✨ AI Kontextualisierung
Das österreichische Startup-Ökosystem hat 2025 einen weiteren Rückschlag erlitten. Laut dem aktuellen EY Startup-Barometer sank das Investitionsvolumen im Jahresvergleich um rund 56 Prozent auf 253 Millionen Euro. Damit setzte sich der Abwärtstrend bereits im vierten Jahr in Folge fort, nachdem das Finanzierungsniveau seit dem Rekordjahr 2021 kontinuierlich gesunken war.
Während das Gesamtvolumen deutlich zurückging, blieb die Anzahl der Finanzierungsrunden vergleichsweise stabil. 148 Deals wurden 2025 gezählt, nur geringfügig weniger als im Vorjahr. Die Entwicklung deute darauf hin, dass zwar weiterhin investiert werde, allerdings in deutlich kleinerem Umfang, heißt es in der EY-Analyse.
Kaum Wachstumskapital, keine Mega-Deals
Besonders deutlich zeige sich die Schwäche im Bereich größerer Finanzierungsrunden. Lediglich vier Abschlüsse überschritten 2025 die Schwelle von zehn Millionen Euro, Finanzierungen über 50 Millionen Euro blieben vollständig aus. Mega-Runden jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke, wie sie in den Jahren 2021 und 2022 noch vereinzelt zu beobachten waren, gab es erneut keine.
Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Runde fiel dadurch auf 2,3 Millionen Euro und erreichte den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. EY wertet diese Entwicklung als strukturelles Problem, da insbesondere wachstumsorientierte Startups und Scaleups zunehmend Schwierigkeiten hätten, größere Anschlussfinanzierungen zu realisieren.
Wien dominiert weiterhin – Volumen aber stark rückläufig
Regional bleibt Wien das Zentrum der heimischen Startup-Finanzierungen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) aller Deals entfiel 2025 auf Unternehmen mit Sitz in der Bundeshauptstadt. Beim Investitionsvolumen vereinigten Wiener Startups rund 71 Prozent des gesamten Risikokapitals auf sich.
Dennoch brach das Finanzierungsvolumen in Wien gegenüber dem Vorjahr massiv ein. Statt 378 Millionen Euro flossen nur noch 179 Millionen Euro in Wiener Jungunternehmen. Dahinter folgten die Steiermark, Oberösterreich und Tirol mit deutlich geringeren Volumina.
KI als zentraler Investitionstreiber
Trotz des schwachen Gesamtmarktes bleibt Künstliche Intelligenz der wichtigste Investitionsschwerpunkt. Rund 96 Millionen Euro flossen 2025 laut EY in Startups, die KI als integralen Bestandteil ihres Geschäftsmodells einsetzen. Damit entfielen 38 Prozent des gesamten investierten Kapitals auf diesen Bereich – ein neuer Höchstwert.
Auch bei der Anzahl der Finanzierungsrunden gewann KI weiter an Bedeutung. Mehr als jede dritte Runde betraf ein KI-Startup, im zweiten Halbjahr sogar fast jede zweite. EY sieht darin eine klare Fokussierung der Investor:innen auf skalierbare, technologiegetriebene Geschäftsmodelle, weist jedoch darauf hin, dass dieser Trend den allgemeinen Rückgang nicht kompensieren könne.
Nachhaltigkeit: steigender Anteil bei sinkenden Summen
Ähnlich ambivalent fällt das Bild beim Thema Nachhaltigkeit aus. Zwar erreichten Finanzierungen mit Sustainability-Bezug 2025 einen relativen Rekordanteil von 29 Prozent am gesamten Investitionsvolumen, absolut sank die investierte Summe jedoch auf 73 Millionen Euro und damit auf etwa die Hälfte des Vorjahreswerts.
Der steigende Anteil sei vor allem vor dem Hintergrund des insgesamt geschrumpften Marktes zu interpretieren. Investitionen in nachhaltige Geschäftsmodelle erfolgten selektiver und stärker unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, so die Einschätzung von EY.
Wenige Leuchttürme an der Spitze
Die größte Finanzierungsrunde des Jahres ging mit 50 Millionen Euro an das Wiener Scaleup refurbed. Dahinter folgten enspired und Emmi AI mit jeweils rund 15 Millionen Euro. Auffällig sei, dass es sich bei den größten Abschlüssen überwiegend um Erweiterungen bestehender Runden gehandelt habe, was auf eine erhöhte Zurückhaltung bei neuen großvolumigen Investments hindeute.
Österreich gegen den europäischen Trend
Im europäischen Vergleich entwickle sich Österreich gegen den Trend. Während das Investitionsvolumen in Europa insgesamt wieder leicht zugelegt habe, verzeichne Österreich einen der stärksten Rückgänge. EY sieht die Ursachen weniger im Marktumfeld als in den Rahmenbedingungen für Risikokapital, institutionelle Investoren und Wachstumsfinanzierungen.
„Die Zahlen zeigen unmissverständlich, dass sich das österreichische Startup-Ökosystem
weiter abschwächt. Nach bereits drei Jahren rückläufiger Finanzierungsaktivität ist 2025 ein
neuer Tiefpunkt erreicht. Das ist kein kurzfristiger Zyklus, sondern ein strukturelles Warnsignal.
Ohne rasche und koordinierte Maßnahmen droht Österreich im internationalen Wettbewerb
weiter zurückzufallen“, sagt Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.
Aus Sicht der Barometer-Autor:innen seien insbesondere niedrigere Lohnnebenkosten, bessere Anreize für privates Kapital und die rasche Umsetzung des angekündigten Rot-Weiß-Rot-Dachfonds entscheidend, um den Standort langfristig zu stabilisieren. Andernfalls drohe eine nachhaltige Schwächung des österreichischen Startup-Ökosystems.





