20.10.2025
HEALTH

Syntropic: Klosterneuburger MedTech startet Kooperationen in Brasilien und New York

Das NÖ-MedTech-Startup Syntropic hat abseits medialer Aufmerksamkeit erste klinische Erfolge gefeiert sowie in den USA und Brasilien Kooperationen mit internationalen Forschungspartnern gestartet. Und kürzlich einen Award gewonnen.
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Syntropic, Award, bob, best of biptech
© zVg/Canva - Francesca Giovanetti und Maria Teresa Ferreti von Syntropic.

Es ist in letzter Zeit etwas ruhig geworden um das Klosterneuburger MedTech-Startup Syntropic, könnte man das Gefühl haben – im Hintergrund jedoch sieht es anders aus. Zur Erinnerung: Im Juli 2024 gab es 1,1 Mio. Euro FFG-Förderung für das Unternehmen, das ein brillenähnliches Gerät entwickelt hat, welches hochfrequentes flackerndes Licht aussendet, um psychische Erkrankungen wie Depressionen zu behandeln. Davor, konkret im April 2024, vermeldete man den Abschluss einer siebenstelligen Finanzierungsrunde von Xista Science Ventures und dem Austria Wirtschaftsservice (aws).

Syntropic in Übersee

Heuer gelang es im Juli erstmals erfolgreich, einen Patienten – innerhalb eines „IIa depression clinical trials“ – mit dem neuartigen, nicht-invasiven Lichtstimulationsgerät Haven zu behandeln. Es folgte die Genehmigung durch das IRB (Institutional Review Board), um eine home-based Phase-IIa-Studie mit dem Lichttherapie-Gerät durchzuführen – in Kooperation mit dem Neuromodulations-Labor der Neurologie-Abteilung der NYU Langone Health. Dies galt als der erste formale Schritt von Syntropic Medical zu einem dezentralen Versorgungsmodell („decentralized care“) für depressive Erkrankungen.

Nun heimste das Startup einen Award ein, berichtet gegenüber brutkasten über die letzten Erfolge sowie über künftige Pläne, und vermeldet Kooperationen in Brasilien und New York (USA).

„Bei uns ist viel passiert im letzten Jahr“, sagt Maria Teresa Ferreti, Clinical Operations and Partnerships Manager bei Syntropic. „Wir haben unsere ersten ‚Healthy Volunteer-Studies‘ komplettiert und gezeigt, dass unsere Technologie bei menschlichen Gehirnen funktioniert. Und unsere zwei Machbarkeitsstudien gelauncht – eine in Brasilien und eine in New York. Eine davon ist klinisch, die andere (Pilot Feasibility Study of Device for At-Home Use) bei Patienten daheim.“

At-Home-Fokus

Dafür wurde ein Prototyp entwickelt, der sich bereits in den Händen der Patient:innen befindet, wie Francesca Giovanetti, Founders Associate, erklärt: „Der erste Test beginnt Ende Dezember, der zweite im zweiten Quartal 2026“, sagt sie.

Dabei kollaboriert man mit internationalen Experten des Feldes, darunter mit Andre Brunoni, Außerordentlicher Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität São Paulo und Leiter des Interdisziplinären Neuromodulationsdienstes sowie mit Kallene Vidal, Assoziierter Forscherin am Interdisziplinären Neuromodulationsdienst des Instituts für Psychiatrie an der Universität São Paulo.

„Beide sind federführend mit viel Erfahrung bei ähnlichen Geräten, die jedoch nicht mit Licht, sondern mit Elektrizität arbeiten“, sagt Ferreti. „Der Entschluss zu diesen Kooperationen war eine natürliche Entscheidung. New York war eine ähnliche Geschichte. Dort arbeiten wir mit Leigh E. Charvet (Anm.: Professorin Abteilung Neurologie, Director tDCS-Programm von NYU Langone Health) zusammen. Sie fokussiert auf ‚At-Home-Neurostimulation-Treatment‘. Da dies für uns sehr wichtig ist und wir möchten, dass unser Gerät daheim genutzt wird, haben wir uns für eine Partnerschaft entschieden.“

Weitere Finanzierung geplant

Die letzten Finanzierungsrunden haben das niederösterreichische MedTech – das von Sandra Siegert, Mark Caffrey, Alessandro Venturino und Jack O’Keeffe gegründet wurde – bisher in ihrer klinischen Entwicklung und Forschung unterstützt. Aktuell befindet man sich in Gesprächen für eine Seed-Runde. Zudem strebt man eine „regulatory clearance“ an, um die bisher erfolgreichen Resultate am Menschen zu beweisen.

„Außerdem planen wir große Multizentrum-Trials, wofür wir viele Patienten ‚einsammeln‘ müssen“, erklärt Giovanetti einen der weiteren Schritte von Syntropic. „Darauf legen wir gerade unsere ganze Konzentration ‚to make it happen‘.“

Syntropic
(c) zVg – Francesca Giovanetti (m.) und Maria Teresa Ferreti (l.) bei der „best of biotech“-Preisverleihung mit Elisabeth Klager (Jurysprecherin).

Für seine bisherige Arbeit und künftige Vorhaben erhielt das Startup am Dienstag letzter Woche beim 25-jährigen Jubiläum der Startup-Competition „aws BoB – Best of Biotech“ den Award in der Kategorie bestes „Medtech Start-up“. Dafür gab es einen Geldpreis in Höhe von 8.000 Euro und Tickets für ein internationales Match-Making-Event. Über weitere Neuigkeiten bleibt man vorerst verschwiegen, im kommenden Jahr und nach einer potentiellen Fundraising-Runde, werde man „ein klareres Bild“ dazu haben.

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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