30.08.2021

Kalibri: NÖ-Startup macht „unruhig Sitzen“ zum Prinzip

Kalibri aus Wiener Neustadt will mit seinen Sitzkissen und Bürostühlen ein neues Mittel gegen chronische Rückenschmerzen bieten.
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Das Kalibri-Kernteam Joachim Kornauth, Marius Priestersberger und Sebastian Priestersberger
Das Kalibri-Kernteam Joachim Kornauth, Marius Priestersberger und Sebastian Priestersberger | (c) Kalibri

Es gibt wohl kaum jemanden, der in der Kindheit und Jugend nicht immer wieder zum „still Sitzen“ aufgefordert wurde. Spätestens als Erwachsener „können“ es dann die meisten – und praktizieren es im Büro ausgiebig. Dabei ist es aus physiologischer Sicht grundfalsch, weiß Sebastian Priestersberger, Gründer und CEO des Startups Kalibri mit Sitzen in Niederösterreich und im Wiener weXelerate.

„Die beste Position ist die nächste Position“

„Physiotherapeuten und Ärzte kommen in Studien immer zum selben Ergebnis: Der Körper ist dazu gemacht, sich zu bewegen. 26 Prozent der Österreicher leiden an chronischen Rückenschmerzen und falsches Sitzen ist ein Hauptgrund dafür“, so der Gründer. Das Sitzkissen und in weiterer folge der Bürostuhl des Startups sollen mit ihren zwei getrennt voneinander beweglichen Sitzflächen dem statischen Sitzen ein Ende bereiten. „Ein Physiotherapeutin hat es auf die Frage nach der besten Sitzposition einmal perfekt auf den Punkt gebracht: ‚Die beste Position ist die nächste Position‘. Das ermöglichen wir“, sagt Priestersberger. Kalibri-Nutzer bekommen zusätzlich noch individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Übungen vorgeschlagen. Dazu messen IoT-Sensoren im Sitzkissen ihre Bewegungen.

Begonnen habe alles vor viereinhalb Jahren. „Damals war ich im Turnier-Tanzsport und wurde vom Trainer für meine Haltung gerügt. Ich habe dann begonnen, mich mit Haltung und Rückenschmerzen zu beschäftigen und habe immer mehr Leute getroffen, die Probleme haben. So bin ich auf das Thema richtiges Sitzen gekommen“, erzählt der Gründer. Besonders viel Sitz-Zeit verbringen Menschen in der Arbeit. Doch Bürosessel seien prinzipiell darauf ausgelegt, sehr statisch zu sein, sagt Priestersberger. Dabei würden Hersteller jährlich Millionen Euros in die Entwicklung neuer besserer Bürostühle pumpen.

Nach „relativ großer“ Förderung für Kalibri: 150.000 Euro Angel-Investment geplant

Kalibri habe in den vergangenen Jahren mehr als zehn Prototypen gebaut. Jetzt stehe man knapp vor der Marktreife. Kommendes Jahr will man dann zunächst ein relativ preisgünstiges Sitzkissen und in weiterer Folge einen zusammen mit einem „europaweit bekannten Bürostuhl-Entwickler“, der noch nicht genannt werden darf, entwickelten höherpreisigen Bürosessel auf den Markt bringen. Die Produktion des Sitzkissens werde mit Ausnahme einzelner Komponenten in Österreich stattfinden, sagt der Gründer. Das finale Assembling passiert im eigenen Werk in Wien.

Das nötige Kapital für diese ersten Schritte im Markt habe man schon fast zur Gänze aufgestellt. „Wir haben bereits einige Förderungen erhalten, zuletzt eine relativ große aus dem aws Creative Impact-Programm. Zudem haben wir FFG-Patentschecks bezogen und waren 2019 und 2020 im Accent-Inkubator“, erklärt Priestersberger. Aktuell sei man noch auf der Suche nach Business Angels, die weitere 150.000 Euro investieren. „Damit wären wir durchfinanziert“, sagt der Gründer. Dann wolle man zunächst im deutschsprachigen Raum durchstarten, bevor es mit Vertriebspartnern an die weitere Internationalisierung gehen soll. Übrigens: Kalibri sucht derzeit noch Testsitzer, die sich hier melden können.

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Gründer-Duo Josef Chen (l.) und Ivan Tregear (r.) mit dem Roboter Fusion. (c) Kaikaku

Im China-Restaurant seiner Eltern in Linz schälte Josef Chen bereits in seiner Kindheit Kartoffeln und half im Betrieb. Die Idee für sein Startup kam dem Oberösterreicher genau hier: Wiederkehrende Restaurantarbeit mit Robotik zu automatisieren. Über Chens Werdegang hat brutkasten bereits berichtet.

Nach einigen Gründungen verzeichnete Chen durch Kaikaku seinen bislang größten Erfolg: Innerhalb von drei Monaten nach der Gründung im April 2023 konnten dafür bereits 750.000 US-Dollar an Investments eingesammelt werden. Nun gibt der Founder die Übernahme durch das US-Unternehmen Reef, und damit einen erfolgreichen Exit bekannt.

„Kaikaku haben wir in London aufgebaut. Die Idee entstand aber im Restaurant meiner Eltern in Linz. Dass wir jetzt bei Reef daran weiterarbeiten können, macht mich stolz“, sagt Chen.

360 Bowls pro Stunde

Das Herzstück von Kaikaku heißt Fusion, ein modularer Roboter. Im eigenen Bowl-Restaurant Common Room, das bis November 2024 in London geöffnet hatte, wurde der Roboter getestet. Mittlerweile hat Kaikaku fünf Generationen von Fusion entwickelt. Der Roboter portioniert die Zutaten nach Bestellung. Nach Unternehmensangaben schafft die fünfte Generation je nach Konfiguration bis zu 360 Bowls pro Stunde.

30 Mio.-Dollar Bewertung

„Wir haben eine (bisher) unangekündigte Seed-Runde über 4 Millionen Dollar in einer Branche eingesammelt, die die meisten Investoren – ehrlich gesagt – als total unsexy abgeschrieben hatten“, kommentiert der Founder auf LinkedIn. Das Unternehmen wurde nach Angaben von Chen Ende 2025 mit 30. Mio.-US-Dollar bewertet.

Über den jetzigen Verkaufspreis an Reef wird geschwiegen. Was bekannt ist: Kaikaku bringt seine Technologie und sein Kernteam zu Reef.

SoftBank Vision Fund 1 als Investor

Das US-Unternehmen Reef – spezialisiert auf digitale Infrastruktur für Gastronomie und lokale Services – hat seit der Gründung über 1,5 Milliarden US-Dollar Kapital eingeworben. Zu den Investoren zählt unter anderem der 98,6 Milliarden US-Dollar schwere SoftBank Vision Fund 1. Details zur aktuellen Finanzlage, der Eigentümerstruktur oder der genauen Höhe einzelner Beteiligungen lässt Reef in seiner aktuellen Ankündigung allerdings offen.

„Reef ist die Skalierung“

Mit den Worten: „Wir sind nicht hier, um einfach nur einen beeindruckenden Roboter zu bauen. Wir sind angetreten, um zu beweisen, dass die Technologie reif ist, die Unit Economics funktionieren und das Einzige, was jetzt noch fehlt, Skalierung ist. Reef ist diese Skalierung. Bald mehr dazu“, lässt Chen die Zukunft des Unternehmens offen. Was nach Chen jedenfalls feststeht: Im Markt für Gastronomie-Infrastruktur und Kitchen-Tech würde sich derzeit eine Phase hoher Kapitalzuflüsse abzeichnen.

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