13.07.2020

Wird das milliardenschwere TikTok zum Bauernopfer in einem Wirtschaftskrieg?

In immer mehr Staaten werden Rufe laut, die chinesische App TikTok zu verbieten. Als Grund wird oft Spionageverdacht genannt. Doch es steckt mehr dahinter.
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Tiktok - wirklich gefährlich in punkto Datenschutz? (c) Adobe Stock / prima91 / beigestellt

Sie kennen TikTok noch nicht selbst? Dann gehören Sie nach Everett Rogers´ Klassifizierung der Adaptions-Geschwindigkeit zur letzten Gruppe, den Innovations-Nachzüglern. Die App ist erfolgreicher als Facebook, hat heute über 2 Milliarden User und nicht weniger große Sorgen. Die Sorgen sind so groß, dass Sie sich womöglich nicht darüber ärgern müssen, nicht zu den „Early Adaptors“ gehört zu haben, denn die App könnte ihre internationale Präsenz womöglich bis 2021 verlieren und erstes Bauern-Opfer eines größeren, wirtschaftlichen Konfliktes werden. Aber der Reihe nach.

Was ist TikTok und woher kommt es?

Ursprünglich hieß die App etwas unrund „Musical.ly“ und war bis August 2018 ein beliebter Videostreaming-Dienst mit etwas über 100 Millionen Nutzern. Gegründet von 2 Chinesen in Shanghai, hatte die App von Beginn an ein Standbein in Los Angeles und war auf internationales Wachstum ausgerichtet. Im August 2018 wurde die App dann von der Pekinger Firma ByteDance übernommen und ihre Benutzer zu TikTok übersiedelt. Seit dem Transfer explodierten die Nutzerzahlen und das Unternehmen überschritt sogar die magische Bewertung von 100 Milliarden Dollar.

TikTok hat mächtige Feinde

Indien, der größte geschlossene Social Media User-Markt nach China, verbannte am 29. Juni die beliebte App, zusammen mit 28 weiteren chinesischen Apps. Die Regierung unterstellt diesen, den indischen Sicherheitsinteressen zu schaden und chinesischer Spionage zu dienen. Das Argument wurde just vorgebracht, nachdem sich ein lange schwelender Grenzkonflikt in der Region Ladakh zuspitzte. Bei einer Auseinandersetzung zwischen indischen und chinesischen Soldaten wurden 20 Inder getötet. Kurz danach sperrte man die 29 Apps und warf China vor, Daten indischer User missbräuchlich an die chinesische Regierung übermittelt zu haben.

Mike Pompeo sagte vergangenen Donnerstag gegenüber FOX News, die USA würden ebenfalls in Erwägung ziehen, TikTok zu sperren. Das Argument glich dem der Inder, ByteDance würde Userdaten an die chinesische Regierung übermitteln, was amerikanische Interessen bedrohe.  Er wolle nicht Daten von US-Bürgern in Händen chinesischer Kommunisten sehen, erläuterte der US Außenminister weiter ruppig. Und sei das noch nicht genug der schlechten Nachrichten für den App-Betreiber, haben australische Abgeordnete angekündigt, das Thema TikTok vor den Senat zu bringen und ebenfalls über einen Bann auf dem Kontinent zu diskutieren. Es dauerte keine 48 Stunden und die Forderung, die App zu verbieten, landete auch in Europa, genauer in UK, wie mehrere britische Zeitungen meldeten.

In Hongkong entschied TikTok von sich aus, sich zurückzuziehen. Als Begründung wurde genannt, dass man der dort immer aktiver werdenden, chinesischen Regierung nicht sensible Auskünfte über Hongkong-Chinesen erteilen wolle. Der Rückzug wird in einer Phase vollzogen, in der Honkong bürgerkriegsähnliche Zustände zu bewältigen hat. Unabhängig davon aber kann TikTok dort nur verlieren. Es ist ein kleiner, unbedeutender Markt – mit einem ungleich größeren Bedrohungspotential, zwischen die Räder der Konfliktparteien zu geraten.

Ist die Bedrohung durch TikTok real?

Apps dieser Machart nutzen mitunter auch persönliche Daten, um zu funktionieren oder haben Fehler, die einen Missbrauch erlauben. Insofern könnten solche Bedenken begründet sein, vor allem für Menschen innerhalb Chinas.

Im Jänner diesen Jahres überraschte die New York Times mit einer Analyse der israelischen Cybersecurity-Firma CheckPoint. Diese habe schwere Sicherheitsmängel bei TikTok festgestellt, die sogar Zugriffe Dritter auf Daten erlaube. TikTok ging in die Offensive und beteuerte, alle Mängel beseitigt zu haben. Zudem kursieren Analysen einer Handvoll Tech-Blogs, wonach TikTok regelmäßig auf den Zwischenspeicher der Handynutzer zugreife, ohne allerdings zu sagen, ob dies nicht auch andere Gründe haben könne. (Auch Linkedin oder Reddit taten dies lange Zeit). Vor drei Wochen riet dann das Hacker-Kollektiv Anonymous User dazu, TikTok zu löschen.

Vor wenigen Tagen schickte sodann Amazon eine Aufforderung an seine Mitarbeiter, TikTok zu löschen, sollte die App auf Smartphones laufen, auf denen auch Firmen-Emails gelesen werden. Man fürchte Daten-Diebstahl. Doch Amazon konnte für keine Begründung erreicht werden und kommunizierte ebenfalls keine Details zu den Vorwürfen.

Auch wenn viele verschiedene Quellen vor TikTok warnen, ganz schlüssig ist vor allem die politische Reaktion nicht:

  • Der indische Bann der Apps erfolgte genau zum Zeitpunkt eines ernsthaften militärischen Konflikts mit China. Die Debatte in Indien ist zudem reichlich mit China-Ressentiments aufgeladen. TikTok ist bestimmt groß, aber sicher bei weitem nicht das datentechnisch kritischste chinesische Unternehmen, das in Indien aktiv ist. Es stand aber thematisch im Vordergrund.
  • Auch die Ankündigung der Trump-Regierung, TikTok zu verbannen, erfolgte just nachdem eine über TikTok akkordierte Aktion von Usern, dem US-Präsidenten seinen Wahlkampfauftakt in Tulsa (Oklahoma) praktisch zunichte gemacht hatte und Trump wegen Corona ohnedies auf Anti-China Frames setzte (siehe meine Analyse zu Trumps Wahlkampfauftakt). Zufall?
  • Weiters sollten wir nicht Opfer unserer eigenen Daten-Paranoia werden. Wenn ein Politiker heute sagt „Die missbrauchen eure Daten“, erhält er sofort grünes Licht für alle möglichen staatlichen Eingriffe und Verbote. Datenschutz ist sehr wichtig, aber wir vergessen oft, zu differenzieren und bei solchen doch erheblichen Vorwürfen tiefer zu graben. Sachliche und überprüfbare Beweise wären jedenfalls hilfreich bei der Einordnung eines derart schweren Spionagevorwurfs.

Um die App TikTok und deren Inhalte selbst kann es außerhalb Chinas wohl kaum gehen. Die Inhalte bestehen aus völlig trivialen, mehr oder weniger witzigen Kurz-Sing-Tanz-Blödel-Videos. Es gibt vereinzelt, sehr oberflächliche, politische Botschaften und auch die Chat-Funktion könnte man theoretisch für ernsthafte Themen nutzen. Dass diese App der chinesischen Regierung einen relevanten Spionage-Vorteil bringen soll, ist ohne harte Beweise aber schwer nachzuvollziehen.

Schließlich nutzt die Welt auch das chinesische Alibaba von Jack Ma. Diese digitale Plattform macht 40 Milliarden Umsatz und stellt einen richtigen ökonomischen Machtfaktor im globalen B2B-Geschäft dar. Dort werden wichtige Unternehmensdaten gespeichert und Personenregister geführt. Die Welt nutzt weiters Wechat, eine App welche ausführliche Chats, Einkäufe und Bezahlfunktionen vereint. Diese App, mit hochsensiblen Daten, nutzen neben rund 1 Milliarde Chinesen auch 100 Millionen Menschen außerhalb Chinas.

China verkauft darüber hinaus viele weitere Produkte, etwa Computer von Lenovo, Handys und Netzwerkausrüstung von Huawei oder ZTE und Geräte, die sensible, persönliche Daten der Enduser tracken, wie z.B. von Xiaomi. Hunderte Millionen Geräte und Software-Produkte verschickt China also in die ganze Welt, die allesamt hochsensible Daten nutzen, tracken und verarbeiten. Und ja, das alles kann sehr problematisch sein und sollte unsere Aufmerksamkeit bekommen. Aber von all den Geräten, Plattformen und Apps, soll ausgerechnet diese infantile Ulk-App TikTok verbannt werden, weil sie ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen soll?

Fazit

TikTok kann theoretisch für sensible Informationen genutzt werden und greift auch gewisse Userdaten ab, vergleichbar etwa mit Facebook oder Instagram. Auch hat die App vergleichbare Bugs zu beseitigen gehabt. Insofern, vor allem wegen seiner großen Verbreitung, könnten persönliche Daten missbräuchlich an die chinesische Regierung übermittelt werden. Diese Logik eines möglichen Datenmissbrauchs müsste man aber, wenn schon, auf alle digitalen Produkte Chinas umlegen. Es gibt bestimmt Dutzende, die sehr viel sensiblere Daten verarbeiten als TikTok und auf relevanteren Geräten installiert sind, als jenen von mehrheitlich Teenagern und Twens.  Würde es zudem stimmen, dass immer noch offene Mängel bestünden, die sogenannte „Malware“ erlaube, stellt sich die Frage, weshalb dazu keine echten Beweise veröffentlicht werden, handelt es sich doch um das größte soziale Netzwerk der Welt.

Wären Sie der Präsident der USA oder jener Indiens und Sie hätten gerade einen mächtigen Konflikt mit China und wollten dem Land einen Schaden zufügen oder sich für einen erlittenen Schaden revanchieren – wie würden Sie vorgehen? Sie würden vermutlich eine Taktik wählen, die Ihnen und der eigenen Wirtschaft am wenigstens schadet, oder? Und, Zufall oder nicht, genau das ist mit TikTok möglich. Es ist ein chinesisches Unternehmen mit Milliardengewinnen aus B2C, ohne jegliche wirtschaftliche Bedeutung für Länder außer China. Keiner macht B2B-Geschäfte über TikTok und die TikTok-Arbeitsplätze außerhalb Chinas, etwa in L.A., haben keine relevante Größe. Das ist wohl Pech.

TikTok hin oder her, professionelle globale Spionage ist eine permanente, wenn auch unsichtbare,  Realität seit dem Zweiten Weltkrieg. Nachrichtendienste aus aller Welt spionieren alles aus, was möglich ist. Sie sitzen an unseren Internet-Daten-Knoten, lesen alle unsere Bank-Überweisungen mit oder werben enge Mitarbeiter unserer Politiker als Spitzel an, wie vor 3 Tagen wieder im Fall Angela Merkel aufgedeckt wurde.  Das ist alles bekannt. Seit Edward Snowden und dem Aufdecker Glenn Greenwald wissen wir zudem, dass man mikroskopisch kleine Spionage-Implantate auf Hardware bekannter Marken im Netzwerkbereich anbringen hat können. Es ist für Nicht-Politiker schwer zu verstehen, aber auch zwischen befreundeten Staaten ist diese echte, breite sowie richtig tiefgehende Spionage Gang und Gäbe. Man kann das für hoch problematisch halten in einer freien Welt. Denn es geht nicht nur um die Verletzung staatlicher Souveränität, sondern auch um unsere höchst privaten Bürgerrechte, die sehr wahrscheinlich von Dutzenden Diensten permanent mit Füßen getreten werden.

Ich wage also die These, die „Wow, you can really dance”-App TikTok steht auf der realen Gefährdungsskala der Menschen nicht in vorderster Reihe. Zumindest nicht technisch, vielleicht aber politisch. Denn wirtschaftspolitisch würde die Welt China, mit dem auf allen Kontinenten diskutierten Bann, einen milliardenschweren Schaden zufügen.

Das kommunistische Ein-Parteien-Regime in China tut bestimmt vieles, was uns Sorge bereiten sollte. Aber dieser nicht wirklich konsistent begründete, mögliche Bann der größten Social-Media-App, riecht nach dem inszenierten Beginn eines Wirtschaftskrieges, bei dem TikTok das Bauernopfer werden könnte und in dem, wie in jedem Krieg, die Wahrheit das erste Opfer ist.


Über den Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.


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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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AI Summaries

Wird das milliardenschwere TikTok zum Bauernopfer in einem Wirtschaftskrieg?

  • TikTok ist erfolgreicher als Facebook, hat heute über 2 Milliarden User und nicht weniger große Sorgen.
  • Die indische Regierung unterstellt TikTok, den indischen Sicherheitsinteressen zu schaden und chinesischer Spionage zu dienen. Bei einer Auseinandersetzung zwischen indischen und chinesischen Soldaten wurden zuletzt 20 Inder getötet.
  • Im Jänner diesen Jahres überraschte die New York Times mit einer Analyse der israelischen Cybersecurity-Firma CheckPoint: Diese habe schwere Sicherheitsmängel bei TikTok festgestellt, die sogar Zugriffe Dritter auf Daten erlaube.
  • Es gibt aber bestimmt dutzende Unternehmen, die sehr viel sensiblere Daten verarbeiten als TikTok und auf relevanteren Geräten installiert sind, als jenen von mehrheitlich Teenagern und Twens.
  • Keiner macht B2B-Geschäfte über TikTok und die TikTok-Arbeitsplätze außerhalb Chinas, etwa in L.A., haben keine relevante Größe.

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