06.10.2022

OÖ HightechFonds: Ein Startup-Portfolio so vielseitig wie Oberösterreich

Zehn Jahre nach dem ersten Investment versammelte der OÖ HightechFonds seine Portfolio-Startups bei einem Event im kleinen Kreis – und diese präsentierten eine beachtliche Zwischenbilanz.
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Am Portfolio Day wurden die Gründer:innen der OÖHightechFonds-Startups in Hagenberg versammelt
Am Portfolio Day wurden die Gründer:innen der OÖHightechFonds-Startups in Hagenberg versammelt | (c) OÖHightechFonds / Hermann Wakolbinger
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Vom Flachland bis zum Hochgebirge, von kleinen, landwirtschaftlich geprägten Ortschaften bis zu Großstädten mit Industriebetrieben von internationaler Bedeutung – Oberösterreich hat nicht umsonst den Ruf, sehr vielseitig zu sein. Dass das auch auf die Startup-Landschaft des Bundeslands zutrifft, macht das Portfolio des OÖ HightechFonds deutlich, der seit 2012 investiert – und zwar ausschließlich in Unternehmen aus dem Bundesland. Ihre Lösungen reichen von einer Instrumenten-Lernapp über ein Gerät zur lokalen Auswertung von medizinischen Streifentests bis hin zu einer AI-basierten Software zur Berechnung von Kreditausfallsrisiken. Am „Portfolio Day“ im Bluesource-Office im Softwarepark Hagenberg wurden diese Startups nun versammelt und konnten sich in kleiner, aber illustrer Runde präsentieren.

Die beiden OÖ HightechFonds-Managing Directors Chrsitian Matzinger (links im Hintergrund) und Thomas Meneder | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger
Die beiden OÖ HightechFonds-Managing Directors Christian Matzinger (links im Hintergrund) und Thomas Meneder | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger

„Wir können auch Mundart sprechen und haben trotzdem eine internationale Perspektive“

OÖ HightechFonds-Co-Managing Director Thomas Meneder bringt es auf den Punkt: „Wir können auch Mundart sprechen und haben trotzdem eine internationale Perspektive“. Dabei spricht er nicht nur von den Keynote-Speakern der Veranstaltung, Benedikt Kronberger von Matterwave Ventures und Peter Lasinger von 3VC, die in ihren Beiträgen ein Big Picture des internationalen Startup-Investment-Bereichs zeichnen. Er meint vor allem auch die Ausrichtung und die Erfolge der Portfolio-Startups. Zwölf sind es derzeit – bei fünf weiteren gelang in den vergangenen Jahren bereits der Exit. „Die ursprüngliche Idee, in Oberösterreich die Lücke zwischen klassischer Industrie und Landwirtschaft mit Hightech-Unternehmen zu schließen, wurde umgesetzt. Die Erfolgsgeschichte des Fonds ist sehr beeindruckend“, meint dazu beim Portfolio Day Nationalratsabgeordnete Johanna Jachs.

Nationalratsabgeordnete Johanna Jachs
Nationalratsabgeordnete Johanna Jachs | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger

Viele Erfolgsgeschichten werden zur Erfolgsgeschichte des OÖ HightechFonds

Diese Erfolgsgeschichte ist nicht nur jene des OÖ HightechFonds. Es sind eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten der Portfolio-Unternehmen – nicht ohne den sprichwörtlichen „Startup-Rollercoaster“. „2020 haben wir nach mehreren Jahren unser Geschäftsmodell gewechselt. Seitdem verzeichnen wir ein massives Wachstum“, erzählt etwa Andreas Gutzelnig, Gründer von Storyclash aus Linz. Das Unternehmen bringt nun erfolgreich Marken mit passenden Influencer:innen zusammen und macht damit Millionenumsätze. Auch für Genspeed aus Rainbach im Mühlkreis brachte 2020 einen großen Push – die Geräte das Startups zur Auswertung medizinischer Streifentests werden auch für Covid-Tests eingesetzt und sind mittlerweile an 120 Stellen in Österreich im Einsatz.

Genspeed-Gründer Max Sonnleitner präsentiert sein Startup beim Portfolio Day | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger
Genspeed-Gründer Max Sonnleitner präsentiert sein Gerät beim Portfolio Day | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger

Millionen User:innen und jede Menge Großkunden

Franziskos Kyriakopoulos, Gründer von 7lytics aus Linz, berichtet von drei großen Banken als Kunden seiner AI-Lösung und Florian Lettner von Fretello aus Linz spricht von großen Deals mit seiner Instrumenten-Lernapp, die bald spruchreif werden. Gastgeber Bluesource steht mit seiner Kundenkarten- und Shoppingapp Mobile-pocket bereits bei 15 Millionen User:innen weltweit, wie Mitgründer Wolfgang Stockner berichtet, und das System von View Elevator aus Friedburg wird laut Gründer Johannes Schober bereits bei rund 1000 Aufzügen eingesetzt. FireStart aus Linz kann als „logische Nachfolge von SAP“ Großkonzerne auf der ganzen Welt als Kunden vorweisen und DualDocker aus Schalchen deckt zehn Prozent des wachsenden Weltmarkts für Befestigungssysteme im Wasser ab.

Die Portfolio-Startups hatten am Portfolio Day je drei Minuten, um sich und ihre Erfolge zu präsentieren | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger

Enorme Branchen-Diversität beim OÖ HightechFonds

Das sind nur einige Beispiele für aktuelle Erfolge der Portfolio-Startups des OÖ HightechFonds. Und das Portfolio hat noch Startups aus mehreren weiteren Branchen zu bieten. Das sind TeamEcho, das sich mit Mitarbeiter:innenzufriedenheit beschäftigt, Daphos, das sich des Fachkräftemangels im Medizin-Bereich annimmt, AeroEnterprise, das Drohnen zur automatischen Inspektion etwa von Windkraftanlagen nutzt, Pixelrunner, das einen „Landschaftsdrucker“ entwickelt hat und Ecop, das eine Rotationswärmepumpe für den industriellen Einsatz baut.

Fretello-Gründer Florian Lettner mit den TeamEcho-Gründern Markus Koblmüller und David Schellander | (c) OÖ HightechFonds / Hermann Wakolbinger

„Vermeintliche Schwäche kann zur großen Stärke werden, wenn man es richtig macht“

Sie alle wären ohne die Unterstützung des OÖ HightechFonds wohl nicht dort, wo sie heute stehen. Der Fonds wiederum beweist, dass man auch mit einem denkbar vielseitigen Portfolio erfolgreich sein kann und es nicht unbedingt eine Branchen-Spezialisierung braucht. Peter Lasinger bringt es in seiner Keynote auf den Punkt: „Die räumliche Einschränkung eines Regionalinvestors hat auch große Vorteile. Er ist verfügbar und kann mit den Leuten im selben Raum interagieren. Support geht auf regionaler Ebene einfach viel leichter. Die vermeintliche Schwäche kann also zur großen Stärke werden, wenn man es richtig macht“.

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Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Schon seit mehr als einem Jahr ist Reploid nun an der Wiener Börse (und plant bereits den Wechsel in den prime market, wie brutkasten berichtete). Eine große Aktienemission gab es bislang aber nicht. Stattdessen nutzte das Welser Insektenzucht-Scaleup auch nach dem Listing andere Finanzierungsformen, wie eine umsatzbasierte Finanzierung, Crowdinvesting und einen großen Wachstumskredit.

Darlehen werden 2027 verpflichtend in Aktien umgewandelt

Nun kündigte Reploid in einer verpflichtenden Meldung an, bis 31. 12. bis zu 30 Millionen Euro aufnehmen zu wollen und macht dies abermals nicht via Aktienemission, aber mit einem Instrument, das dieser schon recht nahe kommt: Das Scaleup emittiert eine Wandelschuldverschreibung. Dabei wird das nun aufgenommene Kapital verpflichtend zwischen 15. August und 9. September 2027 in Aktien umgewandelt.

Das passiert zum dann aktuellen Aktienkurs bzw. zu einem Durchschnittskurs, allerdings mit einem Discount von 20 Prozent. Bis dahin bekommen die Zeichner:innen auf das formell unbesicherte und nachrangige Darlehen zudem einen Zinssatz von 2,5 Prozent p.a.. Das Angebot richtet sich allerdings nur an einen geschlossenen Kreis. Die Mindestzeichnungssumme beträgt 100.000 Euro.

Vorteile im Vergleich zu Aktienemission

Die Vorteile für Reploid bei dieser Vorgehensweise liegen indessen auf der Hand. Erstens ist die Wandelschuldverschreibung, im geschlossenen Kreis platziert, regulatorisch deutlich einfacher handzuhaben als eine Aktienemission. So muss etwa kein öffentlicher Prospekt erstellt werden und es gibt keinen aufwändigen Zulassungsprozess. Zweitens hat das Scaleup die Chance, die Unternehmensbewertung bis zur Wandlung so weit zu steigern, dass das aufgenommene Kapital vergleichsweise günstiger wird.

Zweiteres könnte wiederum durch die erfolgreiche Aufnahme des Kapitals als Erfolgsmeldung begünstigt werden. Generell muss sich Reploid nach wie vor beweisen: Der zuletzt veröffentlichte Jahresabschluss 2025 weist zwar an der Oberfläche beachtliche Gewinne aus, bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber eine durchaus komplexe Situation, wie brutkasten analysierte.

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