08.09.2022

Star Trek Day: Was man als Leader von Kirk und Co. lernen kann

Anlässlich des internationalen Star Trek Day am heutigen achten September hat sich Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, angesehen, was Captain Kirk und Co. als Führungskräfte auszeichnet und was heutige Leader von der Crew lernen können - auch von den Borg, wie sie dem brutkasten erklärt.
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(c) zVg. - Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, streicht die Leadership-Eigenschaften der Enterprise-Crew heraus.

56 Jahre nach dem Start der ersten Staffel von Raumschiff Enterprise und bis zum heutigen Star Trek Day hat die diverse Crew der US-Kult-Serie nichts von ihrer Faszination verloren. Erfinder Gene Roddenberry konnte wohl damals tatsächlich schwerlich erahnen, welche Folgen seine Schöpfung auf kommende Generationen haben würde. Und wie weit er seiner Zeit voraus war.

Nicht nur fand man auf der Brücke der Enterprise einen Amerikaner, einen Asiate, einen Russe, einen Schotte und einen Vulkanier – Nachrichtenoffizierin Uhura war die erste Afroamerikanerin in einer Führungsposition. Der Kuss zwischen ihr und Captain Kirk sollte zum Kult werden, war er doch der erste seiner Art zwischen einer weißen und dunkelhäutigen Person, der jemals im Fernsehen zu sehen war.

Vom Kalten Krieg bis zum Star Trek Day 2022

Man darf dabei nicht vergessen, dass sich die Welt damals nicht nur mitten im Kalten Krieg befand, sondern auch die so bezeichnete „Rassentrennung“ Alltag war. Unternehmen pflegten noch einen paternalistisch-hierarchischen Führungsstil.

Als Gegensatz dazu verkörperte Captain Kirk bereits damals ein Leadership, von dem sich heutige Führungskräfte etwas abschauen können. Dies und oben genanntes empfindet zumindest Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, die sich passend zum Star Trek Day genauer angesehen hat, welche besonderen Eigenschaften Kirk, Spock und Co. auszeichnen.

James Tiberius Kirk: Ein Role-Model für Führungskräfte

„Raumschiff Enterprise ist etwas, das bei vielen Menschen wunderbare Kindheits- oder Jugenderinnerungen wach werden lässt – so auch bei mir. Aber abgesehen davon ist es schon eindrucksvoll, wie fortschrittlich, innovativ und seiner Zeit voraus Gene Roddenbery war, als er ‚Star Trek‘ geschaffen hat“, erklärt sie. „Das ist es, was ich aus heutiger Sicht so faszinierend finde. Bei Raumschiff Enterprise ging es um Diversität, die Erforschung neuer Welten, den Glauben daran, dass man als einzelner etwas verändern kann. Das sind alles Themen, die aktueller gar nicht sein könnten. So ist diese Idee entstanden.“

Captain James Tiberius Kirk konkret verkörpert ihrer Meinung nach schlicht die geborene Führungskraft, die mit gutem Beispiel vorangeht.

„Kirk versteht es exzellent, sein Team zu motivieren, die gemeinsamen Ziele zu verfolgen und bei Bedarf in eine andere Richtung zu lenken. In heiklen Momenten ist er stets 100-prozentig fokussiert und scheut nicht davor zurück, auch mitunter schwierige und unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Dabei vergisst er allerdings nie, dass er bei allem Risiko die Verantwortung für seine 400 Mann und Frau starke Besatzung und das Schiff hat“, präzisiert Stöttinger.

Als Kapitän der Enterprise könne er außerdem fast alles selbst, vertraue aber stets auf die Expertise seines Führungsteams: So fließen die Meinungen und Empfehlungen von Spock, Pille, Scotty, Sulu, Chekov und Uhura in der Regel in seine Entscheidungen mit ein.

Was heutige Führungskräfte von Kirk lernen können

Stöttingers Ansicht nach gibt es tatsächlich einiges, was sich gerade Startup-Gründer und Unternehmen, aber auch CEOs von Heute vom Sternenflotten-Kapitän abschauen können.

„Kirk setzt in seinem Team auf Diversität, nicht nur, was die kulturelle Herkunft anbelangt, sondern, auch wenn es um die Persönlichkeit, das Knowhow und die Arbeitsweisen geht“, sagt sie. „Spock, Pille und Co. sind völlig unterschiedlich. So ist es möglich, dass jeder seine Stärken ausspielen kann und unterschiedliche Sichtweisen eingebracht werden, die es Kirk erleichtern, die richtigen Entscheidungen für sich und sein Team zu treffen.“

Auch die Tatsache, dass er – wenn er auf Schwierigkeiten oder unerwartete Situationen trifft – stets lösungsorientiert ist, nie aufgibt und in der Regel die Chancen als auch die Gefahren im Blick hat, zeichne den Captain ganz besonders aus. Gerade in turbulenten Zeiten sei ein „pioneering spirit“ eine enorm wichtige Charaktereigenschaft von Führungskräften.

„Erfolg ist ein Team-Effort“

„Heute ist Erfolg einzig und allein ein Team-Effort. Sich dabei auf die Expertise seiner Leute zu verlassen, ihnen dabei zu vertrauen und sie zu befähigen, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen, bedeutet, modernes Leadership zu leben“, so die Dekanin weiter. „Wenn Kirk mit seinem Team Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs war, dann ging es darum, Neues zu entdecken und fremden Zivilisationen als Freunde gegenüberzutreten, und nicht als Feinde. Die Frage war stets, wie können wir gemeinsame Sache machen, von der alle profitieren, nicht nur einige wenige.“

Kirk, wenn man so will, war in Stöttingers Augen sehr früh ein Verfechter des ‚responsible leaderships‘. Oder anders gesagt: Er agierte wie eine Führungskraft, die sich der Auswirkungen ihrer Entscheidungen bewusst ist und nicht nur sich selbst, das eigene Unternehmen und den eigenen Profit im Auge hat, sondern auch die anderen Stakeholder in einer Gesellschaft, Kunden, Zulieferer oder die Umwelt mit einbezieht.

Neben all den Leadership-Eigenschaften, die James Kirk in sich vereint, sei es sein besonderer Fokus, der ihn hervorhebe. Heutzutage würden sich Viele in Gefangenschaft des Micro-Managements befinden und das übersehen, was eigentlich wichtig ist. Nämlich mutig, die richtigen Dinge zu tun und damit effektiv zu sein. Bei all der Komplexität des Geschäfts dürften, Stöttinger nach, Führungskräfte niemals ihr Team vergessen. Kirk wisse ganz genau, dass Wertschätzung, Anerkennung und das Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen die Basis für Erfolg sind.

„Faszinierend“

Diese Basis besteht, schlicht gesagt, einfach aus anderen Mitgliedern, sowohl im Unternehmen, als auch auf der Enterprise. Commander Spocks charakteristischer Ausspruch „Faszinierend!“ unterstreiche etwa seine wissenschaftliche und zugleich neutrale Sicht der Dinge, die dazu beitrage, knifflige und komplexe Situationen eher als Herausforderungen, denn als Gefahren zu interpretieren.

Zudem seien Spocks weit überdurchschnittliche Fähigkeiten im Umgang mit Computern und modernen Technologien oftmals ein Retter in der Not.

Spock als Datenanalyst

„Sein Führungsstil ist sehr sachlich und praxisorientiert. Er erklärt seinem Team nicht, was Sache ist, sondern geht mit gutem Beispiel voran. Obwohl Spock Situationen stets datenbasiert analysiert, verkörpert er als Halb-Vulkanier – seine Mutter stammt von der Erde – eine wunderbare Mischung aus Rationalität, Logik, aber auch menschlicher Intuition“, arbeitet Stöttinger seine Merkmale heraus.

Dies zeige sich vor allem in manchen (Extrem-) Situationen, in denen die menschliche Seite des sonstigen Logikers herausbricht, er emotional reagiert und so Herausforderungen meistert, bei denen er mit seiner vulkanischen, reservierten Art auf Grenzen stoßen würde.

„Umgelegt auf den Führungsalltag bedeutet das: Es ist gut, wie Spock einen kühlen Kopf zu bewahren und seine Entscheidungen daten- und faktenbasiert zu treffen. Dennoch empfiehlt es sich, bisweilen das sprichwörtliche Bauchgefühl in die Überlegungen mit einzubeziehen. Denn, das eine schließt das andere keinesfalls aus, sondern führt vielmehr dazu, dass man für eine Entscheidung auf vielfältige Ressourcen zurückgreifen kann als ’nur‘ auf Zahlen, Daten und Fakten“, sagt Stöttinger.

Pille als Mentor

Für die Wissenschaftlerin ist auch Dr. Leonard „Pille“ McCoy ein wichtiger Charakter, der in heutigen Unternehmen nicht fehlen dürfe. Er scheue sich nicht, seinem Captain die Meinung zu sagen, wenn er glaubt, dass Kirk falsch liegt. Ihn könne man auch getrost als Coach oder Mentor in der Organisation bezeichnen.

Was den „Doc“ besonders auszeichnet, seien seine Empathie und seine Fähigkeit sich in Menschen hineinzufühlen. Zu wissen, in welchen Situationen es klare Vorgaben und in welchen es ein einfühlsames Einzelgespräch braucht, gilt besonders heute als Schlüsselkompetenz. Empathische Führungskräfte genießen ein höheres Vertrauen bei ihrem Team, ihre Mitarbeiter reagieren offener, sind motivierter und weniger oft von Burnout betroffen.

„Führungskräfte, die dies als Kompetenz erkennen, aktiv fördern und selbst leben, wirken authentischer und werden im Job erfolgreicher sein, weil sie immer ein Team haben, das hinter ihnen steht“, meint Stöttinger dazu.

Scotty als Fädenzieher

Zu guter Letzt und am Star Trek Day den Kreis schließend benennt sie auch die Rolle des Lt. Commander Montgomery Scott als eine enorm wichtige – die ebenfalls in heutigen Unternehmen nicht fehlen dürfe.

Konkret gesagt: Führungskräfte mit ausgeprägtem Fachwissen zeichnen sich als ein integraler Bestandteil jedes Teams, sie bilden das Rückgrat der Organisation. Scotty steht dabei als Paradebeispiel für jemanden, der nicht gerne im Rampenlicht steht, aber im Hintergrund gekonnt die Fäden zieht.

Nicht nur sei er selbst in der Lage, in stressigen Situationen und unter extremen Druck Höchstleitungen zu erbringen, er lege mit seiner professionellen Arbeit auch die Basis dafür, dass Kirk, Spock und Co. ihre Arbeit reibungslos erledigen können und zu den eigentlichen Helden (der Geschichte) werden.

Charakter mit Lösungsimpulsen

„Versagt unerwartet und aus unklarem Grund der Antrieb, tastet sich Scotty mit seinem Team an die Problemlösung heran, dabei reagiert er schnell und verzahnt sein Handeln und gut überlegte Entscheidungen. Er setzt auf seine Intuition, die ihn mit neuen Lösungsimpulsen versorgt. Jeder Lösungsversuch wird zu einer neuen Lernerfahrung, die seinen erfahrungsbasierten Wissensschatz vergrößert“, gibt Stöttinger ein Beispiel seiner Arbeit. „Er macht das solange, bis sich Erfolg einstellt.“

Aus Sicht der sozialen Rollen betrachtet sei Scotty eigentlich der Helfer, der die Dinge anpackt, sich für nichts zu schade und immer dann zur Stelle ist, wenn Not herrscht. Führungskräfte sollten, der Dekanin nach, um diese Fähigkeiten Bescheid wissen und sie auch im eigenen Team entsprechend personell besetzen.

„Scottys sind wertvolle Schlüsselfiguren, die auch keine Angst haben zu scheitern, sondern mutig Neues ausprobieren, schnell lernen und sehr anpassungsfähig sind“, sagt sie. „Sie sind die Troubleshooter, die, wenn es notwendig wird – komplexe Zusammenhänge verständlich auflösen und Probleme aller Art lösen können. Dabei wissen diese Personen sehr gut um die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten Bescheid, sollten aber regelmäßig herausgefordert werden, um ihren klaren Verstand und ihre Lösungskompetenz zu fördern.“

Das Fehlen der Frauen

Einen – aus heutiger Sicht elementaren – Aspekt hätte Gene Roddenberry bei all der Fortschrittlichkeit und visionären Denkweise Mitte der 1960er Jahre noch mit bedenken
können, betont Stöttinger.

Sie sagt: „Im oberen Top-Management des schweren Kreuzers der ‚Constitution‘-Klasse, der USS Enterprise NCC-1701, sind keine weiblichen Führungskräfte zu finden. Ein Problem, das viele Unternehmen heutzutage auch haben.“

Die Arbeitswelt und ihr Diskurs

Mit diesem Hinweis und der Dekonstruktion der Eigenschaften von Kirk und Co. haben Stöttinger und ihr Team zu Ehren des „Star Trek Day“ ein Leadership-Verständnis mit Bezug zu damals herausgearbeitet, das heutige Entwicklungen widerspiegelt.

Aufmerksame Personen haben in den letzten Monaten und seit Pandemie-Beginn einen bemerkenswerten und richtungsweisenden Diskurs erlebt, zwischen Vertretern der alten Schule des Broterwerbs und neuen Anforderungen der heutigen Arbeit, die nicht nur punktuell gelebt, sondern großflächig auch gefordert werden.

Von „Quiet Quitting“ bis zu Work-Life Balance

Begriffe wie „Work-Life-Balance“, „Home-Office“, „Vier-Tage-Woche“, „Quiet Quitting“ oder Arbeitskräftemangel werden nicht nur hierzulande stark diskutiert, sondern sie befinden sich gefühlt in einem Tauziehen – mit Anhängern klassischer Arbeit (Hierarchie, Anti-Teilzeit, Arbeit vor Ort) auf der einen und Verfechtern einer neuen Arbeitsweise auf der anderen – beide zerrend. Dazwischen Unternehmen, die Probleme haben Mitarbeiter zu finden und Arbeiter, die die Veränderung der Wirtschaft durch höhere Ansprüche (auch privater Natur) vorantreiben. Oder wie Viele sagen: Eine Trendumkehr im Verhältnis: Anstellender – Anzustellender.

Auf einer Metaebene ließe sich diese Diskussion, wenn nicht philosophisch, dann zumindest als ideologisch einordnen, da hier ein lange herrschendes System gegen das neue antritt. Während manche Personen die neuartigen Charakteristika der Arbeit als leistungsfeindlich ansehen, andere wiederum kein Verständnis für „Remote Work“ zeigen oder eine Richtungsänderung aktueller Entwicklungen erwarten, so gibt es auch Gegenbeispiele.

Work-Life-Integration: Widerstand ist zwecklos

Laut Stöttinger hätte die Star Trek Crew eine klare Meinung zu den Entwicklungen der modernen Arbeitswelt. Kirk und Co. würden Gegnern dazu raten, es positiv zu sehen.

„Oder wie es die Borg in Star Trek formulieren: Widerstand ist zwecklos! Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Legen sie ihren Fokus darauf, welche Möglichkeiten sich durch die neuen Arbeitswelten und Hybrid-Work ergeben, wie viel mehr Flexibilität sie und ihre Mitarbeiter dadurch gewinnen, wenn Menschen selbst entscheiden können, wann und von wo aus sie arbeiten möchten“, sagt sie an Führungskräfte gewandt.

Und ergänzt abschließend: „Ihre Mitarbeiter werden motivierter, loyaler und letztendlich produktiver sein – Work-Life-Integration heißt das Zauberwort. Es geht nicht mehr darum, zwei scheinbar gegensätzliche Welten in Balance zu halten. Stattdessen wächst das Verständnis, dass Leben und Arbeit zusammengehören, ineinander übergehen und sich verbinden. Außerdem machen sie sich dadurch als Arbeitgeber viel interessanter und das ist ein echter Mehrwert in einer Welt, in der nicht mehr die Bewerber um die besten Jobs rittern, sondern sich Unternehmen um die größten Talente bemühen müssen.“

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Die Fahne der EU (c) Adobe Stock

Im aktuellen „European Innovation Scoreboard 2026“ der Europäischen Kommission behauptet sich Österreich im oberen europäischen Mittelfeld. Mit einer Innovationsleistung von 113 Prozent des EU-Durchschnitts im Jahr 2026 belegt das Land wie schon im Vorjahr den achten Rang unter den EU-Mitgliedstaaten und verbleibt in der Klasse der sogenannten „Strong Innovators“. Langfristig verzeichnet Österreich zwar einen Zuwachs der Innovationskraft von 8,9 Prozentpunkten gegenüber dem Basisjahr 2019, im Vergleich zu 2025 gab der nationale Gesamtindex jedoch um 2,3 Prozentpunkte nach. Diese Abschwächung spiegelt eine wirtschaftliche Dynamik wider, die infolge anhaltender externer Schocks und gestiegener Betriebskosten an internationaler Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat.

Im Schatten der Spitzenreiter

Angeführt wird das europäische Gesamtklassement unverändert von der Schweiz, die mit 141,3 Prozent des EU-Durchschnitts den innovativsten Standort des Kontinents darstellt. Innerhalb der EU-Grenzen sichert sich erneut Schweden die Spitzenposition (139 Prozent), gefolgt von Dänemark und den Niederlanden. Finnland, das in den Vorjahren fest zur Spitzengruppe der „Innovation Leaders“ zählte, verlor an Schwung und stürzte in die Leistungsklasse Österreichs ab.

Im Vergleich mit dem größten Handelspartner Deutschland (EU-Rang 9) hat Österreich zwar knapp die Nase vorn. Einige Diskrepanzen: Während Deutschland bei den forschungsbezogenen Staatsausgaben im öffentlichen Sektor auf Platz 5 liegt, belegt Österreich hier den hervorragenden dritten Platz. Bei der direkten und indirekten steuerlichen Forschungsförderung für Betriebe verweist Österreich den Nachbarn (Deutschland Rang 23) mit dem vierten Platz klar auf die hinteren Ränge.

Die Achillesferse: Wagniskapital und Skalierungsbarrieren

Für die heimische Startup- und Scaleup-Szene liefert das Scoreboard eine ernüchternde Bilanz in puncto Wachstumsfinanzierung. Als chronischer Schwachpunkt erweist sich einmal mehr der Bereich Venture Capital: Bei den Wagniskapital-Investitionen erreicht Österreich magere 47,9 Prozent des EU-Durchschnitts und belegt im EU-Vergleich lediglich Platz 15.

Diese strukturelle Finanzierungslücke schlägt sich auch im komplementären „European Startup and Scaleup Scoreboard“ (ESSS) nieder: Zwar wird Österreich dort mit 113,8 Prozent des EU-Durchschnitts auf Rang 10 als „High-performing“ eingestuft, die Erhebung attestiert dem Standort jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen einer hohen Startup-Dichte pro Kopf und einer gleichzeitig unterdurchschnittlichen Zahl an schnell wachsenden Unternehmen („Centaurs“ und „Unicorns“). Bereits im Zuge des letztjährigen Rankings stand die stagnierende Entwicklung im Fokus der Kritik, insbesondere im Hinblick auf strukturelle Finanzierungshemmnisse (brutkasten berichtete).

Spürbarer Rückgang bei KMU-Innovationen trotz starker Schutzrechte

Sorge bereiten zudem die Innovationsaktivitäten im KMU-Bereich. Der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die Produkt- oder Geschäftsprozessinnovationen einführen, ist mittelfristig deutlich zurückgegangen – ausgewiesen wird ein Minus von 24,4 Prozentpunkten bei Produkt- bzw. 21,2 Prozentpunkten bei Prozessinnovationen seit dem Jahr 2019. Demgegenüber steht eine traditionelle Stärke bei der Sicherung von geistigem Eigentum, wo Österreich im Bereich der intellektuellen Vermögenswerte im EU-Vergleich den hervorragenden zweiten Platz belegt.

Doch auch dieses Fundament zeigt Ermüdungserscheinungen: Seit 2019 verzeichneten die Designanmeldungen einen spürbaren Rückgang um 49,7 Prozentpunkte, während Patentanmeldungen (-16,8 Prozentpunkte) und Markenanmeldungen (-11,1 Prozentpunkte) ebenfalls schrumpften. Positiv hervorzuheben ist die enge Vernetzung im System bei den öffentlich-privaten Co-Publikationen (EU-Rang 3), wenngleich die Jobmobilität von hochqualifizierten Fachkräften in Wissenschaft und Technologie im Jahresvergleich um empfindliche 32,4 Prozentpunkte einbrach.

Das Transferproblem: Viel Input, zu wenig messbarer Output

Ein altbekanntes, strukturelles Paradoxon des österreichischen Innovationssystems bleibt die mangelnde Effizienz im Transfer von Forschungserfolgen in den Markt. Während das Land beim reinen Innovations-Input die dritthöchsten Investitionen in der EU verzeichnet, reicht es beim tatsächlichen Output nur für Rang 8. Besonders deutlich wird dies bei den Verkäufen von Marktneuheiten und firmeninternen Innovationen, bei denen das Land seit 2025 einen spürbaren Rückgang verzeichnet. Dem Standort gelingt es somit unzureichend, seine enormen Forschungsförderungen und Investitionen in marktfähige, produktivitätssteigernde Produkte zu übersetzen.

Digitalisierung und weitere Kernbereiche im Überblick

In den weiteren Dimensionen des Scoreboards zeichnet sich ein differenziertes Bild ab:

  • Digitalisierung (Rang 14): Ein widersprüchliches Feld. Die Verfügbarkeit von High-Speed-Internet hinkt mit Rang 23 im EU-Vergleich hinterher, hat sich jedoch seit 2019 um 174,7 Prozentpunkte verbessert.
  • Forschungssysteme & Human Ressources: Österreich verfügt über ein hochattraktives akademisches System (Rang 8), getragen von einem sehr hohen Anteil ausländischer Doktoratsstudierender (Rang 5). Bei den Human Ressources insgesamt reicht es wegen einer im EU-Vergleich geringeren Akademikerquote jedoch nur für Rang 14.
  • Nachhaltigkeit & Außenhandel: Während der heimische Öko-Innovations-Index mit 177,1 Prozent weit über dem EU-Schnitt von 127,5 Prozent liegt (beides gemessen an 2019), ist der konsumbedingte Treibhausgas-Fußabdruck fast 20 Prozent zu hoch. Zudem schwächelt Österreich massiv beim Export wissensintensiver Dienstleistungen.

Das politische Spannungsfeld: „Champions League“ vs. „Ergebnisverwaltung“

Die Interpretation des achten Platzes sorgt auf nationaler Ebene für teils konträre Statements von Politik und Wirtschaft. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer unterstreicht: „Das European Innovation Scoreboard zeigt klar: Österreich investiert überdurchschnittlich in Forschung und Innovation. Beim Output schöpfen wir dieses Potenzial aber noch nicht ausreichend aus.“ Mit Platz 3 beim Input und Platz 8 beim Output könne man sich nicht zufriedengeben; man müsse exzellente Forschung schneller in marktfähige Produkte übersetzen.

Innovationsminister Peter Hanke betont wiederum die Stabilität in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld: „Platz 8 im European Innovation Scoreboard ist ein starkes Zeugnis für den Innovationsstandort Österreich. Dieses Ergebnis kommt nicht von ungefähr: Es ist der Verdienst unserer Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der vielen klugen Köpfe in diesem Land.“ Er verweist auf das massive staatliche Investment von 5,5 Milliarden Euro durch den FTI-Pakt bis 2029. Stefan Harasek, Präsident des Patentamts, hält fest: „Diese starke Platzierung bestätigt einmal mehr: Österreich zählt in der sich nur zögerlich erholenden Wirtschaftsdynamik zu den Innovationsmotoren Europas und muss sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken.“

Eine gänzlich andere Tonlage schlägt die Industriellenvereinigung (IV) ein. Generalsekretär Christoph Neumayer warnt vor Selbstzufriedenheit: „Der Abstand zur europäischen Spitze droht zum Dauerzustand zu werden. Wir stecken mit Platz 8 im Mittelfeld fest.“ Wer ein „Innovation Leader“ werden wolle, müsse deutlich dynamischer agieren und an Geschwindigkeit zulegen. Neumayer zieht dabei einen sportlichen Vergleich heran: „Wer an die Spitze will, darf nicht nur auf Ergebnisverwaltung spielen. Champions entstehen durch Geschwindigkeit und Angriff, nicht in der Defensive.“

Auch Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), mahnt zur Bewegung: „Österreich behauptet sich im European Innovation Scoreboard 2026 erneut auf Rang 8 […] gleichzeitig zeigt das aktuelle Ergebnis aber auch, dass wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen dürfen.“ Der Vergleich mit 2023 – als Österreich noch bei knapp 120 Prozent des EU-Schnitts lag – zeige deutlich, dass zusätzliche Dynamik notwendig sei, um den Anschluss an die europäische Spitzengruppe nicht zu verlieren.

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