20.05.2025
GASTBEITRAG

Jenseits des Hypes: Fünf praxisnahe Lektionen für den Aufbau eines B2B-KI-Tools

Gastbeitrag. Startmatch.ai-Gründer Robert Kopka teilt seine Learnings und gibt Tipps für Startups, um sich in der KI-Landschaft zurechtzufinden.
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KI, Robert Kopka, Wie baue ich ein KI-Tool
(c) Startmatch/Stock-.Adobe - Robert Kopka.

KI ist aktuell überall – aber zwischen dem Hype und der Entwicklung eines B2B-Tools, das zahlende Kunden begeistert, liegen Welten. Mit StartMatch.ai haben wir ein KI-Tool entwickelt, das individuelle Empfehlungen für Förderungen erstellt und Förderanträge schreibt. Es hat schon unzähligen Startups, Scaleups und Förderberatern dabei geholfen, mehr Zeit für andere Themen zu haben. Diese fünf Erkenntnisse möchte ich Startups mitgeben, damit sie typische Fehler vermeiden und ihre KI-Lösung erfolgreich launchen können.

Erkenntnis #1: KI-Kompetenz bleibt überraschend niedrig

Obwohl ChatGPT seit über zwei Jahren öffentlich verfügbar ist, haben wir festgestellt, dass die KI-Kompetenz unter potenziellen B2B-Kunden stark variiert. Viele unserer Kunden haben nur begrenzte Erfahrung mit KI-Tools und äußern häufig Datenschutzbedenken oder Sorgen vor sogenannten Halluzinationen. Diese Unsicherheit bringt einige Herausforderungen mit sich. Startups sollten die KI-Kompetenz ihrer Zielgruppe realistisch einschätzen und ihre Kommunikation entsprechend anpassen. Der Vorteil dabei: Eine unerfahrene Zielgruppe lässt sich schon mit vergleichsweise einfachen KI-Features begeistern.

Erkenntnis #2: LLM ist nicht gleich LLM

Eine unserer frühesten und bedeutendsten Erkenntnisse war, dass nicht alle KI-Modelle gleich sind. Die Leistung von LLMs (Large Language Models) variiert dramatisch, und die Auswahl des richtigen Modells für Ihren spezifischen Anwendungsfall kann ein entscheidender Faktor sein. Als wir mit der Entwicklung von StartMatch.ai begannen, experimentierten wir zunächst mit mehreren populären Modellen. Die Unterschiede in der Ausgabequalität und Konsistenz waren auffällig. Einige Modelle glänzten beim kreativen Schreiben, hatten aber Schwierigkeiten mit strukturierten Dokumenten wie Förderanträgen. Andere zeigten beeindruckende faktische Erinnerungsfähigkeiten, ihnen mangelte es jedoch an den Schreibfähigkeiten, die für überzeugende Anträge unerlässlich sind. Für Startups, die KI-Tools entwickeln, ist es entscheidend, mehrere Modelle gründlich anhand ihrer spezifischen Anforderungen zu testen, anstatt einfach die gehypteste Option zu wählen.

Erkenntnis #3: B2B-Kunden priorisieren Datenschutz und Datensicherheit

Wenn man ein B2B KI-Produkt (für den deutschsprachigen Markt) entwickelt, muss man sich auf intensive Diskussionen über Datenschutz, DSGVO-Konformität und Privatsphäre vorbereiten. Wir erhielten mehr Fragen zu diesen Bereichen als zu Funktionen oder Fähigkeiten. Wir stellten fest, dass potenzielle Kunden genauso an den Schreibfähigkeiten unserer KI interessiert sind wie daran, wie wir mit ihren sensiblen Geschäftsinformationen umgehen. Fragen zur Datenspeicherung, zu Verarbeitungsorten und Sicherheitsmaßnahmen dominieren oft unsere Verkaufsgespräche. Für Startups ist es weitaus effizienter, von Grund auf gute Schutzmaßnahmen aufzubauen, als sie später nachzurüsten. Unsere starke Empfehlung ist es, diese Aspekte von Anfang an zu berücksichtigen.

Erkenntnis #4: LLMs haben Schwierigkeiten mit Konsistenz und Zählen

Während LLMs in vielen Bereichen bemerkenswerte Fähigkeiten zeigen, haben sie spezifische Einschränkungen, die erhebliche technische Entwicklungen erforderten, um sie zu überwinden. Förderanträge haben typischerweise strenge Zeichen- oder Wortanzahlbegrenzungen. Wir stellten fest, dass LLMs überraschend schlecht darin sind, zu zählen und konsequent innerhalb dieser Grenzen zu bleiben. Was wie eine einfache Anforderung erschien – „schreibe eine technische Projektbeschreibung mit maximal 2.000 Zeichen“ – führte oft zu Vorschlägen, die deutlich über oder unter dem Limit lagen. Ebenso erwies sich das konsistente Extrahieren von Daten aus Dokumenten als herausfordernd. Und für uns macht es einen großen Unterschied, ob das maximal unterstützte Projektvolumen €20.000 oder €200.000 beträgt. Die Bewältigung dieser Einschränkungen erforderte die Entwicklung spezialisierter Prompt-Techniken, die Implementierung von Validierungssystemen und die Schaffung robuster Überprüfungsmechanismen. Für KI-Startups kann das frühzeitige Erkennen und technische Umgehen dieser Einschränkungen Probleme später verhindern.

Erkenntnis #5: LLMs sind relativ erschwinglich

Eine der angenehmsten Überraschungen auf unserem Weg war die Zugänglichkeit leistungsstarker KI-Modelle. Jeder größere LLM-Anbieter bietet großzügige kostenlose Credits für Startups an, und selbst die regulären Preise bleiben angesichts der Fähigkeiten, die diese Modelle liefern, vernünftig. Der intensive Wettbewerb zwischen OpenAI, Anthropic, Google und den Open-Source-Modellen hat ein günstiges Umfeld für Startups geschaffen, die auf diesen Grundlagen aufbauen. Diese Wettbewerbslandschaft hat nicht nur die Preise im Zaum gehalten, sondern auch Modellverbesserungen und Spezialisierungen beschleunigt. Für Startups bedeutet das, dass der Aufbau ausgeklügelter KI-Produkte finanziell tragfähiger ist als je zuvor und man bei Produkten anfangs auch mit Kanonen auf Spatzen schießen kann, um rasch gute Ergebnisse zu erzielen.

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cheerin'
(c) Lumia - Manuel Gahn.

„Goodbye. I am selling my startup – cheerin‘ is for sale. Most people know me nowadays as the Startup House by Lumia guy. But before, I was building a Social Fitness & Health App – cheerin‘ (formerly known as Sparcs)“.

cheerin‘ – ein sozialer Kleber

So vermeldet Startup-House-Gründer Manuel Gahn den Verkauf seines „alten“ Projekts auf LinkedIn und beschreibt seine Gefühlslage gegenüber brutkasten als eine mit „schwerem Herzen“: „Ich suche eine:n sportbegeisterte(n) Käufer:in mit Startup-Erfahrung, die das fertige Produkt übernehmen und die User-Base skalieren will.“

Gahn bezeichnet cheerin‘ als sozialen Kleber zwischen allen bestehenden Fitness- und Gesundheit-Apps. Konkret vereinfacht es die App, die Fitness-Fortschritte von Freund:innen bejubeln zu können – gedacht für jene, die sich mit anderen verbinden und gemeinsame Aktivitäten ausführen wollen.

„Auch um neue Leute kennenzulernen, die ähnliche Interessen haben. In meiner übergewichtigen Vergangenheit war ich natürlich auch selbst User solcher Apps, fand aber in Runtastic und Co. keine Lösung meines Problems“, sagt Gahn.

40.000 Erspartes investiert

Angefangen hat alles 2019 im SIMC-Masterprogramm der WU, als Gahn Robin Görlich kennenlernte. Mit ihm schrieb er eine Masterarbeit zu digitalem Nudging und beschloss dies auszugründen. Der erste Prototyp hieß Joy: „Mit diesem konnten wir den Community-Award der Entrepreneurship Avenue gewinnen. Von meinem 40.000 Euro Erspartem konnte ich die ersten Entwickler zahlen – natürlich ohne genau zu wissen was eigentlich das Produkt werden sollte. Nach über 20 Absagen diverser Förderagenturen, vielen weiteren Rückschlägen und Pivots kristallisierte sich langsam heraus, dass nicht weitere To-Do Listen oder Gamifications nötig sind, sondern es einfach einen sozialen Kleber zwischen all den Fitness-Apps mit einander kannibalisierenden Netzwerkeffekten braucht. An das Potenzial dieser Idee glaube ich auch heute noch“, sagt er.

100.000 Euro Schulden

Die Idee eines sozialen Netzwerks für die Startup-Szene stieß bei österreichischen Business Angels und VCs zunächst auf wenig Begeisterung. Nach zwei Jahren stand Gahn mit rund 100.000 Euro Privatschulden da. International sah das Bild jedoch ganz anders aus: Auf Konferenzen wie Web Summit, Slush und SXSW weckte das Konzept das Interesse einiger der renommiertesten Venture-Capital-Fonds der Welt, darunter Accel und Index Ventures. Zwar entstand daraus indirekt eine kleine Angel-Runde, gleichzeitig kam es jedoch zum Bruch mit dem Co-Founder.

Wenig später folgte die Einladung der WKO zum Programm „Go Silicon Valley“. Rückblickend war diese Reise ein Wendepunkt für den Founder: „Das war einerseits der Push und das persönliche Mindset-Wachstum, das ich ich brauchte, um ganz groß zu Denken; andererseits war es auch der Anfang vom Ende“, sagt Gahn. Im Silicon Valley konnte er hochkarätige Advisor gewinnen, darunter Satadip Dutta, COO von Pinterest, und Chris Wilk, Fitness Lead bei Google. Trotz mittlerweile rund 200.000 Euro Privatschulden zu dem Zeitpunkt rückte damals eine Seed-Finanzierung in greifbare Nähe.

Silicon Valley als Inspiration

Mindestens genauso prägend war jedoch die Atmosphäre in den Coworking Spaces des Silicon Valley und wohl auch der Grund für das Nichtzustandekommen einer Finanzierung. Die Offenheit, Dynamik und Community, die Gahn dort erlebte, vermisste er in den österreichischen Vertretungen. „Nach zwei Monaten kehrte ich mit einer neuen Idee zurück: dem Startup House.“

Obwohl cheerin‘ erste Downloads verzeichnete und das Feedback der Nutzerinnen und Nutzer äußerst positiv war, rückte das Projekt zunehmend in den Hintergrund. Mit dem rasanten Erfolg der anschließend gegründeten Lumia Group endete schließlich die operative Arbeit an cheerin‘.

Von cheerin‘ zu Lumia

„Heute bin ich stolz, in sieben Jahren Startup-Spirit extrem viel gelernt zu haben und persönlich gewachsen zu sein“, sagt Gahn. „Ich habe über eine Million Euro verbrannt und bin viele Jahre ‚all in‘ gegangen, ohne einen Cent herauszubekommen. Gleichzeitig hat mich genau dieser Weg dank cheerin‘ zu Startup House und schließlich zur Lumia Group geführt. Heute bin ich aber ebenso froh, die Entscheidung treffen zu können, mich von cheerin‘ zu trennen. Ich hoffe, eine(n) motivierten Gründer oder Gründerin zu finden, die oder der als Eigentümer(in) und CEO in meine Fußstapfen treten möchte.“

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