15.11.2022

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

Magdalena Guschlbauer ist im Oktober zum zweiten Mal Mutter geworden und erzieht ihre Tochter windelfrei. Gleichzeitig baut sie ihr Startup Mata Origin auf, das Abhaltekleidung für Babys verkauft.
/artikel/mata-origin-mit-windelfreier-erziehung-1-000-euro-und-eine-tonne-muell-sparen
Mata Origin
(c) Mata Origin - Magdalena Guschlbauer, Gründerin von Mata Origin.

Eltern kennen es zur Genüge. Das Thema Windeln nimmt nach der Geburt des Babys eine zentrale Rolle bei jungen Vätern und Müttern ein. Man muss entscheiden, welche Marke, welche Größe, darauf achten, ob sie auch tatsächlich so saugstark sind, wie in der Werbung angepriesen; und sich nicht zuletzt Gedanken über Kosten und Entsorgung machen. Windeln und Babys gehört zusammen, das steht im europäischen Kulturkreis außer Frage. Bei der Mata Origin-Gründerin Magdalena Guschlbauer ist dies jedoch anders.

Ursprung von Mata Origin in Indien

Als damals 20-Jährige zog es die spätere Founderin nach Indien. Dort genoss sie eines Tages traditionelle Speisen einer Familie, als sie zum Mittagessen eingeladen war. Ein Baby schlief daneben, eingewickelt in Tüchern und wachte nach einiger Zeit auf.

„Die Mutter hat es ausgewickelt und das Kind war nackt“, erinnert sich Guschlbauer. „Das war ungewohnt, denn wir hier kennen ja Babys nur mit Windeln.“

Besagte Mutter bemerkte die Verwirrung ihrer Gästin und packte die junge Frau gleich. Sie solle mitgehen. Das Neugeborene wurde über einen Busch gehalten und hat sich entleert – Guschlbauer fragte sich danach, was sie da soeben gesehen hatte. Und welche geheime Macht hier am Werk war?

Ausscheidungskontrolle

Diese Erfahrung hat sie beschäftigt und drang zehn Jahre später aus dem Unterbewusstsein wieder an die Oberfläche. Genauer gesagt, dieses Bild jener Mutter mit dieser tiefen Verbundenheit zum Kind.

„So wollte ich mich auch fühlen und habe recherchiert“, erklärt sie. „Ich erkannte einen Trend zur windellosen Erziehung, und dass immer mehr Menschen bemerken, dass die Annahme, Babys können ihre Ausscheidung nicht kontrollieren, falsch ist.“

Babys haben, Guschlbauer nach, einen angeborenen Instinkt, wenn sie nackt sind, um ihr „Nest“ nicht zu beschmutzen. Und sie kommunizieren ihr Bedürfnis nach Ausscheidung – ihre Tochter etwa gibt „davor“ einen „Knatscher“ von sich, den man nie erkennen würde, wenn man sich der Kommunikation nicht bewusst ist.

Mata Origin-Credo: „Sauber bleiben, statt sauber werden“

„Das Zeitfenster ist natürlich kurz, aber lang genug, um das Kind über einen Topf zu halten“, so die Founderin weiter, die das Credo „lieber sauber bleiben, statt sauber werden“ lebt. Und in ein Unternehmen gewandelt hat.

Dafür hat sie im Oktober 2021 ihr Startup Mata Origin gegründet und davor rund ein Jahr lang herumexperimentiert. Produkte ent- und verworfen, Lieferanten kontaktiert, eine Näherei gesucht und schlussendlich eine „Abhaltekleidung“ entwickelt, die es ermöglichen soll, den westlichen Lebensstil mit der Sicherheit einer Windel und dem Ausleben des Ur-Instinkts möglich zu machen.

Man spare ohne Windeln rund 1.000 Euro und eine Tonne Windelmüll, da zweiter erst gar nicht produziert wird. Das schone an vielen Stellen Energie und Ressourcen, etwa beim Verpackungsmüll und beim Transport.

Mata Origin
(c) Mata Origin – Das Startup Mata Origin fördert mit Abhaltekleidung eine windelfreie Erziehung.

Die Kleidung von Mata Origin lässt sich, so der USP, schnell öffnen (Schlaufe) und besteht aus Merinowolle, Baumwolle, Naturkautschuk und Holzknöpfen.

Nachhaltige Begleitung

„Wir wollten mit unserer Kleidung, die wir machen, sehr wenig in das Tun vom Kind eingreifen. Und einen Weg aufzeigen, das Thema Ausscheidung möglichst nachhaltig und plastikfrei zu belgeiten“, sagt Guschlbauer.

Für dieses Vorhaben plant die Gründerin ihre YouTube- und Social Media-Präsenz auszubauen und mehr Sichtbarkeit für ihr Unternehmen zu schaffen. Sie hat 20 Prozent ihrer Firmenanteile an Investoren abgegeben, die Mata Origin nicht nur finanziell, sondern auch als Berater unterstützen. Die Investoren sind die Beteiligungsgesellschaft „Czernin · Godulla · Sellier“, ein Frühphaseninvestor, der sich auf regenerative Startups konzentriert.

„Fast jeden Lieferanten verloren“

Ein weiteres aktuelles Thema für Guschlbauer ist die Rohstoffbesorgung. „Wir haben während der Pandemie innerhalb eines Jahres jeden Stofflieferanten verloren, aber wir sind noch gut dabei und werden durch neue Kooperationen noch regionaler werden“, erklärt die mittlerweile zweifache Mutter. „Wir mussten fast wieder bei null anfangen, haben aber jetzt mehr Expertise zur Verfügung. Es war insgesamt ein sehr herausforderndes Jahr, aber ich hadere nicht, denn die Hürden haben uns weitergebracht.“

Das langfristige Ziel und die große Vision des Startups ist es, eine Plattform und Community für natürliche Mutterschaft aufzubauen, die auch Themen wie Geburt, Stillen und alles Dazugehörige behandelt. Weiters sollen neue Produkte entstehen – etwa eine Wickelunterlage, die gleichzeitig eine Tasche ist – die alle das Ziel haben, eine minimalistische und natürliche Erziehung zu fördern.

Kommunikation als Ziel

„Bei uns geht es nicht darum“, betont Guschlbauer, „dass alles funktioniert, sondern dass man das Auscheidungsbedürfnis des Kindes anerkennt. Es geht auch nicht darum, dass es keine Windel tragen soll, das Ziel ist die Art der Kommunikation. Und dass man bemerkt, dass das Baby neben Hunger, Schlaf und Nähe auch dieses Grundbedürfnis hat.“

Deine ungelesenen Artikel:
21.10.2026

„SHAPE Austria“: Neuer Ausgründungsrahmen für mehr Spinoffs aus Geistes-, Sozialwissenschaften und Künsten

Deep Tech, Life Science, Patente: Darauf war das österreichische Spinoff-System bisher ausgelegt. Mit „SHAPE Austria" liegt nun ein Ausgründungsrahmen für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste vor. New-Venture-Scouting-Gründer Werner Wutscher erklärt im Gespräch mit brutkasten, warum diese Disziplinen eine andere Sprache, andere Strukturen und andere Kennzahlen brauchen.
/artikel/shape-austria-ausgruendungsrahmen-geisteswissenschaften-kuenste
21.10.2026

„SHAPE Austria“: Neuer Ausgründungsrahmen für mehr Spinoffs aus Geistes-, Sozialwissenschaften und Künsten

Deep Tech, Life Science, Patente: Darauf war das österreichische Spinoff-System bisher ausgelegt. Mit „SHAPE Austria" liegt nun ein Ausgründungsrahmen für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste vor. New-Venture-Scouting-Gründer Werner Wutscher erklärt im Gespräch mit brutkasten, warum diese Disziplinen eine andere Sprache, andere Strukturen und andere Kennzahlen brauchen.
/artikel/shape-austria-ausgruendungsrahmen-geisteswissenschaften-kuenste
Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Mata Origin: Mit windelfreier Erziehung 1.000 Euro und eine Tonne Müll sparen