22.07.2020

Warum Tabak-Riese Philip Morris Millionen in Startups pumpt

Im Interview erklärt Alexander Stoeckel, Director Venture Capital von PM Equity Partner, warum der VC-Arm von Tabak-Riese Philip Morris verstärkt österreichische Startups "beobachten" will und nach welchen Kriterien investiert wird.
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Philip Morris: Alexander Stoeckel, Director Venture Capital von PM Equity Partner
(c) PMI: Alexander Stoeckel, Director Venture Capital von PM Equity Partner

Auf den ersten Blick sieht die Page von PM Equity Partner nicht anders aus, als jene von anderen Corporate VCs. Startups aus den Bereichen „Life Sciences“, „Consumer Engagement“, „Product Technologies“ und „Industrial Technologies“ sollen nicht nur von Kapital sondern vor auch von der Power des dahinterliegenden Konzerns profitieren. Weltweit 180 Märkte, rund 77.000 Mitarbeiter, eine F&E-Abteilung mit mehr als 300 Wissenschaftlern und ein umfassendes Netzwerk zu Partnerunternehmen und anderen VCs hat dieser zu bieten. Die Rede ist vom weltweit größten Tabakkonzern Philip Morris.

Bei diesem wird man nicht müde, die „Vision einer rauchfreien Zukunft“ als großes ziel zu kommunizieren. Der Weg dorthin soll freilich nicht mit einer Selbstzerstörung einhergehen, also trachtet man, weniger schädliche Zigaretten-Alternativen – auch mit Hilfe von Startups – auf den Markt zu bringen.

Bereits 2015 wurde PM Equity Partner, das mit seinem Fonds bislang über ein Investmentvolumen von 150 Millionen US-Dollar verfügt, gestartet. Nun soll der Philip Morris-Corporate VC, der pro Runde üblicherweise zwischen zwei und fünf Millionen Dollar investiert, verstärkt in Österreich aktiv werden. Wir sprachen dazu mit PM Equity Partner Director Venture Capital Alexander Stoeckel.

Was ist der Fokus von PM Equity Partner? Müssen die Startups etwas mit dem Kerngeschäft von Philip Morris zu tun haben?

Das Ziel der Investmentaktivitäten von PM Equity Partner besteht darin, dass wir uns an Unternehmen beteiligen, deren Technologien oder Services einen positiven, signifikanten und nachhaltigen Beitrag zu Philip Morris‘ Kerngeschäft und Strategie (smokefree future) leisten können. Das können also beispielsweise Technologien sein, mit denen wir unsere Produkte verbessern können. Oder das können Services sein, mit deren Hilfe wir die Kommunikation mit unseren Kunden persönlicher gestalten können. Es können aber auch Technologien sein, die z.B. dazu führen dass wir in der Fertigung effizienter werden.  

Was muss ein Startup bieten, damit Interesse von Ihrer Seite besteht?

Das Unternehmen sollte in einem der vier von uns definierten Investmentkorridore (Anm.: „Life Sciences“, „Consumer Engagement“, „Product Technologies“ und „Industrial Technologies“) aktiv sein und in diesem Bereich eine Innovation entwickelt haben, die sich deutlich von dem unterscheidet, was derzeit anderweitig im Markt in diesem speziellen Segment genutzt wird. Das Startup sollte außerdem bereits die Gründungsphase hinter sich gelassen haben. Idealerweise liegen bereits erste Kundenbeziehungen vor oder zum Beispiel ein testbarer Prototyp. Denn wir arbeiten in der Regel so, dass wir die Innovation des Startups in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen aus den jeweiligen Fachabteilungen von PMI (Philip Morris international) testen und uns bevorzugt dann mit einem Investment auseinandersetzen, wenn wir auf Grundlage des Tests verstanden haben, welchen Beitrag die jeweilige Technologie zu unserem Erfolg als PMI leisten kann.

PM Equity Partner besteht bereits seit 2015. Wie viele Investments wurden bislang getätigt? Was für ein Volumen wurde investiert?

Der Fonds hat sich bislang an elf Unternehmen beteiligt. Dabei wurde insgesamt ein hoher zweistelliger Millionenbetrag investiert.

Kommt es vor, dass Startups Gesprächs- bzw. Investment-Angebote ablehnen, weil sie nichts mit einem Tabak-Konzern zu tun haben wollen?

Kategorische Absagen von Startups sind mir offen gestanden nicht bekannt. Was allerdings regelmässig vorkommt ist, dass Gründer anfänglich mit ein wenig Argwohn auf unseren ersten direkten Austausch warten und dann nach den ersten Gesprächen oder Treffen überrascht sind, wie professionell und breitgefächert Philip Morris aufgestellt ist. Ich erinnere mich an ein Gründerteam, dem wir von unseren eigenen Kapazitäten im Life Science Bereich erzählt hatten. Die Gründer reagierten auf unsere Beschreibungen etwas skeptisch. Aber nachdem wir das Team zu einem Treffen in Neuchatel und zu einem Austausch mit unseren wissenschaftlichen Kollegen von PMI Science eingeladen hatten, war die anfängliche Skepsis verfolgen.

Wie kommt es, dass nun, nach fünf Jahren, ein verstärkter Fokus auf Österreich gesetzt werden soll?

Österreich ist ein Land mit hervorragenden Rahmenbedingungen für das Entstehen und Gedeihen von Startups. Damit meine ich: Österreich verfügt über einige hervorragende Universitäten, das Land ist attraktiv für internationale Talente und es gibt eine gutes Startup-Ecosystem mit zahlreichen und vielfältigen Startup-Unterstützungsprogrammen wie von der AWS, guten Business Angel Netzwerken, guten Venture Capital Investoren und starken im Land ansässigen Unternehmen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass wir die Österreichische Startup Szene genau beobachten.

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Lebensstimmen
Der Fabertar | © Lebensstimmen/Screenshot

Vor rund einem Monat gab das Grazer Startup Lebensstimmen den Einstieg von Motorsportlegende Helmut Marko als Investor bekannt – brutkasten berichtete. Nun präsentierte man seine KI-basierte Plattform und hat dabei weitere prominente Unterstützung.

Lebensstimmen als Vorsorge

Das von Markus Pinter, Philipp Berkessy und Lukas Stern gegründete Startup versteht sich als ein Vorsorgeprodukt, das zu Lebzeiten abgeschlossen wird und für den Tod und darüber hinaus wirkt. Menschen können zu Lebzeiten ihre eigene Grußbotschaft oder „letzte Rede“ gestalten, in eigener Stimme, mit eigenen Inhalten, Musik und Bildern. Angehörige sollen nach einem Todesfall zudem eine digitale Trauerrede erstellen können.

Insgesamt umfasst das Angebot vier Produkte: die „Grußbotschaft“, „Meine letzte Rede“, einen neutralen „KI-Trauerredner“ sowie das Format „Aus Sicht der Familie“.

Vertrieben werden soll über Bestattungsunternehmen, Vorsorgeversicherer, Institutionen und Medienpartner im Lizenz- und White-Label-Modell. Die rechtliche Architektur der Plattform wurde gemeinsam mit Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte entwickelt. Technologiepartner ist BLCKs AI.

Fabertar schenkt Worte her

Neben Marko unterstützt nun auch Dompfarrer von St. Stephan, Toni Faber, Lebensstimmen in Fragen von Trauer und Abschied mit einem neuartigen Angebot. Mit dem „Fabertar“ präsentiert das Startup einen gemeinsam mit ihm entwickelten und klar als KI gekennzeichneten Trauerredner. Dieser soll keine Seelsorge ersetzen, sondern Worte schenken, wo sie gewünscht werden oder wo kein Redner verfügbar ist.

„Ich begleite viele Menschen im Abschied. Oft ist das, was ungesagt bleibt, am schwersten. Wenn Technik hilft, liebevolle Worte zu bewahren, dient sie dem Menschen und dem Trost. Genau das ist der Gedanke hinter dem ‚Fabertar‘. Er soll niemanden ersetzen“, sagt Faber.

Marktstart Anfang 2027

Und Lebensstimmen-Geschäftsführer Berkessy ergänzt: „Jeder Mensch hat Worte, die bleiben sollen. Mit Lebensstimmen machen wir Vorsorge erstmals persönlich, digital und rechtssicher. Heute beginnt eine neue Abschiedskultur, und sie beginnt in Österreich.“

Nach der offiziellen Vorstellung der Plattform, der dazugehörigen Lebensstimmen-Produkte und dem aktuellen Launch der Website erfolgt in einem nächsten Schritt. Der Marktstart ist für Q1 2027 geplant und soll sowohl österreichweit als auch global erfolgen.

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Warum Tabak-Riese Philip Morris Millionen in Startups pumpt

  • Auf den ersten Blick sieht die Page von PM Equity Partner nicht anders aus, als jene von anderen Corporate VCs.
  • Startups aus den Bereichen „Life Sciences“, „Consumer Engagement“, „Product Technologies“ und „Industrial Technologies“ sollen nicht nur von Kapital sondern vor auch von der Power des dahinterliegenden Konzerns profitieren.
  • Bereits 2015 wurde PM Equity Partner, das mit seinem Fonds bislang über ein Investmentvolumen von 150 Millionen US-Dollar verfügt, gestartet.
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