25.01.2023

Umfrage zeigt: Mittelständische Unternehmen treten bei „Nachhaltigkeit“ auf die Bremse

Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Mazars hat eine qualitative Befragung unter mittelständischen Unternehmen in Österreich durchgeführt. Das Ergebnis: Mittelständische Unternehmen fahren aufgrund des derzeitigen "Krisen-Modus" ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zurück.
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(c) Adobestock

Die hohen Energiepreise, Inflation, Lieferketten-Probleme und der Fachkräftemangel bestimmen derzeit maßgeblich das Wirtschaftsgeschehen in Österreich. Davon betroffen ist auch der heimische Mittelstand. Erst vergangene Woche zeigte beispielsweise das EY-Mittelstandsbarometer, dass die optimistische Einschätzung der eigenen Geschäftslage im österreichischen Mittelstand gegenüber dem Vorjahr merklich zurückgegangen. So bewertet nur jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) die eigene aktuelle Geschäftslage als rundum positiv.

Mazars: „Nachhaltigkeit ist Krisenverlierer Nummer Eins“

Eine neue Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Marzas wirft nun einen Blick auf die Nachhaltigkeitsbestrebungen mittelständischer Unternehmen in Österreich. Für die qualitative Befragung wurden 100 Geschäftsführer:innen und Entscheider:innen mittelständischer Unternehmen österreichweit befragt.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Sechs von zehn mittelständischen Unternehmen, die befragt wurden, haben ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zurückgefahren oder komplett auf Eis gelegt. Dazu heißt es im Detail: „Angesichts der Dauer Krisen sind nur 23 Prozent der mittelständischen Unternehmen bei ihren Nachhaltigkeitsbemühungen voll im Plan – bei 16 Prozent gibt es Verzögerungen und bei 61 Prozent Reduktionen oder einen kompletten Stopp.“ Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei beschreibt den „Krisen-Modus“ mit hohen Energiepreisen, Inflation, Lieferketten-Problemen und Personalmangel.

Umfrage zeigt widersprüchliches Stimmungsbild

„Diese Entwicklung ist bedauerlich und wohl auch etwas kurzsichtig“, so Michael Dessulemoustier, Geschäftsführer von Mazars. „Wir sind überzeugt, dass Unternehmen, die jetzt nicht in Nachhaltigkeit investieren können, über kurz oder lang dieses Versäumnis spüren werden.“

Die Umfrage zeigt aber auch ein äußerst widersprüchliches Stimmungsbild unter den mittelständischen Unternehmen: So haben 91 Prozent der Befragten an, in ihrem Unternehmen hätte das Thema Nachhaltigkeit einen „sehr großen“ oder „großen Stellenwert“. Zehn Prozent meinen sogar, Nachhaltigkeit habe einen größeren Stellenwert als Umsatz- oder Ertragsziele – für immerhin 45 Prozent ist der Stellenwert zumindest gleich groß.


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ViehFinder
© ViehFinder - Mit der App von ViehFinder sollen die Tiere rasch auffindbar gemacht werden.

Die Almwirtschaft ist nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Obwohl sich die Almfutterfläche in den vergangenen 25 Jahren nahezu halbiert hat, umfasste sie 2025 noch immer 322.446 Hektar. Damit war sie größer als das gesamte Bundesland Vorarlberg und entsprach etwa der siebenfachen Fläche Wiens. Der Anteil der Grünlandbetriebe, die ihre Tiere während der Sommermonate auf Almen auftreiben, blieb in diesem Zeitraum mit rund einem Viertel weitgehend konstant. Seit dem Jahr 2000 ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche österreichweit um 14 Prozent zurückgegangen. Umso wichtiger werden Lösungen, die den Arbeitsaufwand auf den Almen reduzieren und die Bewirtschaftung langfristig sichern – hier kommt das Startup ViehFinder ins Spiel.

ViehFinder nutzt Galileo

Das Grazer Unternehmen entwickelt ein digitales System, mit dem Landwirte jederzeit nachvollziehen können, wo sich ihre Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde befinden. Die Grundlage dafür bilden intelligente Halsbandsensoren, die ihre Position über das europäische Satellitennavigationssystem Galileo bestimmen und an eine App übertragen.

Martin Mössler, Geschäftsführer des Science Park Graz und des ESA Business Incubation Centre Austria, betont: „Weltraumtechnologien entfalten ihren größten Nutzen dort, wo sie konkrete Herausforderungen auf der Erde lösen. Genau das ist unser Anspruch: Wir begleiten Startups, die aus Spitzentechnologie wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen entwickeln und gleichzeitig einen nachhaltigen Beitrag leisten. ViehFinder ist dafür ein hervorragendes Beispiel.“

Stundenlange Suche als Problem

Die Idee für ViehFinder hat ihren Ursprung im Kärntner Mölltal: Dort wuchs Gründer und Geschäftsführer Peter Lederer auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf und erlebte schon als Kind, wie viel Zeit die tägliche Kontrolle von Tieren auf weitläufigen Almen in Anspruch nimmt. Stundenlang nach Tieren zu suchen – das gehört bis heute vielerorts zum Alltag, weiß der 58-jährige Gründer.

© ViehFinder – Gründer Peter Lederer mit seinen Söhnen Raphael Krebs und Jakob Krebs.

„Die Almwirtschaft ist für Österreich enorm wichtig – für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Biodiversität. Unser Ziel ist es, die Almbewirtschaftung mit moderner Technik einfacher zu machen. Wenn noch mehr Bauern damit aufhören, wäre das ein Problem für ganz Österreich“, unterstreicht Lederer. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen Raphael und Jakob gründete er daher 2020 ViehFinder: Während der Vater die Elektronik verantwortet, bringen die beiden Söhne ihre Expertise aus Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Physik ein.

Im ESA-Inkubationsprogramm

Mittlerweile ist die unternehmenseigene Entwicklung fortgeschritten: „Landwirte wissen mit unserer Applikation jederzeit, wo sich ihre Tiere befinden. Gerade auf großen Almen spart das viele Stunden Arbeit. Hirten und Almgemeinschaften können auf einen Blick kontrollieren, ob die Herde vollständig ist und wo sich einzelne Tiere aufhalten“, erklärt Lederer. Im Rahmen des ESA-Inkubationsprogramms entwickelt ViehFinder die Technologie aktuell weiter: Die neue Generation an Halsbandsensoren erfasst zusätzlich auch Bewegungsmuster und Umgebungsdaten.

„Dadurch kann das System künftig auch ungewöhnliche Situationen erkennen“, erklärt der Founder weiter. Zeigt eine Herde plötzlich auffälliges Bewegungsverhalten, kann das auf die Anwesenheit eines Wolfs oder Bären hindeuten. Ebenso möglich ist jedoch, dass Wanderer mit Hunden die Tiere aufgescheucht haben. Bleibt ein einzelnes Tier über einen längeren Zeitraum bewegungslos, könnte dies wiederum ein Hinweis auf eine Verletzung sein. „Derzeit testen wir diese Funktionen gemeinsam mit Landwirten in der Steiermark und Kärnten.“

Mehr Features geplant

Auch der Klimawandel spielt bei der Weiterentwicklung des Startups eine Rolle: Künftig sollen Satellitendaten zur Schneelage und Vegetationsentwicklung eingebunden werden. „Damit könnten Landwirte besser beurteilen, wann Almen bestoßen werden können oder der richtige Zeitpunkt für den Almabtrieb gekommen ist“, erklärt der ViehFinder-Geschäftsführer.

Derzeit bereitet das Grazer Startup die Markteinführung vor. Anfang 2027 soll das System rechtzeitig zur nächsten Almsaison verfügbar sein. Über den weiteren Wachstumskurs sagt Lederer: „Wenn wir die Produktion aufbauen, werden wir zusätzliche Partner brauchen. Für Investoren sind wir daher grundsätzlich offen.“

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