24.06.2020

Klimaschutz-Stadt Wien: Mit Landkarte und Deep Demo auf dem Weg zur Dekarbonisierung

Ashoka, eine Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurship, und EIT Climate-KIC, Europas größte Initiative zum Thema Klimaschutz-Innovation, haben sich zusammengeschlossen, um eine Landkarte der Klimaschutz-Vorreiter in Österreich und CEE zu entwickeln. Gemeinsam mit der Stadt Wien und dem Deep Demo-Programm möchte man in den nächsten fünf bis zehn Jahren Klimaschutzmaßnahmen entwickeln und umsetzen.
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Klimaschutz, Klimaschutz-Landkarte, Climate-Kic, Sarah Haas, EIT, Wien,
(c) Climate-Kic - Zwei Initiativen sollen dabei Helfen innovative Klimaschutz-Akteure miteinander zu vernetzen und Wien zu dekarbonisieren.

Akteure des Klimaschutz leiden an einem Problem: Innovationen in diesem Bereich werden derzeit nicht schnell und wirksam genug umgesetzt. Ein Grund dafür ist die mangelnde Vernetzung zwischen Forschungseinrichtungen, Startups und Sozialunternehmen, die nachhaltige Lösungen anbieten, und Regionen, Verwaltungs-Einrichtungen und Unternehmen, die diese benötigen. Die EU-Innovationsschmiede Climate-KIC, das globale Netzwerk Ashoka und die Stadt Wien arbeiten deshalb mit diversen Initiativen und Mitteln daran, diesen Umstand zu verbessern. Darunter sind auch das „Deep Demo“-Programm und eine „Klimaschutz-Landkarte“.

+++ IHS-Chef: „Coronakrise könnte Bekämpfung der Klimakrise schwieriger machen“ +++

Deep Demo in Wien

Sarah Haas ist Co-Programmleiterin der EIT Climate-KIC-Programmlinie Deep Demonstration. Dabei handelt es sich um das Vorhaben, Städte oder Regionen zu unterstützen und zu vernetzen, um langfristig Klimaneutralität voranzutreiben. Sie hat in ihren zwei Jahren als „Community und Venture“-Managerin beim Impact Hub Vienna über 550 „Changemakers“ mit jenen Ressourcen versorgt, die gebraucht wurden, um Geschäftslösungen und Technologien zu erschaffen, um die größten Herausforderungen unserer Zeit zu adressieren. Nun ist sie zur Stadt Wien in die Abteilung Energieplanung gewechselt. So ist die Hauptstadt in ihren Fokus gekommen.

Eine von 15 Städten für Klimaschutz

Wien ist eine von insgesamt 15 europäischen „Deep Demo“-Städten, die innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre vertieft an der Entwicklung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen des Programms arbeiten sollen. Das Programm unterstützt Wien bei der Entwicklung von Klimaschutzlösungen in Bereichen, die einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Treibhausgasemissionen haben.

Seit 2019 gibt es einen Klimarat

2019 wurde von der Stadt die Einrichtung eines Klimarats und die Einführung eines Klimabudgets beschlossen. Zusätzlich werden nun mit dem Deep Demonstration Programm in einigen Bereichen Schwerpunkte gesetzt: Stadterneuerung und Energieversorgung, Stadtplanung und grüne Infrastruktur, Mobilität, Klimabudget als Steuerungseinrichtung, Innovationen und Wirtschaftsstandort sowie Partizipation und soziale Gerechtigkeit.

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(c) Olga Climova – Deep Demo Co-Programmleiterin Sarah Haas möchte für Wien einen Systemwandel.

Systemwandel

„Wir sehen das Programm auch als ‚key-enabler‘ zwischen Innovatoren, Startups und der Stadt“, erklärt Haas. Sie spricht davon, Wien zu einem Systemwandel zu bewegen und dafür in die verschiedenen Ebenen, die finanzielle, legislative, technische und die kulturelle Ebene einzudringen. Dabei arbeiten Climate-KIC und fünf Magistratsabteilungen mit diversen Experimenten, die alle „österreichisch“ benannt sind, wie sie sagt.

„Her mit der Marie!“

Haas erzählt vom Projekt „Her mit der Marie!“, bei dem es darum geht, dass Personen bei Budget-Fragen für Klimaschutz „mitpartizipieren“. Dies soll die lokale Demokratie und das Verständnis für einen verantwortungsvollen Umgang mit begrenzten Ressourcen stärken, und lokales Know how generieren. In Summe sollen so soziale und lokale Netzwerke gestärkt werden und auch neue Umsetzungspartnerschaften im Sinne einer kooperativen Nachbarschafts- und Stadtteilentwicklung entstehen.

„Owe vom Gas!“

Ein weiteres Projekt, auf das Haas hinweist, trägt den Namen „Owe vom Gas!“ und soll in Kooperation mit Wiener Wohnen umgesetzt werden. „Allein in Wien gibt es 400.000 Gasthermen.“, weiß die Klimaschützerin und zielt mit dieser Kampagne auf die Dekarbonisierung der Stadt hin, die wie sie sagt, eine Notwendigkeit in der Zukunft darstellt. Dies sei vielen bewusst.

Umstellung auf Wärmepumpen

Anfangen wird man mit drei Gebäuden im sozialen Wohnbau der Stadt Wien, die von einer Gasetagenheizung auf eine Lösung mit Wärmepumpen umgestellt werden. „Es werden Gebäude ausgewählt, die nicht an die Fernwärme angeschlossen werden können“, erklärt Haas. Freier Platz auf dem Dach oder im Keller soll für die Wärmpepumpen genutzt werden. Insgesamt sei das ganze System darauf ausgelegt, dass Wohnungen auch sukzessive angeschlossen werden können.

Photovoltaik-Dachgärten

„Griane Dächer“ ist ein Pilotprojekt für Photovoltaik-Dachgärten. Eine Kombination von Dachbegrünung und Solarenergie soll das Mikroklima verbessern, erneuerbare Energie produzieren und einen Lebensraum für Mensch und Natur darstellen. „Den Strom moch ma uns söwa“ zielt dagegen auf erneuerbare-Energie-Gemeinschaften ab, die es einzelnen Bürgern ermöglichen Energie zu erzeugen und auch selbst zu verbrauchen. Damit sollen sie Teil des Energiesystems werden.

„One-Stop-Shop“

Ein „One-Stop-Shop“ soll dabei Informationen zu Gründung einer Gemeinschaft, zur Fördermöglichkeit und zur Installierung von Erzeugungsanlagen liefern. Der Shop stellt außerdem eine Plattform für den Betrieb bereit und vermittelt Dienstleister die Betrieb und Abwicklung übernehmen können. Auf der Plattform sollen sich neben Best-Practice-Beispielen auch interessierte Personen zur Realisierung von Gemeinschaften finden können – zur Erhöhung der Reichweite, so die Idee.

Klimaschutz-Landkarte

Johannes Naimer-Stach ist Country Manager, Austria bei EIT Climate Kick. Mit seinem Unternehmen 288 Grad Consulting berät er unter anderem Eco-Startups oder setzt sich mit der Firma Likano für Klimaschutzprojekte in Ruanda ein. Alexander Kesselring ist Projektmanager bei Ashoka. Er war davor wissenschaftlicher Projektleiter am Zentrum für Soziale Innovation in Wien. Dort widmete er sich empirischen Studien und Theorien zu sozialer Innovation.

Beiden Männern ist gemein, dass sie auf der Suche nach Vorreitern im Klimaschutz sind. Aus der Kooperation des europäischen Netzwerks und der Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs ist eine Klimaschutz-Landkarte entstanden, die auf vier Bereiche fokussiert: Nachhaltige Produktionssysteme, Nachhaltige Investments, Urbane Transition und Nachhaltige Landwirtschaft.

Kurz gesagt, es handelt sich hierbei um eine Visualisierung, um sichtbar zu machen, wer einen besonders positiven Beitrag zur Entwicklung und Umsetzung von Klimaschutz-Lösungen leistet. Damit möchte man die Sichtbarkeit erhöhen, übergreifende Kooperationen anregen und komplementäre Rollen zusammenbringen.

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(c) Ashoka,/Climate Kic – Alexander Kesselring, Ashoka, und Johannes Naimer-Stach von Climate-KIC entwickelten eine Klimaschutzlandkarte für Wien.

Nominierung als Credo

Der Zusammenstellung der Karte gingen unter anderem 165 telefonische Interviews zuvor, deren standardisierter Fragebogen einen inhaltlichen und einen „Nominierungs-Teil“ in sich trug. Befragte konnten dabei drei Personen nominieren, die es ihrer Meinung nach verdient hätten in Sachen Kampf gegen den Klimawandel sichtbarer zu werden.

Dabei spielte die Wertschätzung eine Hauptrolle. Der Wortlaut im Interviewleitfaden für Nominierungen war: „Menschen, die als Vorreiter einen positiven Beitrag zur Entwicklung, Umsetzung und Verbreitung von Lösungen im Bereich Klimaschutz leisten.“.

Nominierte Personen wurde a la Schneeballverfahren ebenfalls kontaktiert und interviewt. Die „Startliste“ für diese Methodik wurde auf Grundlage von Stakeholder-Recherchen und Mappings von EIT Climate-KIC erstellt. Schlussendlich befinden sich auf der Landkarte nun 305 nominierte Personen – 113 Frauen und 192 Männer.

Landkarte: Explorativ, nicht abgeschlossen

Kesselring ist es wichtig klarzustellen, dass es sich hierbei um eine explorative Karte handelt, die nicht vollständig, dafür aber erweiterbar ist. Für Startups, die sich darauf wiederfinden wollen oder einfach einen Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen, hat Naimer-Stach einen Tipp parat: „Sich nicht entmutigen lassen und durch ‚green washing‘ durch“, sagt er.

Für ihn ist die Karte eine Art „Vertrauensindex“, dessen Referenzsystem um den Faktor PR bereinigt ist. „Es geht darum, wem vertraut wird“, sagt er und erwartet sich, dass die teilnehmenden Städte, egal ob Mailand, Krakau oder Amsterdam, von Wien lernen und umgekehrt. „Am Ende des Tages kann nur die totale Dekarbonsierung der Stadt das Ziel sein“, so der Country Manager.

„Keine Rangliste“

Auch Kesselring möchte das Thema in die Breite tragen und Akteure zum Klimaschutz zusammenbringen. Für ihn ist die Darstellung von Klimaschützern auf der Landkarte keine Rangliste, sondern mehr eine Einladung.

Der Prozess für eine Erweiterung der Klimaschutz-Landkarte wird aktuell angedacht und ausgearbeitet. Interessierte können sich bei Ashoka und Climate-KIC melden.


⇒ Ashoka

⇒ Climat-Kic

⇒ Beta-Version der Landkarte

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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AI Summaries

Klimaschutz-Stadt Wien: Mit Landkarte und Deep Demo auf dem Weg zur Dekarbonisierung

  • Innovationen beim Klimaschutz werden derzeit nicht schnell und wirksam genug umgesetzt.
  • Ein Grund dafür ist die mangelnde Vernetzung zwischen Forschungseinrichtungen, Startups und Sozialunternehmen, die nachhaltige Lösungen anbieten, und Regionen, Verwaltungs-Einrichtungen und Unternehmen, die diese benötigen.
  • Aus der Kooperation des europäischen Netzwerks Climate-Kic und der Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs Ashoka ist eine Klimaschutz-Landkarte entstanden, die auf vier Bereiche fokussiert: Nachhaltige Produktionssysteme, Nachhaltige Investments, Urbane Transition und Nachhaltige Landwirtschaft.
  • Schlussendlich befinden sich auf der Landkarte nun 305 nominierte Personen – 113 Frauen und 192 Männer.
  • „Am Ende des Tages kann die totale Dekarbonsierung der Stadt das Ziel sein.
  • Kesselring möchte das Thema in die Breite tragen und Akteure zum Klimaschutz zusammenbringen.

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