09.03.2023

Klarna-Chef: „100 Mio. im Monat zu verlieren nicht so wild“

Marktchancen hätten diese Verluste gerechtfertigt, meinte Sebastian Siemiatkowski, CEO von Klarna. Eine Strategieänderung war dennoch nötig.
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Klarna, CEO, 100 Millionen Dollar
(c) Klarna - Sebastian Siemiatkowski, CEO von Klarna.

In der Hochphase des Hypergrowth verlor der „buy now, pay later“-Gigant Klarna 100 Millionen US-Dollar pro Monat. Bei den hauseigenen „Sessions“ der Plattfrom „Sifted“ erklärte CEO Sebastian Siemiatkowski, dass die Verluste angesichts der Marktchancen gerechtfertigt waren, auch wenn es medial anders dargestellt wurde.

Klarna 50 Mrd. wert?

„Die Medien waren etwas unfair, als sie sagten: ‚Wie kann man 100 Millionen Dollar im Monat verbrennen?'“, so sein gestriges Statement auf der Bühne der „Sifted Sessions“ in Stockholm. „Die Investoren kamen zu uns und sagten, ‚Wir glauben so sehr an euch, sodass wir denken, ihr seid aufgrund eurer Wachstumsambitionen 50 Milliarden US-Dollar wert, und das heißt, dass die Investition von einer Milliarde Dollar pro Jahr eine Verwässerung von zwei Prozent bedeutet. (…) So wild ist das nicht.“

Trotz dieser lockeren Einstellung, hat auch Klarna mittlerweile seinen Fokus von Growth auf Rentabilität verlagert: „Als wir uns in den USA engagierten, waren wir profitabel, es ging nur um Wachstum, Wachstum, Wachstum“, so Siemiatkowski weiter. „Jetzt liegt der Schwerpunkt auf Effizienz und auf der Verbesserung von Dingen und der Behebung von Problemen.“

Siemiatkowski hat auch seine jüngste Gehaltserhöhung um 35 Prozent verteidigt, die im letzten Monat publik geworden ist, nachdem das Unternehmen im Mai 2022 700 Mitarbeiter entlassen hatte. Er sagte, der Vorstand von Klarna habe diese Entscheidung schon vor einiger Zeit getroffen.

Kredite und KI

Während Klarna im Jahr 2022 mit einer Milliarde Euro seinen bisher größten Jahresverlust verzeichnete, konnte das Unternehmen Kreditverluste gegen Ende des Jahres reduzieren. Im vierten Quartal verringerte es jene um 18 Prozent. Siemiatkowski erklärte das damit, dass man flexibler sei als große Banken.

„Wenn sich die wirtschaftliche Lage ändert, muss man seine Kreditentscheidungen anpassen. Der Unterschied für uns besteht darin, dass eine Änderung bei uns innerhalb von acht Wochen Wirkung zeigt, bei den Großbanken dagegen erst nach drei Jahren.“

Zudem gab er preis, dass er großes Potenzial für generative KI in der Finanztechnologie sehe und dass Klarna aktiv untersucht, wie die Technologie Verbrauchern eine bessere Finanzberatung zu geringen Kosten anbieten kann.

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signteq-Gründer Simon Schnabl | © Daniel Willinger | dwphoto.at
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Digitale Identifikation, regulatorische Prüfungen (u.a. KYC und KYB) und rechtsgültige digitale Verträge – damit überzeugte das 2019 gegründete Wiener RegTech-Unternehmen schon bislang Banken wie die Raiffeisen Bankengruppe und die Bawag, Versicherungen wie Wüstenrot, Fintechs wie froots und Conda, Krypto-Unternehmen wie Cryptonow und WhiteBIT und öffentliche Institutionen wie Wiener Wohnen. Neben Österreich ist man etwa auch in Deutschland, der Schweiz und mehreren Ländern in Südost- und Osteuropa aktiv.

„Know Your Agent“ als zusätzliches Geschäftsfeld

Eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung des Angebots soll nicht nur die European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) spielen, die bis Ende dieses Jahrs von allen EU-Staaten bereitgestellt werden muss. Mit „Know Your Agent“ (KYA) will signteq auch ein zusätzliches Geschäftsfeld aufbauen, das den Boom-Bereich Agentic AI aus RegTech-Perspektive adressiert. „Heute müssen Unternehmen wissen, wer ihr Kunde ist. Morgen müssen sie zusätzlich wissen, welcher KI-Agent für wen handelt, wozu er berechtigt ist und wer dafür verantwortlich ist“, erläutert Simon Schnabl, Gründer und Geschäftsführer von signteq.

Steinberger, Giretzlehner, Compass-Verlag u.a. investieren

Für diese Pläne und die weitere internationale Expansion holte sich signteq nun eine nicht genau bezifferte siebenstellige Kapitalspritze. Mit OpenClaw-Entwickler Peter Steinberger gewann das Unternehmen dabei nicht nur einen denkbar prominenten Investor, sondern auch eine der international zentralen Figuren im neuen Zielmarkt Agentic AI. Hinzu kommen in der aktuellen Runde der bereits seit 2024 beteiligte Compass-Verlag, Runtastic-Mitgründer René Giretzlehner, die Franz-MayrMelnhof-Saurau Beteiligungs GmbH und weitere nicht genannte Investor:innen.

Steinberger kommentiert in einem Statement: „KI-Agenten werden schon bald eigenständig für Menschen und Unternehmen handeln. Damit wird Vertrauen zur Schlüsselfrage: Wer steckt hinter einem Agenten – und was darf er? signteq baut dafür heute schon die Infrastruktur und denkt digitale Identität konsequent weiter: von Know Your Customer zu Know Your Agent. Diese Kombination aus starkem Kerngeschäft und klarer Zukunftsvision hat mich überzeugt.“

„Was wir in Österreich aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international“

„Digitale Identität ist längst zu einer zentralen Infrastruktur für digitale Geschäftsmodelle geworden. Was wir in Österreich gemeinsam mit Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen und der öffentlichen Hand aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international – mit Europa als starkem Ausgangspunkt“, kommentiert Gründer Simon Schnabl. Zugute kommen sollen dem Unternehmen neben der erwähnten EUDI-Wallet, die Teil der eIDAS 2.0-Verordnung ist, noch weitere Regulierungen aus diesem Gesetzespaket sowie die kommendes Jahr anwendbare europäische Geldwäscheverordnung AMLR.

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