28.04.2016

Interview mit Lisa Fassl: Für die AAIA ist das Team wichtiger als das Business-Modell

Die 25-jährige Lisa Fassl ist die neue Geschäftsführerin der Austrian Angels Initative Association (AAIA), dem größten Business-Angel-Netzwerk Österreichs. Dem Brutkasten hat sie erzählt, was man mitbringen muss um von der aaia weiterempfohlen zu werden, wo sich ein Investor bei Startups zurückhalten sollte und was sich bei der AAIA durch sie ändern wird.
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(c) Stefan Malzner

Wenn man deine Biographie ansieht, geht es schon seit Langem um Startups. Woher kommt die Faszination für das Thema?

Es war ein Zufall, dass ich in die Startupszene hineingerutscht bin. 2012 habe ich zusammen mit einer Kollegin, die ich bei einer Party kennengelernt hatte, das Startup Live in Graz organisiert. Die Faszination ist bei diesem Event entstanden. Denn ich hatte dort das erste Mal mit Leuten zu tun, die extrem motiviert sind und Tag und Nacht arbeiten, um ihren Traum zu verwirklichen und ein Produkt auf den Markt zu bringen, das Menschen das Leben erleichtert und ein Problem löst.
Ich habe mir gedacht: Hey, das ist total cool! Ich möchte auch einen Job haben, bei dem ich so aufgehen kann und freiwillig so viel Energie investieren will.
Aus dem Event heraus ist auch seitens des AplusB-Zentrums Graz und der Uni Graz die Idee entstanden, dass es spannend wäre, wenn es einen studentischen Verein gäbe, der sich mit dem Thema Entrepreneurship beschäftigt und es auf Peer-to-Peer-Ebene vermittelt. Damit sollte niederschwellig Stimmung für das Thema Entrepreneurship gemacht werden, ergänzend zu den klassischen Veranstaltungen auf der Uni. Als Präsidentin dieses Vereins, dem IdeenTriebwerk Graz war ich dann natürlich schon mittendrin in der Startup-Szene.

Du bist erst 25 Jahre alt. Woher kommt der Mut, diese große Aufgabe – Geschäftsführerin der AAIA – anzunehmen?

Ich bin schon immer sehr motiviert gewesen und habe mir die Aufgaben herausgesucht, die nicht ganz easy erscheinen. Ich weiß also nicht ob es Mut ist. Es ist mehr der Wille, etwas zu bewegen. Und ich glaube, in der Position kann man extrem viel bewegen, weil man auf unterschiedlichsten Ebenen die richtigen Leute kennenlernt. Das heißt, auf Startup-Ebene, auf Investoren-Ebene und auf Corporate-Ebene. Mein Wunsch ist es, einen Beitrag für das Ecosystem zu leisten und es weiterzuentwickeln. Ich will anderen dabei helfen, ihre Ideen zu verwirklichen. Sie sollen in Österreich bessere Rahmenbedingungen vorfinden – und dazu leisten Business-Angels ein wichtigen Beitrag.
Das ist devinitiv eine Challenge, aber ich mag Challenges. Das tut mir gut und ich glaube, nur so kann man sich auch persönlich weiterentwickeln. Man muss sich Aufgaben aussuchen, die herausfordernd sind und wo man viel Herzblut und Energie investieren kann. Sonst wäre es irgendwie fad.

Nun zur Arbeit, die auf dich zukommt: Was hat die AAIA aus deiner Sicht bislang bewirkt. Was sind für dich ihre größten Erfolge?

Der größte Erfolg ist gleichzeitig der größte Mehrwert der AAIA: Ein Netzwerk aus mittlerweile 180 Investoren – sowohl Privatinvestoren als auch Corporates – das in Österreich seines Gleichen sucht. Da sind Leute dabei, die selbst Unternehmen aufgebaut und zum Erfolg geführt haben. Die können sich 1:1 in Gründer hineinversetzen und einfach wahnsinnig viel Erfahrung und Know-How mitbringen und wirklich etwas bewegen. Solche Personen finden in der AAIA einen Platz, wo sie sich auf einer sehr informellen Ebene austauschen können – und genau das schätzen die Mitglieder an unserem Netzwerk. 
Die Leute kommen hier schnell ins Gespräch und reden über ihr Business, über Startups und über potenzielle gemeinsame Investments – sehr entspannt aber trotzdem ziel- und businessorientiert.
„Am Business-Modell kann man feilen – das ist nicht das, was uns auf den ersten Blick auffällt.“

Worauf legt die AAIA bei Startups Wert? Was muss ein Startup haben, dass es vom Business-Angel-Network weiterempfohlen wird?

Ganz klar: Essenziell ist natürlich die Idee – ihr Potenzial, ihre Realisierbarkeit. Was dann für uns aber auch extrem spannend ist, ist das Team. Wer sind die Leute dahinter? Also genau die Faktoren, auf die auch Business Angels Wert legen. An Dingen wie dem Business-Modell kann man feilen – das ist nicht das zentrale Element, das uns auf den ersten Blick auffällt. Wenn wir also sehen: Das hat Potenzial, das überzeugt uns, da sind Leute dahinter, die Herzblut in das Projekt stecken und die Welt verändern wollen, dann haben die Projekte ziemlich gute Chancen, dass sie an unser Netzwerk weiterverwiesen werden.

Wenn jetzt der passende Investor gefunden ist: Was soll der Business-Angel deiner Meinung nach ins Startup einbringen?

Abgesehen vom offensichtlichen, dem Kapital, ist es die Erfahrung, die der Investor hat. Der typische Business-Angel ist ja nicht unbedingt im Alter eines Startup Gründers und hat einfach schon viel Experience. Ein Angel bringt extrem viel Know-How aus bestimmten Branchen und extrem gute Netzwerke mit. Und das hilft jungen Leuten dabei, ihren Weg mit ihrem Startup besser zu finden. Der Business-Angel sollte auch weitere Wege aufzeigen, die die Gründer in ihrem Eifer manchmal übersehen. Er ist oft das notwendige Korrektiv, damit das ganze dann wirklich abhebt.

Und umgekehrt gefragt: Wo sollte sich der Business-Angel zurückhalten?

Aus der Startup-Perspektive, die ich auch erleben durfte, ist es einfach wichtig, dass der Business-Angel die Leute machen lässt. Das heißt, es ist zwar ein gemeinschaftliches Projekt sobald ein Angel mit an Bord ist, es bleibt aber schlussendlich immer das Baby der Founder. Es muss eine Synergie zwischen dem Team und dem Investor geben. Der Business-Angel muss dann je nach Situation abschätzen, wie viel von ihm gebraucht wird, wie intensiv er sich einbringen muss, und wann er sich besser ein Stück zurücknimmt und die Leute einfach mal arbeiten lässt. Zu viel Mitbestimmung vom Investor ist negativ, weil das dem Team schaden und die ganze Dynamik aus dem Startup nehmen kann. Der Investor soll also die Leute auf den richtigen Weg bringen, aber nicht die komplette Kontrolle übernehmen.
„Es dauert oft eine Zeit lang, bis Business-Angels ihr erstes Investment machen. Danach packt viele die Faszination Startup.„

Hast du in den letzten Jahren einen Anstieg von Business-Angel-Kapital für Startups bemerkt?

Es hängt zwar davon ab, von welchen Branchen und von welchen Regionen wir reden. Aber ich denke man kann in Summe sagen: ja und das wird sich auch in Zukunft hoffentlich weiter in diese Richtung entwickeln. Ich habe das am Anfang in Graz miterleben dürfen. Da hat es mal damit angefangen, dass sich zunächst überhaupt eine Startup-Szene mit spannenden, innovativen Projekten entwickeln musste. Business-Angels sind dann nach und nach in die Szene gekommen. Beides ist nicht von einem Tag auf den anderen passiert und hat viel Engagement von diversen Playern gefordert.
Mein Eindruck von Business-Angels ist, dass es oft eine Zeit lang dauert, bis sie tatsächlich ihr erstes Investment machen. Wenn dieser erster Schritt gemacht ist, packt viele dann die Faszination Startup. Und dann kommen Folgeinvestments. Daher ist inzwischen insgesamt mehr Kapital im Umlauf. Dennoch gibt es in Österreich noch immer viele potentielle Business-Angels, die alle Voraussetzungen mitbringen, Startups auf ihrem Weg zu begleiten – genau die wollen wir mit dem AAIA-Netzwerk abholen.

Es gab in den vergangenen Monaten einen regelrechten Startup-Hype. Glaubst Du, dass deswegen Startups zu hoch bewertet wurden?

Jein, wobei ich global betrachtet eher zu einem, „Ja“ tendiere. Eine Überbewertung gibt es sicher nicht bei allen Startups und definitiv nicht bei allen Business-Angels, aber es gibt schon Formate und Situationen, in denen Bewertungen kritisch hinterfragt werden müssen und oft nicht objektiv nachvollziehbar sind. In Österreich besteht die Gefahr allerdings nicht so stark wie in anderen Ländern. Vergleicht man die Situation hier etwa mit den USA, wo, überspitzt gesagt, gefühlt wöchentlich Unicorns aufpoppen, sieht man: Davon sind wir hier noch weit weg.
Ich glaube auch, dass sich das im Laufe der Zeit wieder einpendeln wird – auch eine mögliche Startup-Blase, die ja öfters diskutiert wird.

Wirst du dich für den Business-Angel-Freibetrag (steuerliche Abstetzbarkeit von Investments) einsetzen?

Unser Hauptaugenmerk liegt auf direkten Investitionen von Smart Money in Startups. Daher unterstützen wir natürlich jegliche Ansätze, die diesen Prozess facilitaten. Das macht auch den Standort Österreich attraktiver. Im Fall des Freibetrages spreche ich mich daher ganz klar dafür aus. Das tut die AAIA schon seit 2013. Wir fordern zusammen mit anderen Playern der Szene einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro. Dass wir uns bei diesem Thema offensichtlich nach Jahren noch nicht nach vorne bewegen – obwohl die gesamtwirtschaftlichen Vorteile auf der Hand liegen – ist ernüchternd. Der Ball liegt jetzt eindeutig bei den Regierungsparteien, von denen wir eine sinnvolle Einigung fordern. Sollte diese in absehbarer Zeit nicht passieren, müssen alle relevanten Stakeholder zusammenarbeiten, um den Druck auf die Politik zu erhöhen.

Ich bitte noch um einen Ausblick: Was wird sich durch dich in den nächsten zwei Jahren bei der AAIA ändern? Was werden die Auswirkungen auf die österreichische Startup-Szene sein?

Ein ganz großes Thema ist für mich Qualität. Ich will, dass die AAIA auch in Zukunft ein High-Quality-Netzwerk für Business-Angels mit entsprechendem Mehrwert für ihre Mitglieder bleibt. Ein wichtiger Schritt dazu ist der Ausbau unserer lokalen Netzwerke in den Bundesländern und die Vernetzung unserer Investoren untereinander und mit den besten Projekten, die die österreichische Startup-Szene zu bieten hat.
Außerdem hoffe ich, dass wir auf diese Weise noch mehr Business-Angel-Kapital für Startups zur Verfügung stellen können und die richtig guten Startups schneller mit Business-Angel-Kapital vernetzen können. Dadurch kann das gesamte Ecosystem schneller wachsen. Der nächste Schritt ist dann international präsenter zu werden. Dann können wir auch zeigen, was für Projekte wir in Österreich haben und umgekehrt auch spannende Startups nach zu uns holen – zuerst im europäischen Raum und dann vielleicht auch mal über dem großen Ozean. Ich glaube, das würde den Standort unheimlich stärken.
„Die Leute sollen sich einfch trauen, Ideen umzusetzen!“

Eine allerletzte Frage: Gibt es etwas, was du unseren Lesern mitgeben willst?

Ja, total gerne! Ich möchte den Leuten mitgeben, dass sie sich einfach trauen sollen, Ideen umzusetzen! Fehler sind dabei total ok und gehören einfach zum Leben dazu. Wichtig ist nur – Michael Altrichter hat das so schön formuliert – man muss nur einmal öfter aufstehen als hinfallen. Ich glaube nämlich, ein Unternehmen zu gründen und bei einem Startup dabei zu sein, ist so ziemlich das coolste, was man machen kann.
Und jetzt noch meine persönliche Lieblingsmessage: Ich wünsche mir mehr Frauen in der Szene. Ich weiß, dass es da draußen grandios gute Frauen gibt, die tolle Ideen haben, die wirklich Probleme lösen und die einfach ein riesiges Potenzial hätten, super coole Businesses hochzuziehen. Sie sollen ihre Ideen hinaustragen, sollen erzählen, was sie machen und es dann umsetzen. 

Ich danke vielmals für das Interview!

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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