29.08.2024
ZWISCHENBILANZ

notarity: „bei Internationalisierung rascher vorangekommen als erwartet“

Seit Beginn eines Rechtsstreits mit der Österreichischen Notariatskammer setzt das Wiener Startup notarity stark auf Internationalisierung.
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notarity-Gründer: Alexander Gugler, Sebastian Wodniansky, Jakobus Schuster, Max Pointinger
Die notarity-Gründer (vlnr.): Alexander Gugler, Sebastian Wodniansky, Jakobus Schuster, Max Pointinger | (c) Alexander Schindler

Als junges Startup von einer etablierten Institution geklagt zu werden, kann einen Kopf und Kragen kosten. In manchen Fällen kann es aber auch der entscheidende Impuls sein, die Strategie anzupassen und damit erfolgreicher zu werden – so passiert beim Wiener LegalTech-Unternehmen notarity.

Urteil nach Prozess mit ÖNK steht noch aus

Das Startup bietet eine Plattform für die Online-Abwicklung von Notariatsterminen. Zunächst startete notarity damit am Heimatmarkt Österreich. Die Österreichische Notariatskammer (ÖNK) sah das Angebot aber in mehreren Punkten als rechtswidrig an und klagte deswegen. Die Verhandlungen waren bereits diesen Juni abgeschlossen, wie brutkasten berichtete. Das Urteil steht aber noch aus.

Schwedische Notar:innen als Joker für notarity im internationalen Geschäft

Bei allen Komplikationen wurde der Rechtsstreit für notarity zum Anlass, auf eine schnelle Internationalisierungsstrategie zu setzen. Und mit dieser sei man „rascher vorangekommen, als erwartet“, heißt es nun in einer Aussendung des Startups. Dabei setzt notarity im Angebot auch auf die per EU-Vorgaben geschaffene Möglichkeit, notarielle Dienstleistungen von Notar:innen in anderen EU-Staaten in Anspruch zu nehmen.

Dafür nutzt das Startup vor allem schwedische Notariate, mit denen die internationale Nachfrage bedient wird. „Terminanfragen aus Österreich wickeln wir aber weiterhin über österreichische Notarinnen und Notare ab“, betont notarity-Co-Founder Jakobus Schuster.

„Die Resonanz ist noch stärker, als wir erwartet haben“

Er zieht eine Zwischenbilanz: „Aufgrund des Rechtsstreits mit der Notariatskammer haben wir unsere Plattform im vergangenen Jahr verstärkt auf international agierende Unternehmen ausgerichtet und für Firmen aus mehr als 100 Staaten weltweit zugänglich gemacht. Die Resonanz ist noch stärker, als wir erwartet haben. Der Umsatz aus internationalen Transaktionen hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt“, so der Gründer.

Es habe sich gezeigt, dass die Nachfrage nach rechtssicheren Online-Beglaubigungen durch Notare aus anderen EU-Staaten vor allem in jenen europäischen Ländern enorm hoch sei, in denen die Digitalisierung des Notariats durch nationale Standesinteressen erschwert werde, so Schuster.

Hohe Nachfrage für notarity-Angebot aus Spanien, den USA und UK

Mit der Abwicklung von rund 4.000 Online-Beglaubigungen und -Notariatsakten allein im Juli habe man vergangenes Monat einen neuen Nutzungsrekord erreicht – eine mehr als Verdopplung gegenüber dem Juli des Vorjahres, heißt es vom Startup. Das Online-Service werde nicht nur von Privaten, sondern mittlerweile vor allem von internationalen Konzernen genutzt. Hohe Nachfrage komme vor allem aus Spanien, den USA und dem Vereinigten Königreich. Auch in Österreich seien die Nutzerzahlen ungeachtet des Rechtsstreits mit der ÖNK „weiterhin stark im Steigen“.

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DiLT Analytics
© DiLT Analytics

DiLT Analytics hat eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Sie setzt sich aus einem Equity-Investment von Noctua Science Ventures und einer Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Programms Seedfinancing – Deep Tech zusammen. Mit dem Geld möchte das 2021 gegründete Spinoff der TU Graz sein Team ausbauen und FaciliMind, seine Software zur automatisierten Fehlerdiagnose in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, zu weiteren Betreibern großer Gebäudeportfolios bringen

DiLT Analytics: „Substanziell wachsen“

Noctua Science Ventures ist ein Wiener Deep-Tech-Fonds und ein Joint Venture von Speedinvest und den Technischen Universitäten Österreichs. Der Fonds investiert gezielt in Ausgründungen, deren Produkt auf langjähriger Forschung beruht.

„Die aws-Förderung ergänzt das Investment und ist auf genau diese Phase zugeschnitten: den Schritt von einer erprobten Technologie zu einem Produkt, das sich über viele Standorte hinweg ausrollen lässt“, heißt es per Aussendung. Um im Sinne des Programms aws Seedfinancing – Deep Tech als Deep Tech zu gelten, muss das Vorhaben auf einer „anspruchsvollen technologischen und wissenschaftlichen Herausforderung“ basieren und einen klaren Technologiesprung gegenüber bestehenden Lösungen oder rein inkrementellen Weiterentwicklungen ermöglichen.

„Mit Noctua Science Ventures haben wir einen Partner gefunden, der beides kennt: die technischen Herausforderungen eines Deep-Tech-Produkts und den Weg in die Kommerzialisierung. Für ein junges Spinoff ist das der Best Case. Dass parallel auch die aws-Förderung zugesagt wurde, bestätigt uns, dass FaciliMind und unser Team auf dem richtigen Weg sind. Jetzt geht es darum, substanziell zu wachsen“, sagt Theresa Kohl, CEO von DiLT Analytics.

Philipp Stangl, Managing Director von Noctua Science Ventures, ergänzt: „Von unseren vielen Gesprächspartnern erhielten wir ein sehr einheitliches Bild zu DiLT: ein glaubwürdiger, technisch differenzierter Ansatz, umgesetzt von einem Team, mit dem Immobilienprofis gerne zusammenarbeiten. Genau diese Kombination aus Forschungsvorsprung und starker Kundenorientierung ist es, wonach wir in der Pre-Seed-Phase suchen.“

2021 gegründet

DiLT Analytics wurde Ende 2021 von Franz Wotawa und Gerald Schweiger als Spinoff des Instituts für Softwaretechnologie der TU Graz gegründet und ging aus der Forschungsgruppe „Intelligent Systems“ hervor. Erstes größeres Projekt war „Inframonitor“, eine herstellerunabhängige IoT-Datenplattform für den Campus Inffeldgasse der TU Graz.

Seither ist DiLT an mehr als 20 Forschungsprojekten mit über 15 Partnern beteiligt, einige davon FFG-gefördert und gemeinsam mit österreichischen und europäischen Universitäten. Die Ergebnisse fließen über den Forschungszweig DiLT Research direkt in die Produktentwicklung. Geführt wird das Unternehmen heute von Theresa Kohl (CEO), Christopher Gray (Business Development & Strategy), Thomas Hirsch (CTO), Reinhard Pertschy (CPO) und Thomas Schwengler (Head of Software).

Die entwickelte Software FaciliMind analysiert Betriebsdaten von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, erkennt dabei versteckte Fehler und Optimierungspotenziale und liefert Technikteams eine nach Dringlichkeit sortierte Maßnahmenliste, so der Claim. Die Software von DiLT Analytics arbeitet herstellerunabhängig und lässt sich über ein einzelnes Gerät an die bestehende Gebäudeleittechnik anbinden. Dank eines knowledgegraphbasierten Softwarestacks soll sie das digitale Abbild komplexer Anlagen weitgehend automatisiert innerhalb weniger Tage statt monatelanger Handarbeit erstellen können. Zielgruppe sind Betreiber großer Gebäudeportfolios, etwa in der öffentlichen Hand, an Flughäfen sowie in Industrie und Gesundheitswesen.

DiLT Analytics erhielt Preise

Zu den Kunden zählen u.a. die Technischen Universitäten Graz und Wien, Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), IG Immobilien Management GmbH und Industriekunden. 2025 wurde DiLT Analytics mit dem DREA Award und dem ÖGUT Umweltpreis ausgezeichnet. Und ist seit September 2026 nach ISO 27001 zertifiziert.

„Wissen über Anlagenbetrieb soll im Unternehmen bleiben“

Neben der Verstärkung des Teams und dem geplanten Rollout möchte DiLT Analytics künftig ein Übersetzungswerkzeug für den BACtwin-Standard als Open Source veröffentlichen und die Diagnose künftig auf weitere Technologien wie Wärmepumpen, Photovoltaik und Batteriespeicher ausweiten

„Ein Gebäudeportfolio überdauert seine Dienstleister und oft auch seine erfahrensten Mitarbeitenden“, sagt Kohl. „Unser Ziel ist, dass das Wissen über den Anlagenbetrieb im Unternehmen bleibt und dass Entscheidungen auf verifizierter Datengrundlage statt auf Bauchgefühl und Erinnerung beruhen.“

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