14.10.2025
SPACETECH

„Neue Ära“: Space-Quantencomputer der Uni Wien arbeitet zuverlässig im All

Ein Forschungsteam der Universität Wien hat den weltweit ersten weltraumtauglichen Quantenprozessor entwickelt und im Juni 2025 mit einer SpaceX-Rakete ins All gebracht. Heute wurde das Schwestermodell an der Uni Wien besichtigt.
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Philip Walther der Universität Wien, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Innovationsminister Peter Hanke und Rektor der Universität Wien Sebastian Schütze | Foto: Alexander Bachmayer / Universität Wien

Bereits im Juni dieses Jahres schrieb die Aktion Schlagzeilen: Die Universität Wien schoss den ersten Quantencomputer ins All – brutkasten berichtete. Ausgeführt wurde die Aktion in Kalifornien durch das von Elon Musk gegründete Raumfahrtunternehmen SpaceX.

Die Technologie, die nun ihre Bahnen in der Erdumlaufbahn zieht und dabei primär Erdbeobachtungen durchführt, wurde an der Universität Wien – Fakultät für Physik – gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Qubo Technology entwickelt. Nach den ersten Probemonaten zeigen sich erfreuliche Ergebnisse.

Erster Space-Quantenprozessor weltweit kommt aus Österreich

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Key-Player der Quantenforschung entwickelt. Nun sorgt das Wiener Forschungsteam rund um Quantenphotonik-Pionier Philip Walther für Schlagzeilen: Der weltweit erste photonische Quantenprozessor, der bereits im Juni dieses Jahres ins All geschossen wurde, arbeitet zuverlässig und hat die Weltraumtauglichkeit der Technologie bewiesen.

Am heutigen Dienstag besichtigten Bundesminister Peter Hanke und Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner das Labor, in dem der nun im All schwebende Satellit entstand. Zur Schau wurde das Schwestermodell des Satelliten gestellt, das zu Versuchen und weiterführender Forschung auf der Erde dient.

Der Schuss ins All war ein technologischer Meilenstein für Österreich, heißt es. Das Team der Universität Wien hat damit gezeigt, dass ein voll funktionsfähiger Quantencomputer im Weltraum betrieben werden kann. Die Entwicklung gelte als Schritt hin zu praktischen Anwendungen der Quantentechnologie – von der Echtzeitanalyse von Satellitendaten bis zur abhörsicheren Kommunikation.

Entwicklung in nur 18 Monaten

Das System basiert auf Lichtteilchen (Photonen), die in einem optischen Netzwerk präzise gesteuert werden. Der ursprünglich metergroße Laboraufbau wurde innerhalb von 18 Monaten so miniaturisiert, dass er in einen drei Liter großen Satelliten passt und dabei nur wenige Watt Strom verbraucht. Damit sollen sich „völlig neue Möglichkeiten für autonom operierende Quantenprozessoren – im Weltraum wie auf der Erde – eröffnen“, heißt es im Rahmen der heutigen Pressekonferenz.

Rektor Sebastian Schütze, BM Eva-Maria Holzleitner, BM Peter Hanke und Philip Walther von der Universität Wien besichtigen das Schwestermodell des Space-Quantencomputers. | Foto: Alexander Bachmayer | Universität Wien

„Wir haben nun das Know-how, um weitere Experimente für selbstständig operierende Quantenprozessoren durchzuführen – sei es im All oder in anderen Umgebungen“, erklärt Philip Walther. Anwendungen sieht er etwa bei der Echtzeitanalyse von Erdbeobachtungsdaten, wo Quantenprozessoren komplexe Datensätze direkt an Bord verarbeiten können. Das spare Zeit, Energie und Übertragungskosten.

From Science to Economy – mit Daten aus dem All

Darüber hinaus bieten photonische Systeme Vorteile für maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz: Sie können Bild- und Sensordaten effizienter interpretieren – etwa bei der Klimabeobachtung oder im Gesundheitsbereich. Auch in einer sicheren Quantenkommunikation und in der hochpräzisen Sensorik liege großes Potenzial, so Walther heute.

Praktisch soll das Ganze in mehreren Branchen Anwendung finden, wie Borivoje Dakic, Associate Professor der Universität Wien und Co-Founder der Qubo Technology GmbH, im Gespräch mit brutkasten erklärt:

„Unsere Forschung befasst sich gezielt mit der Frage: ‚How can we transfer science into economy?‘ Der Satellit leitet eine neue Ära der Quantentechnologie in Österreich und der ganzen Welt ein“, so Dakic.

Aktuell handelt es sich bei dem Satelliten um ein Pilotprojekt, in dem vorerst laufend getestet wird, wie gut das „Boden-Scanning“ und die Datenverarbeitung in Kombination mit Machine Learning funktionieren. In weiterer Folge soll es zur Anwendung in „dutzenden Feldern“ kommen, so Dakic weiter. „Der Quantencomputer arbeitet mit weniger Energie und deutlich schneller als bisherige Computer im All.“

Innovationsminister Peter Hanke sieht darin eine gezielte Stärkung des heimischen Forschungs- und Industriestandorts: „Ein wettbewerbsfähiger Industriestandort braucht Spitzenforschung. Neben Umwelttechnik und KI zählt die Quantentechnologie zu den vielversprechendsten Feldern unserer Zeit.“

Quantenchip-Produktion im Aufbau

Parallel zum Wiener Weltraumprojekt beteiligt sich Österreich über Silicon Austria Labs an der europäischen Initiative CHAMP-ION, die den Aufbau einer Quantenchip-Produktion vorantreibt. Laut Prognosen von Fortune Business soll der europäische Markt für Quantentechnologien bis 2032 von einer auf zwölf Milliarden Euro wachsen – weltweit werden bis 2030 rund 200 Milliarden Euro erwartet.

„Obwohl wir ein kleines Land sind, sind wir in diesem Bereich ganz an der Spitze – darauf können wir zurecht stolz sein“, meint Hanke im Rahmen der heutigen Veranstaltung. Mit dem Start des Wiener Quantenprozessors ins All habe Österreich „erfolgreich bewiesen, dass Quantenforschung hierzulande nicht nur theoretisch, sondern längst praktisch und international führend ist.“

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Die beiden kokei-Geschäftsführer Nima Derakhshan und Alexander Groll am Standort des übernommenen Transportbetriebs Winkler F & S Transport in Hörsching. | (c) kokei

Die klassische Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie verliert in Österreich zunehmend an Bedeutung. Eine aktuelle Studie von Creditreform Österreich und CH Consult zeigt: 45 Prozent der befragten Unternehmen benötigen bis 2030 eine Nachfolgelösung. Bereits 40 Prozent planen dabei eine Übergabe außerhalb der Familie, etwa durch den Verkauf an Investoren oder die Übernahme durch das Management.

Genau hier setzt die 2025 gegründete kokei Nachfolge GmbH an. Ein bekanntes Gesicht der österreichischen Startup-Szene hat die Idee dazu ins Rollen gebracht: Daniel Horak, Mitgründer der Finanzierungsplattform CONDA. Durch Gespräche mit Unternehmen wurde er auf die zunehmende Nachfolgeproblematik im österreichischen Mittelstand aufmerksam. Gemeinsam mit Alexander Groll, Nima Derakhshan und Dirk Littig entwickelte sich daraus das heutige Geschäftsmodell. Das Wiener Unternehmen will profitable österreichische KMU übernehmen und langfristig weiterführen. Anders als klassische Private-Equity-Gesellschaften setzt kokei dabei nicht auf einen gewinnbringenden Weiterverkauf.

Erste Übernahme eines Transportbetriebs

Mit der Winkler F & S Transport GmbH aus Hörsching hat kokei seine erste Beteiligung übernommen. Der auf spezialisierte Stück- und WAP-Frachten ausgerichtete Transportbetrieb beschäftigt 55 Mitarbeitende und verfügt über rund 40 Fahrzeuge. „Aus unserer Sicht ist Winkler eben ein Hidden Champion in einer attraktiven Nische“, sagt kokei-Mitgründer und Co-CEO Nima Derakhshan. Der Familienbetrieb in zweiter Generation sei bereits profitabel und verfüge über weiteres Wachstumspotenzial.

Da die Kinder des bisherigen Eigentümers Felix Winkler andere berufliche Interessen verfolgen, fehlte dem Familienbetrieb in zweiter Generation eine interne Nachfolge. Trotz weiterer Kaufangebote habe sich Winkler bewusst für kokei entschieden, erklärt Derakhshan. Von den konkreten Übernahmegesprächen bis zum Abschluss verging etwas mehr als ein Jahr.

Digitalisierung und neue Geschäftsführung bei Winkler

Die operative Geschäftsführung hat kokei-Co-CEO Alexander Groll übernommen, Felix Winkler bleibt während einer Übergangsphase weiterhin eingebunden. Seit der Übernahme im Frühjahr 2026 hat kokei bei Winkler bereits Veränderungen angestoßen. Dazu zählen ein neues Transportmanagementsystem, digitalisierte Prozesse und eine Neuausrichtung des Fahrer-Recruitings. Auch der Einstieg in die E-Mobilität wird vorbereitet.

Langfristig will kokei zentrale Dienstleistungen für sämtliche Beteiligungen aufbauen. Bereiche wie Personalwesen, IT, Marketing, Controlling und Recht sollen künftig unternehmensübergreifend unterstützt werden. Dadurch sollen sich die übernommenen Betriebe stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Auch bei der Geschäftsführung verfolgt kokei einen operativen Ansatz. Während Groll den ersten Betrieb selbst leitet, sollen künftig weitere Geschäftsführer eingesetzt werden. Dafür steht das Team bereits mit potenziellen Kandidaten in Kontakt. Auch geeignete Mitarbeitende aus den übernommenen Unternehmen kommen infrage. Das Wiener Unternehmen will dabei weiterhin eng in die operative Entwicklung eingebunden bleiben.

Zwei bis drei weitere Übernahmen pro Jahr geplant

Bei weiteren Übernahmen ist kokei grundsätzlich branchenoffen. Gesucht werden profitable österreichische KMU mit einem EBITDA ab rund 500.000 Euro, idealerweise einer Million Euro. Die Umsatzrentabilität sollte mindestens zehn Prozent betragen. Die Umsatzobergrenze liegt bei rund 30 Millionen Euro. Sanierungsfälle schließt kokei grundsätzlich aus.

Für die Auswahl nutzt das Unternehmen einen standardisierten Kriterienkatalog. Potenzielle Übernahmekandidaten werden anhand verschiedener Faktoren mit Punkten bewertet. Erfüllt ein Unternehmen die Anforderungen, folgt eine vertiefte Prüfung. Aktuell befindet sich kokei laut Derakhshan mit rund vier Unternehmen in konkreten Gesprächen. Wöchentlich würden etwa ein bis zwei weitere Betriebe geprüft. Mittelfristig strebt das Team durchschnittlich zwei bis drei Übernahmen pro Jahr an.

Langfristige Beteiligungen statt schneller Weiterverkauf

Die Beteiligungen werden gemeinsam mit einem Netzwerk langfristig orientierter Co-Investoren finanziert. Diese werden für jede Transaktion individuell ausgewählt. Dabei achtet kokei insbesondere auf unternehmerische Erfahrung und Interesse an der jeweiligen Branche.

Eine feste Exit-Strategie verfolgt kokei nicht. Stattdessen sollen die übernommenen Unternehmen langfristig gehalten werden und durch laufende Gewinnausschüttungen Erträge für die Investoren erwirtschaften. Einen späteren Verkauf schließt Derakhshan bei einem außergewöhnlich attraktiven Angebot allerdings nicht grundsätzlich aus.

„Wir wollen ein Portfolio von Unternehmen aufbauen. Nach dem Prinzip eines unternehmerischen Zinshauses: stabile Erträge, langfristige Wertsteigerung“, sagt Derakhshan. Durch die langfristigen Beteiligungen an unterschiedlichen österreichischen KMU sollen deren Gewinne Dividendeneinnahmen ermöglichen. Potenzial sieht Derakhshan jedenfalls genug. Eine Herausforderung sei weniger die rechtliche Situation als vielmehr die heimische Unternehmenskultur. Der Verkauf eines Familienunternehmens an Dritte werde hierzulande teilweise noch skeptisch gesehen. Dabei könne eine externe Übernahme eine sinnvolle Alternative zur klassischen Familiennachfolge darstellen.

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