27.06.2025
TERRA BREEZE

Social Cooling: Plug-and-Play-Klimaanlage aus Wien verbraucht 40% weniger Strom

Ein Wiener Startup behauptet, die weltweit erste Plug-and-Play-Klimaanlage entwickelt zu haben. Wie das Gerät funktioniert und was es besser machen soll als herkömmliche Anlagen, erzählt Gründer Philippe Schmit im Interview mit brutkasten.
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(l.n.r.) Ben Assa, Philippe Schmit (CEO) und Alireza Eslamian (CTO) setzen auf innovative Lösungen. | © Alex Wieselthaler

“Ich schwitze schon ab 15 Grad”, fängt Philippe Schmit an zu erzählen. Bei den derzeitigen hohen Temperaturen kann da wohl jede Person mitfühlen. Er wohnte früher in einer Altbauwohnung in Wien, studierte im Master Jus und hatte mit den hohen Temperaturen zuhause zu kämpfen. “Wenn man ein Student ist, hat man ein sehr geringes Budget. Ich konnte mir nie eine Klimaanlage leisten”, erzählt der gebürtige Luxemburger weiter. 

Also suchte er nach einer Lösung. Schritt für Schritt kam er auf die Grundidee des heutigen Startups Social Cooling. Die Idee: “Wir bringen die Wärme nicht nach draußen, sondern fangen sie irgendwie ein”. Zwei Jahre später ist aus der vagen Vorstellung ein konkretes Produkt entstanden: Terra Breeze – eine Plug-and-Play-Klimaanlage, die angeblich die erste ihrer Art weltweit sein soll.

Terra Breeze in den Startlöchern

Offiziell gegründet wurde Social Cooling Anfang des Jahres als FlexCo. Dazwischen gab es ein paar Experimente, bei denen Schmit seine Wohnung flutete. Und seinen Berufseinstieg bei einer Anwaltskanzlei. Heute arbeitet er mit einem sechsköpfigen Team an der Marktreife von Terra Breeze. Inspiriert ist das System von einer alten persischen Kühlmethode. Der Vorverkauf soll diesen Juli starten. 

Die neue Klimaanlage ist derzeit nur für Räume bis zu 50 Quadratmeter konzipiert – vor allem für Büros oder öffentliche Einrichtungen. Ihr Herzstück ist ein patentiertes thermisches Energiespeichersystem, das ohne klassischen Abluftschlauch und ohne Installation auskommt. Laut dem Startup sei das Gerät eine preiswerte und umweltschonende Alternative zu herkömmlichen Klimaanlagen.

Downtime einkalkulieren

Was Terra Breeze besonders macht, erklärt Schmit im Detail: „Normalerweise geben Klimaanlagen die Wärme gleich nach draußen. Die warme Luft nach draußen zu bekommen, braucht extrem viel Strom und eine Installation.“ Social Cooling verfolgt einen anderen Ansatz: Statt die Wärme nach außen zu leiten, wird sie mithilfe eines eigens entwickelten Phasenwechselmaterials im Gerät gespeichert.

Die gespeicherte Wärme wird dann gezielt wieder abgegeben – und zwar nachts, wenn niemand im Büro ist. Zwei Stunden „Downtime“ pro Tag reichen laut Unternehmensangaben, um das System vollständig zu entladen.

CO2-Ausstoß deutlich geringer

Durch diesen Ansatz soll Terra Breeze rund 40 Prozent weniger Strom verbrauchen als herkömmliche Klimaanlagen – konkret im Vergleich zu 12.000-BTU-Multisplit-Systemen, so das Startup. Diese höhere Energieeffizienz soll nicht nur die Betriebskosten für Unternehmen senken, sondern auch die Stromnetze entlasten und den CO2-Ausstoß deutlich verringern. „Man muss nicht entscheiden zwischen Nachhaltigkeit und Komfort, sondern man kann beides hier vereinen“, sagt Schmit.

Die Klimaanlage soll mehr als nur kühlen können: Terra Breeze lasse sich nämlich ganzjährig einsetzen – als Luftfilter, Luftbefeuchter oder auch -Entfeuchter. Damit positioniert sich das Gerät als multifunktionales Raumklima-System, das weit über den klassischen Kühlbetrieb hinausgeht.

Privathaushalte auch geplant

Aktuell ist das System vor allem für öffentliche Räume gedacht. Der Grund: Die tägliche „Downtime“ von rund zwei Stunden, in der der Raum idealerweise nicht genutzt wird. Für den Einsatz in Privathaushalten arbeitet das Team bereits an einer Lösung, wie Gründer Schmit verrät.

Konkret soll eine Software künftig erkennen, ob sich Personen im Raum befinden. „Das heißt, wir können immer nur einen Teil der Wärme abgeben. Immer wieder so 20 Minuten von den insgesamt zwei Stunden, die wir Downtime brauchen“, erklärt Schmit. „Wir spielen mit der Zeit, um den möglichst größten Komfort für die Kund:innen zu schaffen.“ Die intelligente Steuerung ist derzeit noch in Entwicklung und soll voraussichtlich im nächsten Jahr einsatzbereit sein.

Pilotprojekte mit großen Firmen

Aktuell liege der Fokus von Social Cooling noch klar auf dem Markteintritt mit der Hardware. Die Terra-Breeze-Klimaanlagen werden zunächst im Direktvertrieb angeboten. In einem nächsten Schritt soll das Modell durch B2B-Vertriebspartner ergänzt werden, um eine breitere Marktdurchdringung zu ermöglichen.

Bereits jetzt laufen erste Pilotprojekte – unter anderem mit der Rewe Group in Köln, der Stadt Wien, der Energie Steiermark, zwei Gemeinden in Luxemburg sowie einem Coworking Space vor Ort. Bis Ende 2026 will das Startup rund 2.000 Geräte verkaufen, sagt Schmit. Aktuell befindet sich das Unternehmen außerdem noch in der Preseed-Finanzierungsrunde.

In den letzten Monaten geriet Social Cooling außerdem durch einige Preise und Nominierungen ins Rampenlicht der österreichischen Innovationsszene. So wurde das Startup als Rising Star mit dem EY Scaleup-Award in der Kategorie „Sustainability & GreenTech“ ausgezeichnet. Auch beim diesjährigen Manufacturing Day von EIT Manufacturing hat das Startup vor großem Publikum sein Konzept gepitcht – brutkasten berichtete.

Große Pläne

Langfristig plant Social Cooling die Expansion über den gesamten deutschsprachigen Raum hinaus. Neben dem DACH-Markt sollen auch die Benelux-Staaten erschlossen werden. In weiterer Folge stehen südeuropäische Länder wie Spanien, Portugal und Italien im Fokus. Schritt für Schritt will sich das junge Unternehmen „als europäischer Player in der nachhaltigen Klimaanlagen-Branche etablieren“, so Schmit abschließend.

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beel, Tokenize.it-Founder Christoph Jentzsch und Head of Development Lukas Fiedler | Foto:
beel-Founder Christoph Jentzsch und Head of Business Development Lukas Fiedler | Foto: Tokenize.it

Zum Start des Syndikats-Features von beel rund um Gründer Christoph Jentzsch und Head of Business Development Lukas Fiedler, haben bereits drei bekannte Akteure aus der deutschen Startup- und Venture-Capital-Szene eigene Syndikate auf beel eingerichtet. Andy Bruckschlögl ist Unternehmer, Investor und Mitgründer von Bits & Pretzels. Er war zudem Gründer des SEO-Softwareunternehmens Ryte und ist seit vielen Jahren als Business Angel aktiv. Alex von Frankenberg indes ist seit rund zwei Jahrzehnten im Venture-Capital- und Startup-Bereich tätig. Er war langjähriger Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF), der sich auf Frühphasenfinanzierungen von Technologie-Startups konzentriert. Seit 2025 ist er als Venture Partner bei May Ventures tätig.

Und Roland Fassauer ist Unternehmer, Investor und Professor an der CODE University of Applied Sciences in Berlin. Er war unter anderem als Gründer tätig und beteiligt sich als Investor an Startups. Zudem ist er mit der Berliner Startup- und Hochschulszene verbunden. Über ihre Syndikate können weitere Investoren an ausgewählten Startup-Investments dieser drei Angels teilnehmen.

beel: Syndikat-Lead im Zentrum

Zur Erklärung: Im Zentrum jedes Syndikats steht der Syndikat-Lead, der in der Regel ein erfahrener Angel-Investor ist und das Syndikat, also seine Investment-Community, leitet. Der Lead legt die Beitrittsregeln fest und entscheidet, ob sein Syndikat öffentlich für alle zugänglich oder privat geführt wird. In beiden Fällen bestätigt er jeden Investor individuell.

Mit dem Beitritt schließen Investor:innen einen Vertrag mit dem Syndikat-Lead ab, der eine vom Lead festgelegte Carry Fee bei Auszahlungen (Exit oder Dividenden) vorsieht. Auf diese Weise können Angels ihren Dealflow monetarisieren. Im Gegensatz zu klassischen VC-Fonds wird kein Kapital gepoolt. Jeder Investor investiert eigenständig und direkt über virtuelle Anteile in das jeweilige Startup. Dadurch entfallen die Strukturen und Kosten eines klassischen Fonds, heißt es per Aussendung. Der Syndikat-Lead gibt lediglich eine Anlageempfehlung ab. Die Entscheidung über eine Investition und deren Höhe liegt beim jeweiligen Investor oder bei der jeweiligen Investorin.

Ohne Fonds

„Syndikate sind das fehlende Puzzle-Teil der deutschen Startup-Community. Starke, erfahrene Investoren können Carry-Fees durch ihren gut kuratierten Dealflow verdienen, ohne dass sie dafür einen Fonds benötigen. Neue Investoren oder Business Angels müssen sich nicht durch hunderte Pitch-Decks kämpfen, sondern treffen ihre Investmententscheidungen basierend auf gut vorselektierten Startups. Das wird eine Menge Kapital hebeln”, kommentiert Jentzsch. “Mit Andy Bruckschlögl, Alex von Frankenberg und Roland Fassauer haben wir gleichzeitig drei Lead-Investoren an Bord, deren Dealflow und Erfahrung eine Benchmark für die Qualität der Syndikate sein wird.“

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