26.03.2025
Q&A

Sepp Schellhorn: „Unser Ziel ist: Gründen in wenigen Stunden, ohne unnötigen Papierkram“

Sepp Schellhorn, Staatssekretär für Deregulierung, erzählt im Q&A, was er in seinem Amt vorhat - und wie er Startups entlasten will.
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Sepp Schellhorn (Neos), Staatssekretär für Deregulierung
Sepp Schellhorn, Staatssekretär für Deregulierung | Foto: BKA/Andy Wenzel (Hintergrund geändert)

Sepp Schellhorn kennen viele nicht nur in seiner Funktion als NEOS-Politiker: Als Gastronom hat sich der Salzburger schon lange einen Namen gemacht. In beiden Berufen hat er regelmäßig die österreichische Bürokratie angeprangert. Angesichts dessen hat er Anfang März wohl eine für ihn durchaus passende Position eingenommen. Schellhorn wurde Staatssekretär für Deregulierung – ein Novum in Österreich.

Dass das Staatssekretariat für Deregulierung ausgerechnet dem Außenministerium angehört, liegt wohl an der ebenfalls pinken Außenministerin Beate Meinl-Reisinger – und sorgte in Österreich trotzdem für leichte Irritationen. Immerhin untersteht ein Staatssekretariat dem Ministerium und hat dort auch nur so viel Einfluss, wie ihm gewährt wird. Was wirklich umgesetzt werden kann, bleibt also offen. Nichtsdestotrotz könnten etwaige Deregulierungsmaßnahmen für Startups durchaus interessant werden.

Was Schellhorn vorhat und wie er insbesondere Startups entlasten möchte, erklärt er im Q&A. Die Fragen wurden von ihm schriftlich beantwortet.


brutkasten: Ein Staatssekretariat für Deregulierung ist ein Novum in Österreich. Was genau umfasst Ihr Aufgabengebiet und für welche Maßnahmen im Regierungsprogramm fühlen Sie sich verantwortlich?

Sepp Schellhorn: Als Staatssekretär werde ich als zentrale Anlaufstelle Österreich von unnötiger Bürokratie entlasten, ganz nach dem Motto: „Weniger Filz, mehr Freiheit.“ Mein Arbeitsplatz ist ganz Österreich: Ich werde den Menschen und Unternehmerinnen und Unternehmern zuhören, Ideen und Lösungsansätze sammeln, evaluieren und auf die Ministerien zugehen, damit wir gemeinsam Österreich entlasten. Erste Maßnahmen wie die Bürokratiebremse, Rechtssicherheit, Prüfung von Doppelgleisigkeiten, eine Verschlankung der Gewerbeordnung sowie eine Vereinfachung der Berichtspflichten und Genehmigungsverfahren wurden schon im Ministerrat auf den Weg gebracht. 

Ist das die österreichische Version des amerikanischen Department of Government Efficiency? Kann man sich Sepp Schellhorn als eine Art Kettensägen-Mann wie Elon Musk vorstellen? 

Nein. Entbürokratisierung ist nichts für die Kettensäge. Müsste ich mir ein passendes Gadget aussuchen, es wären die Laufschuhe, denn Entbürokratisierung und Deregulierung sind ein Marathon, kein Sprint. 

Wie stellen Sie sich die Kooperation mit anderen Ressorts vor? Planen Sie eine besonders enge Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium und der Startup-Staatssekretärin?

Eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit klaren Kompetenzverteilungen ist wesentlich, denn wir haben uns als Bundesregierung gemeinsam dazu verpflichtet, das Budget zu sanieren, um Spielraum für Entlastung zu schaffen. Steuerliche Entlastung wird in den kommenden zwei Jahren nicht möglich sein, so ehrlich sind wir. Vor allem nicht nach den jüngsten Budgetzahlen. Was ich aber als Staatssekretär für Entbürokratisierung und Deregulierung tun kann, auch ohne Steuergeld in die Hand zu nehmen, ist den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Betrieben mehr Luft zum Atmen zu geben, indem ich nicht notwendige bürokratische Hürden abbaue. 

Im Trend haben Sie gesagt, dass man Unternehmen so einfach gründen können sollte wie Briefkastenfirmen in Panama. Welche Schritte planen Sie, um das möglich zu machen? 

Das Ziel ist Panama, aber rechtsstaatlich und transparent. Im Regierungsprogramm haben wir vieles durchgesetzt: eine vollständig digitale Unternehmensgründung, die Weiterentwicklung der FlexCo als flexible Rechtsform für Startups, die Einführung von One-Stop-Shops für alle Behördenwege und den Abbau unnötiger Genehmigungs- und Meldepflichten.

Das Ziel ist Panama, aber rechtsstaatlich und transparent.

Unser Ziel ist: Gründen in wenigen Stunden, ohne unnötigen Papierkram, damit sich die Unternehmer:innen auf das konzentrieren können, was sie für ihre Mitarbeiter:innen und Kund:innen erreichen wollen.

Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die bürokratischen Hürden für Startups in Österreich zu senken? Sehen Sie da beispielsweise Potenzial in der Weiterentwicklung der FlexCo?

Im Regierungsprogramm haben wir uns klar zu rascheren, digitalen Gründungsverfahren bekannt. Dazu gehört auch, dass wir uns die FlexCo genau ansehen werden. Sie war ein erster Schritt für mehr Gründungsdynamik, jetzt müssen wir weitere gehen. Es muss künftig Mindeststandard sein, dass ein Unternehmen in fünf Tagen gegründet werden kann.

Welche Effekte erwarten Sie von Ihrer Deregulierungspolitik, insbesondere im Hinblick auf die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Startups?

Ich erwarte mir, dass innovative Ideen und unternehmerischer Geist jedenfalls mehr Raum zur Entfaltung finden, wenn sich die Unternehmerinnen und Unternehmer nicht mehr unentwegt mit nicht notwendigen bürokratischen Auflagen beschäftigen müssen. Es braucht Rechtssicherheit auf allen Seiten. 

Wie wollen Sie sicherstellen, dass Deregulierungsmaßnahmen nicht zu Marktverzerrungen führen und fairer Wettbewerb gewährleistet bleibt?

Regulierung hilft in der Praxis nicht den kleinen, sondern den großen. Die haben Heerscharen an Anwälten und Steuerberatern. Deregulierung ist essenziell für mehr Wettbewerb.

Welche persönlichen Erfahrungen aus Ihrer Tätigkeit als Unternehmer und Gastronom möchten Sie in Ihre neue Rolle als Staatssekretär für Deregulierung einbringen?

Aus meiner Zeit als Unternehmer kenne ich so viele Geschichten, nicht nur aus meinen Betrieben, sondern auch von Kolleginnen und Kollegen, ich könnte fast ein Buch dazu schreiben. Am liebsten bin ich unter den Leuten und tausche mich mit ihnen über die Herausforderungen persönlich aus.

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Gerhard Petzl möchte mit seinem Elektrolyt-Cocktail ein unbesetztes Segment erobern. | © Gerhard Petzl

Wenn Gerhard Petzl eine seiner Plash-Dosen aufmacht, fühlt sich das für ihn ein bisschen nach Urlaub an. Genau dieses exklusive Gefühl will der Gründer mit seinem Getränke-Startup in den Alltag seiner Kund:innen bringen. Seine alkoholfreien Mocktails sollen nach Bar schmecken und nebenbei Elektrolyte liefern. Das Konzept würde die Gen Z mit dem Begriff „Spaßgetränk“ auf den Punkt bringen. Etwas, das man sich zu besonderen Anlässen gönnt, wie ein Gläschen Wein, nur gesünder.

Der Geschmack einer Bar, die Mineralien eines Sportgetränks

Der Hybrid-Cocktail in den drei Geschmacksrichtungen Pink Guava, Lemon & Mint und Orange Ginger | © Plash

Am Anfang der Getränke-Reise stand ein Ärgernis: Sportgetränke liefern Elektrolyte, schmecken aber nicht besonders hochwertig, Softdrinks schmecken, sind aber oft voll mit Zucker oder anderen Konservierungsmitteln. Also entwickelte Petzl, laut eigenen Angaben, den ersten trinkfertigen Mocktail mit Elektrolyten in der EU.

Eine 330-Milliliter-Dose enthält laut eigenen Angaben rund 20 Kalorien, drei Gramm Zucker und bis zu zehn Prozent Fruchtsaft. Zudem sind die Getränke vegan und kommen ohne Konservierungsstoffe aus. Auf künstliche Zuckerfreiheit verzichtet das Startup bewusst: „Der Zucker fungiert als Brücke, die das Geschmacksprofil und die Fruchtnoten stabilisiert“, betont Petzl im Gespräch. Ohne die drei Gramm Zucker würde im Mittelbereich des Körpers der Geschmack absacken – selbst bei der Verwendung von Stevia.

Pro Dose enthält der Hybrid-Cocktail zudem 320 Milligramm Kalium, 120 Milligramm Kalzium, 57 Milligramm Magnesium und 14 Milligramm Natrium in einer Menge, die laut Petzl die gesetzlichen Vorgaben für die Auslobung erfüllt. Ein vergleichbares US-Produkt unterschreite sie. Die gelösten Mineralien zählen zu den teuersten Zutaten, wie der Gründer im Gespräch verrät.

Vom Pastry Chef über Nestlé zum Alleingründer

Ursprünglich kommt Petzl aus der Schokoladenwelt: Über 20 Jahre arbeitete er als Pastry Chef, Chocolatier und Berater in Europa, den USA, Asien und Australien, nach eigenen Angaben mit mehr als acht Goldmedaillen. Danach entwickelte er knapp ein Jahrzehnt lang bei Nestlé in der Schweiz Produkte, von Schokolade bis Babynahrung, und stieg im Sommer 2025 aus.

Eigenfinanzierung und schrittweiser Markteintritt

In puncto Kapitalstruktur geht Plash eigenständige Wege. Petzl ist alleiniger Gründer und verzichtete aktiv auf externes Risikokapital, um die volle Kontrolle über Rezepturen und Unternehmensstrategie zu behalten. Die Produktentwicklung erfolgte in der Schweiz, wo der Webshop im August dieses Jahres eröffnete. Ein Karton mit 24 Dosen wird online für 69,95 Schweizer Franken angeboten.

Parallel bereitet das Startup den Markteintritt in Österreich vor. Die Produktion für den EU-Raum soll künftig direkt in Österreich oder der EU erfolgen, um Logistikwege zu optimieren und Zoll- sowie Mehrwertsteuerhürden zu vermeiden. Der Marktstart im österreichischen Handel verzögert sich aktuell jedoch durch bürokratische Prozesse rund um das nationale Einwegpfandsystem, für das gesetzliche Vertretungen und Registrierungen erforderlich sind.

B2B-Personalisierung und Gastronomie

Um sich im hart umkämpften Getränkesektor durchzusetzen, verzichtet Plash vorerst bewusst auf den klassischen Lebensmitteleinzelhandel. „Der Supermarkt ist definitiv der letzte Schritt“, betont Petzl. Stattdessen setzt das Unternehmen auf zwei Säulen: die gehobene Gastronomie, Hotellerie und Event-Szene sowie ein direktes B2B-Modell.

Für Unternehmenskunden bietet Plash personalisierte Drink-Boxen an, die als Mitarbeiter- oder Kundengeschenke positioniert werden. Kleinserien ab 30 Stück können individuell bedruckt und geliefert werden. Nach dem Anlauf im DACH-Raum plant Plash eine schrittweise internationale Skalierung, unter anderem im Mittleren Osten, wo der Lifestyle-Ansatz des alkoholfreien Premiumsortiments greifen soll. Zu Verkaufszahlen äußert er sich noch nicht. Zum Jahreswechsel soll Österreich folgen, mit Vertrieb, Lager und möglichst auch Produktion vor Ort.

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