08.09.2022

Star Trek Day: Was man als Leader von Kirk und Co. lernen kann

Anlässlich des internationalen Star Trek Day am heutigen achten September hat sich Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, angesehen, was Captain Kirk und Co. als Führungskräfte auszeichnet und was heutige Leader von der Crew lernen können - auch von den Borg, wie sie dem brutkasten erklärt.
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Star Trek Day, work-life-balance, Kirk, Spock, Pille, Scotty, Arbeitswelt, Raumschiff Enterprise, Uhura, Home-Office, Remote Work
(c) zVg. - Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, streicht die Leadership-Eigenschaften der Enterprise-Crew heraus.

56 Jahre nach dem Start der ersten Staffel von Raumschiff Enterprise und bis zum heutigen Star Trek Day hat die diverse Crew der US-Kult-Serie nichts von ihrer Faszination verloren. Erfinder Gene Roddenberry konnte wohl damals tatsächlich schwerlich erahnen, welche Folgen seine Schöpfung auf kommende Generationen haben würde. Und wie weit er seiner Zeit voraus war.

Nicht nur fand man auf der Brücke der Enterprise einen Amerikaner, einen Asiate, einen Russe, einen Schotte und einen Vulkanier – Nachrichtenoffizierin Uhura war die erste Afroamerikanerin in einer Führungsposition. Der Kuss zwischen ihr und Captain Kirk sollte zum Kult werden, war er doch der erste seiner Art zwischen einer weißen und dunkelhäutigen Person, der jemals im Fernsehen zu sehen war.

Vom Kalten Krieg bis zum Star Trek Day 2022

Man darf dabei nicht vergessen, dass sich die Welt damals nicht nur mitten im Kalten Krieg befand, sondern auch die so bezeichnete „Rassentrennung“ Alltag war. Unternehmen pflegten noch einen paternalistisch-hierarchischen Führungsstil.

Als Gegensatz dazu verkörperte Captain Kirk bereits damals ein Leadership, von dem sich heutige Führungskräfte etwas abschauen können. Dies und oben genanntes empfindet zumindest Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, die sich passend zum Star Trek Day genauer angesehen hat, welche besonderen Eigenschaften Kirk, Spock und Co. auszeichnen.

James Tiberius Kirk: Ein Role-Model für Führungskräfte

„Raumschiff Enterprise ist etwas, das bei vielen Menschen wunderbare Kindheits- oder Jugenderinnerungen wach werden lässt – so auch bei mir. Aber abgesehen davon ist es schon eindrucksvoll, wie fortschrittlich, innovativ und seiner Zeit voraus Gene Roddenbery war, als er ‚Star Trek‘ geschaffen hat“, erklärt sie. „Das ist es, was ich aus heutiger Sicht so faszinierend finde. Bei Raumschiff Enterprise ging es um Diversität, die Erforschung neuer Welten, den Glauben daran, dass man als einzelner etwas verändern kann. Das sind alles Themen, die aktueller gar nicht sein könnten. So ist diese Idee entstanden.“

Captain James Tiberius Kirk konkret verkörpert ihrer Meinung nach schlicht die geborene Führungskraft, die mit gutem Beispiel vorangeht.

„Kirk versteht es exzellent, sein Team zu motivieren, die gemeinsamen Ziele zu verfolgen und bei Bedarf in eine andere Richtung zu lenken. In heiklen Momenten ist er stets 100-prozentig fokussiert und scheut nicht davor zurück, auch mitunter schwierige und unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Dabei vergisst er allerdings nie, dass er bei allem Risiko die Verantwortung für seine 400 Mann und Frau starke Besatzung und das Schiff hat“, präzisiert Stöttinger.

Als Kapitän der Enterprise könne er außerdem fast alles selbst, vertraue aber stets auf die Expertise seines Führungsteams: So fließen die Meinungen und Empfehlungen von Spock, Pille, Scotty, Sulu, Chekov und Uhura in der Regel in seine Entscheidungen mit ein.

Was heutige Führungskräfte von Kirk lernen können

Stöttingers Ansicht nach gibt es tatsächlich einiges, was sich gerade Startup-Gründer und Unternehmen, aber auch CEOs von Heute vom Sternenflotten-Kapitän abschauen können.

„Kirk setzt in seinem Team auf Diversität, nicht nur, was die kulturelle Herkunft anbelangt, sondern, auch wenn es um die Persönlichkeit, das Knowhow und die Arbeitsweisen geht“, sagt sie. „Spock, Pille und Co. sind völlig unterschiedlich. So ist es möglich, dass jeder seine Stärken ausspielen kann und unterschiedliche Sichtweisen eingebracht werden, die es Kirk erleichtern, die richtigen Entscheidungen für sich und sein Team zu treffen.“

Auch die Tatsache, dass er – wenn er auf Schwierigkeiten oder unerwartete Situationen trifft – stets lösungsorientiert ist, nie aufgibt und in der Regel die Chancen als auch die Gefahren im Blick hat, zeichne den Captain ganz besonders aus. Gerade in turbulenten Zeiten sei ein „pioneering spirit“ eine enorm wichtige Charaktereigenschaft von Führungskräften.

„Erfolg ist ein Team-Effort“

„Heute ist Erfolg einzig und allein ein Team-Effort. Sich dabei auf die Expertise seiner Leute zu verlassen, ihnen dabei zu vertrauen und sie zu befähigen, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen, bedeutet, modernes Leadership zu leben“, so die Dekanin weiter. „Wenn Kirk mit seinem Team Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs war, dann ging es darum, Neues zu entdecken und fremden Zivilisationen als Freunde gegenüberzutreten, und nicht als Feinde. Die Frage war stets, wie können wir gemeinsame Sache machen, von der alle profitieren, nicht nur einige wenige.“

Kirk, wenn man so will, war in Stöttingers Augen sehr früh ein Verfechter des ‚responsible leaderships‘. Oder anders gesagt: Er agierte wie eine Führungskraft, die sich der Auswirkungen ihrer Entscheidungen bewusst ist und nicht nur sich selbst, das eigene Unternehmen und den eigenen Profit im Auge hat, sondern auch die anderen Stakeholder in einer Gesellschaft, Kunden, Zulieferer oder die Umwelt mit einbezieht.

Neben all den Leadership-Eigenschaften, die James Kirk in sich vereint, sei es sein besonderer Fokus, der ihn hervorhebe. Heutzutage würden sich Viele in Gefangenschaft des Micro-Managements befinden und das übersehen, was eigentlich wichtig ist. Nämlich mutig, die richtigen Dinge zu tun und damit effektiv zu sein. Bei all der Komplexität des Geschäfts dürften, Stöttinger nach, Führungskräfte niemals ihr Team vergessen. Kirk wisse ganz genau, dass Wertschätzung, Anerkennung und das Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen die Basis für Erfolg sind.

„Faszinierend“

Diese Basis besteht, schlicht gesagt, einfach aus anderen Mitgliedern, sowohl im Unternehmen, als auch auf der Enterprise. Commander Spocks charakteristischer Ausspruch „Faszinierend!“ unterstreiche etwa seine wissenschaftliche und zugleich neutrale Sicht der Dinge, die dazu beitrage, knifflige und komplexe Situationen eher als Herausforderungen, denn als Gefahren zu interpretieren.

Zudem seien Spocks weit überdurchschnittliche Fähigkeiten im Umgang mit Computern und modernen Technologien oftmals ein Retter in der Not.

Spock als Datenanalyst

„Sein Führungsstil ist sehr sachlich und praxisorientiert. Er erklärt seinem Team nicht, was Sache ist, sondern geht mit gutem Beispiel voran. Obwohl Spock Situationen stets datenbasiert analysiert, verkörpert er als Halb-Vulkanier – seine Mutter stammt von der Erde – eine wunderbare Mischung aus Rationalität, Logik, aber auch menschlicher Intuition“, arbeitet Stöttinger seine Merkmale heraus.

Dies zeige sich vor allem in manchen (Extrem-) Situationen, in denen die menschliche Seite des sonstigen Logikers herausbricht, er emotional reagiert und so Herausforderungen meistert, bei denen er mit seiner vulkanischen, reservierten Art auf Grenzen stoßen würde.

„Umgelegt auf den Führungsalltag bedeutet das: Es ist gut, wie Spock einen kühlen Kopf zu bewahren und seine Entscheidungen daten- und faktenbasiert zu treffen. Dennoch empfiehlt es sich, bisweilen das sprichwörtliche Bauchgefühl in die Überlegungen mit einzubeziehen. Denn, das eine schließt das andere keinesfalls aus, sondern führt vielmehr dazu, dass man für eine Entscheidung auf vielfältige Ressourcen zurückgreifen kann als ’nur‘ auf Zahlen, Daten und Fakten“, sagt Stöttinger.

Pille als Mentor

Für die Wissenschaftlerin ist auch Dr. Leonard „Pille“ McCoy ein wichtiger Charakter, der in heutigen Unternehmen nicht fehlen dürfe. Er scheue sich nicht, seinem Captain die Meinung zu sagen, wenn er glaubt, dass Kirk falsch liegt. Ihn könne man auch getrost als Coach oder Mentor in der Organisation bezeichnen.

Was den „Doc“ besonders auszeichnet, seien seine Empathie und seine Fähigkeit sich in Menschen hineinzufühlen. Zu wissen, in welchen Situationen es klare Vorgaben und in welchen es ein einfühlsames Einzelgespräch braucht, gilt besonders heute als Schlüsselkompetenz. Empathische Führungskräfte genießen ein höheres Vertrauen bei ihrem Team, ihre Mitarbeiter reagieren offener, sind motivierter und weniger oft von Burnout betroffen.

„Führungskräfte, die dies als Kompetenz erkennen, aktiv fördern und selbst leben, wirken authentischer und werden im Job erfolgreicher sein, weil sie immer ein Team haben, das hinter ihnen steht“, meint Stöttinger dazu.

Scotty als Fädenzieher

Zu guter Letzt und am Star Trek Day den Kreis schließend benennt sie auch die Rolle des Lt. Commander Montgomery Scott als eine enorm wichtige – die ebenfalls in heutigen Unternehmen nicht fehlen dürfe.

Konkret gesagt: Führungskräfte mit ausgeprägtem Fachwissen zeichnen sich als ein integraler Bestandteil jedes Teams, sie bilden das Rückgrat der Organisation. Scotty steht dabei als Paradebeispiel für jemanden, der nicht gerne im Rampenlicht steht, aber im Hintergrund gekonnt die Fäden zieht.

Nicht nur sei er selbst in der Lage, in stressigen Situationen und unter extremen Druck Höchstleitungen zu erbringen, er lege mit seiner professionellen Arbeit auch die Basis dafür, dass Kirk, Spock und Co. ihre Arbeit reibungslos erledigen können und zu den eigentlichen Helden (der Geschichte) werden.

Charakter mit Lösungsimpulsen

„Versagt unerwartet und aus unklarem Grund der Antrieb, tastet sich Scotty mit seinem Team an die Problemlösung heran, dabei reagiert er schnell und verzahnt sein Handeln und gut überlegte Entscheidungen. Er setzt auf seine Intuition, die ihn mit neuen Lösungsimpulsen versorgt. Jeder Lösungsversuch wird zu einer neuen Lernerfahrung, die seinen erfahrungsbasierten Wissensschatz vergrößert“, gibt Stöttinger ein Beispiel seiner Arbeit. „Er macht das solange, bis sich Erfolg einstellt.“

Aus Sicht der sozialen Rollen betrachtet sei Scotty eigentlich der Helfer, der die Dinge anpackt, sich für nichts zu schade und immer dann zur Stelle ist, wenn Not herrscht. Führungskräfte sollten, der Dekanin nach, um diese Fähigkeiten Bescheid wissen und sie auch im eigenen Team entsprechend personell besetzen.

„Scottys sind wertvolle Schlüsselfiguren, die auch keine Angst haben zu scheitern, sondern mutig Neues ausprobieren, schnell lernen und sehr anpassungsfähig sind“, sagt sie. „Sie sind die Troubleshooter, die, wenn es notwendig wird – komplexe Zusammenhänge verständlich auflösen und Probleme aller Art lösen können. Dabei wissen diese Personen sehr gut um die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten Bescheid, sollten aber regelmäßig herausgefordert werden, um ihren klaren Verstand und ihre Lösungskompetenz zu fördern.“

Das Fehlen der Frauen

Einen – aus heutiger Sicht elementaren – Aspekt hätte Gene Roddenberry bei all der Fortschrittlichkeit und visionären Denkweise Mitte der 1960er Jahre noch mit bedenken
können, betont Stöttinger.

Sie sagt: „Im oberen Top-Management des schweren Kreuzers der ‚Constitution‘-Klasse, der USS Enterprise NCC-1701, sind keine weiblichen Führungskräfte zu finden. Ein Problem, das viele Unternehmen heutzutage auch haben.“

Die Arbeitswelt und ihr Diskurs

Mit diesem Hinweis und der Dekonstruktion der Eigenschaften von Kirk und Co. haben Stöttinger und ihr Team zu Ehren des „Star Trek Day“ ein Leadership-Verständnis mit Bezug zu damals herausgearbeitet, das heutige Entwicklungen widerspiegelt.

Aufmerksame Personen haben in den letzten Monaten und seit Pandemie-Beginn einen bemerkenswerten und richtungsweisenden Diskurs erlebt, zwischen Vertretern der alten Schule des Broterwerbs und neuen Anforderungen der heutigen Arbeit, die nicht nur punktuell gelebt, sondern großflächig auch gefordert werden.

Von „Quiet Quitting“ bis zu Work-Life Balance

Begriffe wie „Work-Life-Balance“, „Home-Office“, „Vier-Tage-Woche“, „Quiet Quitting“ oder Arbeitskräftemangel werden nicht nur hierzulande stark diskutiert, sondern sie befinden sich gefühlt in einem Tauziehen – mit Anhängern klassischer Arbeit (Hierarchie, Anti-Teilzeit, Arbeit vor Ort) auf der einen und Verfechtern einer neuen Arbeitsweise auf der anderen – beide zerrend. Dazwischen Unternehmen, die Probleme haben Mitarbeiter zu finden und Arbeiter, die die Veränderung der Wirtschaft durch höhere Ansprüche (auch privater Natur) vorantreiben. Oder wie Viele sagen: Eine Trendumkehr im Verhältnis: Anstellender – Anzustellender.

Auf einer Metaebene ließe sich diese Diskussion, wenn nicht philosophisch, dann zumindest als ideologisch einordnen, da hier ein lange herrschendes System gegen das neue antritt. Während manche Personen die neuartigen Charakteristika der Arbeit als leistungsfeindlich ansehen, andere wiederum kein Verständnis für „Remote Work“ zeigen oder eine Richtungsänderung aktueller Entwicklungen erwarten, so gibt es auch Gegenbeispiele.

Work-Life-Integration: Widerstand ist zwecklos

Laut Stöttinger hätte die Star Trek Crew eine klare Meinung zu den Entwicklungen der modernen Arbeitswelt. Kirk und Co. würden Gegnern dazu raten, es positiv zu sehen.

„Oder wie es die Borg in Star Trek formulieren: Widerstand ist zwecklos! Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Legen sie ihren Fokus darauf, welche Möglichkeiten sich durch die neuen Arbeitswelten und Hybrid-Work ergeben, wie viel mehr Flexibilität sie und ihre Mitarbeiter dadurch gewinnen, wenn Menschen selbst entscheiden können, wann und von wo aus sie arbeiten möchten“, sagt sie an Führungskräfte gewandt.

Und ergänzt abschließend: „Ihre Mitarbeiter werden motivierter, loyaler und letztendlich produktiver sein – Work-Life-Integration heißt das Zauberwort. Es geht nicht mehr darum, zwei scheinbar gegensätzliche Welten in Balance zu halten. Stattdessen wächst das Verständnis, dass Leben und Arbeit zusammengehören, ineinander übergehen und sich verbinden. Außerdem machen sie sich dadurch als Arbeitgeber viel interessanter und das ist ein echter Mehrwert in einer Welt, in der nicht mehr die Bewerber um die besten Jobs rittern, sondern sich Unternehmen um die größten Talente bemühen müssen.“

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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