09.11.2023

Pflanzilla: Billa eröffnet rein pflanzliche Filiale in Graz

Nach dem Flagship-Pflanzilla-Store in Wien folgt die zweite Filiale in Graz. Im Sortiment finden sich die Produkte österreichischer FoodTechs.
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Die neue Pflanzilla Filiale in Graz (c) Robert Harson via billa.at

Pflanzilla – die vegane Version des Lebensmitteleinzelhändlers Billa – feierte in Wien mit seiner ersten Filiale im Einkaufszentrum Gerngross an der Mariahilfer Straße am 8. September sein einjähriges Bestehen. Nach einem Jahr zählte der vegane Supermarkt rund 137.000 Kund:innen (brutkasten berichtete).

Am heutigen Donnerstag eröffnete nun die österreichweit zweite Filliale am Grazer Joanneumring unter dem Namen „Billa Pflanzilla“. Das Sortiment bietet rund 2.500 Produkte auf knapp 110 Quadratmetern.

Kein Preisunterschied zwischen pflanzlich und tierisch

„Mit dem heutigen Tag werden alle Produkte der pflanzlichen Eigenmarke Vegavita, die ein tierisches Pendant haben, preislich an diese angepasst“, erklärt Verena Wiederkehr, Head of Plant-Based Business Development bei Billa. Damit sollen Anreize geschaffen werden, um mehr Menschen weg von tierischen und hin zu pflanzlichen Produkten zu bewegen. Die Preisanpassung ziele weiterhin darauf ab, „öfter zu pflanzlichen Alternativen zu greifen“, heißt es. Zum Preisvergleich mit Vegavita wird die Billa-Eigenmarke Clever herangezogen.

Größtes veganes Angebot in Österreich

Noch vor der Eröffnung der zweiten Pflanzilla-Filiale kommunizierte der Lebensmittelhändler Billa, dass er mit rund 4.000 pflanzenbasierten Produkten das größte vegane Sortiment des Landes anbieten würde – und zwar nicht nur im Pflanzilla-Sortiment. Dazu ging Billa in den letzten Monaten einige neue Kooperationen mit FoodTechs ein, die pflanzliche Alternativen zu Fleisch, Fisch und Milchprodukten herstellen.

Heimische FoodTechs wie Revo Foods und Wunderkern im Sortiment

Als Vorreiter holte Billa Ende Jänner die spanische Marke Heura an Bord, die pflanzliche Fleischalternativen herstellt (brutkasten berichtete). Darauf folgte das slowenische Startup Juicy Marbles, das der Lebensmittelhändler im April dieses Jahres an Bord holte. Auch die Produkte der deutschen Marke The Family Butcher haben es mit ihrer Fleischalternative „The Plantly Butchers“ in das Sortiment des Nahversorgers geschafft.

Unter den heimischen FoodTech Newcomern im Grazer Pflanzilla Sortiment befindet sich zudem das niederösterreichische Startup Wunderkern, das Lebensmittel wie Schokocremen, Käse, Öle und Milchalternativen aus Obstkernen herstellt. Auch das Wiener FoodTech Revo Foods ist vertreten. Erst im vergangenen September brachte Revo Foods eine pflanzliches Lachsfilet aus dem 3D-Drucker auf den Markt – und launchte dieses im Wiener Pflanzilla Store.

Österreicher:innen essen dreimal zu viel Fleisch

Mit 89 Kilogramm pro Jahr essen wir Österreicher:innen im Durchschnitt über dreimal zu viel Fleisch im Jahr. Nur ein Drittel davon, also rund 23,4 Kilogramm, sind pro Kopf und Jahr empfohlen. Verringerter Fleischkonsum könnte hierzulande nicht nur Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verringern, sondern auch den CO2-Ausstoß des Landes um rund 3,7 Millionen Tonne pro Jahr reduzieren, heißt es vonseiten der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung. „Ein Stopp der unseligen Rabattaktionen auf Fleisch wäre ein gutes Beispiel“, meint Veronika Weissenböck, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten, zur Debatte. Mit dem Pflanzilla-Konzept und einer Preisanpassung pflanzenbasierter Produkte könnte ein Beitrag zur Veränderung des heimischen Fleischkonsums geleistet werden.

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(v.l.) Peter Hajek, Monika Köppl-Turyna, Lisa-Marie Fassl und Markus Raunig © Tobias Gärtner

Wie steht es um das Interesse an der Selbstständigkeit in Österreich? Eine Online-Befragung von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft liefert dazu aktuelle Daten. Im Befragungszeitraum vom 22. Mai bis 8. Juni 2026 wurden insgesamt rund 1.500 Personen der österreichischen Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 16 und 69 Jahren befragt. Die Zahlen zeigen, wie stark das direkte Umfeld die Neigung zum Unternehmertum in Österreich prägt.

Der „Eltern-Effekt“ als zentraler Einflussfaktor

Der zentralste Befund der Untersuchung liegt in der familiären Prägung: Der Wunsch und die konkrete Absicht zu gründen gehen laut den Studiendaten maßgeblich mit der unternehmerischen Tätigkeit der eigenen Eltern einher. Insgesamt geben 20 Prozent der Befragten an, mindestens einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil zu haben. Laut Umfrage verändert diese Erfahrung die Haltung grundlegend: Während sich ohne unternehmerischen Hintergrund lediglich 27 Prozent der Befragten eine Gründung grundsätzlich vorstellen können, steigt dieser Wert bei Personen mit unternehmerischem Elternhaus auf 47 Prozent.

Noch drastischer unterscheidet sich die konkrete Planung: Bei Befragten ohne unternehmerische Eltern geben derzeit nur 7 Prozent an, innerhalb der nächsten zwölf Monate konkret eine Gründung zu planen. Hat mindestens ein Elternteil ein Unternehmen geführt oder gegründet, springt diese Gründungsabsicht auf 18 Prozent, also mehr als das Doppelte. Das Elternhaus senkt somit laut Studie die subjektiven Hürden von der bloßen Vorstellung hin zur konkreten Absicht.

Eklatanter Mangel an sichtbaren Vorbildern im Alltag

Dass die familiäre Herkunft in den Daten eine so dominante Rolle spielt, deckt sich mit einem deutlichen Mangel an sichtbaren Alternativen im öffentlichen Raum. Laut Umfrage fällt fast der Hälfte der Gesamtbevölkerung (49 Prozent) spontan kein einziger Name einer Unternehmerin oder eines Unternehmers ein.

Unter den Befragten zwischen 16 und 29 Jahren geben sogar 60 Prozent an, niemanden nennen zu können. Werden überhaupt Namen genannt, handelt es sich meist um prominente Großunternehmer wie Mateschitz (13 Prozent), Haselsteiner (5 Prozent), Benko (3 Prozent), Swarovski (3 Prozent) oder Elon Musk (2 Prozent). Greifbare Vorbilder aus dem alltäglichen Leben fehlen in der Wahrnehmung vieler Befragter.

Gleichzeitig zeigt die Erhebung: Wer im unternehmerischen Umfeld aufwächst oder entsprechende Kontakte hat, würde im Falle eines Gründungsvorhabens eine nahestehende Person laut Eigenangabe mit 37 Prozent mehr als doppelt so oft aktiv bestärken wie Personen ohne dieses Umfeld (17 Prozent).

Breiter Ruf nach Wirtschaftsbildung an Schulen

Unterstützung aus dem Elternhaus ist ein wichtiger Faktor, doch soll er laut den Befragten nicht der einzige sein, der über die berufliche Zukunft entscheidet, wie sich aus weiteren Ergebnissen ablesen lässt. 80 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Jugendliche bereits in der Schule stärker lernen sollten, wie man Unternehmen gründet oder führt. Zudem hätten sich 75 Prozent selbst mehr praktische Wirtschaftsbildung gewünscht.

Für Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft, liefern die Befragungsergebnisse deshalb einen klaren Auftrag an die Bildungspolitik. Seine zentrale These formuliert Raunig bei der heutigen Pressekonferenz als Kernversprechen der Stiftungsarbeit: „Unsere Überzeugung als Stiftung lautet: Es darf nicht davon abhängen, was für Eltern oder welches Umfeld man hat, ob man unternehmerisch tätig wird oder nicht.“

Durch praxisnahe Schulprogramme, den Aufbau eigener Medienkanäle zur Veranschaulichung des unternehmerischen Alltags und die gezielte Sichtbarmachung nahbarer Vorbilder soll dieses Herkunfts-Delta geschlossen werden.

Wachstumsorientierte Startups als echter Jobmotor

Aus volkswirtschaftlicher Sicht kommt es jedoch nicht bloß auf die reine Anzahl an Gründungen an, sondern auf deren Qualität, das betont Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Die auch als Vorstandsmitglied der Stiftung agierende Wirtschaftsforscherin hebt hervor, dass vor allem junge, wachstumsstarke Unternehmen als entscheidender Motor für Beschäftigung und Innovation wirken und überproportional viele neue Arbeitsplätze schaffen.

Auf der Pressekonferenz spitzte Investorin und Stiftungs-Vorstandsmitglied Lisa-Marie Fassl die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen Haltungswende zu: „Das einzige, was uns hilft wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben als Standort, ist Innovation. […] Es muss gesamtgesellschaftlich gesehen einfach wieder sexy sein, einen Beitrag zu leisten. Wir leben in einem Land mit einer massiven Vollkaskomentalität, wo man darauf wartet, dass irgendwer etwas für einen richtet.“

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