23.05.2023

Mit ChatGPT zu besserer Kundenbetreuung und Wandlung von Mails zu Handlungselementen

Künftige Use-Cases von ChatGPT werden allerorts stark diskutiert und erprobt. Cosima von Kries von Nintex hat fünf Punkte der Arbeitswelt ausgemacht, die durch die KI verbessert werden könnten.
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ChatGPT, Kundenbetreuung, Kundenzufriedenheit
(c) Nintex/OpenAI - Cosima von Kries, Director Nintex Solution Engineering EMEA.

Mittlerweile kennt man Hacks. Man weiß, dass ChatGPT von OpenAI viele Use-Cases bietet. Man warnt davor, die Informationen, die die KI auf Fragen ausspuckt, ungeprüft zu glauben, denn Fehler passieren auch Künstlichen Intelligenzen. Was aber auf jeden Fall quer die Meinung von Expert:innen widerspiegelt, ist, dass diese neue Technologie viele Bereiche verändern und auch einen großen Impact auf die Arbeitswelt haben wird. Dies denkt auch Cosima von Kries, Director des Anbieters für Prozessintelligenz und -automatisierung Nintex Solution Engineering EMEA, der Kunden wie Microsoft, Amazon, Chevron und Astra Zeneca als seine Kunden ausweisen kann.

Sie sagt: „Suchmaschinen haben bereits massiv unsere Arbeitsweise verändert, wie wir auf Wissen zugreifen können. Inzwischen gibt es einen massiven Datenpool an Informationen, bei dem es oft schwer ist, die richtigen Quellen zu finden oder zeitintensiv, das gewünschte Material, zum Beispiel eine Vorlage, den richtigen Datensatz oder Hilfestellung für den eigenen Programmcode, zu finden. ChatGPT revolutioniert hier in vielen Bereichen, wie digitale Daten noch besser konsumierbar und einsetzbar für uns gemacht werden können, um noch schneller und effizienter ans Ziel zu gelangen. Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI ist nicht länger ein ungreifbares Buzzword, sondern spürbare Realität mit erheblichem Mehrwert für die eigene Arbeitsbewältigung.“

Von Kries hat daher fünf Bereiche am Arbeitsplatz ausgemacht, die von ChatGPT künftig profitieren können: Kundenbetreuung, Übersetzung, Zusammenfassung, Content und Code.

Kundenbetreuung mit ChatGPT verbessern

Fast 90 Prozent der Verbraucher, so von Kries, bevorzugen die Interaktion mit einem Menschen gegenüber einem Chatbot. Frustrierender, botbasierter Kundenservice sei schlecht für ein Unternehmen. Einen umfassenden persönlichen Kundenservice anzubieten sei schwierig und teuer. ChatGPT stelle, ihrer Meinung nach, dieses Kalkül auf den Kopf.

„ChatGPT ist in der Lage, Antworten zu lernen und darauf aufzubauen“, weiß sie. „Wenn es mit einer internen Datenbank verbunden ist, wird es unsere Fähigkeit verändern, auf organisationsspezifische Kundendienstanfragen wie ‚Wie bekomme ich eine Genehmigung?‘ oder ‚Wo ist ihr nächstgelegenes Büro?‘ zu antworten. Darüber hinaus wird es in der Lage sein, Inhalte zu erstellen und Antworten in einem visuellen Format darzustellen, wie beispielsweise ‚Bitte senden sie mir einen Bericht über die Umsätze des letzten Monats‘.“

Sprachübersetzung auf ein neues Level heben

Wir leben in einer global-agierenden Welt, in der es immer wichtiger werde, über Regionen, Sprachen und Kulturen hinweg zu kommunizieren. Bestehende Übersetzungstechnologien helfen bei kurzen Fragen und Befehlen und können kleine Textblöcke interpretieren. Das sei ein Anfang, aber ChatGPT verfüge zudem über die Lese- und Verständnisfähigkeiten, um längere Texte zu verstehen und die Übersetzung auf die nächste Stufe zu heben.

„ChatGPT kann den Standort eines Mitarbeiters ermitteln und automatisch Seiten mit Inhalten in die Landessprache der Person übersetzen. Für Entwickler, IT-Fachleute und Nutzer allgemein bedeutet dies eine enorme Zeit-, Arbeits- und Kostenersparnis bei der Markteinführung ihrer Arbeit. ChatGPT bietet auch ein großes Potenzial für die Entwicklung automatisierter assistiver Arbeitsplatztechnologien wie Echtzeit-Bildschirmleser und Gebärdensprachübersetzungen für Menschen mit Behinderungen“, so von Kries weiter.

Mit ChatGPT effektive Zusammenfassungen erstellen

Der nächste Punkt betrifft die Alltagskommunikation: E-Mail sollte eigentlich den Schriftverkehr bei der Arbeit beschleunigen, damit man mehr Zeit hat, sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren. Stattdessen, so die Direktorin, füllten wir unsere Tage mit immer mehr Korrespondenz, mit immer mehr Menschen.

„Denn, neuere Messaging-Plattformen für die Arbeit haben die Kommunikationsflut nur noch verstärkt. Von E-Mails über Nachrichten bis hin zu Berichten kann ChatGPT wichtige Informationen zusammenfassen und an viel beschäftigte Mitarbeitende weitergeben“, sagt sie. „In Verbindung mit Word oder Outlook kann ChatGPT heutzutage Informationen prüfen und das Wichtige herausfiltern. Es ist in der Lage, eine E-Mail in ein Handlungselement umzuwandeln und es in einen Arbeitsablauf einzubinden, der mit einem größeren Team geteilt wird.“

Neue Inhalte erstellen

Abseits davon weiß man auch, dass ChatGPT die Fähigkeit besitzt, ausgehende schriftliche und visuelle Inhalte zu erstellen – von E-Mail-Antworten über Berichte bis hin zu externen Online-Inhalten. Mitarbeitende könnten, von Kries nach, vielleicht nicht alle ihre schriftlichen Aufgaben an ChatGPT abgeben, aber sie werden definitiv eine Reihe von Routineaufgaben weniger haben und Schreibideen und Unterstützung erhalten, wenn sie diese benötigen.

„Ja, ChatGPT kann eine E-Mail beantworten und ein Urlaubsantragsformular oder andere interne Papierdokumente ausfüllen. Aber es kann auch einen zehnstufigen Bericht über Gesundheits- und Sicherheitsrisiken oder einen Blog über die Geschäftsentwicklung oder einen neuen Trend erstellen“, beteuert von Kries. „In den letzten Jahren wurden selbst die technisch versiertesten Mitarbeitenden mit einem gewissen Maß an kreativen Schreibaufgaben in ihrer Kommunikation und dem internen Marketing ihrer Arbeit betraut. ChatGPT kann ein verlässlicher Partner sein, der diese Aufgabe erheblich erleichtert und manchmal sogar ganz abnimmt.“

Code mit ChatGPT überprüfen und verbessern

Beim letzten Punkt geht von Kries auf die Möglichkeiten beim Programmieren ein: Von der Erstellung von Arbeitsabläufen bis hin zu Vorschlägen kann ChatGPT den Code erstellen, überprüfen und verbessern, betont die IT-Expertin. Egal, ob Unternehmen gerade mit einem Projekt starten oder bestehende Arbeit untersuchen würden, um herauszufinden, wie sie verbessert und optimiert werden können: ChatGPT unterstütze die Codierung auf die gleiche Weise wie das Schreiben.

Von Kries dazu abschließend: „Technologische Innovationen beruhen zunehmend auf Citizen Developern, die eine großartige Idee oder einen Einblick in die Bedürfnisse ihrer Organisation haben, aber keine oder nur eine geringe formale Ausbildung im Programmieren besitzen. ChatGPT ist ein wichtiges Werkzeug, um diese zu unterstützen.“

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Münchens Startup-Ökosystem spielt in einer anderen Liga | (c) Anastasiya Dalenka via Unsplash
Münchens Startup-Ökosystem spielt in einer anderen Liga | (c) Anastasiya Dalenka via Unsplash

Die gute Nachricht für das österreichische Startup-Ökosystem: Im ersten Halbjahr 2026 gab es beim Finanzierungsvolumen ein ordentliches Plus im Vergleich zum Vorjahr, wie brutkasten berichtete. 472 Millionen Euro wurden laut EY-Barometer in heimische Startups und Scaleups investiert – nur die ersten Halbjahre 2021 und 2022 waren stärker. Bei der Anzahl der erfassten Finanzierungsrunden wurde sogar ein neuer Rekord erreicht.

Die dritte Liga

Nun die schlechte Nachricht: Im internationalen Vergleich sind das Peanuts. Ohne Zweifel sollte man die Finanzierungsrunden als individuelle Erfolge einzelner Startups nicht kleinreden. Als gesamtes Ökosystem spielt Österreich international aber bestenfalls in der dritten Liga.

In der ersten Liga bleiben US-Ökosysteme weiterhin unter sich – mit dem Silicon Valley als ewigem Champion. In den Vereinigten Staaten landeten laut Daten des Portals Crunchbase zuletzt wieder mehr als 80 Prozent des globalen Risikokapitals. Finanzierungsrunden für die KI-Riesen im zwei- bis sogar dreistelligen Milliardenbereich sind hier die Spitze des Eisbergs eines Systems, gegen das alle anderen alt aussehen.

In der zweiten Liga wird es spannender: Dort findet sich nicht nur der gewiss ernsthafteste USA-Herausforderer China, sondern auch große europäische Länder wie das traditionell starke Vereinigte Königreich, Deutschland und Frankreich, kleinere wie die Schweiz sowie Schweden und starke internationale Ökosysteme wie Israel, Singapur und Kanada.

Und irgendwo, nicht in der Spitzengruppe, sondern im Mittelfeld der dritten Liga kommt dann auch Österreich.

Warum eigentlich?

Warum? Mit dieser Frage beschäftigt sich das heimische Startup-Ökosystem in Dauerschleife. Denn wir sind ja ein reiches Land – das Kapital wäre eigentlich da. Wir sind ja ein kluges Land – viele unserer Forschungseinrichtungen sind im internationalen Vergleich hervorragend. Wir sind ja ein effizientes Land – Österreich zählt zur globalen Spitzengruppe bei der Arbeitsproduktivität.

Also woran liegt’s? Vielleicht am Mindset? An der Kultur? Wenn es um den Vergleich zum Silicon Valley geht, wird man hier definitiv fündig. Ein völlig anderes Level an Risikobereitschaft sei hier nur als herausstechender Unterschied genannt. Auch beim Match mit dem ähnlich bevölkerungsreichen, aber extrem Startup-starken Schweden kommt man mit dem Argument durchaus weiter. Die skandinavische Mentalität ist anderes und die tief verankerte Kapitalmarktkultur macht einen entscheidenden Unterschied.

Déjà-vu

Und dann ist da Bayern südlich des sogenannten „Weißwurstäquators“ – das Land der Lederhosen, der Bierzelte, des Leberkäses und der hübschen alpinen Landschaften, dessen Bewohner:innen diesen (aus Sicht des Rests von Deutschland) lustigen Dialekt sprechen. Das kommt einem doch bekannt vor.

Gut, man kann Ähnlichkeit natürlich nicht nur an solchen stereotypischen Faktoren festmachen. Aber es lässt sich schwer bestreiten, dass man bei einem Vergleich zwischen Österreich und Bayern mit den Argumenten „andere Kultur“ und „anders Mindset“ nicht weit kommt. Zudem sind die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Österreich bekanntermaßen sehr ähnlich und auch gesamtwirtschaftlich spielen Deutschlands südöstliches Bundesland und die Alpenrepublik in einer Liga – wiewohl Bayern hier die Nase etwa beim BIP pro Kopf etwas vorne hat.

Und doch: Österreich kam im ersten Halbjahr auf die besagten 472 Millionen Euro Gesamt-Investmentvolumen mit zwei Finanzierungsrunden zu je 100 Millionen Euro als größte Einzelinvestments. Währenddessen: Allein in der bayerischen Hauptstadt München gab es dieses Jahr mit Quantum Systems und Helsing bereits zwei Investments über mehr als eine Milliarde Euro, mit Proxima Fusion (411 Millionen Euro) noch ein weiteres, das schon alleine am österreichischen Gesamthalbjahresvolumen kratzt. Hinzu kommt mit Isar Aerospace (270 Millionen Euro) sogar eine Mega-Runde für ein Startup mit österreichischem Co-Founder und CEO.

Man findet freilich auch hier Gründe, warum der Vergleich nicht zulässig ist, wenn man danach sucht. Etwa dass die beiden Milliardenrunden an DefenseTech-Startups gingen – eine Hype-Branche, die im neutralen Österreich weniger Tradition hat und schwerer zu beackern ist. Aber damit sind gerade einmal die beiden auffälligsten Ausreißer erklärt.

Sucht man weiter, findet man gewiss noch einige Gründe mehr, die sich nicht von heute auf morgen ändern lassen, etwa die traditionell herausragende Stärke von Bayerns Industrie.

Genauer Blick an die Isar

Aber man kommt auch zu einigen Gründen, die mit gezielten politischen Maßnahmen zu erklären sind. Und mit starken universitären Initiativen, allen voran UnternehmerTUM an der TU München. Und ja, hier steht die reichste Frau Deutschlands, Susanne Klatten, als Mäzenin dahinter. Aber: Das Geld wurde richtig gut genutzt. Geld gäbe es schließlich auch hierzulande prinzipiell genug.

Ein genauer Blick an die Isar ist also nicht nur für die heimische Politik lohnend. Mit Offenheit statt Ausreden. Dann könnte es doch auch mit dem Aufstieg aus der dritten in die zweite Liga der Startup-Ökosysteme klappen. Das muss das Ziel sein. Denn wenn Leute mit Lederhosen, Bierzelten, Leberkäse, hübschen alpinen Landschaften und lustigem Dialekt das können, dann können wir das eben.

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