06.02.2026
FINANZIERUNG

nagene: 1,5 Mio. Euro FFG-Förderung für Wiener BioTech-Startup

Das Wiener Unternehmen ist auf die Produktion von synthetisierten DNA-Strängen spezialisiert. Mit dem FFG-Kapital, das auf drei Jahre verteilt ausgezahlt wird, will nagene mit einer neuen Produktionsmethode ein weiteres Geschäftsfeld aufbauen.
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Das nagene-Kernteam mit CEO Natascha Mißbach (2.v.l.) | (c) nagene
Das nagene-Kernteam mit CEO Natascha Mißbach (2.v.l.) | (c) nagene

Die Coronakrise führte sie zum Durchbruch: mRNA-Impfstoffe. Mittlerweile gibt es solche für weitere Krankheiten über Covid-19 hinaus – und noch viele mehr, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Um die Impfstoffe bzw. Impfstoff-Kandidaten zu erzeugen, brauchen Pharmaunternehmen DNA-Bausteine, die genau an das jeweilige Virus angepasst sind. Geliefert werden diese unter anderem vom Wiener BioTech-Startup nagene.

Bislang Geschwindigkeit als Trumpf

Das setzte bislang vor allem auf ein zentrales Verkaufsargument: Geschwindigkeit. Mit der Methode, mit der das Startup bereits seit 2024 am Markt ist, lassen sich die DNA-Stränge nämlich innerhalb von vier bis fünf Tagen synthetisieren – im Gegensatz zu sieben bis zehn Tagen bei den anderen Herstellungsverfahren am Markt. Der Zeitgewinn soll sowohl Entwicklung als auch Produktion beschleunigen – nicht nur von mRNA-Impfstoffen, sondern auch weiteren Therapien, die auf DNA-Bausteine setzen.

Methode auf Bakterienbasis „nicht zu 100 Prozent rein“

Nun arbeitet nagene aber an einer weiteren Produktionsmethode, die grundsätzlich anders funktioniert und noch hochwertigere DNA-Stränge für neue Therapien mit anderen Qualitätsansprüchen liefern soll. „Die übliche Methode, die auch wir nutzen, ist die Herstellung mit Bakterien“, erklärt Co-Founderin und CEO Natascha Mißbach gegenüber brutkasten. „Die erzeugten DNA-Stränge sind aber nicht zu 100 Prozent rein.“

Zelluläre Therapie als großer Zukunftsmarkt

Einen höheren Reinheitsgrad brauche es etwa im Bereich zellulärer Therapien, wo momentan ein immer größerer Bedarf entstehe. Branchen-Schätzungen zufolge soll hier der Markt von weltweit rund 2,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf neun Milliarden im Jahr 2030 anwachsen. „Dabei gelten aber Herstellungskosten und begrenzte Produktionskapazitäten als zentrale Engpässe“, so Mißbach.

Zellfreier Ansatz soll auch besser skalierbar sein

Das Startup arbeitet daher an einem enzymatischen, zellfreien Ansatz, der letztlich nicht nur sauberere DNA liefern, sondern auch schneller und besser skalierbar sein soll. „Wir haben im November damit begonnen und haben bereits Designs von Molekülen, die im Labor produziert werden“, sagt die Gründerin. Aktuell verfolge man noch drei verschiedene Ansätze, die – abhängig von der Performance der DNA-Stränge – für den nächsten Schritt kombiniert werden sollen.

Straffer Zeitplan

Der Zeitplan, den sich nagene dabei gesetzt hat, ist für BioTech-Verhältnisse durchaus straff. Noch dieses Jahr will man zur Marktreife im kleinen Maßstab gelangen und Tests mit ersten Kunden umsetzen. Kommendes Jahr soll auf regulatorischer Seite alles geklärt werden, wobei man eine „Good Manufacturing Practice“ (GMP)-Zertifizierung erlangen will, die für die aktuelle Produktionsmethode bereits vorliegt – als weltweit einziger Hersteller in dem Bereich. 2028 schließlich soll die Produktion automatisiert und hochskaliert werden, um auch im großen Maßstab am Markt aufschlagen zu können.

1,5 Millionen Euro FFG-Förderung

Auf drei Jahre verteilt wird auch eine FFG-Förderung ausgezahlt, die nagene sich nun für dieses Projekt sicherte. Insgesamt wurden dabei 1,5 Millionen Euro von der Forschungsförderungsgesellschaft zugesagt. Mit dem Kapital ist die erste Phase des Projekts abgesichert. „Wir brauchen aber zusätzlich Investorenkapital“, räumt Natascha Mißbach ein.

Dieses Jahr halbe Million Euro Umsatz geplant

Aktuell arbeite man an einer „kleineren“ Finanzierungsrunde – bereits zum Start hatte man sich ein Millioneninvestment geholt, wie brutkasten berichtete. Das in der neuen Runde aufgestellte Kapital nehme man nicht nur für das aktuelle Projekt, sondern für das gesamte Startup auf, präzisiert die Gründerin. Der Produktionsansatz über Bakterien soll nämlich auch dauerhaft als günstigere Schiene weiterlaufen. Schon jetzt beliefert nagene Großkunden und macht Umsätze: Nach etwas mehr als 200.000 Euro im Vorjahr strebe man dieses Jahr rund eine halbe Million an, verrät die Gründerin.

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Natascha Fürst und Lisa-Marie Fassl © Female Founders

Defence, Security & Resilience waren 2025 laut Dealroom und NATO Innovation Fund der am schnellsten wachsende VC-Sektor Europas, nach KI. 2025 flossen laut PitchBook weltweit rund 49,9 Milliarden US-Dollar in den Sektor, fast doppelt so viel wie im Jahr davor. Europäische Startups aus den Bereichen Defence, Security & Resilience sammelten laut Dealroom und NATO Innovation Fund 2025 insgesamt 8,7 Milliarden US-Dollar ein, ein Allzeithoch. Damit macht Verteidigung mittlerweile 13 Prozent des gesamten europäischen VC-Fundings aus. Vor 2020 waren es noch unter einem Prozent.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wer in diesem schnell wachsenden Markt eigentlich mitbaut und wer dabei außen vor bleibt. Im Böglerhof luden Natascha Fürst, Geschäftsführerin von Female Founders, und Lisa-Marie Fassl, General Partner bei Fund F, zu einer Session ein, die genau diese Frage stellte. Die Kernthese: Echte europäische Souveränität und der Schutz kritischer Infrastrukturen seien ohne die aktive Führung von Frauen nicht zu erreichen.

Zwei Perspektiven prägten den Abend vor allem für die Startup-Szene: die geopolitische Analyse von Women-in-Defense-Tech-Founderin Eveline Beer und das finanzielle Plädoyer von Fund-F-Investorin Lisa-Marie Fassl. Außerdem diskutierten auf dem hochkarätigen Panel Katharina Rogenhofer (Geschäftsführerin Kontext Institut), Antonella Mei-Pochtler (EFA-Vizepräsidentin), Monika Unterholzner (stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke) und Sabine Gromer (Gründerin Magnolia Tree Consulting).

Die Female Founders Veranstaltung im Böglerhof am European Forum Alpbach © Female Founders

Ein strategisches Kapazitätsproblem für Europa

Für Eveline Beer, CEO und Mitgründerin von Women in Defense Tech, ist die mangelnde Einbindung von Frauen in Sicherheits- und Verteidigungsfragen kein moralisches Wohlfühlthema mehr. „Wir neigen dazu, dies als Diversitätsproblem zu bezeichnen. Ich denke, wir müssen anfangen, es als ein Fähigkeitsproblem zu benennen“, stellte Beer klar. Wenn Europa angesichts massiver Fachkräfte- und Innovationslücken die Hälfte seines Talentpools ignoriere, schwäche dies direkt die europäische Handlungsfähigkeit, fügt sie hinzu.

„Es gibt keine Infrastruktur ohne Verteidigung, und es gibt keine Verteidigung ohne Infrastruktur“, sagt Beer. Sicherheit werde heute maßgeblich davon bestimmt, ob Energienetze resilient sind, ob Europa die Kontrolle über seine Daten behält, kritische Komponenten selbst produzieren kann und Zugriff auf Rohstoffe hat. Frauen dürften in diesem Transformationsprozess nicht mehr nur als passive Schutzbedürftige in Krisen verstanden werden. „Frauen müssen diese Systeme bauen, sie finanzieren, sie verwalten und sie leiten“, forderte Beer. Es gehe am Entscheidungstisch letztlich um Macht und demokratische Mitbestimmung.

Startups und Kapitalströme als geopolitischer Hebel

Hier kommt die Schnittstelle zum Risikokapital ins Spiel. Lisa-Marie Fassl machte deutlich, dass Technologieentwicklung die Handschrift ihrer Schöpfer:innen trägt. Werden Frauen vom Aufbau kritischer Technologien ausgeschlossen, profitieren sie auch nicht von deren gesellschaftlichem Nutzen. Hierbei ginge es nicht nur um Gründerinnen, sondern auch um Investorinnen. „Frauen investieren in andere Dinge“, sagt sie. Es ginge Frauen neben finanziellen Faktoren auch um soziale oder ökologische Wertschöpfung. Fassl fordert, Kapitalströme gezielt als strategisches Steuerungselement einzusetzen: „Die Zukunftsszenarien wachsen dort, wo das Geld fließt.“

Als Beispiel aus ihrem eigenen Portfolio, das ausschließlich Startups mit mindestens einer Gründerin umfasst, nennt Fassl das luxemburgisch-britische Startup Uplift360. Das Unternehmen entwickelt ein chemisches Verfahren zum Recycling von Carbonfasern und Kevlar, zwei Materialien, die etwa aus alten Windkraft-Rotorblättern beziehungsweise aus militärischer Schutzausrüstung stammen und in der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie stark nachgefragt sind, wie Fassl erläutert. Fund F beteiligte sich Ende 2025 an einer Seed-Runde über 7,4 Millionen Euro für Uplift360, angeführt vom VC-Fonds Extantia und mit weiterer Beteiligung unter anderem des NATO Innovation Fund und von Promus Ventures. Die Investorin beschreibt einen Business Case, der nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern sich auch als ökonomisch lukrativ erweist.

Natascha Fürst verwies darüber hinaus auf eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2018. Laut dieser erzielten die untersuchten 350 Startups mit mindestens einer Gründerin über fünf Jahre 78 Cent Umsatz je investiertem Dollar, gegenüber 31 Cent bei Unternehmen ohne weibliche Gründerin. Gleichzeitig erhielten sie im Durchschnitt deutlich weniger Kapital. Fürst argumentiert daraus, dass die aktuell ungleiche Kapitalverteilung auf Gründerteams in Bezug auf Genderdiversität somit ökonomisch schlichtweg unlogisch sei.

Den Tisch verschieben, erweitern und neu bauen

Am Ende der intensiven Debatte im Böglerhof stand Einigkeit in einer Sache: Für einen echten Wandel reiche es nicht mehr aus, auf eine Einladung an die bestehenden Machtzirkel zu hoffen.

Es geht darum, neue Tische zu bauen, bestehende Tische aktiv zu verschieben und international auszuweiten, um strategische Allianzen auf Augenhöhe zu schmieden. Europa könne sich im globalen Ringen um digitale, energetische und militärische Souveränität keine geschlossenen Türen mehr leisten.

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