25.03.2026
EY BAROMETER

Investmentvolumen 2025: Europa stabilisierte sich, Österreich verlor an Boden

Europäische Startups sammelten im Jahr 2025 laut aktuellem "EY European Start-up Barometer" rund 62 Milliarden Euro Risikokapital ein. Während sich das Volumen europaweit stabilisierte, erlebte Österreich einen deutlichen Rückschlag und rutschte im internationalen Ranking ab.
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Europa
(c) Krzysztof Hepner via Unsplash

Bereits zum Jahresende 2025 lieferte EY sein „Start-up Barometer“ für Österreich (brutkasten berichtete). Knapp vor Ende des ersten Quartals steht nun auch die Europa-Version bereit. Eine der Haupterkenntnisse: Der europäische Markt zeigte 2025 zwei gegensätzliche Entwicklungen. Das investierte Volumen stieg leicht um zwei Prozent, während die Anzahl der Finanzierungsrunden um 16 Prozent auf 7.738 Abschlüsse sank. Laut der EY-Analyse agieren Investor:innen selektiver und konzentrieren ihr Kapital auf weniger, dafür aber deutlich größere Runden.

Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich, ordnet die Lage ein: „Der europäische Venture-Capital-Markt hat sich 2025 spürbar verändert. Die Zahl der Finanzierungsrunden ist rückläufig, während die durchschnittlichen Tickets deutlich steigen. Das zeigt, wie selektiv der Markt geworden ist: Investor:innen bündeln ihr Kapital, fokussieren sich stärker auf substanzielle Geschäftsmodelle und bevorzugen Unternehmen, die robuste Fundamentaldaten und klare Skalierungsperspektiven vorweisen können. 2025 war damit ein Jahr der Neuordnung und der bewussten Rückkehr zu Qualität. Kapital fließt wieder – aber unter neuen Bedingungen, mit strengeren Anforderungen und klareren Prioritäten.“

Branchenfokus: KI, Verteidigung und Klima

Thematisch dominierten drei Bereiche das Investitionsgeschehen. Künstliche Intelligenz (KI) entwickelte sich mit Milliardeninvestitionen in Unternehmen wie Mistral AI zum zentralen Wachstumstreiber. Parallel dazu verzeichnete der Sektor DefenceTech aufgrund geopolitischer Spannungen einen deutlichen Aufstieg.

ClimateTech und EnergyTech blieben trotz einer Abflachung der Wachstumsraten ein strukturell stabiles Vertical. „KI, DefenceTech und ClimateTech sind die Wachstumsachsen Europas“, so Haas. „Das Kapital fließt dorthin, wo technologische Tiefe, internationale Skalierung und langfristige strategische Relevanz zusammenkommen.“ Geografisch dominiert nach wie vor das Vereinigte Königreich vor Deutschland und Frankreich. Bei den Städten liegt London vor Paris und Berlin.

Österreichs strukturelles Kapitalproblem

Für den Standort Österreich war 2025 ein schwaches Jahr (brutkasten berichtete). Das Finanzierungsvolumen brach um 56 Prozent auf 253 Millionen Euro ein, womit das Land im europäischen Vergleich von Platz 15 auf Platz 20 zurückfiel. Besonders deutlich wird die Lücke bei der Ticketgröße: Während eine durchschnittliche Runde in Deutschland 11,7 Millionen Euro schwer war, lag sie in Österreich im Vorjahr bei lediglich rund zwei Millionen Euro.

Eine BIP-bereinigte Analyse von EY zeigt, dass Österreich nur etwa 17 Prozent jener Investitionen erhält, die seinem wirtschaftlichen Gewicht in Europa entsprechen würden. Wien belegt im Städteranking beim Volumen lediglich den 54. Platz, obwohl es bei der Anzahl der Deals auf Rang 15 liegt. Laut Haas ist dies „kein Gründungsproblem, sondern ein Kapitalproblem“. Er betont: „Für echte Skalierung braucht es mehr Wachstumskapital, insbesondere in späteren Phasen. Es ist kein Mangel an Ideen, sondern ein Mangel an Kapitalgröße, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit begrenzt.“

Starker Turnaround Anfang 2026

Trotz der negativen Bilanz für 2025 gibt der Start in das aktuelle Jahr Anlass zu Optimismus. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 flossen bereits rund 200 Millionen Euro in heimische Startups. Damit hat der Markt in nur acht Wochen bereits 80 Prozent des gesamten Vorjahresvolumens erreicht.

Österreich verbesserte sich durch diesen starken Jahresauftakt im europäischen Volumenranking aktuell auf den zwölften Platz. Florian Haas resümiert: „Der Jahresstart 2026 ist für das österreichische Startup-Ökosystem bemerkenswert stark ausgefallen. Das erste Quartal könnte zum stärksten seit Jahren werden. Jetzt wird entscheidend sein, ob diese Erholung nachhaltig ist und ob es gelingt, größere Wachstumsfinanzierungen künftig stärker im Land zu halten.“.

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Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly
Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly

„Es ist so ein bisschen der iPhone-Moment für das Familien-Whiteboard“, sagt Florian Ritter, Co-Founder des Grazer Startups Dæly, im Gespräch mit brutkasten. Gemeinsam mit Paul Truffner und Alexander Walliser hat der 26-Jährige ein digitales Wandgerät entwickelt, das die traditionelle Zettelwirtschaft in Haushalten ersetzen soll. Der 15,6 Zoll große Touchscreen fungiert als zentrales Organisationsmedium und soll verstreute Kalender, Einkaufslisten und To-Do-Anwendungen vereinen.

Die Organisation in vielen Familien sei nämlich auf bis zu acht verschiedene, teils digitale und teils analoge Werkzeuge verteilt, erklärt Ritter. Kinder besäßen oft noch kein Smartphone, weshalb Eltern Termine zwar digital im Google- oder Apple-Kalender pflegten, parallel aber einen analogen Wandkalender führten, damit der Nachwuchs sehe, wann etwa das Fußballtraining stattfinde. Diese fragmentierte Organisation führe zu mangelndem Überblick, ständigen Missverständnissen und Koordinationsstress im Alltag.

„Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System“

Um Abhilfe zu schaffen, führt das System verschiedene Datenquellen zusammen. „Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System, das für alle funktioniert“, erläutert Ritter. Die Gründer haben das Gerät systemagnostisch aufgebaut, sodass Nutzer Google-, Outlook- oder Apple-Kalender synchronisieren können. Dies löse ein häufiges Problem in Partnerschaften, in denen die Beteiligten oft unterschiedliche Kalendersysteme nutzten. Über eine kostenlose Begleit-App für iOS und Android lassen sich Einträge auch von unterwegs verwalten.

Neben der Terminplanung bietet das Gerät eine Aufgabenverwaltung, ein Punktesystem für Kinder sowie eine Einkaufs- und Essensplanung. Für Ritter ist klar: „Unser Ziel ist es, das beste Familienhaushalts-Managementsystem zu bauen, das es gibt.“ Die kontinuierliche Weiterentwicklung erfolge auf Basis des Feedbacks einer engagierten Nutzerschaft, wobei das System Software-Updates automatisch und kostenfrei aufspiele.

Hardware-Entwicklung ohne Investorengelder

Im konkreten Segment, in dem es mehrere internationale Player gibt, ist man bereits Marktführer im DACH-Raum. „Wir sind bereits bei mehreren Tausend Familien im Einsatz“, sagt Ritter. Dabei setzt so ein Hardware-Startup bekanntlich eine stabile finanzielle Basis voraus. Hier unterscheidet sich der Weg des Unternehmens von einigen im Technologiesektor üblichen Mustern: Dæly ist vollständig eigenfinanziert und bereits profitabel. Für die Entwicklung und den Start investierten die Gründer einen sechsstelligen Betrag aus eigenen Mitteln, die sie unter anderem durch ihr bestehendes E-Commerce-Unternehmen „Tassenliebling“ erwirtschaftet hatten. Der weitere Aufbau erfolge primär über eine Vorbestellungskampagne sowie den laufenden operativen Cashflow. „Wir können das richtig gut aus dem eigenen Cashflow heraus stemmen“, sagt Ritter.

Er sieht in diesem „Finance Based Scaling“ eine zentrale Stärke des jungen Unternehmens. Auf Risikokapital wolle das Team vorerst verzichten, um die Unabhängigkeit zu wahren. Die Bildschirme lässt das Startup wie branchenüblich in China fertigen. Ritter räumt dabei ein, dass eine Produktion in Europa wünschenswert wäre, dass jedoch die Kosten für das Endgerät, das aktuell 300 Euro kostet, massiv steigern würde.

Fokus auf den DACH-Raum und europäische Sicherheitsstandards

Trotz der Hardware-Fertigung in Asien legt das Unternehmen großen Wert auf europäische Sicherheitsstandards. Ein zentraler Aspekt des Produkts ist die bewusste Abgrenzung von US-amerikanischen Cloud-Diensten. Um die Privatsphäre der Familien zu schützen, betreibt das Unternehmen seine Server ausschließlich in Deutschland. Synchronisierte Kalenderdaten speichert das System laut Herstellerangaben nicht zwischen. Die technische Infrastruktur verzichtet bei der Datenspeicherung auf US-Anbieter wie Google Firebase, um die Einhaltung der DSGVO und europäischer Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Beim physischen Produkt setzt das Startup auf Nachhaltigkeit: Das Gerät verfügt über keinen Akku. Ritter begründet dies mit der höheren Energieeffizienz eines direkten Stromanschlusses und dem Umweltschutz durch die Vermeidung seltener Rohstoffe. Der feste Standort an der Steckdose sichere, dass das Gerät stets für alle Familienmitglieder auffindbar bleibe. In den kommenden Monaten liege der strategische Fokus des Teams ganz auf dem DACH-Markt. Eine weitere geografische Expansion behalte man sich für einen späteren Zeitpunkt vor.

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