08.02.2021

Von der hohen Kunst des richtigen Netzwerkens

In seiner aktuellen Kolumne beschäftigt sich Mic Hirschbrich mit einem weiteren Dauerthema in der Startup-Welt: Was macht richtiges Netzwerken aus?
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Richtig Netzwerken - sei kein Ferengi!
brutkasten-Kolumnist Mic Hirschbrich | Hintergrund: https://memory-beta.fandom.com/wiki/Ferengi

Das Internet ist voller Tipps und Tricks, wie man seine Netzwerk-Kompetenzen erhöhen kann. Doch viele davon sind irreführend, vor allem für Menschen, die sich gerade am Beginn ihres Netzwerk-Aufbaus befinden, an die sich dieser Artikel wendet. Sie lesen sich manches Mal so, als seien sie für Egozentriker geschrieben, die ihre persönlichen Vorteile auf Kosten anderer strategisch maximieren sollen. Gelinde gesagt ist das das genaue Gegenteil vom „Netzwerken“, das wir meinen. Wer das Mensch Sein verliert und den Respekt für sein gegenüber, wer in anderen nur die Kuh sieht, die man melken soll, tut sich selbst nichts Gutes. Womöglich baut man sich sogar eine Negativ-Reputation auf und ein Pseudo-Netzwerk.


Tipp: Clubhouse-Diskussion „Richtig Netzwerken“

Diskussionsrunde zum Thema „Richtig Netzwerken – Von der Kunst Netzwerke zu bauen!“ mit Mic Hirschbrich, Dejan Jovicevic, Corinna Milborn, Hansi Hansmann, Henrietta Egerth und Markus Hengstschläger auf Clubhouse am Dienstag, 9.2. um 20:00 Uhr => Link


Sich ein richtiges Netzwerk aufzubauen hat etwas mit Offenheit und Authentizität zu tun, sicher auch mit Ehrgeiz, aber vor allem etwas mit einer großen Wertschätzung für andere Menschen sowie einer großen Leidenschaft für gemeinsame Themen. Richtige Netzwerke werden von Respekt getragen und mit gemeinsamen Zielen gekittet. Sie verfestigen sich über positive, gemeinsame Erfahrungen. Sie können teilweise ökonomisch oder organisatorisch eingebettet sein, aber keinesfalls primär darauf fußen, sollen sie langfristig bestehen.

Der häufigste Fehler beim Netzwerken

Und damit wären wir schon beim häufigsten Fehler, der eigentlich auf einem Missverständnis beruht. Man braucht vielleicht Zugang zu einer bestimmten Person oder einer Gruppe und beklagt, nicht Teil eines Netzwerks zu sein, das diesen Zugang ermöglicht. Die im Fokus stehende Persönlichkeit hat vielleicht bestimmte Ressourcen, die man braucht, trägt eine hohe Verantwortung oder verfügt über eine nützliche Macht. Zu versuchen, die Aufmerksamkeit dieser Person zu gewinnen, sich zu „vernetzen“ ist legitim und manchmal einfach nötig. Das hat aber so gut wie nichts mit dem Bauen eines richtigen Netzwerks zu tun. Es hat vielmehr damit zu tun, dass jemand etwas hat oder kann, das man selbst benötigt. Die Kompetenz, die es jetzt braucht, zählt, je nach dem anvisierten Ziel, zur Akquise oder einfach zu erfolgreicher Überzeugungsarbeit. Diese können wichtige Schnittmengen zur Netzwerk-Arbeit bilden und tun das in der Praxis auch. Aber, und das ist entscheidend, es ist ein anderes Thema als sich ein Netzwerk zu bauen und sollte nicht vermengt werden.

Der häufigste Fehler, der also beim Netzwerken gemacht wird, ist, dass man erst über sein Netzwerk nachdenkt oder daran arbeitet, wenn man merkt, dass es einem fehlt. Und das ist viel zu spät.

So bauen Sie sich ein richtiges Netzwerk

Manche Menschen lieben es dafür, z.B. in Vereinen tätig zu sein und sehen dort die Wurzeln ihrer Netzwerke. Sie treten einer Studentenverbindung, dem Lions-Club oder den Rotariern bei, verflechten sich über die Schlaraffen oder sehen sich bei den Female Founders oder dem Frauennetzwerk gut vernetzt. Viele dieser Organisationen verbindet Menschen über gemeinsame Ziele und Werte. Bei manchen stehen Netzwerkeffekte weit oben in der systemimmanenten Nutzenstiftung, bei anderen haben sie eine geringere Bedeutung. Oft wird die entfaltete Netzwerkmacht und deren prinzipielle Attraktivität bestritten und dann dennoch üppig genutzt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Doch was braucht es ganz grundsätzlich, um für sich ein richtiges Netzwerk zu bauen, unabhängig davon welche Haltung und Ziele man hat, welches Geschlecht und ob man Vereine mag oder nicht? Ob man Teil eines richtigen Netzwerks ist, hängt vor allem von folgenden Punkten ab:

1. Geben statt Nehmen

Egal welches Netzwerk Sie sich aufbauen oder weiterentwickeln, gehen Sie es nicht so „gekünstelt strategisch“ an, wie dies einige Online-Ratgeber empfehlen. Damit kommt man nicht weit, weil immer dieser Geruch von Manipulation und Eigennutz mitkommt, den wertvolle Netzwerkmitglieder einfach nicht leiden können. Überlegen Sie sich lieber, was Sie auszeichnet, was Sie vielleicht besonders gut können und wie andere davon profitieren können. Haben Sie richtig Freude am Geben und nehmen Sie nur, wenn es wirklich nötig ist. Machen Sie genau das zu Ihrer ganz persönlichen Haltung! Das macht einen nicht zu einem Heiligen, ganz im Gegenteil, denn das Geben können braucht Größe und gibt etwas sehr wichtiges zurück: Anerkennung. Zu Nehmen mag kurzfristig nützlich sein, aber es befeuert die eigene Entwicklung nicht.

In einer ökonomisch optimierten Gesellschaft lernt man sich früh zu fragen, ob Geben und Nehmen nicht ausbalanciert sein sollten. Vielleicht kennen Sie noch Quark aus der Star Trek-Serie „Deep Space Nine“, welcher der Rasse der Ferengi angehört. Diese Rasse ist nur an Vorteilen und Profit orientiert und achtet ständig darauf, nicht mehr zu geben als zu nehmen. Die Ferengi sind als „ultra-kapitalistische“ Rasse stereotypisch stark überzeichnet, wie sie auch Wikipedia sinngemäß beschreibt.  Aber sie eignen sich metaphorisch. Kaum jemand mag sie wirklich. Manchmal braucht man sie, aber mögen tut man sie nicht. Kontakte pflegen sie nur für wirtschaftliche Ziele, womit ihre Netzwerke nur ökonomischer Natur und damit auch stark begrenzt sind. Die Ferengi sind aus menschlicher Sicht limitiert in den Dimensionen Beziehung, Nähe, Vertrauen und Empathie. Genau diese Dimensionen zeichnen aber die Menschen in „Deep Space Nine“ aus, die universell betrachtet – als Rasse – sehr viel erfolgreicher agieren als die Ferengi.

Auch manche Menschen verwechseln die eigenen ökonomische Ziele mit Funktionsweise und Zweck richtiger Netzwerke. Doch nur Geben schafft Vertrauen, es ist eine Saat, die viel Neues wachsen lässt und Menschen netzwerkartig an Sie bindet und zwar in zutiefst positiver Art und Weise.

2. Qualität vor Quantität

Wie so oft im Leben ist Qualität wichtiger als Quantität. Unter Qualität sollte man in Bezug zu eigenen Netzwerken aber nicht verstehen, dass wir mechanistisch Linkedin durchkämmen, die für uns besten Persönlichkeiten heraussuchen und dann irgendwelche Strategien entwickeln, wie man diese ködern könnte. Wir sollten auch nicht darunter verstehen, auf Events irgendwelchen großen Namen hinterherzulaufen.

Verstehen Sie Qualität besser in Bezug auf die menschlichen Beziehungen in ihren Netzwerken, nicht in Bezug auf die Rolle, die ein Mensch in ihrem Netzwerk spielen könnte. Qualitätsvolle Beziehungen formen richtige Netzwerke. Wie mächtig Ihre persönlichen Netzwerke sein können, die Sie bauen und welche Menschen diese umfassen, bestimmen Sie alleine durch ihr Wissen, das ihre Netzwerke nährt, ihre Kompetenzen und ihre sozialen Fähigkeiten.

3. Humor und Erdung verbinden

Man kann diese sozialen Kompetenzen nicht erzwingen, aber gesunde Netzwerke werden auch von einer grundsätzlichen Leichtigkeit getragen, die, wenn nötig, auch Krisen zu bewältigen helfen kann. Humor haben und geerdet aufzutreten ist dabei immer hilfreich, weil man lieber mit sympathischen Menschen Zeit verbringt, als mit grantelnden „Ferengis“.

Wozu aber netzwerken ohne Profit?

Vielleicht sind Sie jetzt enttäuscht, weil in diesem Artikel keine „7 strategische Schritte zum perfekten Netzwerk“ beschrieben sind, sondern praktisch nur sogenannte „weiche Faktoren“. Der Grund liegt genau darin, weil nur diese Ihr „richtiges“ Netzwerk begründen können. Wenn Sie holistisch auf Ihr schon vorhandenes Netzwerk sehen, wissen Sie, dass es vielleicht viele Vorteile bietet, wie Zugänge zu Information oder Ereignissen, entscheidende Ratschläge oder Profit. Aber ein wie auch immer gearteter Vorteil kommt meist nicht von jener Seite, an die Sie vielleicht besonders viel gaben. Er kommt aus einem übergeordneten Netzwerkeffekt, den die einen vielleicht Karma nennen und die anderen einfach dem besonderen Menschen und seinen Kompetenzen zuschreiben: Ihnen!


Zum Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.

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(c) StartUp Burgenland
(c) StartUp Burgenland

Die Gründungszahlen gingen in den meisten österreichischen Bundesländern laut aktuellem Austrian Startup Monitor zuletzt zurück oder stagnierten. Große Ausnahme ist ausgerechnet das Bundesland mit der geringsten Bevölkerungszahl: Gerade in den vergangenen Krisenjahren stieg die Zahl der Neugründungen im Burgenland um nicht weniger als 65 Prozent.

Heute sind es insgesamt rund 90 Startups – und diese weisen laut Monitor noch eine weitere Besonderheit auf: Das Burgenland ist auch österreichweiter Spitzenreiter bei Profitabilität. Mehr als 60 Prozent der Startups im östlichsten Bundesland sind demnach bereits profitabel oder haben den Break-even erreicht.

StartUp Burgenland: 50 Startups seit dem Start 2021

Doch wie kommt es zu dieser Dynamik entgegen des österreichweiten Trends? Der Gründergeist hat sich in den vergangenen Jahren nicht zufällig im Burgenland etabliert. „Es gab früher keine Anlaufstelle, kein strukturiertes Programm. Wer hier gründen wollte, ist nach Wien oder Graz ausgewichen – oder hat es alleine versucht“, sagt Michael Sedlak. Er ist Leiter von StartUp Burgenland, das genau diesen Umstand in den vergangenen Jahren geändert hat.

Die Zahlen sprechen dabei für sich. Seit dem Start 2021 gingen durch die Inkubator- und Accelerator-Programme mehr als 50 Startups. 70 Prozent davon schafften den Markteintritt und schufen damit 129 Arbeitsplätze. Sie kommen auf eine Gesamtkapitalisierung von 10,7 Millionen Euro. Und dieser Impact zeigt sich auch in der Zufriedenheit der Teilnehmer:innen: 95 Prozent der Alumni empfehlen die Programme von StartUp Burgenland weiter.

CRANii: über Ärtztepraxen zu den Patient:innen

Eine der aktuellen Teilnehmer:innen ist Christiane Hofer-Marbet. Sie hat mit ihrer Schwester Katharina Koller-Hofer das Startup CRANii gegründet. Das app-gestützte Therapiekonzept für Kopf- und Kieferbeschwerden, vor allem die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD), bietet Patient:innen strukturierte Kieferphysiotherapie für zuhause. „Für die Patienten ist es oftmals schwierig, Therapieplätze zu finden, weil es zu wenige Spezialisten in dem Bereich gibt und es natürlich auch eine Kostenfrage ist. Wir haben eine Software entwickelt, bei der die Patienten an die Hand genommen werden, um zu Hause die Übungen gemeinsam mit uns zu machen“, erklärt Hofer-Marbet gegenüber brutkasten.

(v.l.) Die Therapeutinnen und Schwestern Christiane Hofer-Marbet und Katharina Koller-Hofer haben CRANii gegründet | (c) CRANii

Gerade erst vor wenigen Wochen gelauncht, führt der Weg zu den Patient:innen für CRANii über einen B2B2C-Ansatz, konkret über die Kooperation mit Ärztepraxen und Reha-Kliniken. „Momentan bedienen wir Reha-Kliniken, Zahnarztpraxen und HNO-Praxen österreichweit und weiten nun auf die Orthopädie und Neurologie aus.“ Dabei strecke man schon jetzt in der Launch-Phase die Fühler im gesamten DACH-Raum aus und führe etwa bereits Gespräche in der Schweiz.

„Wir sind Therapeutinnen und hatten von BWL am Anfang null Ahnung“

Nicht nur bei der Entwicklung dieser Go-to-Market-Strategie holte sich CRANii Unterstützung von StartUp Burgenland. „Ich glaube, ohne die Hilfe wären wir nicht da, wo wir heute stehen“, sagt Hofer-Marbet. „Wir kommen eigentlich nicht von der unternehmerischen Seite. Wir sind Physiotherapeutinnen und hatten von BWL am Anfang null Ahnung“, so die Gründerin. „Seit wir dabei sind, ist es krass: Unser Coach Felix Lenhard geht den Business-Plan Schritt für Schritt mit uns durch, wir sind in Coachings mit Silicon-Valley-Investoren und haben es jetzt drauf, auf Deutsch und auf Englisch aus dem Stegreif zu pitchen.“

Man habe angetrieben durch den zweiten Coach, Michael Sedlak, auch an Messen und Kongressen teilgenommen, man schätze die Struktur des Programms und: „Das Netzwerk, das uns an die Hand gegeben wird, ist einfach gigantisch“, so Hofer-Marbet.

„Die meisten Leute wollen etwas von dir, wenn sie dir so ein Netzwerk vermitteln.“

Diesen Aspekt betont auch Edris Paknehad: „Felix [Anm. Lenhard], Michael [Anm. Sedlak] und Raphaela [Anm. Graf] haben mir in Eins-zu-Eins-Betreuung überall geholfen, wo ich nicht weitergekommen bin, und wenn sie es selbst nicht wussten, haben sie immer Leute gefunden, die mir helfen konnten. Die meisten Leute wollen etwas von dir, wenn sie dir so ein Netzwerk vermitteln. Sie nicht.“

Edris Paknehad | (c) PAK Immo

Mit seinem E-Learning-Startup PAK Immo hat Paknehad bereits das Accelerator-Programm von StartUp Burgenland durchlaufen. Das Unternehmen hat mit seiner E-Learning-Plattform für die Befähigungsprüfung zum Baumeister eine Nische gefunden, die es erfolgreich besetzt. „Die Baubranche in Österreich ist extrem altmodisch. Man redet die ganze Zeit von Digitalisierung, etwa mit BIM [Anm. Building Information Modeling], aber was die Bildung angeht, ist alles sehr veraltet“, erklärt der Gründer.

PAK Immo: effizient genutzte Fahrzeit

So habe man für besagte Befähigungsprüfung bislang einen Kurs in Präsenz belegen müssen, der zwischen 15.000 und 18.000 Euro kostet. „Dabei ist man in dem Beruf zeitlich extrem eingeschränkt. Wenn man auch noch eine Familie hat, kann man sich unmöglich drei- oder viermal in der Woche in einen Kurs setzen. Das war auch bei mir damals der Fall. Ich habe viel Geld bezahlt und 70, 80 Prozent des Vorbereitungskurses verpasst. Ich dachte mir: Das muss besser gehen!“ PAK Immo biete mit seinen Kursen nicht nur einen um mehrere Tausend Euro günstigeren Preis. „Bei uns kann man die Inhalte anhören, wie einen Podcast. Ich sitze etwa auch heute vier Stunden im Auto, weil die Baustelle zwei Stunden Autofahrt entfernt ist. Das ist bezahlte Arbeitszeit und man kann sie gleichzeitig nutzen, um zu lernen“, so Paknehad.

Auch er bekam von StartUp Burgenland nicht nur Coachings, Netzwerk und Sichtbarkeit, sondern auch Unterstützung bei sehr konkreten Tasks, erzählt der Gründer: „Was mir besonders geholfen hat: Ich hatte am Anfang kein eigenes CRM-System. Hier wurde mir geholfen, eines aufzubauen – davor war das eher ein Chaos.“

„Du brauchst kein Silicon Valley. Du brauchst ein funktionierendes Ökosystem.“

Auch Paknehad betont die Struktur des Programms, die besonders am Anfang geholfen hat. Seitens StartUp Burgenland hat man diese zuletzt übrigens noch stärker individualisiert. Seit diesem Jahr gibt es keinen Batch-Betrieb und keinen fixen Zeitrahmen mehr, dafür zu 100 Prozent individuelle Begleitung. „Dein Fahrplan, dein Tempo“, fasst Michael Sedlak zusammen. Und er verrät das Erfolgsrezept des Programms: „Du brauchst kein Silicon Valley. Du brauchst ein funktionierendes Ökosystem. Und das gibt es im Burgenland.“

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