04.06.2025
MEILENSTEIN

Nach Stellenabbau: refurbed erreicht Profitabilität

Das Wiener Scaleup refurbed hat einen weiteren bedeutenden Meilenstein erreicht: Wie das Unternehmen bekannt gibt, ist es nun profitabel - und zwar über alle elf europäischen Märkte hinweg.
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Peter Windischhofer, Co-Founder von refurbed | Foto: refurbed

2023 knackte das Wiener Scaleup die Marke von einer Milliarde Euro Außenumsatz. Kurz darauf folgte eine Series-C-Finanzierungsrunde in Höhe von 54 Millionen Euro, mit der es seine Unternehmensbewertung im Vergleich zu 2021 verdoppelte. Im April dieses Jahres erreichte refurbed dann den nächsten Meilenstein: Der Außenumsatz liegt nun bei über zwei Milliarden Euro.

Bereits 2023 hatte Co-Founder Kilian Kaminski angekündigt, bis Ende des Jahres profitabel sein zu wollen. Dazu kam es allerdings nicht. Stattdessen sorgte das Unternehmen Anfang des Jahres für überraschende Nachrichten: refurbed kündigte an, rund 20 Prozent der Stellen abzubauen. Zur Begründung hieß es von CEO und Co-Founder Peter Windischhofer, man müsse das Team verkleinern, um die Effizienz des Unternehmens zu steigern.

Nun scheint sich diese Maßnahme ausgezahlt zu haben. Wie das Unternehmen mitteilt, habe refurbed die Profitabilität im gesamten Unternehmen – über alle elf europäischen Märkte hinweg – erreicht. Das Scaleup rund um Gründertrio Peter Windischhofer, Kilian Kaminski und Jürgen Riedl positioniert sich selbst als einer der am schnellsten wachsenden Online-Marktplätze in Europa.

Deutscher Markt als Wachstumsmotor

Seit der Gründung 2017 wurde über die Hälfte des gesamten Außenumsatzes in Deutschland erzielt. Mehr als vier Millionen Produkte seien dort verkauft worden. “Mit diesem Meilenstein für das Unternehmen setzt refurbed auch ein wichtiges Zeichen für die Potenziale der Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft in ganz Europa”, heißt es in einer Presseaussendung.

Als entscheidenden Grund für die Profitabilität nennt Windischhofer die starke Kundenbindung. „Wir sind jetzt profitabel, weil so viele Kund:innen unserem Marktplatz vertrauen”, sagt er. Viele Kund:innen würden nämlich zurückkehren und von der großen Produktauswahl profitieren. Während refurbed ursprünglich mit dem Verkauf von generalüberholten Elektrogeräten wie Smartphones oder Laptops startete, umfasst das Sortiment inzwischen auch weitere Kategorien – darunter Kinder- und Babyprodukte (brutkasten berichtete).

„Wichtiges Signal für Green-Economy-Branche“

Das Erreichen der Profitabilität sei für refurbed “ein wichtiges Signal für die gesamte Green-Economy-Branche”, sagt Windischhofer. „Oft wird behauptet, dass Profitabilität nur auf Kosten der Nachhaltigkeit möglich ist – unser Erfolg beweist genau das Gegenteil: Beide Aspekte verstärken sich vielmehr gegenseitig. […] Die wichtigste Nachricht aber ist: Unsere Profitabilität ist der Beweis, dass Kreislaufmodelle funktionieren“.

Erst 2024 wurde refurbed für seine Nachhaltigkeitsstrategie mit der B-Corp-Zertifizierung ausgezeichnet – brutkasten berichtete. Der aktuelle Meilenstein unterstreiche laut Unternehmensführung sowohl die wirtschaftliche Stärke als auch die Nachhaltigkeit des Modells. “Nachhaltigkeit und ökonomischer Erfolg können Hand in Hand gehen”, so Windischhofer. “Kreislaufwirtschaft ist nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich, kreislauforientierte Unternehmen können nachhaltig skalieren – das ist für die gesamte Branche eine gute Nachricht. Dass wir zu Profitabilität gelangt sind, ist auch ein Meilenstein für die gesamte Green Economy.“

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PrixxOne, Klemmbausteine, Lego-Möbel
© PrixxOne

Im Netz kursieren seit langer Zeit witzige Memes und Aussagen solcher Art: „Ja, ein Autounfall tut weh, aber bist du schon Mal auf einen Legostein draufgestiegen?“ Eher das Gegenteil zu Pein, nämlich die Liebe zu den dänischen Bausteinen hat PrixxOne-Gründer Jürgen Sommer schon als kleines Kind entwickelt. Sein He-Man aus der „Masters of the Universe“-Reihe saß damals auf einem Lego-Thron, mit Pölstern aus Watte und Taschentüchern.

PrixxOne: Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken

Diese Leidenschaft lebte er später auch als Vater weiter. Als seine beiden Söhne acht und vier waren, baute das Trio ein riesiges Haus aus Lego mit Möbeln darin. „Ich habe mir damals sogar gewünscht, so groß wie eine Lego-Figur zu sein“, gesteht der Founder.

Doch statt wenige Zentimeter groß zu sein, war Sommer vor seiner Unternehmer-Karriere Lehrling bei der Wiener Städtischen und 18 Jahre lang u.a. als Manager bei Uniqa tätig. Dort und auch bei Raiffeisen gestaltete er Prozesse für interne sowie Außenpartner der Versicherungsbranche und verantwortete den Bereich digitale Signaturen.

„Ich habe immer sehr viel gearbeitet, manchmal 16 Stunden am Tag“, sagt er, „also habe ich eine Auszeit genommen und bin dem Projekt nachgegangen.“

© PrixxOne – Jürgen Sommer.

Das Projekt heißt PrixxOne und entwickelt ein Produkt, bei dem es nicht nur nicht wehtut, draufzusteigen, sondern es ist dafür gemacht, sich draufzusetzen. Sommers Startup bietet ein Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken (oder Klemmbausteinen) im Maßstab 15:1 an. Patentrechtlich ist diese Prinzip frei nutzbar, denn der ursprüngliche Patentschutz für das Klemmsystem lief 1978 aus und der Europäische Gerichtshof hat 2010 die Form des Steins als Marke zu schützen abgelehnt. Wobei sich Lego immer wieder und auch aktuell in Rechtsstreitigkeiten befindet, zum Design oder bestimmten Bausteinen etwa, wie hier im Juni berichtet wurde.

Made in Austria

Unabhängig davon produziert das durch Investments aus dem familiären Bereich gestützte Unternehmen von Sommer diese Klemmbausteine, die nicht nur zum Möbelstück gebaut werden können, sondern auch designgeschützt sind: Jede Seite des PrixxOne-Bausteins verfügt über eine zwei Zentimeter hohe Ausnehmung, sodass man den Stein ohne jegliches Werkzeug auseinandernehmen, aufbauen, umbauen und erweitern kann – vom Hocker zum Sessel, bis hin zur Couch. Laut Gründer trage die Konstruktion das Gewicht von Erwachsenen – das sei intensiv getestet worden.

Die Bausteine werden in Wien designt und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. „Wir nehmen Material, das sonst auf Deponien landen würde, und verwandeln es in zirkuläres, langlebiges Design komplett ohne Verschwendung“, sagt Sommer.

So richtig durchstarten möchte er Anfang nächsten Jahres und hat für die Produktion im Sinne von „Made in Austria“ drei potentielle österreichische Partner an der Hand. „Es ist nur noch eine Skalierungsfrage“, sagt Sommer, der mit seiner Idee auch einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt: „In den vergangenen 25 Jahren habe ich als Operations-Manager und COO große Unternehmensstrukturen optimiert. Mein zentraler Antrieb ist das Lean-Management: Starrheit aufbrechen und Verschwendung radikal eliminieren. Genau dieses Mindset übertrage ich nun von der Unternehmenswelt mit PrixxOne auf die Möbelbranche.“

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