutender Schritt in Europas Sprung ins Quantenzeitalter. Dieser Meilenstein markiert nicht nur die Bereitstellung unseres ersten EuroHPC-Quantencomputers, sondern zeigt auch unser Engagement für den Aufbau eines erstklassigen, souveränen Quantencomputing-Ökosystems in Europa. Mit PIAST-Q investieren wir nicht nur in Technologie, wir investieren in europäische Exzellenz“, sagt Anders Jensen, Exekutivdirektor der EuroHPC Joint Undertaking.

PIAST-Q wird mit einem Gesamterwerbswert von 12,28 Millionen Euro kofinanziert. Die EuroHPC JU trägt 50 Prozent der Kosten, die restlichen 50 Prozent werden vom Ministerium für digitale Angelegenheiten und dem Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung finanziert.

AQT-Founder: „Neuartige Anwendungsfälle verfolgen“

„Wir fühlen uns geehrt und sind stolz, ausgewählt worden zu sein, um den Ionenfallen-Quantencomputer von AQT am PCSS zu installieren – was die Erfolge unseres Teams und der Ionenfallen-Plattform unterstreicht“, sagt Thomas Monz, CEO von AQT. „Wir freuen uns darauf, die europäische hybride Integration von Quantencomputern in Hochleistungsrechenzentren anzuführen. Gemeinsam mit unseren Partnern in Polen werden wir neuartige Anwendungsfälle verfolgen, um das polnische und europäische Quanten-HPC-Ökosystem voranzubringen.“

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
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„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

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Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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