07.09.2020

not less but better: Höhle der Löwen-Deal mit beiden Investoren geplatzt

Nach Verhandlungen und einer Einigung vor laufender Kamera mussten die Entwickler der Trainingsapp not less but better feststellen, dass es im Gespräch mit den beiden Löwen, Nico Rosberg und Carsten Maschmeyer, unterschiedliche strategische Auffassungen gab, wie es mit dem Startup weitergeht. Nachdem der Deal platzte, erzählen die Gründer, wie sie sich nun finanzieren, warum Abo-Modelle trotz ihrer Fülle weiterhin sinnvoll sind und warum es möglich ist, Handy-Sucht am Handy zu bekämpfen.
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(c) nlbb - Das not less but better-Gründungsteam möchte einen gesünderen Umgang mit dem Smartphone in einer gehetzten Gesellschaft etablieren.

Es ist so eine Sache mit der Smartphone-Nutzung. Experten streichen heraus, dass es zwischen der Sucht und der Gewohnheit (Habitus) Unterschiede gibt und nur ein kleiner Teil der Gesellschaft tatsächlich stark abhängig ist von dem kleinen Supercomputer in der Hosentasche. Nichtsdestotrotz kommt eine Studie aus 2017 drauf, dass Österreicher bereits damals mehr als drei Stunden am Tag mit dem Handy interagieren. Mittlerweile soll diese Zahl auf über vier Stunden angewachsen sein, wie das not less but better-Gründerteam in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ mitteilte. Christina Roitzheim, Selcuk Aciner und Marius Rackwitz möchten daher mit ihrer App Usern einen sorgsameren Umgang mit dem Smartphone ermöglichen.

„Always on my mind“

Auch wenn es nicht immer eine Sucht im klassischen Sinne zu sein scheint, die „always on„-Mentalität hat sich nicht nur im privatem Leben durchgesetzt. Die ständige Verfügbarkeit, die oft darin gipfelt auch im Urlaub seinem „Taschenbüro“ einen Besuch abzustatten, um schnell mal „die Mails zu checken“, kann zu Dauerstress führen, der in gesundheitliche Probleme gleiten kann.

Handy überall mittendrin und nicht nur dabei

Doch auch abseits des Arbeitsalltags spielt die Smartphonenutzung eine große Rolle. Chats mit Freunden, Social Media, das FOMO-Phänomen und der immer stärker werdende Video-Content tragen ihres dazu bei, dass User ihr Handy kaum aus der Hand legen können. Ein Mitgrund, warum die Gründer der App „not less but better“, das tun, was sie tun.

Gründerin hatte Schwierigkeiten präsent zu sein

Christina Roitzheim hatte selbst mit extensiver Handynutzung zu kämpfen, wie sie erklärt. Die Gründerin hat früher in Shanghai gelebt und dort einen „durchdigitalisierten“ Alltag erfahren. Das ging nicht spurlos an ihr vorbei: Sie fühlte sich zunehmend rastlos, gestresst und hatte Schwierigkeiten, präsent zu sein. Nach ein paar Monaten stellte sie schockiert fest, dass sie statt auf die Menschen, die Stadt und die Kultur um sie herum, die meiste Zeit auf ihr Smartphone geschaut hatte.

(C) nlbb – Auch Co-Founderin Christina Roitzheim litt unter extremer Handynutzung.

Auch Selcuk Aciner hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Als frischer Gründer eines damaligen Startups kamen viele Herausforderungen, vor denen er sich immer wieder in sein Handy flüchtete: „Wir probierten alles aus, um unsere ungesunden Gewohnheiten in den Griff zu kriegen. Aber nichts schien nachhaltig zu helfen. Wir sprachen mit vielen Menschen, und ihnen ging es ähnlich. Also nahmen wir es selbst in die Hand. Und haben uns in Berlin getroffen, über Lösungen ausgetauscht. Später lernte wir Marius kennen und ’not less but better‘ war geboren.

Mit dem Auftritt in der Startup-Show sollte der nächste Schritt gemacht werden. Es sah auch gut aus, doch leider wurde aus dem erhofften und hart verhandelten Deal aus der „Höhle der Löwen“ – 150.000 Euro für 20 Prozent mit Carsten Maschmeyer und Nico Rosberg – nichts.

Zu hohe Differenzen mit Höhle der Löwen-Investoren

„Im Anschluss an die Aufzeichnung haben wir im engen Austausch gelernt, dass die Löwen und wir unterschiedliche Pläne für die strategische Ausrichtung des Unternehmens haben. Wir haben uns freundschaftlich und gemeinsam entschieden, das Investment nicht zu machen“, erklärt Aciner, der darauf hinweist, dass das Startup dennoch einige große Schritte getan hat.

Neues Design für not less but better

Die bisherige App not less but better erhält ein neues Design und weitere Kurse, die dazu dienen sollen, einen gesünderen Umgang mit dem Smartphone zu lernen. Darunter etwa der „Social Media“-Bereich. Auch das Team konnte um Psychologen, Designer und Entwickler erweitert werden.

Fundraising ab Herbst

Aktuell finanziert sich not less but better unter anderem mit dem Exist-Gründerstipendium, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Europäischen Sozialfonds kommt. Im Herbst startet das Startup ein Fundraising für eine Pre-Seed-Runde.

Warteliste für Trainings-App

„Wir stehen kurz vor dem Launch auf dem deutschsprachigen Markt. Die Warteliste für unsere Trainings-App wächst täglich, und wir können es kaum abwarten, endlich zu starten. Wir freuen uns, bereits so viel Zuspruch für unsere Arbeit und zum Beispiel den Gesundheitspreis der Techniker Krankenkasse und des Handelsblatts erhalten zu haben. Das sind starke Signale des Marktes, die die Relevanz unseres Themas zeigen, und dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Achtsamkeit als Leitfaden zu einem gesünderen Tech-Umgang

Dieser richtige Weg oder besser gesagt die Überlegungen zu diesem Thema haben schon länger den Begriff „Achtsamkeit“ entstehen lassen, der stellvertretend für einen bewussten Umgang mit Technologien wie dem Smartphone oder Internet steht.

Eine Fähigkeit der Zukunft

Für Aciner bedeutet diese Einstellung im Hier und Jetzt präsent sein. Er sagt: „Achtsamkeit erlaubt uns, bewusster zu handeln, in dem sie uns ein Fenster zwischen Trigger und Reaktion schenkt, in der wir uns für oder gegen eine Handlung entscheiden können. Mit unserem Smartphone haben wir die Welt in der Hosentasche und Zugang zu einer Fülle an Wissen, Menschen und Aktionen. Das ist erstmal ganz wunderbar.“

„Gleichzeitig macht es uns die fortschreitend handliche Technologie, die sich mehr und mehr nahtlos in unseren Alltag einbettet, immer schwieriger, ‚im Moment‘ zu sein. Da dieser Trend sich nur noch verstärkt, indem Technologie in Zukunft noch invasiver und in unseren Alltag “blended” sein wird, ist digitale Achtsamkeit die Fähigkeit der Zukunft“, so der Gründer

Apps wie Rattenfänger aus Hameln

Für die Gründer steht fest, dass Technologie von Dingen ablenken kann, die uns wichtig sind. Apps etwa seien derart designt, dass man möglichst immer noch mehr Zeit in ihnen verbringen möchte, so das Gründer-Team.

(C) nlbb – Trainingseinheiten und gezielte Fragen sollen zum Nachdenken beim Umgang mit dem Smartphone sorgen.

„Unsere Aufmerksamkeit wird monetarisiert. Damit erreichen Profit-getriebene Unternehmen ihre Ziele, unsere eigenen bleiben dabei auf der Strecke – sofern es nicht dein Ziel ist, drei Stunden täglich auf Instagram zu scrollen“, sagt Aciner: „So, wie wir aktuell das Smartphone nutzen, entmenschlicht es uns. Darunter leiden unser Körper, wie etwa beim ‚Handydaumen‘ oder bei und Nackenproblemen, unsere Psyche – Depression, Angst, Schlafprobleme – und unsere Beziehungen.“

Digitales ist Achstamkeit-feindlich

Spannend ist, dass die Gründer das „Digitale“ als sehr Achtsamkeits-feindliche Umgebung wahrnehmen. Sie sprechen von Schnelllebigkeit, „fast content“, kurzen Aufmerksamkeitsspannen und Bewertung (Likes) auf sozialen Medien, die immer mehr Oberhand gewinnen.

Smartphone als engster Verbündeter

„Es wird immer ungewohnter, auch mal kurz inne zu halten. Das führt zu Problemen auf gesellschaftlicher Ebene wie Radikalisierung, und kann persönlich zu einer starken Belastung für psychische Gesundheit werden. Unser Smartphone ist unser engster Verbündeter zur schnellen Befriedigung unserer Bedürfnisse. Diese erfolgt oft aber nur kurzfristig und oberflächlich“, so Aciner weiter, „Gleichzeitig ist Technologie aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Das hat uns spätestens die Corona-Krise gezeigt. Deshalb muss eine neue Lösung her.“

Feuer mit Feuer bekämpfen macht Sinn?

Bei diesen Aussagen scheint es umso verwunderlicher, dass die Gründer für das Smartphoneproblem eine Smartphone-Applikation anbieten. Bei der Argumentation, warum das Sinn macht, verweisen die Founder auf den Unterschied zum „digitalen detox“, den Rosberg in den Sendung eingeworfen und mit ihnen verglichen hat. Christina Roitzheim, Selcuk Aciner und Marius Rackwitz grenzen sich klar davon ab.

Detox nur eine kurzfristige Lösung

„Wir halten nicht viel von ‚digital detox‘. Das kann einmalig eine schöne Möglichkeit sein, sich für das Thema zu sensibilisieren. Langfristig sehen wir darin aber keine praktikable und nachhaltig wirksame Lösung für unser Problem mit der Handy-Nutzung. ‚Digital detox‘ sagt nämlich Folgendes: Verbringe einfacher weniger Zeit am Handy. Aber das funktioniert langfristig nicht. Denn dafür ist es nicht gemacht. Schon von der Ernährung wissen wir, dass Verzicht nur kurzfristige Erfolge verspricht. Bis der Jojo-Effekt einsetzt und wir wieder in unsere alten, unerwünschten Verhaltensmuster fallen“, erklärt Aciner.

Nicht untergehen, am Besten im Wasser lernen

Es geht ihnen vielmehr um die Gesunde Handy-Nutzung, die sie vorantreiben wollen. Und dazu braucht man ein Handy: „Gesunde Smartphone-Nutzung ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann. Und das geht am besten mit dem Gerät in der Hand in der potenziell problematischen Situation. Es ist vergleichbar mit Schwimmen lernen. Trockenübungen sind schön und gut. Um aber nicht unterzugehen, wenn es darauf ankommt, muss Schwimmen im Wasser gelernt werden. So ist es auch beim Smartphone“, betonen die Gründer und weisen darauf hin, dass man das Smartphone nicht dämonisieren sollte.

not less but better als mobile Intervention

„Mit not less but better haben wir eine mobile Intervention für problematische Smartphone-Nutzung entwickelt. Der Zugang zur Unterstützung im Bereich der mentalen Gesundheit ist schwer genug. Das App-Format hilft uns dabei, unsere Lösung auf die Bildschirme von vielen Menschen zu bringen“, erklären sie.

Abo-Modell

Dies passiert mit einem Abo-Modell, welchem einer der TV-Investoren aus der Show kritisch gegenüber stand. Koflers Meinung nach gebe es mit Streaming-Diensten bereits genug Dinge, die Menschen abonnieren könnten; eine App würde sich da schwer tun.

Nichtsdestotrotz sehen die drei Entrepreneure Abo-Modelle für Nutzer als bereits etablierte Wege, um digitale Inhalte zu konsumieren: „User abonnieren digitale Inhalte dann, wenn sie den Wert der Inhalte als hoch wahrnehmen. Unsere Inhalte helfen gesunde Smartphone-Gewohnheiten zu etablieren, sind wissenschaftlich validiert, einfach zu nutzen und werden stetig um neue Kurse erweitert. Wir glauben, dass wir damit einen hohen Wert für unsere Zielgruppe schaffen“, führt Aciner aus.

Die nächsten Ziele von not less but better beinhalten den Fokus auf zwei Punkte: Weitere Kurse für alle Lebenslagen mit dem Smartphone entwickeln, wie etwa Video Bingewatching, Nachrichtenkonsum, Beziehungen oder Online Dating.

„Außerdem werden wir in der App weitere Tools zur Verfügung stellen, um unsere Nutzerdabei zu unterstützen, ihren Trainingserfolg zu steigern. Gehen wir einen Schritt zurück, dann kombinieren wir verhaltenstherapeutische Methoden und digitale Technologien, um Menschen dabei zu helfen nachhaltig gesunde Gewohnheiten zu entwickeln“, sagt Aciner: „Für die Smartphone-Nutzung kriegen wir das bereits hin, das ist belegt. Langfristig möchten wir unseren Ansatz in weitere Trainingsprogramme für verhaltensbedingte Herausforderungen übersetzen, die von der Gesundheitsindustrie vernachlässigt werden und für die es noch keine adäquate Lösung gibt.“

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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AI Summaries

not less but better: Höhle der Löwen-Deal mit beiden Investoren geplatzt

  • User nutzen im Schnitt mehr als vier Stunden das Smartphone
  • Gründerin Christina Roitzheim hatte selbst mit extensiver Handynutzung zu kämpfen wie sie erklärt.
  • Auch Co-Founder Aciner musste mit ungesünder Handynutzung hadern.
  • Die App not less but better soll für einen gesünderen Umgang mit dem Smartphone sorgen.
  • Der Deal mit den Löwen platzte im Nachgang zur Show.
  • Aktuell finanziert sich not less but better unter anderem mit dem Exist-Gründerstipendium, das vom BMWi und dem Europäischen Sozialfond kommt.
  • Das Startup plant weitere Bereiche in den Fokus zu rücken, darunter Social Media.

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