03.03.2025
REGIERUNG

Neue Regierung: Wer künftig in der Startup-Politik mitbestimmt

In der heute angelobten ÖVP-SPÖ-NEOS-Regierung gibt es erstmals eine dezidierte Startup-Staatssekretärin. Doch auch darüber hinaus gibt es einige für die Startup-Politik relevante Ressorts.
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Am 3. März 2025 wurde die neue Bundesregierung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen (2.v.l.) in der Präsidentschaftskanzlei angelobt. Im Bild (v.l.n.r.) Bundeskanzler Christian Stocker, Vizekanzler Andreas Babler, Bundesministerin Beate Meinl-Reisinger, Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister Christoph Wiederkehr, Bundesminister Markus Marterbauer, Bundesminister Gerhard Karner, Bundesminister Peter Hanke, Bundesministerin Klaudia Tanner, Bundesminister Norbert Totschnig, Bundesministerin Korinna Schumann, Bundesministerin Claudia Plakolm, Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner, Staatssekretär Alexander Pröll und Staatssekretärin Michaela Schmidt. | (c) Andy Wenzel / BKA
Die neue Regierung wurde heute in der Hofburg angelobt | (c) Andy Wenzel / BKA

Nach der längsten Regierungsverhandlungsphase in der Zweiten Republik war es heute soweit: Die neue Bundesregierung wurde angelobt. Mit dem Bündnis aus ÖVP, SPÖ und NEOS gibt es in Österreich erstmals eine Dreier-Koalition. Unter bekanntermaßen schlechten budgetären Voraussetzungen und bei bekanntermaßen unterschiedlichen Positionen der Parteien in vielen Punkten, steht der Kompromiss im Regierungsprogramm im Vordergrund. Dennoch hat es auch einiges an Startup-Politik ins Regierungsprogramm geschafft, wie brutkasten berichtete.

Und mit dem Staatssekretariat für Energie, Tourismus und Startups im Wirtschaftsministerium, das von Elisabeth Zehetner bekleidet wird, gibt es erstmals eine Regierungs-Position, die Startups dezidiert im Namen hat. Alleine wird Zehetner die Startup-Politik im Land aber nicht voranbringen können, alleine schon, weil Staatssekretär:innen per Gesetz tatsächlich einen relativ geringen Handlungsspielraum haben. Eine ganze Reihe von anderen Positionen sind mehr oder weniger in der Materie involviert – sei es durch Zuständigkeiten im Ressort, oder weil sie an wichtigen Hebeln für die Durchsetzung von Maßnahmen sitzen. Hier eine Übersicht:

Elisabeth Zehetner, ÖVP: die Zuständige

Sobald es nicht um Prestigeprojekte und damit um größere Mengen an Wähler:innenstimmen geht, weisen Ministerien in Punkto Zuständigkeit bekanntlich gerne auf andere Ressorts. Als „Staatssekretärin für Energie, Tourismus und Startups“ gibt es mit Elisabeth Zehetner, ÖVP, erstmals eine dezidiert Zuständige für Startup-Politik. Nicht nur als langjährige Junge-Wirtschaft-Bundesgeschäftsführerin hat sie einen tieferen Einblick in die heimische Startup-Szene und deren Bedürfnisse erlangt. Nun wird sie auch zuständig für den im Wirtschaftsministerium sitzenden Startup-Rat, der, wie brutkasten erfuhr, fortgeführt wird und kommende Woche tagt.

Als Staatssekretärin kann Zehetner allerdings kaum etwas im Alleingang machen – jedenfalls keine neuen Gesetze durchbringen. Für die Startup-Szene wird sie daher zwar erste Anlaufstelle sein – aber nicht als Umsetzerin, sondern – so die Hoffnung – als Botschafterin, Anwältin und Fürsprecherin, die sich für die Forderungen der Community stark macht. Erste Anlaufstelle für sie ist wiederum Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, ÖVP, mit dem sie schon vor der Angelobung betont als Team auftrat. Wenn es um die Umsetzung konkreter Maßnahmen geht, ist aber nicht zwingend das Wirtschaftsministerium zuständig – man denke etwa an weitere Vereinfachungen bei der FlexCo, die im nun roten Justizministerium auszuarbeiten sind. Dadurch ergeben sich weitere wichtige Ansprechpartner:innen für Zehetner.

Wolfgang Hattmannsdorfer, ÖVP: der Beratene

Dass die Startup-Agenden nicht direkt beim neuen Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, ÖVP, liegen, sondern bei Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, hat wohl mehrere Gründe. Einer ist, dass die Priorität des Themas Startups in Österreich auch 2025 wohl noch nicht ausreicht, um es in eine offizielle Ministerien-Benennung zu schaffen. Ein zweiter ist, dass Hattmannsdorfer im Gegensatz zu Elisabeth Zehetner wenig Startup-Erfahrung mitbringt, wie brutkasten berichtete.

Wie erwähnt traten der Minister und die Staatssekretärin von Beginn an betont als Team auf. Hattmannsdorfer, der durch sein Amt mit deutlich mehr Kompetenzen ausgestattet ist, als Zehetner, dürfte sich also bei konkreten Entscheidungen in Sachen Startup-Politik auf die Einschätzung seiner Kollegin verlassen. Für die Startup-Szene bleibt zu hoffen, dass er in ihrem Sinne beraten wird.

Peter Hanke, SPÖ: der rote Routinier

Obwohl die Startup-Agenden, wie beschrieben, sehr konkret dem Wirtschaftsministerium zugeordnet sind, kann man auch im neuen „Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie“ klare Berührungsflächen mit der heimischen Startup-Szene erwarten. Mit Peter Hanke, SPÖ, zuvor Wirtschaftsstadtrat in Wien, wird der Ministerposten von einem Vertreter des gemäßigten SPÖ-Flügels bekleidet.

Und der bringt einiges an Erfahrung mit. Hanke schlug schon bislang immer wieder in der Startup-Welt auf – etwa in Zusammenhang mit den Bemühungen der Wirtschaftsagentur Wien, die Hauptstadt als Startup-Standort zu stärken. Für das Startup-Festival ViennaUP stellte er sich in den vergangenen Jahren gerne vor die Kamera und heftete sich Erfolge politisch auch auf die eigenen Fahnen. In der Regierungskonstellation dürfte er jener SPÖ-Mann sein, der das Feld Startup-Politik nicht ganz den Koalitionspartnern überlässt – und vielleicht sogar selbst Akzente setzt.

Sepp Schellhorn, NEOS: der Laubsägenmann

Nicht nur das Staatsekretariat für Startups ist ein Novum dieser Bundesregierung. In der breiten Öffentlichkeit noch mehr Beachtung findet jenes für Deregulierung, das von Sepp Schellhorn, NEOS, bekleidet wird. Was dort genau passieren wird, ist aktuell noch nicht ganz klar, konkrete Pläne wurden noch nicht kommuniziert. Sehr wohl klar ist dagegen, dass Maßnahmen zur Deregulierung tendenziell relevant für die Startup-Welt sind – und auch einige Forderungen der Community abholen könnten.

Doch für Schellhorn wird es schwierig. Nicht nur hat er als Staatssekretär – wie oben beschrieben – beschränkte Möglichkeiten. Auch wurde sein Posten aus koalitionären Gründen im pinken Außenministerium angesiedelt, was auf Sachebene wenig bis keinen Sinn ergibt. Obgleich Schellhorn im Gegensatz zu Elon Musk demokratisch legitimiert ist, ist vom Deregulierungs-Staatssekretariat also kein schneller Rundumschlag wie von DOGE in den USA zu erwarten (und das würden sich hierzulande wohl auch wenige wünschen). Zum Kettensägenmann à la Javier Milei wird es für Schellhorn nicht reichen. Vielleicht kann er aber mit der Laubsäge da und dort ein paar Kanten zurechtschneiden.

Alexander Pröll, ÖVP: der Mann im Kanzleramt

Es gibt ihn auch in dieser Regierung wieder: den Digitalisierungsstaatssekretär. Diesmal sitzt er nicht im Finanzministerium sondern direkt im Kanzleramt. Mit Alexander Pröll, ÖVP, aus der Pröll-Dynastie bekam ein laut dessen Angaben „enger und vertrauensvoller Mitarbeiter“ des neuen Bundeskanzlers Christian Stocker, ÖVP, den Posten.

Auch wenn die Startup-Agenden, wie mehrfach erwähnt, klar andernorts zugeordnet sind, werden sich mit der Zuständigkeit für Digitalisierung Berührungsflächen mit der Szene ergeben. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass der Fokus von Prölls Arbeit eher auf der Digitalisierung der Verwaltung – etwa mit dem angekündigten „Large Language Model von der öffentlichen Hand“ liegen wird. Jedenfalls könnte er mit dem direkten Draht zum neuen Kanzler dafür sorgen, dass bestimmte Themen ganz oben mehr Gehör finden.

Markus Marterbauer, SPÖ: der potenzielle Widersacher

Was auch immer in der Startup-Politik bewegt werden soll: Es braucht – mal mehr, mal weniger – Budget. Und dieses verantwortet der neue SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer. Der Volkswirtschaftler, der bislang als Chefökonom der Arbeiterkammer fungierte, gilt als Angehöriger des linken SPÖ-Parteiflügels und als ausgewiesener Neoliberalismus-Kritiker.

Mit Startups dürfte Marterbauer – um es neutral auszudrücken – wenig am Hut haben. Seine Prioritäten sieht er ganz gewiss woanders. Für die Anliegen der Startup-Szene könnte das insofern problematisch werden, als die entsprechenden Maßnahmen im Regierungsprogramm teilweise ohnehin eher vage angekündigt wurden. Und wenn es dann tatsächlich um die Frage der Umsetzung geht, könnte Marterbauers andere Prioritätensetzung – negativ – schlagend werden.

Christian Stocker, ÖVP: der Chef

Egal ob Unternehmen oder Regierung: Damit wirklich etwas weitergeht, muss sehr oft die Chefin bzw. der Chef dahinterstehen. In der neuen Regierung ist das Bundeskanzler Christian Stocker. Ob und wann die im Regierungsprogramm angekündigten Maßnahmen in der Startup-Politik umgesetzt werden, wird auch davon abhängen, ob der Kanzler sie als Prioritäten wahrnimmt.

Große Anknüpfungspunkte zur Startup-Szene sind in Stockers Vita nicht zu erkennen. Dass es ein ÖVP-geführtes Startup-Staatssekretariat gibt, ist aber ein Zeichen dafür, dass das Thema durchaus auch bei ihm als Parteichef angekommen ist. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron macht es vor: Er machte Startup-Politik in den vergangenen Jahren immer wieder zur Chefsache und die Ergebnisse zeigen sich mittlerweile auch in den Statistiken.

Alle anderen

Und dann gibt es auch noch alle anderen Minister:innen und Staatssekretär:innen (ja, es gibt noch mehr davon). Startup-Politik kann potenziell alle Ressorts betreffen. Ohne Zweifel führt etwa – wie ganz oben erwähnt – bei einigen Themen kein Weg an SPÖ-Justizministerin Anna Sporrer vorbei. Das von Eva-Maria Holzleitner, SPÖ, geführte Ministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung kann für Startups ebenso relevant werden, wie das von Norbert Totschnig, ÖVP, geführte, etwas sperrig benannte Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft – und auch alle weiteren.

Eine spannende Legislaturperiode

Fest steht: Für die Startup-Community bleibt es spannend, was in dieser Legislaturperiode politisch drinnen ist. Die klare Zuordnung der Startup-Agenden im neuen Staatssekretariat dürfte von Vorteil sein, damit ein gewisser Fokus gewahrt wird. Die Vielzahl involvierter Akteur:innen unterschiedlicher Parteien könnte wiederum zum Hemmnis werden. Und am Ende haben, wenn es um die hier mehrmals angeführte Prioritätensetzung der Regierung geht, auch Donald Trump, Wladimir Putin und Co ein Wörtchen mitzureden.

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Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der große kleine Startup-Standort

Wiens Strahlkraft zeigt sich auch bei den Unternehmensbewertungen: 82 Prozent der Wiener Startups knacken die 2,5-Millionen-Euro-Schwelle – gegenüber 70 Prozent im übrigen Land.

Solide klingt das aber nur an österreichischen Maßstäben gemessen; im Vergleich zum europäischen Kapitalmarkt bleibt viel Luft nach oben. Vom europaweiten VC-Boom (62 Mrd. Euro) blieb Wien 2025 weitgehend abgeschnitten. Das Paradoxon: Während die Stadt mit 86 Deals noch Platz 15 bei der Anzahl der Runden hält, offenbart das Volumen die reale Skalierungslücke – mit nur 179 Millionen Euro sammelten Wiener Startups weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts (378 Mio. Euro) ein.

Der direkte Vergleich: München und Stockholm

Der Kontrast zu Städten, die oft als direkte Wettbewerber oder Vorbilder genannt werden, ist drastisch. München verzeichnete 2025 bei 124 Deals ein Investitionsvolumen von 2,45 Milliarden Euro – fast das Vierzehn-fache der Wiener Summe. Und das, obwohl die bayerische Hauptstadt deutlich weniger Neugründungen als Wien ausweist: 192 im Jahr 2023, immerhin 290 im Jahr 2025.

Auch der Blick nach Norden unterstreicht die Diskrepanz: Stockholm, oft als Paradebeispiel für ein international ausgerichtetes Ökosystem genannt, zog im selben Zeitraum 1,42 Milliarden Euro an Risikokapital an, verteilt auf 137 Finanzierungsrunden.

Während Stockholm und München ihre Position als Milliarden-Hubs festigen, droht Wien bei der Wachstumsfinanzierung den Anschluss zu verlieren.

Städtische Unterstützung

Um das Ökosystem zu stärken, engagiert sich auch die Stadt Wien selbst auf mehreren Schienen. Treibende Kraft ist die Wirtschaftsagentur Wien: Sie förderte allein im vergangenen Jahr 1.177 Projekte mit insgesamt rund 48 Millionen Euro – 30 Prozent der Einreichungen stammten dabei laut Agentur von Gründer:innen und Startups. Die Wirtschaftsagentur ist es auch, die als Organisatorin hinter dem dezentralen Startup-Festival ViennaUP steht – von 18. bis 22. Mai finden im Rahmen des Festivals heuer rund 40 Startup-relevante Einzelevents zahlreicher Veranstalter statt, dazu kommen mehrere Side-Events anderer Player außerhalb des offiziellen Programms.

Konkretes Engagement zeigt die Stadt auch beim Schaffen von Infrastruktur: Neben den im Aufbau befindlichen Technologiezentren Life Science Center Vienna und AI Factory Austria ist aktuell ein Quantum Technology Center Vienna in Planung.

Risikokapital-Hauptstadt

Was für den gesamten österreichischen Startup-Sektor gilt, trifft auf den Bereich Risikokapital im Besonderen zu: Er ist auf Wien konzentriert. Die Hauptstadt beheimatet mehrere VC-Fonds von internationaler Bedeutung (allen voran Platzhirsch Speedinvest), aber auch mehrere Corporate-VCs und eine active Business-Angel-Szene. Das Kapital fließt aber keineswegs nur in heimische Startups und Scaleups – ein Überblick.

Wie viel Risikokapital von Wien aus verwaltet wird, lässt sich auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen nicht exakt beziffern. Fest steht: Die Hauptstadt ist auch unbestrittene Risikokapital-Hauptstadt. Mit Speedinvest, 3VC und Apex Ventures haben die drei größten privaten VC-Fonds des Landes ihren Sitz in Wien, dazu kommen mehrere kleinere Fonds wie calm/storm und Fund F. Auch die größten Corporate-VCs, konkret Verbund X Ventures und Elevator Ventures (Raiffeisen Bank International) arbeiten von Wien aus. Die mittlerweile inaktive Uniqa Ventures hatte ihren Sitz ebenfalls hier. Mit dem aws Gründungsfonds hat zudem der größte öffentliche VC seinen Sitz in der Donaumetropole. Komplettiert wird das Risikokapital-Angebot durch die aktive Business-Angel-Szene mit Aushängeschild Hansi Hansmann.

Aktive VCs und CVCs mit Sitz in Wien (Auswahl)

VC / CVCAuM (Schätzung)Volumen aktueller HauptfondsDetails
Speedinvest~ 1,2 Mrd. EUR350 Mio. EUR (Speedinvest 4)Europas größter Seed-Fonds. Breiter Branchenfokus, paneuropäisches Mandat.
3VC~ 200 Mio. EUR150 Mio. EUR (Fonds II)Größter Later-Stage-Fonds Österreichs. Investiert ab Series A in B2B-/B2C-Software (DACH und CEE).
APEX Ventures~ 150 Mio. EUR80 Mio. EUR (Zielvolumen Amadeus APEX Tech)Fokus auf Deeptech, AI, Quantum und Spacetech. Aktueller Hauptfonds gemeinsam mit der britischen Amadeus Capital aufgelegt.
aws Gründungsfonds~ 140 Mio. EUR72 Mio. EUR (Gründungsfonds II)Staatlich initiierter Co-Investor. AuM aus Alt-Fonds und aktuellem Fonds II in der Investmentphase. Nahezu 100 % Österreich-Fokus.
Elevator Ventures> 100 Mio. EUR70 Mio. EUR (EV II)Corporate VC der Raiffeisen Bank International. Aktiver Lead-Investor in Fintech und Cybersecurity in DACH und CEE.
calm / storm ventures~ 50 Mio. EUR27 Mio. EUR (Fund II)Kürzlich zweiten Fonds geschlossen. Sehr aktiver Early-Stage-Player in Healthtech und Femtech; Europa-Fokus.
Fund F~ 28 Mio. EUR28 Mio. EUR (Fund I)Pre-Seed- und Seed-Fonds der Female-Founders-Gründerinnen. Investiert in Startups mit mindestens einer Gründerin im Team.
Verbund X Ventureskein fixes Volumen (Evergreen)kein fixes Volumen (Evergreen)Keine klassische VC-Fondsstruktur. Investiert aus dem Budget des Energieversorgers in ganz Europa.

Internationale Ausrichtung

Die Bündelung des verwalteten VC-Kapitals in Wien bedeutet keineswegs, dass dieses Kapital auch zur Gänze heimischen Startups zur Verfügung steht: Mit Ausnahme des aws Gründungsfonds, der laut Mandat nahezu ausschließlich in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich investiert, sind die genannten Fonds international ausgerichtet. Bei den meisten privaten VCs liegt der Anteil österreichischer Startups im Portfolio bei oder unter zehn Prozent, bei den Corporate-VCs knapp darüber. Genaue Zahlen liefert Speedinvest: Das Gesamtportfolio umfasst laut eigenen Angaben zuletzt 298 aktive Investments in 40 Ländern mit klarem Schwerpunkt in Europa. Genau 30 Portfolio-Unternehmen – also rund zehn Prozent – haben ihren Sitz in Österreich.

Spinoff-Boom in Progress

Neun öffentliche Universitäten und fünf Fachhochschulen sind nur der Kern: Mit rund 200.000 Studierenden ist Wien der größte Hochschulstandort im deutschsprachigen Raum. In der Forschung gehören die Wiener Unis in mehreren Fachbereichen zur Weltspitze – bei der Überführung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft gibt es allerdings noch viel Potenzial. Dabei betreiben mehrere Universitäten seit Jahren Programme zur Förderung von Spinoffs, etwa die TU Wien mit i²c, die WU Wien mit dem Gründungszentrum, die Uni Wien mit u:seed oder die Universität für Bodenkultur mit „[sic!]“.

Zuletzt wurden die Strategien an mehreren Häusern noch deutlich ausgebaut. Die TU etwa definierte Spin-offs als zentralen Baustein der Strategie, etablierte eine Spinoff Factory und initiierte gemeinsam mit Speedinvest den Fonds Noctua Science Ventures. Das erklärte Ziel von Rektor Jens Schneider: 30 bis 50 Spinoffs pro Jahr. Die WU wiederum wurde mit Ignite Ventures selbst zum Frühphasen-Investor und vergibt kleine Tickets an Ausgründungen des Hauses.

Internationale Krypto-Anziehungskraft

Dass die Hauptstadt ein gutes Pflaster für den KryptoBereich ist, hat Österreichs am höchsten bewertetes Scaleup ein drücklich bewiesen: Als Kryptobroker gestartet bietet Bitpanda mittlerweile ein deutlich breiteres Portfolio – der Handel mit Bitcoin und Co samt B2BAngeboten für internationale Banken und Fintechs bleibt aber das Kern geschäft. Den formellen Hauptsitz hat das Wiener Unicorn zwar vor einigen Internationale Krypto-Anziehungskraft Jahren in die Schweiz verlegt, operatives Zentrum bleibt aber die Zentrale im zweiten Wiener Bezirk.

Bitpanda ist längst nicht mehr allein: Mehrere große internationale Kryptoanbieter haben in den vergangenen Jahren ihre EU-Headquarters in Wien eröffnet – konkret die in Asien gegründeten Plattformen KuCoin, Bybit und Bitget, die alle drei zu den größten der Welt zählen. Sie profitieren am Standort von zwei Faktoren: erstens vom attraktiven Angebot an qualifiziertem Personal, zweitens von guten regulatorischen Voraussetzungen. Um in der EU aktiv sein zu dürfen, brauchen die Plattformen seit Ende 2024 eine Lizenz gemäß der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR). Die in Österreich zuständige Finanzmarktaufsicht (FMA) gilt dabei als streng und EU-weit angesehen, gleichzeitig aber auch als kooperativ bei der Erarbeitung der für die Lizenz notwendigen Voraussetzungen.

Stärkefeld Life Sciences

Wien beherbergt laut der Clusterplattform LISA-vienna 754 Life-Sciences-Organisationen, darunter 646 Unternehmen sowie 19 renommierte Forschungs- und Bildungseinrichtungen mit insgesamt über 49.000 Beschäftigten. Obwohl die Stadt nur rund 21 Prozent der österreichischen Bevölkerung ausmacht, vereint sie mehr als die Hälfte des heimischen Life-Sciences-Sektors. Die jährlichen Umsätze lagen 2023 laut Vienna Life Science Report 2024/25 bei rund 22,7 Milliarden Euro, der Großteil davon in Biotech und Pharma.

Wiens Innovationskraft basiert maßgeblich auf der starken akademischen Landschaft: 2023 veröffentlichten die Forschungs- und Bildungseinrichtungen der Stadt rund 8.800 wissenschaftliche Arbeiten, über 34.000 Studierende waren in Life-Sciences-Studiengängen eingeschrieben. Gleichzeitig treibt eine aktive Startup- und Scaleup-Szene Innovationen voran – von der Wirkstoffentwicklung bis zu KI-basierten digitalen Lösungen im Gesundheitswesen. Investitionen, Finanzierungsrunden und Deals wie Lizenzvereinbarungen oder Übernahmen erreichen jährlich regelmäßig ein Volumen im dreistelligen Millionenbereich.

Zentraler Hub für die Branche ist das von der Stadt initiierte Life Science Center mit Schwerpunkt auf der Verbindung von Life Sciences und KI, für das auch ein Komplex im dritten Bezirk errichtet wird. Dort ist auch AITHYRA angesiedelt, ein Institut für biomedizinische künstliche Intelligenz in Kooperation mit der Boehringer-Ingelheim-Stiftung.

KI-Hub ohne große Namen

Die Bundeshauptstadt hat schon im vorigen Jahrzehnt einige KI-Pioniere hervorgebracht. Die Ironie der Geschichte: Viele davon haben das Aufkommen der Large Language Models nicht überlebt, weil ihre über Jahre entwickelten Technologien davon überholt wurden. Gleichzeitig hat die KI-Revolution der vergangenen Jahre eine Reihe neuer, teils schnell wachsender Unternehmen hervorgebracht. Player von internationalem Rang oder gar Herausforderer der US-Riesen sucht man in Wien aber nach wie vor vergeblich.

Dabei ist die Stadt durchaus um die Förderung des KI-Sektors bemüht. Geschaffen wurde etwa die AI Factory Austria, die mit dem AI:AT Coworking Hub auch als zentrale Anlaufstelle für die heimische KI-Szene fungieren soll. Startups bekommen dort unter anderem Zugang zu Supercomputern und Unterstützung bei der internationalen Vernetzung.

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