11.05.2020

Vater Staat und seine (un-) freien Kinder: Europa zwischen China und den USA

Warum ist Europa so, wie es ist? Was unterscheidet uns von den USA und China? Und ist Kapitalismus der richtige Weg? Fragen, denen Politik- und Digitalisierungsexperte Mic Hirschbrich zum Auftakt seiner Kolumne "Mic am Montag" nachgeht.
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Coronakrise
Die Coronakrise zeigt erneut, dass Europa nicht nur geographisch zwischen den USA und China liegt. (c) Adobe Stock /Corona Borealis / Mic Hirschbrich

Der britische Philosoph Thomas Hobbes war gezeichnet vom englischen Bürgerkrieg und der Pest, als er in seinem Werk „Leviathan“ jene Frage stellte, die uns auch heute fundamental beschäftigt: Die Rolle des Staates zu Zeiten fundamentaler Krisen. Der Staat und sein Herrscher sollten laut Hobbes stets rational und objektiv agieren, auf Basis reiner Fakten und seine Bürger vor Krieg und Krankheit beschützen. Es war ihm ein Gräuel, wie egoistisch und machtbesessen, um Ansehen und Reichtum ritternde Feudalherren den europäischen Kontinent in Blut tränkten und wie schutzlos die Menschen diesem Treiben sowie den Seuchen ausgeliefert waren.

Der Ruf nach dem Staat und ein starkes China

Der „beschützende Staat“, der den nicht gender-konformen Begriff vom „Vater Staat“ nur unzureichend beschreibt, er wird heute in Zeiten einer neuen Pandemie gerufen, von links wie rechts, von arm wie reich. Er soll uns vor den Folgen der Pandemie und nicht weniger vor jenen, der daraufhin gesetzten Maßnahmen, schützen.

+++Der brutkasten startet neuen Schwerpunkt „Deine Welt“+++

Und noch eine Parallele findet sich zu Hobbes Welt. China war im 17. Jahrhundert erstarkt und ein administratorisch perfekt verwaltetes Reich mit der weltweit größten und fortschrittlichsten Metropole Peking als Hauptstadt. Es war damals Europa, das Chinas Strategien kopierte und lernte, effiziente Staatsverwaltungen aufzubauen. Das Wissen um die Kunst der Verwaltung ist zentral, wenn man nach einem starken Staat trachtet.

Von der autoritären Nazi-Diktatur in ein freies Österreich

Ein paar Jahrhunderte später sollte sich die Doktrin der freien Entfaltung der Menschen, sowohl hinsichtlich der Bürgerrechte aber auch des Wirtschaftens in Europa durchsetzen. Diese Freiheit schien mehr Menschen Wohlstand und dauerhaften Frieden zu bringen, als alle Staats- und Wirtschaftssysteme vor ihr. Nach dem 2. Weltkrieg verhalfen uns die USA politisch, aber auch wirtschaftlich zum Aufstieg. Heute ist das viel zu sehr in Vergessenheit geraten.

Der nach US-Außenminister benannte Marshallplan war dabei ein wichtiges Element, weitere Maßnahmen wie etwa Radio Rot-Weiß-Rot, ein amerikanischer Propagandasender in Wien sowie Auflagen zu Deregulierung, vereinfachter Unternehmensgründung und Zollabbau, trugen das ihre bei: Der wirtschaftliche Aufstieg nach dem letzten Weltkrieg war groß und nachhaltig. In den USA geschah dies mit wenigen staatlichen Eingriffen, in Europa mit durchwegs unterschiedlichen, staatlichen Strategien; von enorm hoher bis eher geringer staatlicher Regulierung, es war und ist alles vertreten.

Österreich geht den Weg der Sozialpartnerschaft

In Österreich ging man den Weg der durchaus in ihrer Form einzigartigen Sozialpartnerschaft, ideologisch gepaart mit Austro-Keynesianismus, einem groß ausgebauten Sozialstaat, einer teilweise regulierten aber auch sehr kompetitiven, freien Marktwirtschaft und, last but not least, einer ansehnlich großen, verstaatlichten Industrie, die größtenteils erst spät, mangels wirtschaftlichen Erfolges, privatisiert wurde.

+++Kommentar: Coronakrise dauert Monate und kostet Milliarden – es ginge auch anders+++

Bei aller vorgebrachter Kritik an der Sozialpartnerschaft führte diese zu einem permanenten Ausgleich zwischen den sonst so starren ideologischen Fronten, allen voran zwischen Arbeitgebern – und -nehmern. Sie zwang die beiden Seiten ständig, auf einander zuzugehen – und das ohne ausartenden Arbeitskampf, wie dies in vielen anderen Ländern Europas der Fall war. Österreich war dabei nie besonders liberal oder kapitalistisch, aber auch nie richtig sozialistisch. Es war freier als viele Länder und gleichzeitig verwalteter. Je nachdem, wer an der Regierung war, wurde das Land mehr nach links oder rechts gezogen.

In Summe war es aber eine Erfolgsgeschichte, die wirtschaftlich eng gekoppelt war an jene des großen Nachbarn Deutschlands.

75 Jahre später: Wie viel Freiheit braucht die Wirtschaft?

75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg stellt sich wieder dieselbe Frage: Wie viel Staat brauchen oder wollen wir, und wie viel Freiheit zum leben und zum erfolgreich arbeiten? Betrachten wir den Faktor „Innovation“, als einen wichtigen Gradmesser wirtschaftlichen Erfolges eines Landes, so schien das Rennen auf den ersten Blick entschieden.

Das so erfolgreiche Silicon Valley legt besonderen Wert darauf, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden, die liberalen Rahmenbedingungen dort ziehen die Genies und das Kapital der Welt an, wie das Licht die Mücken. Und kein Ort hat seit den 50-er Jahren mehr Innovation hervorgebracht, als das Gebiet südlich von San Francisco. Dessen Software ist in so gut wie allen Haushalten und Unternehmen außerhalb Chinas fest verankert. Demokratie plus maximale Freiheit im Wirtschaften, sie haben sich bewährt, zumindest für die dort tätigen Unternehmer, Mitarbeiter sowie hinsichtlich der dort lukrierten Steuereinnahmen.

Chinas Erfolgsgeschichte: Kommunismus trifft Digitalisierung

Echte Demokratie funktioniert nur mit einer freien Marktwirtschaft und umgekehrt, so hatten wir es jahrzehntelang wahrgenommen und hielten die beiden für die „best buddies“ der jüngeren Menschheitsgeschichte. Doch dann kam wieder China und erteilte uns eine harte Lektion.

China nutzte die Technologie, die westliche Firmen jahrelang freiwillig ins Land brachten, um billige Arbeitskräfte zum Produzieren und Assemblieren ihrer Produkte zu nutzen und bewies uns das Gegenteil: Auch eine kommunistische 1-Parteien-Diktatur und Kapitalismus vertragen sich hervorragend. Dieser Schock hält noch immer an, hunderte Bücher müssen neu geschrieben werden. Man nahm die Samen der Europäer und Amerikaner gerne an, entwickelte sie zu chinesischer IP weiter und stellte diese, anders als Europa oder die USA, auch dem eigenen Staat zur Verfügung, wo sie kräftig austrieben und wuchsen.

+++Analyse: 5G, Drohnen und AI: Wie der Coronavirus Chinas Digitalisierung antreibt+++

Der Kommunismus war weltweit, nicht zuletzt in der Sowjetunion, unter anderem an seiner Unfähigkeit gescheitert, seine Länder bis ins kleinste Dorf, in die hinterste Kolchose, gut und effizient zu verwalten. Das war im Sinne der Planwirtschaft aber von, im wahrsten Sinne des Wortes, -zentraler- Bedeutung. Doch das Problem mangelnder Organisations-Ressourcen war nun vorbei. Modernste IT verhalf nicht nur dem Silicon Valley, Milliarden Kunden weltweit erfolgreich zu bedienen. Sie verhalf auch China seine Macht zu festigen und seine 1,4 Milliarden Bürger zu überwachen, dank Globalisierung aus der Armut zu führen und mit zunehmendem Wohlstand ruhig zu halten. Zumindest bis heute.

Als uns vor wenigen Wochen Corona erstmals heimsuchte, war plötzlich wieder ein starker Staat gefragt und eine „folgende“ Bevölkerung. China, Singapur und Süd-Korea taten sich verhältnismäßig leicht. Besonders disziplinierte Bürger und ein Volk, das an Überwachung gewöhnt war, sorgten dafür, die Bedrohung rasch in den Griff zu bekommen, nicht zuletzt mit Technologie. In den USA und UK tat man sich mit einem raschen staatlichen Lockdown schwerer.

„Freiheitswütige“ Amerikaner und „obrigkeits-hörige“ Chinesen

In vielen US-Genen sitzt quasi eine „staatliche-Maßnahmen-Abwehrhaltung“ drinnen. Das Recht, frei zu wirtschaften, ist vielen Amerikanern so wichtig, wie das, eine Waffe zu tragen. Das Reduzieren vieler europäischer Medien darauf, dass das halt eine Tugend radikaler Republikaner sei, trifft es dabei nicht. Der Grund sitzt breiter und auch tiefer in der Gesellschaft.

Wir müssen diese Eigenheiten der Amerikaner weder teilen noch sympathisch finden, aber wir könnten aufhören, sie mit europäischer Brille zu beurteilen. Die manchmal etwas eigenwillig verteidigte Freiheit der Amerikaner, die uns oft seltsam erscheint, hängt stark mit dem Gründungsmythos des Landes sowie seiner Genese zusammen. Der selbstbewusste Amerikaner möchte sich selbst schützen, möglichst frei entscheiden und für sich selbst sorgen können. Schützen übrigens nicht zuletzt auch vor einem korrupten Washington, dem man prinzipiell misstraut.

So überraschen die Bilder wütender Amerikaner, die gegen die Corona-Maßnahmen auch dieses Wochenende lautstark demonstrierten, Amerika-Kenner wenig. Sind die Maßnahmen für die einen pragmatisch richtig, einleuchtend und zeitlich begrenzt hinzunehmen, so sind sie für andere völlig unzumutbare Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Einschränkungen als Unternehmer aber auch als Bürger, die sich vor Geschäften desinfizieren oder Masken tragen sollen, weil der Staat es ihnen aufträgt, um der Pandemie Herr zu werden.

Europa liegt nicht nur geographisch zwischen China und den USA

In den USA dominieren die wirtschaftlichen Stimmen, die vom Staat möglichst unabhängig sein wollen, in China ist der Staat omnipräsent und übermächtig. In Europa und speziell bei uns in Österreich möchte man meinen: Geht es uns gut und sind wir wirtschaftlich erfolgreich, als Unternehmer oder Arbeitnehmer, freuen wir uns über möglichst viel Unabhängigkeit vom Staat, wir lieben unsere Freiheit. Schlittern wir in die Arbeitslosigkeit oder kämpfen wir auch als Unternehmen mit Krisen wie einer Pandemie, erwarten wir selbstverständlich einen starken Staat, der sich um alles kümmert.

+++Covid-Startup-Hilfsfonds: Alle Details und Voraussetzungen+++

Das ist so selbstverständlich und die Not teils so groß, dass es kaum hinterfragt wird. Viele Unternehmer, allen voran österreichische Hoteliers, werden den Staat klagen, weil sie „wegen ihm“ keinen Umsatz mach(t)en. Er würde ja ihre unternehmerische Freiheit rigoros verletzen. Und auch wenn ich mich als Autor dem Gedanken freien Unternehmertums absolut erwärmen kann, diese Argumentation klingt nicht hinreichend konsistent. Denn hätte der Staat keinen Lockdown durchgeführt, Corona hätte ungehindert gewütet und das hätte der Wirtschaft ebenfalls geschadet, sogar nachhaltiger, wie etliche Experten meinen.

Hier schlagen zwei Herzen in unserer Brust. Als empathische oder solidarische Bürger wollen wir, dass möglichst viele Menschen gesund sind und das Gemeinwohl intakt bleibt, als Unternehmer wollen wir in unserem freien Handeln nicht behindert werden. Nur, hier geht es diesmal nicht um Ideologie oder Kosmetik, sondern um harte Schicksale, Existenzen und Millionen von Jobs.

Kapitalismus abschaffen?

Dass viele Prominente ausgerechnet Corona zum Anlass nehmen, den Kapitalismus abschaffen oder über neue politische Systeme diskutieren zu wollen, erscheint absurd und verführerisch gleichermaßen. Absurd, weil wir derzeit nicht wegen des Kapitalismus sondern wegen eines externen Schocks, einer Pandemie, in eine erhebliche Wirtschaftskrise schlittern. Millionen von Existenzen sind bedroht und einige wollen genau jetzt jenes System bekämpfen, meist auch noch ohne Alternativen zu nennen, das uns seit dem 2. Weltkrieg zu einem nie dagewesenen Wohlstand verhalf.

Verführerisch aber klingen die Systemdebatten, weil kaum jemand bestreiten wird, dass der Kapitalismus zwar enorme Kräfte entfalten kann, aber auch erhebliche Schwächen aufweist. Diese zeigen sich weniger in Bezug zu Corona, als auf die vielen Antworten, die der Kapitalismus schuldig bleibt; z.B. zum Klimawandel oder diversesten Gerechtigkeitsfragen.

Kapitalismus ist weder schuld an unserem Lebenswandel noch am Konsum

Kein Thema steht mehr für das historische Gefecht zwischen absolutistischem Schutz durch den Staat einerseits und maximaler Freiheit und individueller Entfaltung andererseits, wie der Klimawandel. Der Kapitalismus als System ist aber mitnichten schuld daran, dass wir zu viel fliegen und individuelle Mobilität vor alles stellen, wir uns lieber über Autos definieren als über Philanthropie, viel zu viel Fleisch aus Massentierhaltung essen oder gerne billigen Ramsch aus aller Welt importieren. Er ist nicht schuld daran, dass wir uns zu einer materiellen Wegwerfgesellschaft entwickelten. Der Kapitalismus ist weder schuld an unserem Lebenswandel noch an unserem Konsumverhalten. Aber er ermöglicht, sich frei für all das und gegen eine andere Lebensweise zu entscheiden. Er dient allen Konsum-Zielen, ob vernünftig oder nicht, konsequent, wertfrei und effizient. Und das ist der entscheidende Punkt.

+++Österreich: Klimakrise bereitet mehr Sorgen als Coronakrise+++

Andererseits scheinen wir frei entscheidende Bürger und Konsumenten bisher nicht in der Lage gewesen zu sein, das eigene Verhalten, selbst wenn dringend nötig, so zu adaptieren, dass wir z.B. ohne große staatliche Zwangsmaßnahmen den Folgen des Klimawandels entkommen. Oder hätten wir die Folgen der Corona-Pandemie ohne staatlichen Zwang bewältigen können? Ich denke nicht, jedenfalls nicht grundsätzlich. Man kann über einzelne Maßnahme vortrefflich debattieren, aber die Menschen hätten sich nicht allesamt isoliert und Masken gekauft, und das alles nur aus Eigenverantwortung und Selbstorganisation heraus.

Wenn wir offenkundig diese Corona-Pandemie nicht ohne großen staatlichen Zwang meistern, nicht ohne seine Rettung auf die Beine kommen und auch die Folgen des Klimawandels und andere Krisen nicht durch eine „vernünftige Verhaltensänderung freier Bürger“ abwenden werden können, provozieren wir nicht spätestens dann das Entstehen eines zunehmend absolutistisch agierenden Staates? Eines Staates, der für uns „vernünftig und rational“ entscheiden und unerwünschtes Verhalten verbieten und bestrafen soll? Wird dann die zeitlich begrenzte Einschränkung unserer Freiheit zu einer dauerhaften? Weil wir an unserer Freiheit letztendlich selbst gescheitert sind und nur der Staat uns vor uns selbst schützen kann? Thomas Hobbes hätte jedenfalls sicher eine Antwort darauf. Und ich hoffe, sie wird nie nötig.


Über den Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.

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Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²

Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.

Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².

Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen

Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.

Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.

„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“

Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.

(c) LA-Cinematics / MPC²

Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.

Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt

Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.

Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.

aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“

Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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AI Summaries

Vater Staat und seine (un-) freien Kinder: Europa zwischen China und den USA

  • Der britische Philosoph Thomas Hobbes war gezeichnet vom englischen Bürgerkrieg und der Pest, als er in seinem Werk „Leviathan“ jene Frage stellte, die uns auch heute fundamental beschäftigt: Die Rolle des Staates zu Zeiten fundamentaler Krisen.
  • Der Staat und sein Herrscher sollten laut Hobbes stets rational und objektiv agieren, auf Basis reiner Fakten und seine Bürger vor Krieg und Krankheit beschützen.
  • Als uns vor wenigen Wochen Corona erstmals heimsuchte, war plötzlich wieder ein starker Staat gefragt und eine „folgende“ Bevölkerung.
  • In den USA dominieren die wirtschaftlichen Stimmen, die vom Staat möglichst unabhängig sein wollen, in China ist der Staat omnipräsent und übermächtig.
  • In Europa und speziell bei uns in Österreich möchte man meinen: Geht es uns gut und sind wir wirtschaftlich erfolgreich, als Unternehmer oder Arbeitnehmer, freuen wir uns über möglichst viel Unabhängigkeit vom Staat, wir lieben unsere Freiheit.
  • In schwierigen Zeiten erwarten Europäer hingegen, dass der Staat einspringt.

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