27.03.2026
BRUTKASTEN VOR ORT

so.cool: Wiener Klimaanlagen-Startup eröffnet neuen Standort in Seestadt

Das Wiener Startup so.cool - vormals Social Cooling - hat diese Woche seinen neuen Standort im Technologiezentrum Seestadt der Wirtschaftsagentur Wien eröffnet. brutkasten war vor Ort und hat mit Gründer Philippe Schmit über die nächsten Wachstumsschritte gesprochen.
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Gründer Philippe Schmit bei der Eräffnung | (c) MH-Photography

Wer in der Seestadt in der Nacht aussteigt, dem fällt zunächst die Ruhe vor Ort auf. Ganz anders an diesem Dienstagabend im TZ3 (Technologiezentrum Seestadt), das nur drei Minuten Fußweg von der Endhaltestelle entfernt ist. Hier feierte das Wiener Hardware-Startup so.cool, das eine installationsfreie und energieeffiziente Klimaanlage entwickelt, offiziell die Eröffnung seines neuen Standorts.

Vom Maker-Space zur eigenen Produktionsstätte

Der Umzug ins TZ3 markiert für das Team einen entscheidenden Entwicklungsschritt. Zuvor tüftelte das Startup im Wiener „Happy Lab“. Für die fortgeschrittene Entwicklung im Bereich Hardware-Deep-Tech stieß das Team dort jedoch an seine Grenzen. „Happy Lab ist halt cool, wenn man die ersten Schritte setzen möchte“, so so.cool-Gründer Philippe Schmit im Gespräch mit brutkasten. „Wenn du aber da Hardware-Deep-Tech, Produkt bauen willst, dann brauchst du einfach mehr Platz“.

(c) MH-Photography

„Wir haben über ein Jahr lang gesucht, wo wir uns austoben können, wo wir schweißen können, wo wir schneiden können, wo wir Platz haben, um das Ding zu bauen“, so Schmit weiter. Durch den dedizierten Raum im TZ3 konnte die Entwicklungsgeschwindigkeit nun massiv gesteigert werden: „Wir machen an sich das in zwei Monaten, was wir letztes Jahr in acht bis zehn Monaten gemacht haben“. Der Grund dafür ist simpel: „Weil wir den Platz haben. Davor mussten wir nach jedem Tag arbeiten, wegräumen“. Unterstützt wurde die Ansiedlung durch die Wirtschaftsagentur Wien, vor allem im individuellen Endausbau und in den speziellen Bedürfnissen des Unternehmens, wie Sonderabluft.

„Die letzte Schraube vor zwei Stunden angedreht“

Auch technologisch geht es rasant voran. Die aktuelle Generation der so.cool-Anlage wurde direkt bei der Eröffnung präsentiert. „Heute war sie, sagen wir mal, neunzig Prozent fertig“, lacht Schmit. „Wir haben die letzte Schraube noch vor zwei Stunden angedreht“.

(c) MH-Photography

Die zugrundeliegende Technologie ist dabei rechtlich bereits abgesichert: Ein Patent wurde schon erteilt, für ein weiteres liegt eine positive Beurteilung der Patentierbarkeit durch die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) vor. „Jetzt ist der Fokus wirklich, diese Wärme so schnell wie möglich aufzufangen, und das haben wir hinbekommen“, erklärt der Gründer. „Das heißt, jetzt haben wir eine Klimaanlage, die fünf Kilowattstunden kühlen kann. Das reicht für einen fünfzig Quadratmeter Raum und das ist halt perfekt“.

3.000 Anmeldungen auf der Warteliste

Das Marktinteresse ist hoch: Aktuell verzeichnet das Unternehmen rund 3.000 Anmeldungen auf seiner Warteliste. Da die Produktionskapazitäten für dieses Jahr auf eine erste Kleinserie von zehn Geräten limitiert sind, um Feedbackschleifen einzuarbeiten, hat das Unternehmen am Tag der Eröffnung bereits Vorbestellungen für das Jahr 2027 freigeschaltet – das erste Kontingent wurde unmittelbar verkauft.

(c) MH-Photography

Im Sommer starten die Pilotphasen. Zu den Projektpartnern zählen unter anderem die Energie Steiermark, das Institute for Building Research Austria, die luxemburgischen Gemeinden Strassen und Bertrange sowie die REWE Group, mit der Praxistests in Köln geplant sind.

Bereits im vergangenen Jahr konnte sich so.cool ein Investment in Höhe von 400.000 Euro sichern, um die Plug-and-Play-Klimaanlage weiterzuentwickeln (brutkasten berichtete). Um nun die Produktion rasch anlaufen zu lassen und weitere Entwicklungswege zu finanzieren, startet das Unternehmen mit 1. April offiziell in eine neue Fundraising-Runde.

2 Minuten 2 Millionen

Zusätzliche mediale Aufmerksamkeit erhielt das Startup am Abend der Eröffnung durch die zeitgleiche Ausstrahlung ihres Pitches in der Puls4-Sendung „2 Minuten 2 Millionen“. In der bereits letztes Jahr aufgezeichneten Sendung sicherte sich das Team zudem eine Investment-Zusage des Duos Mathias Muther und Alexander Schütz. Wie Philippe Schmit gegenüber dem brutkasten bestätigte, befinde man sich derzeit aber noch in laufenden Verhandlungen.

(c) MH-Photography

Doch in der Show gab es auch Gegenwind: Investorin Eveline Steinberger gab an, bereits in ein ähnliches Startup investiert zu haben, und stellte die Einzigartigkeit von Schmits Technologie infrage – es gebe bereits eine „bessere, kleinere und installationsfreie“ Alternative.

Gegenüber dem brutkasten nahm Schmit nun offiziell Stellung zu diesen Zweifeln aus der TV-Show: „Sechs Monate lang haben wir versucht herauszufinden, was die angeblich ‚bessere, kleinere und installationsfreie‘ Alternative sein soll. Nachdem ich länger nachgehakt habe und eine Antwort bekam, wissen wir es: Es handelt sich um eine klassische Monoblock-Klimaanlage mit zwei 16 bis 18 Zentimeter großen Wandlöchern und Außenanbindung“. Ergo handle es sich um zwei völlig verschiedene Technologien. Zudem verfüge sein Unternehmen auch bereits über ein Patent.

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Sima D. sitzt auch selbst oft am Steuer für Flintaxi. | © FLINTAXI e.U.

Uber, Bolt oder ein Taxi einfach auf der Straße anhalten. Die privaten Fahrdienste sind ein beliebtes Mittel, um schnell und bequem nach Hause zu kommen. Doch sind sie auch sicher? Immer wieder erzählen Frauen von sexuellen Übergriffen oder Anspielungen durch Taxifahrer, wie das Profil im März berichtete. „Mittlerweile gibt meine Schwester zwei Hausnummern weiter an, damit der Taxler nicht weiß, wo sie wohnt“, sagt Sima D., die anonym bleiben möchte. Daher gründete sie Flintaxi: Wer bei ihrem Unternehmen bucht, dem garantiert sie eine sichere Fahrt.

Sicheres Ankommen für FLINTA-Personen

Die Wiener Firma fokussiert sich auf FLINTA-Personen, also u. a. auf Frauen, Lesben und Trans-Personen. So kann bei der Buchung eingestellt werden, dass man nur von einer FLINTA-Person abgeholt werden möchte. Es seien aber auch Männer bei ihr als Gäste willkommen, die die Philosophie von Flintaxi verstanden haben. Die Geschäftsführerin gesteht jedoch ein, dass diese Überprüfung schwierig sei. Ein Verifizierungssystem der Gäste soll für mehr Sicherheit auf Seiten der Fahrer:innen sorgen. Sima D., die hauptberuflich AHS-Lehrerin ist, ist es wichtig, Transparenz und Vertrauen auf beiden Seiten zu schaffen.

„Die Zukunft liegt sicher bei Flintaxi“

Mit fünf Fahrer:innen und einem Auto steht ihr Unternehmen noch in den Kinderschuhen. Dennoch sieht sich Sima D. für die Zukunft gut aufgestellt. Laut ihr können Mitbewerber wie Sternenmädchen oder Ubers „Women Drivers“ nicht mit Flintaxi mithalten. „Bei Sternenmädchen muss man schon 24 Stunden vorher wissen, wann man heim möchte. Und das ist halt oft auch nicht so planbar. Bei mir ist es kurzfristiger möglich“, sagt Sima D. Gegenüber „Women Drivers“ von Uber sieht sie sich mit besseren Arbeitsbedingungen im Vorteil: „Die Zukunft wird sein, dass man bei Uber in 16 Stunden das verdient, was man bei mir in acht Stunden verdienen kann.“

Das hat im Endeffekt Auswirkungen auf den Preis. Brutkasten verglich Flintaxi mit Uber. Eine Fahrt vom Bahnhof Meidling zum Schottentor kostet auf Flintaxi 21,10 Euro, bei Uber sind es 16,59 Euro. „Also preislich kann ich bei Uber nicht mithalten, möchte ich auch nicht. Aber das wollen die Taxler:innen auch nicht. Die Zukunft liegt sicher bei Flintaxi“, erklärt Sima D., die ihre Angestellten laut eigenen Angaben besser als im Kollektivvertrag vereinbart bezahlt.

„Die Buchungen werden mit der neuen App sicher mehr“

Vor einem Monat wurde die neue Flintaxi-Website gelauncht. Seitdem sei ihre Erscheinung professioneller und es sei einfacher, eine Fahrt zu buchen. Die Entwicklung der Buchungen stimmt Sima D. zuversichtlich. Im letzten Monat kam Flintaxi auf rund 15 Fahrten, eine Verdreifachung gegenüber den Zeiten vor der Website. Nun arbeitet sie an einer App, deren Launch im Oktober angesetzt ist. „Wenn du eine Taxifahrt buchen willst, dann öffnest du im Normalfall schnell eine App am Handy. Deshalb glaube ich, dass die Buchungen mit der neuen App sicher mehr werden“, erklärt sie.

Die Investorensuche beginnt

Flintaxi wird durch eigene finanzielle Mittel und eine Crowdfunding-Aktion finanziert. Seit Juni hat sie 1.862 Euro gesammelt, wobei das Ziel bei 25.000 Euro liegt, um Kosten wie die App-Entwicklung decken zu können. „Also aktuell zahle ich noch von meinem eigenen Gehalt drauf“ erklärt Sima D., die sich auch einen Kredit bei ihrer Mutter aufgenommen hat. Laut der Lehrerin macht Flintaxi aktuell einen monatlichen Umsatz von rund 2.500 Euro. „Ich bin mit dem Tagesgeschäft nicht im Minus. Aber ich muss noch das Auto abfinanzieren“, erklärt Sima D.

Der nächste Schritt liegt für sie darin, das Unternehmen bekannt zu machen und auch Investoren zu finden. Eine Möglichkeit dazu sieht sie bei Events wie dem Gründerinnentag von der Wirtschaftskammer. Förderungen hat sie bereits bei der Wirtschaftsagentur und beim Austria Wirtschaftsservice angefragt, bisher ohne Erfolg.

Expansion aus Österreich

Sima D. kann sich auch bereits vorstellen, ihr Unternehmen auf andere Länder auszuweiten. Sichere Taxifahrten für FLINTA-Personen seien eine Nische, die es noch in jedem Land gebe. „In zehn, 20 Jahren bin ich sicher überall, wo es Bedarf gibt und wo das Ganze irgendwie auch aus österreichischer Sicht gut expandierbar ist“, sagt sie.

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