17.10.2025
INTERVIEW

Maschmeyer zur SF Tech Week: „Klarer Tenor: AI or bye bye“

Interview. In Kalifornien läuft aktuell die von a16z präsentierte Tech Week. Mit dabei ist mit Carsten Maschmeyer einer der bekanntesten Investoren Deutschlands. Im brutkasten-Gespräch schildert er seine Eindrücke direkt aus San Francisco.
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Carsten Maschmeyer in San Francisco, im Hintergrund ist die Golden Gate Bridge zu sehen
Carsten Maschmeyer in San Francisco | Foto: Maschmeyer Group

Die von der Venture-Capital-Gesellschaft a16z präsentierte San Francisco Tech Week gilt als wichtiger Austauschplatz für neue Trend im Tech-Bereich. Am vergangenen Sonntag ist die Ausgabe in der Bay Area zu Ende gegangen – nahtlos gefolgt von der diese Woche laufenden LA Tech Week. Vor Ort mit dabei ist mit Carsten Maschmeyer auch einer der bekanntesten Investoren Deutschlands. Einer breiten Öffentlichkeit ist er als Investor vor allem aufgrund seiner Rolle in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt.

Maschmeyer investiert über drei Investment-Vehikel in Startups: Mit seinem in Berlin angesiedelten Venture-Capital-Fonds seed + speed hat er frühphasige Startups im Blick. In Later-Stage-Startups investiert er über seine Münchner Firma Alstin Capital. Dazu kommt noch die auf den US-Markt spezialisierte Investmentfirma Maschmeyer Group Ventures (MGV).

In Österreich ist Maschmeyer unter anderem bei Prewave, TeamEcho oder Optimuse beteiligt. brutkasten stand der Investor direkt aus San Francisco für ein Interview zu seinen Eindrücken von der Tech Week zur Verfügung.

Carsten Maschmeyer in San Francisco | Foto: Maschmeyer Group

brutkasten: Du bist aktuell bei der Tech Week San Francisco vor Ort. Was sind deine ersten Eindrücke?

Carsten Maschmeyer: Ich erlebe hier einen sehr klaren Tenor: AI or Bye‑bye. Künstliche Intelligenz ist nicht mehr Zusatz, sondern Fundament. Was heißt das konkret? Ich könnte Dutzende Beispiele nennen. In der Rechtsbranche etwa erledigten früher drei Anwälte über Tage Vertragsarbeit; heute erstellen Modelle in Sekunden auf Basis juristischer Standardwerke einen nahezu fertigen Entwurf.

Auch Konsumplattformen werden neu gedacht. Spotify analysiert nicht mehr nur „Kunden, die X hörten, mögen Y“, sondern versteht mein tatsächliches Hörverhalten über die Zeit. Zillow, die größte Immobilienplattform in den USA, ist mit GPT verknüpft: Ich kann in natürlicher Sprache sagen, ich will nicht weiter als zwei Meilen von der Schule weg sein, Bäckerei in der Nähe, Nachbarschaft mit vielen Kindern oder ausdrücklich ohne – und bekomme maßgeschneiderte Vorschläge. Gleiches bei Reisen: „Breiter Strand, wenig Verkehr, Palmen“ und ganze Regionen fallen automatisch heraus.

Dazu kommt ein strategischer Shift: aus SEO wird GEO – Generative Engine Optimization. Früher optimierten Firmen für die Google‑Suche; heute optimieren sie dafür, in großen Sprachmodellen überhaupt aufzutauchen. Überraschend ist, dass selbst hier in der zukunftsverliebten Bay Area eine Sorge mitschwingt: KI könnte Jobs kosten. Natürlich hoffen viele, dass neue entstehen. Einig ist man sich aber: Wer nicht sehr schnell gut mit KI umgehen lernt, riskiert seinen Arbeitsplatz.

Rund um KI herrscht ein enormer Hype. Viele fürchten aktuell auch eine Spekulationsblase – gerade in Hinblick auf die Börsenbewertungen von Unternehmen wie Nvidia. Wie beurteilst du das?

Es gibt ein Paradox. In den Leitmedien liest man gleichzeitig „Riesen‑KI‑Blase“ und „Hunderte Millionen Jobs fallen weg“. Wenn Letzteres passiert, war KI offensichtlich nicht erfolglos – dann ist es keine Blase im Gesamten. Meine Beobachtung: KI‑Firmen tragen aktuell extrem hohe Umsatzmultiples. Wo wir früher bei sehr guten Unternehmen von 8 bis 12 sprachen, sind heute 50 bis 100 keine Seltenheit. Und sie wachsen in einem Tempo, das ich so noch nicht gesehen habe: Um auf 100 Millionen Dollar Umsatz zu kommen, brauchte ein Internetunternehmen früher rund sieben Jahre, SaaS‑Firmen vier – KI‑Firmen im Schnitt eineinhalb. Der Steigerungswinkel ist quasi 90 Grad.

Parallel investieren die Tech‑Giganten hunderte Milliarden in Rechenzentren, Infrastruktur und zum Teil sogar in Mini‑AKWs. Auffällig: Selbst Meta leiht sich dafür Geld. Mark Zuckerberg sagt sinngemäß, er habe lieber zu viel Kapazität gebaut als zu wenig. Heute investieren hochprofitable Monsterfirmen wie Nvidia, Google, Apple oder Microsoft. Das alles spricht gegen ein Dotcom‑Szenario, in dem Luftnummern dominierten.

Was ich allerdings sehe, sind Bewertungsblasen auf Einzelunternehmensebene. Manche Startups müssen „vom Umsatz erst in die Bewertung hineinwachsen“. Da wird es Down‑Rounds geben, Pleiten, und Investoren werden Geld verlieren. Also: keine Blase als Ganzes, aber sehr wohl Übertreibungen im Einzelnen.

Meta hat spektakuläre Angebote an Spitzenforscher gemacht und spricht offen von einem Rennen um Superintelligence. Hältst du solche Maßnahmen für nachvollziehbar – oder ist das bereits Übertreibung?

Zwei Gedanken. Erstens: Top‑AI‑Talente werden aktuell mit Gehältern und Paketen umworben, mit denen Europa nicht mithalten kann. Ob Wien, Berlin, Paris oder London – ein sehr guter AI‑Engineer bekommt in den USA leicht das Dreifache. Und bei Remote‑Arbeit ist es völlig egal, ob man acht Meter oder 8.000 Kilometer entfernt sitzt. Hinzu kommen in den USA deutlich attraktivere ESOP‑Regelungen, in Deutschland müssen Mitarbeiterbeteiligungen häufig ungünstig versteuert werden. Das alles zieht die besten Leute ab.

Zweitens zu diesen Mega‑Angeboten: Der Fall, in dem jemand über mehrere Jahre anderthalb Milliarden geboten bekam und trotzdem Nein sagte, ist kein normales Hiring. Das ist Signalpolitik. Man holt einen KI‑Guru, dem Talente folgen. Allein die Meldung „Wir haben das Genie X geholt“ kann den Börsenkurs bewegen. Klar ist: Wenn KI alles dominiert, will man die klügsten Köpfe – auch, weil sie weitere Talente anziehen.

Spätestens seit vergangenem Herbst mit dem Erscheinen unterschiedlicher Reasoning-Modelle wird im Silicon Valley, aber auch darüber hinaus, zunehmend über das Thema Artificial General Intelligence (AGI) diskutiert – also vereinfacht gesagt, eine KI, die intellektuelle Aufgaben auf einem ähnlichen oder höheren Niveau als der Mensch erledigen kann. Nach Erscheinen des jüngsten OpenAI-Flagship-Modells GPT-5 waren viele allerdings auch enttäuscht. Welche Entwicklungen erwartest du in nächster Zeit im KI-Bereich?

Die Hauptstadt der KI ist aktuell die Bay Area – San Francisco und Palo Alto. Es gibt einen leider wahren Witz: Ein Team aus Palo Alto sagt „Noch drei Monate, dann machen wir zehn Millionen Umsatz“, ein Team aus Berlin sagt „Noch drei Genehmigungen, dann dürfen wir anfangen“. Hier entstehen Dinge schneller, auch weil man nicht durch europäische Hürden wie den AI Act und unsere Datenschutz‑Regimes gebremst ist. Die Innovation kommt oft von hier, die Regulierung dann von Europa.

Inhaltlich bin ich überzeugt, dass da noch sehr viel kommt. Wir werden robotische Assistenz in der Neurochirurgie sehen, mit Vorab‑Markierung krebsbefallener Zellen und Präzision im Hundertstelmillimeter‑Bereich. Humanoide Roboter – Elon Musk hat einen gezeigt – bewegen sich bereits erstaunlich geschmeidig; in wenigen Jahren kochen sie Kaffee, räumen auf und mähen den Rasen – weit jenseits heutiger Mähroboter, die nur innerhalb von Begrenzungen herumfahren. Wir werden uns an all das gewöhnen und können uns heute noch gar nicht vorstellen, was zusätzlich kommt.

Und: KI macht die Arbeit spürbar effizienter. In der Filmproduktion – meine Frau produziert – hat man an einer Drehbuchstelle eine KI laufen lassen, die für eine bestimmte Szene mit einem Bankraub vier Alternativen ausgearbeitet hat. Früher hätte der Autor zwei Monate gebraucht; jetzt hat man in Minuten Varianten. Werbeagenturen sprechen hinter vorgehaltener Hand davon, dass sie in ein paar Jahren bis zu 80 Prozent weniger Leute brauchen könnten. Schauspiel‑Nachwuchs wird es schwerer haben, weil Avatare vieles ersetzen; echte Stars bleiben, der Rest wird virtuell. Es gibt schon komplett KI‑generierte Filme und digitale Fashion‑Shows. Sensationell – solange wir verhindern, dass KI „Krieg spielt“ oder sich gegen ihre Entwickler richtet. Diese Sorge muss man ernst nehmen.

Du hast den AI Act angesprochen. Hemmt die europäische Regulierung Innovation im Vergleich zu den USA? Wie konkret?

Carsten Maschmeyer in San Francisco | Foto: Maschmeyer Group

Ja. In Europa ist beispielsweise das Interpretieren und Einbinden von Emotionen im Wesentlichen untersagt oder stark beschränkt. Hier drüben kümmert das kaum jemanden. Wir sind an Firmen beteiligt, die genau das produktiv machen – zum Nutzen der Kunden. Observe AI wurde beispielsweise jüngst von einem US-Magazin als eine der vielversprechendsten AI‑Companies ausgezeichnet. Das Startup analysiert mit KI unter anderem Sales-Calls.

In den USA ist Sales nichts Anrüchiges, und jeder Call beginnt mit „Your call will be monitored for quality and training purposes“. Dann liefert die Software in Echtzeit Hinweise: „Rede noch etwas weiter, sie ist noch nicht bereit für Preise“, „Mach kein Rabattangebot“ oder „Komm jetzt zur Entscheidung – Paket A oder B“. 

Ich bin sicher, dass wir in ein paar Jahren in 90 Prozent der Fälle nicht mehr unterscheiden können, ob eine Maschine oder ein Mensch am Telefon ist. Nur Spezialfälle gehen an echte Expertinnen und Experten. Am Ende wollen die meisten ohnehin vor allem gute Antworten. Wer persönlichen Kontakt will, kann weiterhin zur Bankfiliale oder zum Versicherungsberater gehen. Aber Europa schränkt genau jene Features ein, die Gespräche für beide Seiten effizienter und angenehmer machen.

Wie nimmst du die Tech-Regulierung in den USA wahr – hat sich mit dem Regierungswechsel etwas geändert?

Carsten Maschmeyer in San Francisco | Foto: Maschmeyer Group

Die großen Investoren – Marc Andreessen, Ben Horowitz, Ray Dalio, Peter Thiel und andere – wollen Wertschöpfung und politische Rahmenbedingungen aktiv mitgestalten. Drei Dinge sind ihnen wichtig: erstens niedrige oder keine Steuern auf Veräußerungsgewinne, solange reinvestiert wird; das ist hier möglich, während man in Europa sofort zahlt. Zweitens schlanke Regulierung. Drittens Planbarkeit. 

Sie haben dem neuen Machtzentrum sehr deutlich die Aufwartung gemacht – und im Gegenzug haben Tech‑Companies eine Art Vorfahrt bekommen, verbunden mit Zusagen über Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe. Wann die wirklich fließen, wird man sehen; vermutlich eher nach der Amtszeit von Donald Trump. 

Auch die Wahl des Vizepräsidenten war aus Tech‑Sicht geschickt: jemand, der Zukunft, Innovation und die Szene kennt. Kurz: Diese Player denken an ihre Firmen und arbeiten mit der Politik, die ihnen den besten Rahmen bietet.

Wie ist die Stimmung in der US‑Venture‑Capital‑Szene derzeit, im Vergleich zu den letzten Jahren?

Wir hatten den Peak der Bewertungen im Herbst 2021. In manchen Statistiken taucht das noch in Q1/Q2 2022 auf – das sind Nachläufer, Deals waren ausgehandelt, aber juristisch noch nicht durch. Dann kam der russische Angriff auf die Ukraine: Raising wurde zäh, Bewertungen sanken, Down‑Rounds häuften sich. Viele Investoren reagierten psychologisch statt rational: „Bewertungen fallen, also halten wir Geld zusammen.“ Die Profis sagten: „Wenn ich jetzt zur halben Bewertung einsteigen kann, tue ich es.“

2023 war ein mageres Jahr: weniger Gründungen, weniger Runden – und viele sogenannte AI‑Wrapper, also Lösungen ohne eigene Intellectual Property (IP), die ein bisschen Open Source zusammenlöteten. Die meisten davon sind schon weg. Mein US‑Team macht normalerweise acht Deals im Jahr, 2023 waren es zwei. Ich habe jeden Monat gefragt: „Seid ihr faul oder zu ängstlich?“ Antwort: „Nein, wir schützen das Geld.“ 2025 stehen wir bereits bei neun Deals und steuern auf zwölf zu – ein Rekordjahr. Wir müssen uns auf hohe Bewertungen einstellen, aber die Qualität der Startups ist wieder deutlich besser.

Amerikanische Startups sind begünstigt: weniger Regulierung, kein AI‑Act, und es sitzt hier schlicht mehr Geld. Viele Investorinnen und Investoren haben selbst gegründet, sie sehen sich nicht als Risikokapital-, sondern als Chancenkapitalgeber: Wo kann ich verzehn‑, verfünfzigfachen? 

Dazu kommt: Wer mit Startups reich geworden ist, hat eine höhere Risikotoleranz und investiert wieder. Entsprechend investieren wir als Familie derzeit etwas stärker in den USA. Über ein Drittel unserer Beteiligungen sitzt dort. In Europa streuen wir – viel Schweden, Niederlande, Schweiz, Österreich – Deutschland macht vielleicht noch ein Drittel unserer Fondsaktivitäten aus.

Was rätst du jungen KI‑Gründerinnen und ‑Gründern aus Europa: Hier bleiben oder in die USA gehen?

Beides ist möglich. Man kann in Europa bleiben, aber es ist hier leichter, Top‑Talente zu bekommen und Geschwindigkeit aufzunehmen. Ich mache einen Vergleich aus meiner Familie: Wer in der Filmbranche die großen Rollen will, muss nach Hollywood. Für Tech ist die Bay Area das Hollywood. 

Spannend ist, wie viele europäische Gründer ich hier treffe. Gestern hatten wir vier Teams im Büro – aus Schweden, Amsterdam, Zürich und München. Sie sprechen mit OpenAI und Nvidia über Kooperationen, lassen sich Feedback zum Modell geben, fragen nach Co‑Investments. 

Zwei Gründer haben mir offen gesagt: Wir teilen uns auf – einer bleibt in Europa, einer geht nach New York oder Kalifornien. US‑Investoren machen es oft zur Bedingung, dass es hier eine US‑Entity gibt, zur Not erst einmal einen Briefkasten in Delaware. So nimmst du den Schwung des Marktes mit und behältst gleichzeitig deine europäischen Wurzeln.

Was nimmst du dir persönlich für die Tech Week vor – was möchtest du unbedingt mitnehmen?

Kontakte und Gespräche, ganz klar. Die Tech Week ist die zukunftsorientierte Gerüchteküche: Man spürt Trends, bekommt Inspiration, versteht, wo die Reise hingeht. Konkreter will ich nicht werden – sonst müsste ich meinem Wettbewerb gleich Tipps geben, wo er investieren soll. 

Aber ein Beispiel: Ich habe mit einem Startup gesprochen, das mit dem C‑Level von OpenAI und Nvidia im Austausch ist. Wenn ich sehe, wie solche Teams denken und welche Kooperationen realistisch sind, bekomme ich ein Gefühl dafür, was als Nächstes kommt.

Eine Beobachtung zum Schluss: Früher dachten Unternehmen aus Österreich, der Schweiz oder Deutschland in der Reihenfolge DACH, dann Europa, dann USA. Heute sehe ich oft DACH – und direkt USA. Das ist nicht schön für die „Vereinigten Staaten von Europa“, die wir leider nicht leben, erklärt aber die Dynamik. Kapital ist mobil: Global Hiring, Global Working, Global Investing. Folgerichtig investiere ich in der Unternehmensgruppe derzeit mehr in den USA.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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