26.02.2026
KAPITAL

Starker Jahresbeginn: Tal bei Investmentvolumen in Österreich vorerst überwunden

Die ersten zwei Monate des Jahres 2026 brachten gleich mehrere achtstellige Finanzierungsrunden für österreichische Startups und Scaleups und damit bereits etwa so viel Gesamtvolumen, wie im gesamten ersten Halbjahr 2025.
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Vier heimische Startups holten sich 2026 bislang achtstellige Investments (vlonru.) die Founder-Teams von Aviloo, nyra health, Flinn und Neoh | (c) Aviloo / nyra health / Flinn / Neoh
Vier heimische Startups holten sich 2026 bislang achtstellige Investments (vlonru.) die Founder-Teams von Aviloo, nyra health, Flinn und Neoh | (c) Aviloo / nyra health / Flinn / Neoh

„Absturz bei Finanzierungsvolumen: ‚Entwicklung des Startup-Standorts auf der Kippe'“ – so titelte brutkasten zur Veröffentlichung des „EY Start-up Barometer“ für Österreich für das erste Halbjahr 2025. Ein Gesamtvolumen von gerade einmal hochgerechnet 110 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten des Vorjahres bedeutete einen Rückgang um rund 65 Prozent im Vergleich zum bereits schwachen ersten Halbjahr 2024 und den niedrigsten Halbjahreswert seit 2019.

Auch die Entwicklung im Rest des Jahres blieb bescheiden. Zum Jahresende 2025 kam EY auf ein Gesamtvolumen von 253 Millionen Euro und damit einen Rückgang um 56 Prozent im Jahresvergleich. Dabei sorgte allein ein 50-Millionen-Euro-Investment für refurbed als positiver Ausreißer für mehr als ein Drittel der Summe, die im zweiten Halbjahr noch dazu kam. Die Interpretation dieser Zahlen war erwartbar negativ. Bei EY sprach man von einem „strukturellen Warnsignal“.

Nicht international erklärbar

Dominant war angesichts der Zahlen auch eine Standort-Diskussion. Denn mit globalen bzw. internationalen Entwicklungen ließ sich der Rückgang im vergangenen Jahr nicht erklären. Nicht nur weltweit gab es von 2024 auf 2025 – vor allem getrieben durch KI-Megainvestments – einen gar nicht geringen Anstieg beim Investmentvolumen. Die Schätzungen der Analyse-Unternehmen liegen hier zwischen 27 und 47 Prozent Steigerung. Auch in Europa stand zumindest ein kleines Plus zu Buche, im Nachbarland Deutschland waren es laut EY-Barometer 19 Prozent.

Befindet sich Österreich also in einer landesspezifischen Abwärtsspirale oder war das Ausbleiben (mehrerer) großer Investmentrunden doch nur eine für die Statistik fatale Momentaufnahme? Die Zahlen aus den ersten zwei Monaten des Jahres 2026 lassen auf zweiteres hoffen – und vermutlich einige Menschen in der heimischen Startup-Szene aufatmen.

Mehrere signifikante Kapitalrunden in den ersten zwei Monaten 2026

Denn auf Basis der bislang in diesem Jahr öffentlich gemachten Kapitalrunden, über die brutkasten berichtete (zum Investment-Ticker), kann gesagt werden: Das Volumen des gesamten ersten Halbjahres 2025 ist jetzt nach zwei Monaten vielleicht bereits übertroffen, zumindest aber fast erreicht. Ausschlaggebend dafür ist nicht eine einzelne große Runde, sondern gleich mehrere signifikante Investments.

Angeführt wird die Statistik aktuell vom niederösterreichischen Batteriediagnose-Startup Aviloo, das sich 30 Millionen Euro holte, gefolgt vom Wiener HealthTech nyra Health mit 20 Millionen Euro, dem Wiener MedTech Flinn mit 17 Millionen Euro (20 Mio. US-Dollar) und dem Wiener AR-Deeptech-Startup Vitrealab mit 9,4 Millionen Euro (11 Millionen US-Dollar). Eine gewisse Unbekannte ist das Investment der Familie Ferrero, die hinter dem gleichnamigen italienischen Süßwaren-Riesen steht, in das Wiener Scaleup Neoh, von dem aber bekannt ist, dass es sich um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag handelte. Hinzu kommt eine ganze Reihe „kleinerer“ Millioneninvestments und sechsstelliger Kapitalrunden.

Statistische Unsicherheit, aber klarer Aufwärtstrend

Gerade bei im Jänner verkündeten Finanzierungsrunden kann freilich nicht ausgeschlossen werden, dass sie tatsächlich bereits im Vorjahr abgeschlossen wurden. Eine Reihe von nicht konkret bezifferten Investments, allen voran jenes von Neoh, machen eine genaue Feststellung des Gesamtvolumens auf Basis der brutkasten-Berichterstattung ohnehin unmöglich. Auch etwaige nicht kommunizierte Kapitalrunden könnten das tatsächliche Volumen ändern – aber nur nach oben hin. Fest steht jedenfalls: Ein Aufwärtstrend ist klar erkennbar. Das Tal beim Investmentvolumen ist für den Moment definitiv überwunden. Ob es weiter bergauf geht, oder das nächste Tal schon bald bevorsteht, bleibt natürlich abzuwarten.

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Das Hansmann Family Office Team (v.l.) Andrei Podlesnyi, Johann "Hansi" Hansmann, Laura Phillipeck-Casanova & Lisa Pallweber © Tanja Hofer

„Meine Engel-Aktivitäten habe ich ja jahrelang gemacht, sagen wir mal, aus Spaß“, sagt Hansi Hansmann im Gespräch mit dem brutkasten. Der bekannte Investor prägte das österreichische Startup-Ecosystem über Jahre hinweg maßgeblich als One-Man-Show, wie ein Blick auf seine Karriere im brutkasten-Interview von 2024 zeigt. Mit frühen Beteiligungen an heimischen Erfolgsgeschichten wie Runtastic, mySugr, Shpock, Busuu oder Durchblicker baute er ein weitreichendes Portfolio auf.

2022 folgte die Transformation zur Hans(wo)men Group, um auch vermehrt Gründerinnen gezielt zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Portfolio mehr als 100 Direktinvestments, über 50 aktive Beteiligungen und mehr als 25 LP-Positionen in Venture-Capital-Fonds. Nun schlägt der Investor das nächste Kapitel auf: Mit dem offiziellen Launch des Hansmann Family Office werden die gewachsenen Aktivitäten unter einer gemeinsamen Marke gebündelt.

Diversifikation für verlässliche Liquidität

Bislang lag der Fokus der Organisation primär auf Venture Capital. Da Exits im Frühphasenbereich jedoch extrem zeitintensiv sind, stößt das klassische VC-Modell an Grenzen beim laufenden Cashflow. „Unser letzter Exit, Tractive, hat jetzt 13 Jahre gedauert“, erklärt Managing Partner Lisa Pallweber. Der Verkauf des Pet-Tech-Scaleups zählt zu den größten Startup-Exits der österreichischen Geschichte.

Während der langen Wartezeiten müsse jedoch das Team bezahlt werden und Kapital für neue Investments bereitstehen. Laut Hansmann könne es im Venture-Capital-Bereich durchaus passieren, dass man sieben bis neun Jahre „trocken“ ohne Realisierung verbleibe, bei zwar hohen Buchwerten, aber fehlender Liquidität.

Vier zentrale Säulen

Aus diesem Grund diversifiziert das Team bereits seit rund zwei Jahren verstärkt in andere Assetklassen. Neben Direct Venture Capital, das weiterhin das Herzstück, mit Investments europaweit ab der Pre-Seed-Phase bleibt, fließt Kapital nun auch in profitable Private-Equity-Beteiligungen, insbesondere bei Nachfolgesituationen im DACH-Raum. Hinzu kommen Immobilienprojekte in Spanien, darunter das Hotel Vacança Beach in Dénia, um unter anderem eine flexible Liquiditätsplanung zu gewährleisten. Ergänzend hält das Family Office auch Public-Market-Investments wie ETFs.

Siebenstellige Beträge für Philanthropie

Ein wesentlicher Pfeiler des neu formierten Family Office ist darüber hinaus die strategische Verankerung der Entrepreneurial Philanthropy, die direkt in die Gesamtstrategie integriert wird. „Wir werden jedes Jahr siebenstellig in Philanthropie Geld geben“, kündigt Hansmann an.

Über die Romulus Stiftung committet sich das Team zu mehrjährigen Partnerschaften mit Organisationen wie der Stiftung Unternehmerische Zukunft, wo Hansmann als Beirat fungiert, Kontext – Institut für Klimafragen, Changemaker GenC, Conxious oder den Female Founders. Ziel ist es, diesen Initiativen die zeitaufwändige, jährliche Kapitalsuche zu ersparen, damit diese sich auf ihre Kernarbeit konzentrieren können.

People-First-Ansatz mit messbaren KPIs

Das philanthropische Engagement wird dabei explizit nach Kriterien geführt, die an klassische Startup-Investments angelehnt sind. Im Mittelpunkt steht ein „People-First“-Ansatz, der auf starke Gründerpersönlichkeiten und deren Umsetzungskompetenz setzt. Der erzielte gesellschaftliche Impact wird zudem konsequent über klare Meilensteine gemessen.

„Unsere Themenfelder sind klar definiert: Unternehmertum, Nachhaltigkeit und Gender Equality. […] Der Unterschied ist nur: Statt Financial Return steht hier der Social Return im Mittelpunkt“, fasst Lisa Pallweber die Ausrichtung zusammen. Mit dem offiziellen Launch vollzieht die Organisation damit den Wandel von einer vorrangigen Angel-Struktur hin zu einem breit aufgestellten, unternehmerischen Family Office.

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