28.01.2020

IKT-Konvent 2020: Das sind die Ergebnisse

Am Montag fand in Wien der mittlerweile siebente IKT-Konvent statt. Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten über konkrete Umsetzungsmaßnahmen damit Österreich zum "digitalen Spitzenreiter" aufsteigt. Der brutkasten war vor Ort und hat die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.
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IKT-Konvent
(c) der brutkasten / Martin Pacher

Am Montag ging in Wien bereits zum siebenten Mal der IKT-Konvent über die Bühne. Hinter der Veranstaltung steht der Verband Internetoffensive Österreich. Er versteht sich als Think Tank der Digitalwirtschaft und Interessenvertretung der heimischen IKT-Branche.

Im Rahmen des IKT-Konvents treffen sich jedes Jahr Spitzen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um Vorschläge und Projekte zur Digitalisierung Österreichs zu erarbeiten.

+++ Regierung muss für „Digitalen Aktionsplan“ eine Milliarde Euro investieren +++

Auch heuer trafen sich wieder rund 700 hochrangige Delegierte in der Aula der Wissenschaften in Wien. In insgesamt sechs unterschiedlichen Panels, den sogenannten „Digital Valleys“, diskutierten sie über konkrete Umsetzungsmaßnahmen, damit Österreich zum „digitalen Spitzenreiter“ aufsteigt. Die Themen umfassten die Bereiche „Digitalisierung & Klimaschutz“, „5G-Netzausbau & Anwendungen“, die „Digitalisierung der Bildung & Gesundheit“ sowie die „Digitalisierung der heimischen KMU-Landschaft & Verwaltung.“

IKT-Konvent: Experten-Feedback

Am Nachmittag wurden die erarbeiteten Umsetzungsmaßnahmen den versammelten Delegierten in einer großen Runde präsentiert. Darunter waren Vertreter der Bundesregierung, wie Bundesministerin Margarete Schramböck und Leonore Gewessler, Spitzen-CEOs der IKT-Branche und internationale Experten, wie N26-Gründer Valentin Stalf oder der international renommierte Mobilfunk-Manager Boris Nemšić. Sie kommentierten die Umsetzungsmaßnahmen aus einer internationalen Perspektive.

Der diesjährige Konvent stand ganz im Zeichen des neuen Regierungsprogramms. Im Rahmen der Präsentation wurden die Umsetzungsmaßnahmen, die in den „Digital Valleys“ erarbeitet wurden, mit den Maßnahmen des Regierungsprogramms gegenübergestellt. Die Vertreter der Politik sowie Verwaltung notierten sich zudem Vorschläge und Handlungsempfehlungen der Experten.

Am Ende der jeweiligen Präsentationen durfte der brutkasten als exklusiver Medienvertreter am Podium, die wichtigsten Diskussionspunkte zusammenfassen und bewerten.

Thema „Klima & Umwelt“

Den Anfang machten die Themengebiete „Klima & Umwelt“ und die Frage, wie die Digitalisierung zum Erreichen der Klimaziele beitragen kann. Patricia Neumann, Generaldirektorin von IBM Österreich und Annette Trawnicek, Managing Director von HP Österreich, präsentierten die Umsetzungsmaßnahmen.

Zu den Maßnahmen zählten unter anderem die Schaffung einer Plattform für Kreislaufwirtschaft, die Errichtung eines Competence Centers für ein umfassendes Climate-Impact-Assessment und die Nutzung von Klimaszenarienrechnern. Weiters wurde über die Reduzierung von CO2-Emissionen durch die Flexibilisierung der Arbeitsplätze sowie die Förderung von Mobile Working gesprochen.

In diesem Zusammenhang verwiesen Gewessler und Schramböck auf die im Regierungsprogramm verankerten Klimaschutzmaßnahmen. Zu ihnen zählen unter anderem eine sektorübergreifende Klima- und Kreislaufwirtschaftsstrategie und ein verpflichtender und unabhängiger Klimacheck für alle neuen und bestehenden Gesetze, Verordnungen sowie Bund-Länder-Vereinbarungen.

5G-Anwendungen & Infrastruktur

Neben dem Klimawandel wurde zudem über 5G-Anwendungen und den 5G-Infrastruktur-Ausbau diskutiert. Neben den drei CEOs der heimischen Mobilfunkanbieter A1, Magenta Telekom sowie Drei, präsentierten Peter Wukowits von Nokia Österreich und Christian Woschitz von ZTE Austria Maßnahmen, damit Österreichs Wirtschaft vom schnellen Internet profitieren kann und international wettbewerbsfähig bleibt.

Einer der Punkte umfasste die Erlöse aus den 5G-Auktionen. Hier forderten die Vertreter der Mobilfunktbranche einen Wandel von einer angebotsorientierten zu einer nachfrageorientierten Förderung und Verwendung der Erlöse aus den Frequenzauktionen. Zudem sollte ein „investitionsfreundliches Klima“ – unter anderem durch Regulatory Sandboxes – geschaffen werden.

Diese Forderung wurde bereits im Vorfeld des IKT-Konvents im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. Demnach möchte die IKT-Branche in den nächsten fünf Jahren rund vier Milliarden Euro in den Infrastrukturausbau stecken, sofern die politischen Rahmenbedignungen passen. Eine weitere „Digitalisierungs-Milliarde“ aus öffentlicher Hand soll das Investitionsvolumen auf fünf Milliarden Euro erhöhen. Laut den IKT-Branchenvertretern soll die Wertschöpfung durch die geplanten Investitionen rund 25 Milliarden Euro betragen – der brutkasten berichtete.

Digitalisierung der Bildung & Gesundheit

Weiters wurde im Rahmen des Konvents der Frage nachgegangen, wie die Bereiche „Bildung & Gesundheit“ digitalisiert werden können.

Im Bereich Gesundheit präsentierten Hubert Wackerle, ITSV-Geschäftsführer, und Dietmar Kotras, General Manager bei DXC Technology, die im Rahmen des IKT-Konvents erarbeiteten Umsetzungsmaßnahmen.

Neben einer Veranlassung und Sicherstellung der Umsetzung einer Gesundheits- und Pflegeplattform wurde zudem über die datenschutzkonforme Anwendung der elektronischer Gesundheitsakt ELGA diskutiert. Einheitlicher Tenor: Damit die Digitalisierung des Gesundheitswesens klappt, ist die Zusammenarbeit aller Gesundheitsanbieter notwendig.

Im Bildungsbereich thematisierten hingegen Michael Zettel, Chef von Accenture-Österreich, und Johann M. Schachner, CEO von Atos Austria, Maßnahmen, um die Bildung zukunftsfit zu machen. Die Maßnahmen umfassen die Umsetzung einer übergreifenden und offenen nationalen Bildungsplattform, die Zertifizierung digitaler Lerninhalte und digitaler Kompetenzen sowie die Etablierung eines Orientierungschannels für umschulungsbereite Arbeitnehmer und Unternehmer für den Umstieg auf Berufe mit digitalen Skills. 

Digitalisierung der Verwaltung und KMU

Zum Abschluss des Konvents wurde über die Digitalisierung der Verwaltung und Wirtschaft diskutiert. Wie Bundesministerin Schramböck betonte, sei es ihr ein persönliches Anliegen, dass sich die Digitalisierung nicht nur auf die heimischen Leitbetriebe beschränkt, sondern auch die KMU mit ins Boot geholt werden.

Dazu gehört auch die im Regierungsprogramm vereinbarte Entbürokratisierung und Digitalisierung der Verwaltung, damit Unternehmen kosten- und zeiteffizient Behördengänge abwickeln können. Erste Maßnahmen diesbezüglich finden sich auch im „Digitalen-Aktionsplan“, der vergangene Woche von der Bundesministerin präsentiert wurde. Dazu zählen unter anderem die Weiterführung des Programms KMU Digital, die Schaffung von „Digital Botschaftern“ in Gemeinden und die Stärkung der digitalen Kompetenzen der Bürger – der brutkasten berichtete.


=> zur Page der Internetoffensive Österreich 

IKT-Konvent: Pressekonferenz

IKT-Konvent 2020 Pressekonferenz

Im Rahmen des IKT-Konvent 2020 präsentierte Margarete Schramböck Details zum "Digitalen Aktionsplan". Laut der Internetoffensive Österreich muss die öffenltiche Hand dafür rund eine Milliarde Euro in die Hand nehmen. Accenture Österreich Chef Michael Zettel und Patricia Neumann, Generaldirektorin von IBM Österreich, sprechen im Video über die konkreten Maßnahmen.

Gepostet von DerBrutkasten am Montag, 27. Januar 2020

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Ex-Telekom-Austria-CEO Boris Nemšić beim Business Angel Summit in Kitzbühel | Foto: Martin Pacher | brutkasten

Boris Nemšić zählt zu den prägenden Figuren der österreichischen Telekom-Geschichte. 1957 in Sarajevo geboren, kam er 1984 nach Wien, promovierte an der TU Wien und stieg 1997 bei der mobilkom austria ein, die er später als CEO zu einer der führenden Mobilfunkgruppen Zentral- und Osteuropas ausbaute. Bis Anfang 2009 stand er an der Spitze der Telekom Austria Group, danach wagte er den Sprung nach Russland und führte bis 2010 den Telekom-Konzern VimpelCom.

Heute lebt Nemšić in Dubai und ist längst fixer Bestandteil des Startup- und Investoren-Ökosystems: Er ist Industry Advisor bei KKR im Technologie-Bereich, Gründungsmitglied der Austrian Angel Investors Association (aaia) und Aufsichtsrat in mehreren Hightech-Unternehmen, darunter die börsennotierte Frequentis AG. Als Beiratsvorsitzender begleitete er den kroatischen Kommunikationsanbieter Infobip auf dem Weg zum ersten Unicorn des Landes. In Österreich ist er unter anderem am Drohnen-Software-Startup Dimetor, am Fintech Seasonax und am Grazer Video-Tech-Unternehmen eyeson beteiligt.

Beim Business Angel Summit in Kitzbühel saß Nemšić am Panel „Quo vadis Europa und Austria“, das mit der provokanten Frage „Are we fucked?“ eröffnet wurde. Seine Antwort dort machte die Runde, im Gespräch mit brutkasten führt er aus, was er damit meint, warum er das Rennen um generative KI noch nicht verloren gibt und woran seine eigene Initiative gegen SMS-Spam gescheitert ist.


brutkasten: Du bist heuer beim Business Angel Summit und bist in mehrere österreichische Startups investiert. Wie würdest du deine Rolle als Investor selbst beschreiben?

Boris Nemšić: Business-Angel-Investor wäre zu breit als Beschreibung. Was ich für mich selbst gemacht habe, waren frühe Investments, schon in den Zehner-Jahren, in Startups, die in meinem Gebiet tätig sind: Technologie, Telekommunikation, ICT. Dort bilde ich mir ein, dass ich mich ein bisschen auskenne, was nicht immer stimmt. Aber das mache ich mit vollem Herzen. Es geht nicht um ein Finanzinvestment als solches, sondern darum, ob ein Produkt einen Nutzen für die Kunden bringen kann und die Technologie weiterbringt. Und vielleicht ergibt sich auch eine Wertsteigerung.

Gab es in deiner Investorenlaufbahn schon erfolgreiche Exits?

Ich habe bis jetzt größte Misserfolge dokumentiert. (lacht) Die Erfolge kommen noch. Obwohl, ich hatte auch einige, allerdings hauptsächlich in Verbindung mit meiner Tätigkeit für KKR, wo ich Industry Advisor bin und mitinvestieren darf. Das waren durch die Bank hervorragende Investments.

Hast du einen spezifischen Branchenfokus? In welcher Phase steigst du ein?

Natürlich schaue ich, dass ich in einer frühen Phase einsteige, weil da die Tickets so sind, dass ich sie persönlich stemmen und die Chancen ergreifen kann. Es ist hauptsächlich ICT, alles, was sich um die Telekom- oder IT-Industrie dreht. Ich hatte auch positive Exits im Education-Bereich, aber wieder IT-getrieben. Das Gebiet, das mich derzeit sehr interessiert, sind Drohnen. Allerdings Drohnen im Sinne der Kommunikation mit Drohnen, nicht die Drohne selbst. Ein fliegendes Objekt kann fast jeder bauen. Die Frage ist, wie man Drohnen beyond line of sight, also auf lange Distanzen, reguliert und verkehrstechnisch richtig steuert. Man braucht Command and Control. Dass Drohnen inzwischen eher eine Dual-Use- und Defense-Geschichte geworden sind, hat die Geschichte ergeben.

Bei welchem Unternehmen bist du da engagiert?

Bei Dimetor in Österreich, dort bin ich Mitinvestor. Zwei meiner guten Freunde kommen von der gleichen Schule, der TU Wien, junge Doktoranden damals, als ich noch auf der Uni tätig war. Das ist eigentlich ein Brainpool, der fantastisch ist. Wir haben Produkte, die sowohl zivil als auch für Defense möglich sind. Zum Beispiel können wir fliegende SIM-Karten entdecken. Und wenn diese fliegende SIM-Karte in einer Drohne ist, dann kann es unangenehm werden. Wir können das detektieren, und dann kann man entscheiden: Ist das eine freundliche oder eine feindliche? Und dann tut man was damit.

Du lebst aktuell in Dubai. Schaust du dir von dort aus weltweit Startups an oder hast du dennoch einen Österreich-Fokus?

Ich habe vor allem einen Europa-Fokus. Ich habe in Kroatien sehr viel gearbeitet und das erste Unicorn Kroatiens mitbetreut, als wir diese Bewertung bekommen haben. Dubai ist natürlich ein unglaublicher Umschlagplatz. Dort gibt es sehr interessante Firmen, die aus irgendeinem Grund dort ansässig geworden sind. Ich glaube kaum, dass Leute hinkommen und sagen: Ich mache jetzt in Dubai ein Startup, weil Dubai. Das ist nicht der Fall. Dubai hat den Vorteil, sehr nahe an Indien, Bangladesch und Pakistan zu sein, mit einem großen Ingenieurs- und Wissenspool.

Beim Panel „Quo vadis Europa und Austria“ wurdest du gefragt: „Are we fucked?“ Deine Antwort?

Ich habe es ein bisschen frech ausgedrückt: We are not fucked yet. Wir sind im Vorspiel. Das heißt, es kann alles rauskommen. Was ich gemeint habe: Wir nehmen diese Dinge noch nicht ernst. Das ist ein Kritikpunkt, den ich mich traue, sehr laut zu sagen. Was ist Europa? Es ist ein Friedensprojekt. Wir sind reich, wir sind frei, wir sind eigentlich die beste Gegend der Welt. Jeder will zu uns kommen. Und was jetzt passiert, ist: Wir schlafen fast ein und reagieren nicht auf die Entwicklungen, die rund um uns sind. Sind das Kriege? Leider. Sind das Entwicklungen wie AI? Sind das Businessentwicklungen? Am Ende brauchen wir Wachstum, wir brauchen eine funktionierende Wirtschaft. Was wir als Europa machen, ist hauptsächlich Fokussierung auf Regulierung und Verlangsamung von allem Möglichen. Mich wundert nur, dass sie noch nicht sagen: Ein Fußball darf nicht schneller als sechzig Kilometer pro Stunde fliegen, weil sonst ist es nicht fair. Ich sage das bewusst überspitzt. Es ist traurig, dass wir unsere hervorragenden Ressourcen, unser Wissen, unsere Leute, unser Entrepreneurship verwalten, statt sie freizulassen. Das ist keine Kritik an Österreich. Österreich hat manchmal vernünftige, manchmal supergute Ansätze. Wir können nur als ganzes Europa erfolgreich sein in diesem Rennen.

Kannst du das konkretisieren?

Ich sage es in einer Metapher: In Wien habe ich in der Wohnung meines Sohnes leider fünfzehn Megabit pro Sekunde Internetverbindung. Und er ist weltweit in Competition mit Südkoreanern, die ein Gigabit haben. Wer wird gewinnen? Oder: Wir haben sechzehn Jahre gebraucht, um den Hochspannungsring in Österreich zu schließen. Gott sei Dank ist es, dank dem Verbund und den anderen, zu keinem Blackout gekommen. Wir waren ein paar Mal sehr nahe dran. Warum haben wir das nicht schneller gemacht? Weil wir alles schützen außer den Menschen. Wir schützen jede Pflanze, Hochachtung. Jede Schnecke, Hochachtung. Nur der Mensch, habe ich den Eindruck, ist nicht so wichtig. Ich überspitze ganz bewusst. Da soll man sehr viel pragmatischer sein. Wenn wir schauen, wer heute erfolgreich ist: Es sind die pragmatischen Zugänge, ob in Dubai, in den Emiraten, in China oder in den USA. Ein Problem wird erkannt und die Lösung wird gesucht. Und nicht der Prozess zur Lösung.

Fairerweise muss man sagen: Das sind unterschiedliche politische Systeme. Europa ist eine Demokratie mit 27 Mitgliedstaaten.

Du hast recht. Nur das politische System soll den Menschen dienen und nicht die Menschen behindern. Das ist der große Unterschied. Wir können uns nicht damit rühmen, dass wir ein besseres System haben. Ja, wir haben es. Nur wenn das System uns behindert, dann soll man das System so anpassen, dass es für uns gut ist. Das ist so banal. Aber wir verlieren uns in Parteien, in Strukturen, in Diskussionen. Und im Endeffekt: Ich will Strom haben. Ich will Internet haben. Ich muss Gesundheit haben, Education haben. Es ist keine Ausrede, dass es so lange dauert, weil wir eine Demokratie sind. Das ist eine faule Ausrede, die ich persönlich nicht akzeptieren kann. Noch einmal: Ich lobe keine Diktaturen und Königreiche, bei Gott nicht. Aber wenn man sich anschaut, was in den Emiraten passiert: Es wird ein Ziel gesetzt, das der Wirtschaft, den Menschen, der Entwicklung dient. Und dann wird das durchgezogen.

Wo siehst du das Problem, wenn nicht in einer Fehlkommunikation zwischen Industrie und Politik?

Du bist ja sehr nett. Wenn man Dinge falsch macht, dann sagt man, es ist falsche Kommunikation. Das lasse ich nicht gelten. Die Politik hat alle Möglichkeiten, sich beraten zu lassen, und muss das gesamtheitlicher sehen. Die Politik ist nicht blöd. Sie hat leider oft Partikularinteressen. Und es ist eine nachvollziehbare, aber schwierige Situation, dass immer irgendwo Wahlen sind. Wenn das Interesse an einer Partikularwahl das große ganze Ziel überwiegt, dann haben wir ein Problem. Wenn wir nicht in der Lage sind, das zu lösen, dann werden Systeme, die dieses Problem nicht haben, die Oberhand gewinnen. Schau, was China ist: eine Planwirtschaft, ein Einparteiensystem, alles, was wir eigentlich nicht wollen. Aber die wesentlichen Dinge machen sie richtig. Die haben uns innerhalb von dreißig Jahren in unheimliche Abhängigkeiten gebracht. Unglaublich. Und ich bin sicher, dass das viele Menschen in Europa erkannt haben, nicht heute, sondern vor zwanzig Jahren. Warum reagieren wir nicht? Weil wir kurzfristige Ziele setzen. Das Ziel ist das nächste Quartal, das Ziel ist die nächste Wahl. Statt das große Ganze zu sehen. Wir haben die Wissenschaft, wir haben Hirn, wir haben Geld, wir haben Ressourcen, um breiter und größer zu denken. Nur irgendwo am Weg verlieren wir uns.

Hast du ein Beispiel, wo du selbst an dieser Regulierung gescheitert bist?

Ich habe mich die letzten zwei, drei Jahre mit SMS-Spam beschäftigt. Jeder von uns bekommt irgendwelche blöden SMS, wo oben eine Bank steht, Unicredit oder Bitpanda oder was auch immer, und drinnen steht irgendein Scam. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht: Wie kann man das verhindern? Weißt du, woran ich gescheitert bin? Am deutschen Briefgeheimnis. Das deutsche Briefgeheimnis wird auf SMS angewendet. Wie rückständig und ignorant muss man sein, um das anzuwenden? Es geht darum: Darf ich in den Header der SMS hineinschauen? Wenn dort Unicredit steht und ich erkenne, das ist die falsche Nummer, dann ist es Scam, und dann filtere ich es aus. Es ist so einfach. Die Erklärung ist: Das ist ein Verfassungsgesetz in Deutschland, es geht nicht. Und die Bevölkerung hat Millionen an Schaden. Wen schützen wir jetzt? Die armen Menschen, die auf das reinfallen und Millionen verlieren? Oder wen schützen wir da? Wenn ich krank bin, soll historisch gesehen auch ein Arzt kommen und mir Blut rauslassen statt eine CT zu machen. Ich meine, das ist absurd. Man muss mit der Zeit gehen.

Die Bundesregierung hat einige Maßnahmen für das Innovationsökosystem gesetzt, Stichwort Dachfonds. Wie bewertest du das?

Ich bewerte es positiv, eindeutig positiv. Ich habe mich 2011 als Chef der ÖIAG beworben. Bin es nicht geworden, Gott sei Dank. Eine meiner Thesen damals in meinen Bewerbungsunterlagen war, dass die ÖIAG-Companies, heute ÖBAG, einen Teil ihrer Dividende in einen Forschungsförderungsfonds oder Startup-Fonds einzahlen sollen, damit wir einen Geldpool haben, mit dem wir dieses Ökosystem stärken.

Das war vor fünfzehn Jahren. Jetzt wird genau das diskutiert.

Eben. Wenn eine Idee kommt und man sie fünfzehn Jahre später diskutiert, darf ich ein paar Fragezeichen stellen. Es gibt einen Punkt: Die Zeit kannst du nicht kaufen. Die Zeit kann man fast nie mit Geld erschlagen. Und ich glaube, wir gehen sehr sorglos mit der Zeit um. In der Wirtschaft ist das noch schlimmer.

Gibt es Tipping Points, die schon erreicht sind? In generativer KI etwa haben wir das Rennen doch verloren.

Nein, glaube ich nicht. Da bin ich anderer Meinung als einige Teilnehmer im Panel. Ich bin sicher, dass man das in drei Jahren aufholen kann. Weil das ist pure Force: Du nimmst so viel Geld, baust so viele Data Center. Wir haben die Wissenschaft, wir haben die Leute, die das können. In drei Jahren, so wie DeepSeek das gemacht hat, können wir es schaffen. Das Rennen ist nicht verloren. Es ist nur die Entscheidung, ob man es macht oder nicht. Mir wäre am liebsten, dass wir überhaupt nicht auf die Idee kommen müssen. Nur die Situation ist so, dass irgendjemand in den USA, China oder wo immer sagen kann: Mir gefällt überhaupt nicht, dass Österreich LLMs oder KI hat, ich drehe es ab. Das darf nicht passieren. Das heißt, wir brauchen einen gewissen Grad an Autonomie. Das heißt nicht, dass wir alles nachbilden und doppelt haben müssen. Aber man muss einen gewissen Grad an Selbstständigkeit haben oder mindestens Hebel, um diese Selbstständigkeit erhalten zu können.

In Europa ist nur ASML ein wichtiger globaler Player. Und nachdem er der Einzige ist, ist man erpressbar. Gott sei Dank haben wir das. Aber da sind wir nicht unbedingt die großen Meister. Ich habe noch die Hoffnung, dass sich die KI in eine Richtung entwickelt, dass die Industrievertikalen, die KI anwenden, so stark werden, dass sie sich selbstständig entwickeln. Eine wird in Europa sein, eine in Amerika, eine in Österreich, egal wo. Das wird sich ausgleichen. Aber die Infrastruktur muss man haben. Und auch damit gehen wir nicht besonders proaktiv um. Es ist blöd, dass ein Glasfaseranschluss in Österreich und Deutschland Pi mal Daumen dreitausend Euro kostet und gleichzeitig in Spanien zweihundertsechzig Euro. Es gibt ein paar Gründe dafür, ein paar sind legitim. Aber die Mehrzahl der Gründe ist einfach erfunden. Da sieht man, wie inkonsistent wir agieren.

Du hast sehr viel erreicht in deiner Karriere. Welche Ziele hast du dir noch gesteckt?

Ich habe mir in meiner Karriere, Karriere unter Anführungszeichen, nie persönliche Ziele gesetzt. Ich habe Business-Ziele gesetzt: Wenn ich Vorstand einer Firma bin, will ich diese und jene Ziele erreichen. Aber keine persönlichen Ziele, weil man so offen und so breit sein muss, dass man entscheiden kann, ob man eine Chance wahrnimmt oder nicht. Ich bin nach Russland gegangen, obwohl ich überzeugt bin, dass ich den besten Job in Österreich hatte, zehn Jahre lang.

Beim Summit haben zwölf Startups gepitcht, die noch am Anfang stehen. Was gibst du jungen Unternehmer:innen mit auf den Weg?

Es war interessant, dass die zwölf aus sehr verschiedenen Ecken kommen, was gut ist. Ich persönlich glaube an Startups, die entweder etwas sehr tangibles machen oder ein Businessmodell haben, das global anwendbar ist. Das kann eine kleine Sache sein, aber global anwendbar. Ich hoffe, sie denken in die Richtung, dass sie nicht nur ein kleines Problem lokal lösen, sondern dass ihre Plattform oder ihr Produkt eine globale Anwendung haben kann. Da gibt es viele Chancen, und auch viele Dinge, die man gut überlegen muss.

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