27.09.2022

MedTech-Inkubator: Hilfe für Startups im fordernden Zukunftsmarkt

Der MedTech-Bereich stellt Startups vor besondere Herausforderungen. tech2b betreibt daher einen eigenen Inkubator dafür. Wir sprachen mit den beiden Leiterinnen.
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tech2b - Johanna Köhler und Christina Kopler leiten den MedTech-Inkubator
Johanna Köhler und Christina Kopler leiten den MedTech-Inkubator | (c) tech2b
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Der Gesundheitsbereich befindet sich im Umbruch und die Chancen, die sich daraus für Startups im MedTech-Bereich ergeben, sind gigantisch. „Die Medizintechnikbranche ist weiterhin eine der innovativsten und wachstumsstärksten Branchen“, bestätigt Johanna Köhler. „In der Begleitung unserer Startups sehen wir, dass sich der Einsatz von Technologien im Gesundheitswesen in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat. Wir sehen einen Shift von kurativen – hin zu präventiven, holistischeren Ansätzen. Innovative Technologien genauso, wie GF-Modelle aus anderen Branchen, finden Anwendung und Patienten werden zukünftig die wichtigsten Stakeholder im Gesundheits-Ökosystem“. Doch sie gibt zu bedenken: „Gleichzeitig handelt es sich um ein stark reguliertes Umfeld. Das führt in vielen Fällen zu vergleichsweise längeren Entwicklungszyklen, höheren Entwicklungskosten und Markteintrittsbarrieren“.

Ein eigenes Inkubationsprogramm für die anspruchsvolle MedTech-Branche

Köhler leitet gemeinsam mit Christina Kopler in Oberösterreich den MedTech-Inkubator von tech2b in Kooperation mit dem Medizintechnik-Cluster OÖ (MTC), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Startups bei den genannten Herausforderungen zu helfen. Dass es ein eigenes Programm für die Branche brauche, habe man zuvor in der Arbeit im allgemeinen tech2b-Inkubationsprogramm gemerkt, erklärt Kopler. 2018 nahm man die Arbeit im Rahmen eines Pilotprojektes auf. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde das branchenspezifische Gründungsprogramm 2021 in das Standardprogramm von tech2b übernommen.

„Ziel ist es, die Realisierungswahrscheinlichkeit innovativer Produkte und Startups in diesem Bereich durch zielgerichtete Beratung und Unterstützung zu erhöhen. Wir bieten unseren Startups daher neben fachlicher Beratung und Begleitung durch tech2b und MTC, Mentor:innen, Kontakt zu Umsetzungspartnern, finanzielle Zuschüsse, Infrastruktur, branchenspezifische Weiterbildungen, eine Mitgliedschaft beim MTC sowie Zugang zu unseren vielfältigen Netzwerken“, so die Leiterin.

Das FiveSquare-Team | (c) FiveSquare

Die Rechnung geht auf, wie erfolgreiche Alumni und Teilnehmer zeigen, und etwa auch Hans‐Peter Pichler, Co-Founder des aktuellen Teilnehmer-Startups FiveSquare, das mit „Epilepsia“ ein Wearable zur Früherkennung epileptischer Anfälle entwickelt, bestätigt: „Wir sind seit unserer Firmengründung bei tech2b und sind super happy mit der Unterstützung und dem Know-how, das wir von allen dort bekommen. Die Zusammenarbeit hilft uns dabei, unsere Ideen und Produkte zu pushen und passiert auf Augenhöhe. Das war uns von Anfang an sehr wichtig“.

Innovative Lösungen für Startups dank innovativem Team

Dafür, dass alle im MedTech-Inkubator optimal begleitet werden, soll auch die Doppelspitze Johanna Köhler und Christina Kopler sorgen. „Christina und ich sind eine perfekte Ergänzung, nicht nur was das Know-how und unsere Expertise betrifft – auch in unseren Fähigkeiten und Stärken. Wir arbeiten nicht nur als Team sehr gut zusammen, sondern können in dieser Kombination die Anforderungen, die diese Position und dieses branchenspezifische Gründungsprogramm mit sich bringt, noch besser adressieren und gestalten“, sagt Köhler. Dabei lege man auch Wert darauf, innovative Lösungen nicht nur in der Zusammenarbeit mit den Startups einzusetzen. „Auch in der internen Organisation und Arbeitsgestaltung möchten wir Raum für kreative und den Bedürfnissen entsprechende Formen der Zusammenarbeit leben“, so die Leiterin.

Startups können über [email protected] Kontakt aufnehmen. „In einem Erstgespräch lernen wir die Gründer:innen und Produktideen näher kennen. Die Auswahl über die Aufnahme wird von einer unabhängigen Jury getroffen. Für eine Aufnahme in unser Programm sollte es sich um eine innovative und skalierbare Idee im Bereich Medizintechnik, Digital Health oder Medical Materials handeln und eine Unternehmensgründung in Oberösterreich geplant sein“, erklärt Christina Kopler.

MedTech-Inkubator: Das sollten Bewerber-Startups beachten

Johanna Köhler gibt ein paar Beispiele: „Machen Sie sich bereits im Vorfeld Gedanken zur Schützbarkeit, dem Innovationsgrad und der technischen Realisierbarkeit ihres Vorhabens. Handelt es sich nach einer ersten Einschätzung um ein Medizinprodukt? Hier hilft eine Orientierung an der geplanten Zweckbestimmung des Produktes. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den regulatorischen Anforderungen ist hier besonders relevant, da hier wesentliche Implikationen auf die Entwicklung des Produktes, wie auch auf die Strategie und den geplanten Markteintritt liegen. Zudem sollte man sich Größe und Potenzial des adressierten Markts, Zielgruppen bzw. potenzielle Kunden und mögliche Konkurrenzprodukte angesehen haben“.

Auch zu Kapitalbedarf und geplanten Finanzierungsformen sollten Bewerber-Startups sich bereits Gedanken gemacht haben, ergänzt Kopler. „Eine weitere wichtige Frage ist: Welche Kompetenzen sind bereits im Team vorhanden und welche müssen entsprechend noch erweitert werden? Grundsätzlich können wir jedem Gründerteam den Tipp geben, sich frühzeitig nach Mitgründern bzw. einem Team umzusehen, das die notwendigen Kompetenzen für eine Umsetzung mitbringt. In den meisten Fälle liegt und fällt eine erfolgreiche Realisierung mit dem Team“, sagt die Leiterin und stellt klar: „Natürlich stehen wir auch hier im Vorfeld bei Fragen als Sparringpartner:innen gerne zur Verfügung“.

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Die drei Partner von RM Equity Partners (v.l.) Nicola Szekely, Eugen Benedikt Russ und Chris Wittlinger | (c) RM Equity Partners
Die drei Partner von RM Equity Partners (v.l.) Nicola Szekely, Eugen Benedikt Russ und Chris Wittlinger | (c) RM Equity Partners

Rund 50 Digital-Unternehmen mit etwa 600 Mitarbeiter:innen und mehr als 400 Millionen weltweiten Nutzer:innen – das ist das Portfolio der Liechtensteiner Private-Equity-Gesellschaft RM Equity Partners. Insgesamt hält diese eine halbe Milliarde Euro Assets under Management (AuM). Bekannte Portfolio-Unternehmen sind etwa die Outdoor-Plattform Bergfex aus Graz oder die deutsche Motorrad-Tour-App Calimoto.

Neue Bedeutung für zwei Buchstaben

Bis vor kurzem war die Gesellschaft Teil der Vorarlberger Russmedia-Gruppe, wie auch die zwei Buchstaben im Namen verraten. Nun befindet sich das PE-Unternehmen komplett im Besitz der drei Partner Eugen Benedikt Russ, Chris Wittlinger und Nicola Szekely. Somit bleibt es freilich zu einem Teil in der Vorarlberger Unternehmerfamilie Russ, die hinter Russmedia steht. Das RM bleibt als etablierter Name erhalten. Mit dem Slogan „Results matter“ bekommt es eine neue Bedeutung.

„Was das Team im vergangenen Jahrzehnt aufgebaut hat, macht uns stolz – und das ist erst das Fundament. Als völlig unabhängiges Unternehmen liegt unser Fokus nun ganz auf der Zukunft: der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Unternehmern und dem Aufbau beständiger, digitaler Unternehmen“, kommentiert Russ in einer Aussendung.

Bis zu 250 Millionen Euro pro Beteiligung

Die drei Partner investieren über die Gesellschaft ausschließlich eigenes Kapital und fokussieren klar auf Mehrheitsübernahmen und langfristige Beteiligungen. Bei einem Einzeldeal können nach Unternehmensangaben bis zu 150 Millionen Euro fließen, für eine Beteiligung insgesamt bis zu 250 Millionen. Dabei definiert RM Equity Partners klare Anforderungen, die auch auf der Website abzulesen sind: Das übernommene Unternehmen muss Marktführer oder starker Zweiter in seinem Segment sein und ein EBITDA über fünf Millionen Euro bzw. einen Nettoumsatz über 20 Millionen Euro vorweisen.

Gleichzeitig geben die Partner ihrerseits drei Versprechen: Kommt ein Unternehmen für einen Deal in Frage, bekomme es einen ersten Call innerhalb von 48 Stunden, eine konkrete Antwort innerhalb von sieben Tagen und, wenn ein Deal zustande kommt, dessen Abschluss innerhalb von acht Wochen. „Wenn es uns gefällt, sagen wir ja. Wenn nicht, sagen wir schnell nein. Hinter uns steht kein Investmentkomitee, und zwischen uns stehen keine Berater“, so die Partner auf der Homepage.

Zuletzt Verkauf von Alpy.com

Nach der Übernahme restrukturiere man dann nicht, aber unterstütze in jenen Bereichen, in denen man Expertise habe. Wiewohl RM Equity Partners als PE-Gesellschaft im Gegensatz zu einer VC-Gesellschaft nicht Exit-getrieben ist, sind auch Verkäufe übrigens keineswegs ausgeschlossen. Brutkasten berichtete erst im August vom Verkauf der Beteiligung Alpy.com. Es war der zweite Exit für die Gesellschaft in diesem Jahr.

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