14.06.2022

Südhub: Diese 6 Startups sind im 2. Batch des Accelerators im Burgenland

Der Südhub im Burgenland hat sich auf zwei Bereiche spezialisiert, in denen das Burgenland als Wirtschaftsstandort punkten kann.
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Team Südhub und die Startups des zweiten Batches im Accelerator © Südhub
Team Südhub und die Startups des zweiten Batches im Accelerator © Südhub

Mit dem Südhub betreibt die Wirtschaftsagentur Burgenland unter anderem auch einen eigenen Accelerator, der angehende Unternehmer:innen beim Markteintritt unterstützt. Gleichzeitig fördert das Programm die Ansiedelung innovativer Jungunternehmen im Südburgenland. Mittlerweile ist der Accelerator im zweiten Durchlauf, diesmal mit insgesamt sechs Startups, nachdem vergangenen Herbst erstmals vier junge Unternehmen an dem Programm teilnahmen.

Mittlerweile haben sich im Südhub zwei inhaltliche Schwerpunkte herauskristallisiert – Gesundheit/Pflege und Landwirtschaft – die auch regionalpolitisch gut zum Südburgenland passen, die die Wirtschaftsagentur betont.

Kein Bundesland wäre besser geeignet

„Im Burgenland waren Ende 2020 22,6 Prozent der Bevölkerung älter als 64 Jahre. Damit war das Burgenland das Bundesland mit dem höchsten Anteil von älteren Menschen. Aus diesem Grund wäre wohl kein anderes Bundesland besser geeignet für Startups im Bereich Pflege und Gesundheit als jenes mit dem höchsten Altersdurchschnitt“, sagte Landesrat Leonhart Schneemann. Der Südhub hebe sich durch die klare Positionierung ab und treibe damit auch den Wirtschafts- und Forschungsstandort voran.

Michael Gerbavsits, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Burgenland ergänzt: „Die Spezialisierung auf die drei Themenbereiche Pflege/Gesundheit, Agrarwirtschaft und Energie/Technologie ist bewusst erfolgt und unterstreicht, dass das Wachstums- und Innovationspotential in diesen ausgewählten Branchen als relevanter Markt vorhanden ist. Zusätzlich arbeitet der Südhub seit kurzem verstärkt mit dem Förderbereich – Beteiligungen der Wirtschaftsagentur zusammen, wovon sowohl die Wirtschaftsagentur gesamt als auch die Startups im Einzelnen profitieren.“

Diese 6 Startups haben es in den aktuellen Südhub-Batch geschafft

1. equolibri

Mit künstlicher Intelligenz zum optimalen Futter für Pferde – das richtige Futter hat einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit von Pferden. Das burgenländische Startup equolibri hat einen Online-Konfigurator entwickelt, der das passende Futter anhand wissenschaftlicher Kriterien auswählt.

2. AIRXBIG

AIRXBIG ermöglicht erstmals den professionellen Drohneneinsatz im landwirtschaftlichen Bereich als One-Stop-Shop Lösung. Seit Jänner 2022 unterstützt das Mattersburger Startup burgenländische Weinbäuerinnen und -bauern mittels Drohneneinsatz bei der Digitalisierung der landwirtschaftlichen Produktion.

3. Care Development

Digitalisierungsschub für den Pflege- und Betreuungsbereich – Das südburgenländische Startup Care Development GmbH entwickelt eine einfach zu bedienende Softwarelösung, um die Arbeitsschritte von Pflegeorganisationen zu digitalisieren und damit den Arbeitsaufwand um bis zu 70 Prozent zu reduzieren.

4. CareFact

Das burgenländische Technologie-Startup CareFact entwickelt einen digitalen Assistenten für ältere Menschen. Was technisch klingt, hat auch eine emotionale Komponente. Das interaktive Kuscheltier „Paul“ kann sprechen, Bücher vorlesen und unterstützt Senior:innen im Alltag mittels künstlicher Intelligenz.

5. Vitablick

VitaBlick hat mit virtuellen Ausflügen eine innovative Lösung gegen Isolation im Alter entwickelt. Nach erfolgreichem Marktstart folgt jetzt eine Österreich-Tour, damit Pflegeheime die VitaBlick-Brillen für ihre BewohnerInnen testen können.

6. Vertify

Weltneuheit: Österreichisches Medizintechnik-Startup Vertify wertet mit Smartphones Augenbewegungen aus, um Schwindelursachen herauszufinden. Seit Jänner 2020 entwickelt das Healthtech-Unternehmen Vertify eine neuartige Eye-Tracking-Technologie für Smartphones, welche Hausärzt:innen unterstützen soll, PatientInnen mit Schwindel zu diagnostizieren.

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Teamfoto Klartext AI | (c) Leandra Schurz Photography

Elektronikprodukte enthalten wertvolle Rohstoffe, werden aber häufig so entwickelt, dass sie sich nicht einfach reparieren, wiederverwenden oder recyceln lassen. Das Wiener Startup Klartext AI will mit Künstlicher Intelligenz dazu beitragen, das zu ändern. Das 2025 gegründete Unternehmen entwickelt KI-Lösungen für unterschiedliche Anwendungsbereiche, darunter doclarity, ein Tool zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente. Im Rahmen des Eureka-Forschungsprojekts „ManageR“ entwickelt es einen KI-Assistenten, der Elektronikhersteller bei Entscheidungen zur Kreislaufwirtschaft unterstützen soll. Dafür erhält Klartext AI eine Förderung von rund 250.000 Euro von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Das Projekt startete am 1. Oktober 2026 und läuft über drei Jahre. Klartext AI ist dabei für die KI-Technologie zuständig und entwickelt den sogenannten ‚ManageR Copilot‘. Dieser soll Informationen über Produkte, Materialien und gesetzliche Vorgaben zusammenführen und daraus Handlungsempfehlungen ableiten.

KI soll Reparatur und Wiederverwendung bewerten

Im Mittelpunkt von ManageR steht ein digitales Bewertungs- und Optimierungstool. Dieses soll Unternehmen dabei helfen, für einzelne Produkte und Komponenten geeignete Kreislaufstrategien zu finden. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob Bauteile repariert, wiederverwendet, aufbereitet oder recycelt werden sollten. Die Software soll in unterschiedlichen Phasen des Produktlebenszyklus zum Einsatz kommen – etwa bei der Entwicklung oder im Einkauf. Je nach Lebenszyklusphase soll das System unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Neben ökologischen Faktoren soll dabei auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Eine Herausforderung ist dabei die Vielzahl an benötigten Informationen. Dazu zählen etwa Produktstücklisten, Materialdaten, regulatorische Anforderungen und branchenspezifisches Fachwissen. Diese Informationen sind häufig auf unterschiedliche Systeme und Abteilungen verteilt oder liegen bei einzelnen Experten. Das Wiener Startup entwickelt deshalb ein KI-Agentensystem samt Benutzeroberfläche, das die Daten verknüpfen soll. Ein besonderer Schwerpunkt liegt laut Anna Poledna, Business Development bei Klartext AI, auf der Nachvollziehbarkeit: Nutzer sollen erkennen können, auf welchen Informationen und Quellen die Vorschläge beruhen. Technologisch setzt das Startup dafür unter anderem auf Wissensgraphen und Multi-Agenten-Systeme.

Eine Rolle bei der Entstehung des Projekts spielten laut Poledna auch neue EU-Vorgaben. Die Ökodesign-Verordnung (ESPR) soll unter anderem die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten verbessern. Der Digitale Produktpass soll künftig Informationen zu Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Umweltauswirkungen verfügbar machen.

Zusammenarbeit mit Fraunhofer und Industrieunternehmen

An ManageR sind neben Klartext AI das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), die Universität Stuttgart sowie die deutschen Unternehmen ifm und Ansmann beteiligt. Fraunhofer koordiniert das Projekt und entwickelt unter anderem ein Bewertungsmodell, während die Universität Stuttgart ihre Expertise in der Ökobilanzierung einbringt. Die beiden Industrieunternehmen stellen ein 3D-Kamerasystem und ein Ladegerät zur Verfügung, an denen die Technologie getestet werden soll.

„Für uns ist es großartig, dass wir unsere KI-Forschung direkt in die Anwendung bringen können. In ManageR entwickeln wir gemeinsam mit führenden Forschungseinrichtungen neue Methoden und testen sie gleichzeitig an echten Industrieprodukten“, sagt Poledna.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts im September 2029 soll die Technologie laut Poledna kommerziell angeboten werden. Geplant ist, sie künftig auch für weitere Elektronikprodukte einzusetzen. Wie breit das System anwendbar sein wird, hängt insbesondere von der Verfügbarkeit entsprechender Daten ab.

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