22.04.2026
STARTUP-POLITIK

Startup-Monitor-Präsentation: „Stabil reicht uns nicht“

Bei der Präsentation des Austrian Startup Monitor 2025 gab es auch knappe Einblicke in die Ziele der politischen Akteurinnen in der Startup-Politik.
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Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner und Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bei der Startup-Monitor-Präsentation | (c) Tobias Gärtner
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner und Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bei der Startup-Monitor-Präsentation | (c) Tobias Gärtner

So richtig zufrieden ist wohl niemand mit den Zahlen im heute präsentierten Austrian Startup Monitor 2025 (brutkasten berichtete). Die Zahl der Neugründungen stagniert auf niedrigem Niveau und der Anteil an (Mit-)Gründerinnen sank zuletzt. Dass der Anteil an Startup-Mitarbeiterinnen im Gegenzug stieg, ebenso wie jener an Spin-offs und an Green- und Social-Impact-Startups sowie die Exportquote, kann darüber nur bedingt hinwegtrösten.

Zehetner: Augenmerk auf Startups bei „Reorganisation“ der Förderlandschaft

Von einer Stagnation bei den Neugründungen will Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bei der Monitor-Präsentation und einem Pressegespräch davor zwar nicht sprechen. Sie nennt es „Stabilität“, räumt dann aber doch ein: „Stabil reicht uns nicht. Wir wollen keinen Stillstand, weil das bedeutet Rückstand.“ Auch in der Wachstumsphase müsse man Startups stärken, wo eine „große Lücke beim Risikokapital“ bestehe. „Wir müssen schauen, dass es in der gesamten Innovationskette von der Idee bis zum Markt keine Lücke gibt“, so die Staatssekretärin.

Und sie nennt dazu Maßnahmen: Konkret spricht sie ein besonderes Augenmerk auf Startups bei der aktuellen (Anm. mit massiven geplanten Kürzungen verbundenen) „Reorganisation“ der Förderlandschaft an (brutkasten berichtete). Zudem evaluiere man die bestehenden Modelle der Mkitarbeiter:innenbeteiligung – auch über die auf die FlexCo zugeschnittene Regelung der Unternehmenswertanteile hinaus.

Auch zum Status Quo beim Dachfonds äußert sich Zehetner auf brutkasten-Rückfrage: Die aws sei beauftragt, das Fondsmanagement auszuschreiben, heißt es hier weiterhin. Ziel bleibe, dass der „Scaleup Fonds“ 2027 erste Investments tätige. Ob Österreich sich auch am EU-Dachfonds beteiligen werde (brutkasten berichtete)? Das prüfe man, heißt es auch heute. „Unser Hauptaugenmerk liegt aber am nationalen Fonds“, sagt die Staatssekretärin. Dieser soll schließlich unter anderem auch die Schaffung neuer VC-Fonds in Österreich antreiben.

Holzleitner: Spin-off Fellowship wird erneut aufgesetzt

Verhaltene Zufriedenheit herrscht auch bei Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner vor. Wie oben erwähnt konnte der Anteil an Spin-offs zuletzt gesteigert werden. „Der Monitor ist eine sehr gute Bestandsaufnahme, mit der wir den Blick nach vorne richten können“, meint sie und stellt klar: „Wir müssen nachschärfen, damit die Zahlen in den nächsten Jahren noch besser aussehen.“ Die Ministerin betont mehrfach die Bedeutung des FTI-Pakts. Beim Ziel der FTI-Strategie, bis 2030 die Zahl der Spinoffs zu verdoppeln, sei man bereits bei „einer Zielerreichung von rund 92 Prozent“.

Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner beim Pressegespräch zur Monitor-Präsentation | (c) Tobias Gärtner

Und Holzleitner bringt auch gute Nachrichten mit, die bei der Startup-Monitor-Präsentation vom zahlreich im Wirtschaftsministerium erschienenen Publikum mit Applaus bedacht wird: Das von der FFG umgesetzte „Spin-off Fellowship“-Programm wird ab 2027 um fünf Jahre verlängert und für diese Periode mit 15 Millionen Euro budgetiert.

Politische Hoffnungen der Szene auf EU-Maßnahmen

Mit den von den heimischen Gründer:innen im Austrian Startup Monitor genannten politischen Wünschen deckt sich all das freilich nur bedingt. Ganz oben stehen da Erleichterungen bei Lohnnebenkosten und Steuern und Anreize für Risikokapital-Investments, also etwa der Beteiligungsfreibetrag.

GateSpace-Gründer Moritz Novak bei der Panel-Diskussion der Monitor-Präsentation | (c) Tobias Gärtner

Erstmals recht weit oben in der Wunschliste steht auch die „proaktive Unterstützung europäischer Innovationspolitik“, etwa in Sachen EU Inc, wie AustrianStartups-Chefin Hannah Wundsam betont. Es ist ein Thema, das auch bei einer kurzen Podiumsdiskussion im Rahmen der Präsentation deutlich hervorkommt – und in der Szene für Hoffnung sorgt. So erzählt etwa Moritz Novak, Gründer des SpaceTech-Startups GateSpace, am Podium: „Wir haben eine Delaware C Corp als Muttergesellschaft gegründet, weil einige Investoren nicht in eine österreichische GmbH investiert hätten. Ich hoffe, die in einem Jahr durch eine EU Inc ersetzen zu können“.

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Deepentix
© tecnet equity - (v.l.) Investor Kambis Kohansal Vajargah, Endri Deliu, Morteza Amini und Altan Nar (alle Deepentix) sowie Peter Buchinger (tecnet equity).

Das NÖ-Startup Deepentix hat eine Enterprise-KI-Plattform entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützen soll, aus Dokumenten wie Studien, Patenten oder internen Berichten einen sogenannten Wissensgraphen aufzubauen – ein Netzwerk aus Fakten und ihren Beziehungen. Dadurch lassen sich Antworten einer Künstlichen Intelligenz bis zum exakten Satz im Ursprungsdokument zurückverfolgen. Gerade in stark regulierten Branchen sei dies entscheidend, weil Aussagen jederzeit belegt und geprüft werden müssen.

Deepentix: Unternehmensdaten in Graphen überführen

Zielgruppe sind etwa Unternehmen in Branchen wie Pharma, Medizintechnik, Versicherungen oder Banken, die täglich mit großen Mengen an Studien, Patenten, Normen und internen Berichten arbeiten. Klassische generative KI liefere dazu zwar schnelle Antworten, könne deren Herkunft jedoch oft nicht lückenlos belegen. Genau hier möchte Deepentix ansetzen und unstrukturierte Unternehmensdaten in einen Wissensgraphen überführen – im Sinn einer nachvollziehbaren Wissensbasis für KI-Anwendungen.

„Wenn Mitarbeitende einer KI blind vertrauen müssen, weil sie deren Antworten nicht überprüfen können, ist das gerade in sensiblen Bereichen ein echtes Risiko. Genau dieses Vertrauensproblem lösen wir, indem wir jede Antwort bis zu ihrem Ursprung im Dokument sichtbar machen“, erklärt Morteza Amini, Mitgründer und CEO von Deepentix.

Mehrere Sprachmodelle

Der Aufbau von Wissensgraphen erfolge Deepentix nach häufig im Rahmen aufwendiger Beratungsprojekte oder über standardisierte Lösungen, die sich nur begrenzt auf einzelne Fachbereiche zuschneiden lassen. Bei Unternehmen, die ihre sensiblen Daten selbst kontrollieren und gleichzeitig präzise Ergebnisse benötigen, stoße dieser Ansatz oft an seine Grenzen. Aus diesem Grund entwickelte das Startup kein Beratungsprojekt für einzelne Kunden, sondern ein Werkzeug, mit dem Unternehmen Wissensgraphen selbst erstellen, betreiben und an ihre Anforderungen anpassen können.

Dabei setzt die Plattform nicht auf ein einziges großes KI-Modell aus der Cloud, sondern auf mehrere kleine, spezialisierte Sprachmodelle, die gezielt auf einzelne Fachbereiche wie Pharma oder Banken trainiert werden. Dadurch sollen die Ergebnisse präziser werden, während die Modelle bei Bedarf direkt auf den eigenen Servern der Unternehmen betrieben werden können.

Dafür gab es nun eine Pre-Seed-Finanzierung in sechsstelliger Höhe, an der sich tecnet equity, der internationale Frühphaseninvestor Rockstart sowie der Business Angel Kambis Kohansal Vajargah beteiligt haben. Das frische Kapital soll vor allem in Forschung und Entwicklung sowie in den Ausbau erster Pilotprojekte in regulierten Branchen fließen.

Deepentix baut Wissensnetz

„Wir verstehen uns nicht als Berater, die für einzelne Kunden ein Wissensnetz bauen, sondern als Technologieanbieter, der Unternehmen die volle Kontrolle über ihre eigenen Daten und Modelle gibt“, so Amini weiter. „Mit tecnet equity, Rockstart und Business Angel Kambis Kohansal Vajargah haben wir Partner an Bord, die den Weg von Deep-Tech-Startups aus erster Hand kennen. Das gibt uns nicht nur Kapital, sondern auch Zugang zu Netzwerk und Erfahrung, um in dieser Phase die richtigen Schritte zu setzen.“

Peter Buchinger, Investment Associate bei tecnet equity, ergänzt: „Uns hat neben der Technologie vor allem das stark aufgestellte Gründerteam von Deepentix überzeugt. Die Kombination aus wissenschaftlichem Hintergrund und Erfahrung in internationalen Unternehmen war ausschlaggebend, in dieser frühen Phase zu investieren.“

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