22.03.2021

„Höhle der Löwen“ startet mit Streit zwischen Rosberg und Dümmel

Harte Bandagen gab es, als Nico Rosberg und Ralf Dümmel beim Staffel-Start der "Höhle der Löwen" um ein Food-Startup ritterten. Zudem sah man einen "magischen" Klopapier-Halter, neue Verpackungsideen und ein innovatives Fußballtraining.
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(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Gleich am Anfang der neuen Staffel kam es zum Revierkampf um ein Food-Startup.
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Die Löwen brüllen wieder. In der neuen Frühjahrsstaffel von „Die Höhle der Löwen“ – die es online auf TVNOW und immer Montags um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen gibt – sind wieder Green-Tech-Investor Nico Rosberg, Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl, Konzernchef Nils Glagau, Beauty-Expertin Judith Williams, Medienmogul Georg Kofler, Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer und Handelsprofi Ralf Dümmel mit dabei. Und suchen nach den besten Startup-Ideen.


Anm.: „Die Dreharbeiten zur 9. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ fanden unter strengsten Corona-Maßnahmen und mit ständigen Tests statt, sodass keiner der Löwen oder Gründer und auch niemand vom Produktionsteam bei den Dreharbeiten mit Covid-19 infiziert wurde“, so Vox per Aussendung.


Die erste, die sich in die Höhle der Löwen wagte, war Lara Schuhwerk. Die 28-Jährge präsentierte ihr Startup Beneto Foods, das eine Pasta produziert, die Insektenmehl enthält. Sie möchte damit eine nachhaltige Proteinquelle schaffen, denn schon heute leben rund 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Bis zum Jahr 2050 soll die Bevölkerungsanzahl auf zehn Milliarden anwachsen. Daher die Idee auf ressourcenschonende Nahrung.

Grillen erzeugen mehr Protein als Rinder bei weniger Wasserverbrauch

„Wie soll man diese ganzen Menschen nachhaltig ernähren und mit lebensnotwendigen Proteinen versorgen, ohne die eigene Lebensgrundlage zu zerstören?“, fragte die Gründerin in die Runde. So begann sie nach alternativen Proteinquellen zu recherchieren und ist bei einem Insekt fündig geworden: „Grillen enthalten 50 Prozent mehr Protein als Hühner- oder Rinderfleisch. 15 Prozent mehr Eisen als Spinat und genauso viel Vitamin B12 wie beispielsweise Fisch. Außerdem erzeugen Grillen 100 Mal weniger CO2-Emissionen und verbrauchen 2.000 Mal weniger Wasser als Rinder, um die doppelte Menge an Protein zu erzeugen.“ Ihr erstes Produkt ist die Beneto Pasta (in vier Varianten), sie enthält eigenen Angaben nach vier Mal mehr Protein als Konkurrenzprodukte und besteht aus Dinkelgrieß, 15 Prozent Grille und Erbsen. Für die Weiterentwicklung neuer Produkte benötigte die Gründerin 80.000 Euro und bot dafür 15 Prozent ihrer Firmenanteile.

„Hab ich gerade Grille gegessen?“

Nach dem Pitch gab es Applaus von Maschmeyer, der den Pitch als „der Hammer“ bezeichnete. Und Kostproben. Während Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg das Produkt als „lecker“ bezeichnete, freute sich Dümmel beinahe ungläubig darüber, dass er soeben Grillen gegessen hatte.

Nicht mit Grieß-Pasta vergleichen

Kofler hingegen war geschmacklich wenig überzeugt. Es schmecke anders als handelsübliche Nudeln, sei mehlig und brösele etwas. Die Gründerin erklärte, man dürfe Beneto nicht mit einer Hartweizen-Grieß-Pasta vergleichen, die zudem aber im Vergleich mit ihrem Produkt deutlich mehr „hüftenverbreitende“ Kohlehydrate inne hätten.

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(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Lara Schuhwerk aus Singen sorgte mit Beneto Foods, Pasta aus Grillenmehl, für eine Argumentationsschlacht zwischen zwei Löwen.

Beneto Foods hatte bis zum Zeitpunkt der Aufzeichnung einen Umsatz von 21.000 Euro und haderte mit bisher hohen Herstellungskosten von rund sechs Euro. Bei einem Verkaufspreis von 8.50 Euro. Schuhwerk plane jedoch beide Zahlen deutlich zu senken: auf zwei Euro bzw. einem VK von 3.95 Euro.

Erster Deal-Vorschlag in der Höhle der Löwen

Danach machte ein begeisterter Rosberg der Gründerin ihr Wunsch-Angebot. Jene zeigte sich gerührt und wartete ab, ob noch mehr Deal-Vorschläge kämen. Nicht von Maschmeyer, der sich nicht mit der Idee von verarbeiteten Grillen anfreunden konnte. Auch nicht von Kofler, der ähnlich dachte, aber beinahe fulminant die Gründerin lobte.

Nach diesen beiden Absagen wollte Rosberg das kurze Schwiegen im Studio dazu nutzen, Schuhwerk zu einem voreiligen „Ja“ zu bringen. Die charmante Antwort jener ließ ihn sich aber verständnisvoll zurücklehnen und seine Kollegen zu Wort kommen lassen. Ihre Mutter habe ihr beigebracht, alle ausreden zu lassen, so die kluge Aussage der Unternehmerin.

Dümmel feilscht nicht

Wöhrl störte sich daran, dass mit einem Verkaufswert von 3.95 Euro keine Zwischenhändler leicht möglich wären. Auch Dümmel stimmte zu und fürchtete, dass das Produkt kopierbar wäre. Jedoch sei Schuhwerk jemand, mit dem man zusammenarbeiten solle. Er bot das gleiche wie Rosberg, obwohl er andere Prozentwerte bereits notiert hatte. Sein Löwen-Kollege hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dass der Handelsexperte nicht mehr um Anteile feilschen würde, zeige, so Dümmel, dass er unbedingt bei Beneto dabei sein müsse.

Angriff Rosberg!

Der Ex-Rennfahrer allerdings wollte das nicht so stehen lassen und holte zum Manöver aus. Er erklärte, dass Dümmel ein großes Unternehmen mit über 400 Mann führe und in der Höhle der Löwen sehr viele Deals bereits abgeschlossen hätte. Der persönliche Draht wäre da nicht so gegeben, wie mit ihm.

Dümmel kontert

„Nicht ganz fair“, nannte Dümmel diese Behauptung und erklärte, dass jeder Gründer aus der Show seine Nummer habe. Er sitze auch bei jedem Treffen mit am Tisch. Rosberg solle mehr oder weniger für sich selbst sprechen. Nicht über ihn.

Zweite Attacke auf Dümmel

Rosberg allerdings ließ es nicht ganz bleiben. Er meinte, dass Dümmels Unternehmen auf Erfindungen spezialisiert sei, und dass zwar als die besten in Deutschland, bei Food-Produkten hätte sein Konkurrent um den Deal bisher mäßigen Erfolg gehabt. Er selbst wäre die bessere Wahl.

„I can do anything better than you“

Dümmel, der sich kurz mit einem feinen Lacher erbost zeigte, forderte seinen TV-Kollegen auf die Listung in 10.000 Filialen zu garantieren. So wie er es könne. Danach entschied der Mercedes-Weltmeister plötzlich noch einen Schritt weiter zu gehen. Rosberg forderte jetzt plötzlich bloß 7,5 Prozent Anteile und die restlichen nur dann, wenn er es schaffe mit der Gründerin gemeinsam Beneto in jene 10.000 Filialen zu bringen, von denen Dümmel sprach. Und das in 18 Monaten.

Als ein bis dahin grinsender Maschmeyer versuchte, die Angebote zusammenzufassen, unterbrach ihn das Höhle der Löwen-Ur-Gestein. Der Zank um Schuhwerk ging weiter.

Prozente purzeln

Der feuerrote Dümmel übertrumpfte Rosberg sogar, indem er meinte, er würde auch nur 7,5 Prozent nehmen, wenn er es nicht in bereits sechs Monaten schaffe, Beneto in die glorreichen 10.000 Filialen zu bringen. Danach durfte die Gründerin eine Entscheidung treffen. Und machte Rosberg glücklich. Deal für Beneto.

Balltraining in der „Höhle der Löwen“

Nach diesem Match sah man Devran Sezek mit seinen Compasstrainer in der Höhle der Löwen. Beim Fußballtraining mit seinem Sohn ist ihm sehr oft aufgefallen, dass es mit den herkömmlichen Trainingsweisen sehr schwer ist, die Schusstechnik und die Beidfüssigkeit zu trainieren: „Einen Ball wegtreten kann jeder. Aber einen Fußball an der richtigen Stelle sowohl mit dem linken als auch rechten Fuß zu treffen, ist schwieriger als man denkt“, sagt er.

Farb-Orientierung statt Akustik

Im Jugendbereich werden die Schusstechniken Vollspann, Innenspann, Außenspann und die Innenseite über die Zurufe des Trainers geübt, wie etwa „links, Außenspann“. „Jedoch sind viele Kinder damit überfordert, weil es schwer ist, akustische Befehle in den entsprechenden Bewegungsabläufen umzusetzen“, so Devran Sezek. Seine Lösung: Der Compasstrainer – ein Sportprodukt, das mit verschiedenen Farben und Komponenten arbeitet.

Techniken klarere vermittelbar

Die farbigen Sticker können sich die Kinder entsprechend der Technik auf ihre Schuhe kleben und mit dem dazugehörigen farbigen Learn-Ball soll es wesentlich leichter fallen, die Techniken klar und verständlich zu vermitteln. So sollen die Kinder auf visuelle Art die Schusstechniken erlernen und ihre Beidfüssigkeit trainieren – ohne dabei überfordert zu werden.

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(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Devran Sezek erfand mit Compasstrainer eine Ausrüstung zum Erlernen von Schüssen und Pässen im Fußball, basierend auf Farben.

Das Sortiment umfasst aktuell die Junior-Box für das Einzeltraining zu Hause und die Team-Box für Fußball-Vereine und -schulen für bis zu zehn Kinder. Sein Angebot an die Löwen: 150.000 Euro für 20 Prozent seiner Firmenanteile.

Box für daheim und fürs professionelle Training

Während seines Pitchs ließ der Gründer die Kinder-Fußballmannschaft des SV Viktoria Gochs auflaufen, um seine Idee zu präsentieren, indem er ein Training auf ein kleines Fußballtor simulierte. Nach der Vorführung durften die Löwen selbst Fuß anlegen. Nach fünf Löwen-Schüssen und sogar fünf Treffern zeigte der Gründer seine beiden Boxen. Und erwähnte, dass er bisher einen Umsatz von 30.000 Euro generiert habe.

Gründer riskierte viel für seine Idee

Kofler nannte den Compasstrainer ein b2b-Produkt und stieg aus diesem Grund aus. Er und Dümmel sahen diesen Markt als schwierig, man müsse nämlich die Kunden aktiv und einzeln aufsuchen und seine Idee pitchen. Danach erzählte der Gründer ein wenig von seinem Werdegang und seiner Leidenschaft für den Compasstrainer. Und dass er bisher 100.000 Euro Erspartes in sein Projekt gesteckt habe, nachdem er seinen Job verlassen hatte. Lob gab es danach von Kofler und Wöhrl, die aber ebenso ausstieg wie ihre Kollegen vorher.

Richtiger Investor für Compasstrainer

Auch Judith Williams ging danach zwar mit lobenden Worten, aber ohne Angebot. Nach der vierten Absage meinte auch Glagau, es wäre ein schwieriger Weg, den sich der Gründer ausgesucht hatte. Dennoch bot der im Fußball gut vernetzte Konzernchef 150.000 Euro für 30 Prozent Beteiligung. Deal für Compasstrainer.

Personalisierte Einlagen bei der „Höhle der Löwen“

Die nächste in der Höhle der Löwen war Annik Wolf. Sie hat mit GetSteps personalisierte Einlagen entwickelt. Und sagte: „70 Prozent der Erwachsenen haben eine Fußfehlstellung, wie zum Beispiel Platt- oder Spreizfüße. Diese kann zu Schmerzen in den Füßen, der Hüfte, den Rücken oder sogar im Kopf führen.“

Aufwändig Einlagen zu erhalten

Orthopädische Einlagen tragen rund nur 20 Prozent der Erwachsenen. „Weil es wirklich aufwändig ist, welche zu bekommen“, erklärte Annik Wolfs Geschäftspartner Vincent Hoursch, der selbst bereits lange orthopädische Einlagen trägt.

Höhle der Löwen,
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Annik Wolf und Vincent Hoursch aus Berlin präsentierten mit GetSteps maßgefertigte Einlagen, die man online bestellen kann.

Mit GetSteps haben beide Founder ein System entwickelt, das langes Warten beim Orthopäden beenden soll: zu Hause den Fußabdruck erstellen, einschicken und personalisierte Einlagen erhalten. Um ihre Vertriebsstruktur zu erweitern, benötigen die Gründer 500.000 Euro und würden zehn Prozent ihrer Unternehmensanteile abgeben.

Das Auge des Laien

Nach einem geglückten Test von Familien-Unternehmerin Wöhrl ging es technische Feinheiten. Etwa, wie die Gründer bestimmte Maße wie die Fußgewölbhöhe ermitteln. Hoursch erklärte, dass der Abdruck Orthopäden reiche, um Dinge zu erkennen, die für das Laien-Auge nicht erkennbar sind.

Erste Absagen in der „Höhle der Löwen“

Dümmel stieg gleich als erster aus, da er in ähnliche Produkte bereits investiert sei. Für Kofler war die Bewertung ein Problem, da das Startup bisher 50.000 Euro Umsatz gemacht habe. Die Begründung, dass es ein großer Markt sei, den die Gründer anstrebten, reichte Wöhrl nicht. Auch sie ging ohne Angebot. Glagau indes sparte ebenso nicht mit Kritik an der Firmenbewertung und verabschiedete sich als nächster Löwe.

Kofler nannte danach die beiden Founder „stratosphärisch“ als sie von einem Umsatzvolumen von 50 bis 100 Millionen Euro für das Jahr 2022 sprachen. Auch er ging. Am Ende glaubte auch Maschmeyer nicht an die Umsatzplanung und machte ebenso kein Angebot. Kein Deal für GetSteps.

Der Nassmacher-Toilettenpapier-Halter

Thorsten Homma, der Teilzeit bei Ikea an der Kassa sitzt, war der nächste, der sich in der „Höhle der Löwen“ präsentierte. Der ausgebildete Kaufmann im Einzelhandel hat mit bideo den weltweit erste Toilettenpapierhalter erschaffen, der die Möglichkeit bietet, handelsübliches Toilettenpapier ausschließlich mit Wasser zu befeuchten. Und das ohne Duft-, Farb- oder Konservierungsstoffe. Um sein Produkt auf dem Markt zu etablieren, benötigt der Gründer Kapital in Höhe von 100.000 Euro und bietet dafür 20 Prozent Firmenanteile.

bideo
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Georg Kofler nimmt den Toilettenpapier-Befeuchter von Bideo unter die Lupe.

Als Homma die Löwen nach vorne bat, um den Halter auszuprobieren, stand Kofler auf und wollte dem Gründer plötzlich ein Angebot machen. Als jener erzählte, dass das Patent der sprühenden Walztechnik, die im Halter für die Befeuchtung des Klopapiers sorge, beim Schwiegervater liege, nahm der Medien-Investor dann doch wieder Platz.

Schwiegervater wird beteiligt

Dem Gründer gehört die Firma zu 100 Prozent, jedoch hat er seinem Schwiegervater und Patenthalter versprochen, ihn an den Verkäufen zu beteiligen. Bei den ersten 100.000 Stück zu je einem Euro. Danach zu 50 Cent. Nach dieser Erklärung bot Kofler dann doch die erhofften 100.000 Euro für 20 Prozent.

Weiter Angebote für bideo

Wöhrl war bereits in einem Startup investiert, dass ein portables Bidet anbietet. Sie stieg aus. Maschmeyer ging als nächster. Dümmel hingegen nannte den Gründer als den Grund seines Löwendaseins. Die Wahl für Kunden zwischen feuchtem und trockenem Toilettenpapier bei der gleichen Papierrolle beeindruckte ihn, sodass er das Angebot von Kofler kopierte. Auch Glagau wollte nicht nachstehen und bot ebenfalls die gewünschte Summe für 20 Prozent Beteiligung. Der Gründer nahm Dümmel mit an Bord. Deal für bideo.

Umweltfreundliche Verpackung in der „Höhle der Löwen“

Die letzten in der Höhle der Löwen waren Hannes Füting, sowie Katja und Sven Seevers. Mit ihrer Marke Repaq hat das Trio eigenen Worten nach die erste zertifiziert plastikfreie und kompostierbare Folien-Verpackung kreiert. „Sie kompostiert in 42 Tagen, völlig rückstands- und plastikfrei“, erklärten die Gründer den Löwen. Ihr Produkt besteht aus pflanzlicher Zellulose, Glyzerin und Wasser. Mit Zutaten aus natürlichen Ursprungs. Um eine erhöhte Nachfragemenge Menge abdecken zu können und mit Repaq langfristig Plastikverpackungen zu ersetzen, forderten die drei ein Investment von 600.000 Euro für zehn Prozent ihres Unternehmens.

Höhle der Löwen, Repaq
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Hannes Füting (l.), Katja und Sven Seevers präsentieren mit Repaq plastikfreie Folienverpackungen.

Nach dem Pitch zeigten die Gründer, welche Produkte für ihre Verpackung geeignet wären. Darunter fallen frische Lebensmittel, Hygiene-Artikel, Müsli und diverse andere Dinge.

„Wieso nicht mehr Umsatz?“

Als das zu dem Zeitpunkt aktuelle Auftragsvolumen von bis zu 100.000 Euro pro Monat zur Sprache kam, wunderte sich Kofler laut, wieso Kunden bei diesem sensationellen Produkt ihnen nicht die Türen „einrennen“ und sie nicht schon längst 100 Millionen Euro Umsatz machen.

Der Preis war der Grund. Katja Seevers zeigte auf, dass Verpackung als Produkt im Produktpreis in der Kalkulation kaum vorkomme. Sogar die ganz billigen nicht. Sie würden mit ihrer Bio-Idee, die einen Produktpreis und Produktwert trage, Leute stutzig machen. Konkret ging es um einen Unterschied von bis zu 12 Cent pro Verpackung im Vergleich zur handelsüblichen Konkurrenz (fünf zu den 17 Cent bei Repaq). Dümmel sah sich danach nicht als der richtige Investor und stieg aus.

Zu niedriger Profit?

Als Problem stellte sich zudem heraus, dass das Ergebnis in der fünf-Jahres-Kalkulation der Repaq-Gründer von 17 Millionen Euro, bei 150 Millionen Euro Umsatz, den Löwen zu niedrig schien.

Projekte und Initiativen geplant

Die Erklärung war, dass die Gründer einen eigenen Firmen-Kindergarten planen, sowie, dass sie gern in globale soziale Projekten investieren würden. „Geld verdienen mache Spaß, aber dabei was Gutes zu tun, noch mehr“, so die Aussage des sozial bewussten Trios.

Eingeschüchterte Löwen

Rosberg und Kofler hatten nur lobende Worte für die Pitcher über, fühlten sich aber von der Größe des Vorhabens und der Firmenvision eingeschüchtert. Ähnlich argumentierte Wöhrl, als Maschmeyer aufstand und ihren Abschied als potentielle Investorin unterbrach. Er bat sie hinter das Podium und beriet sich mit ihr.

In der Zwischenzeit diskutierten die Gründer, welche Argumente sie noch bringen könnten, erkannten aber, dass von weiteren Projekten, wie einer Schul-Initiative, zu reden, die übrigen zwei Gründer noch mehr verschrecken könnte.

Maschmeyer: „Eines nach dem anderen“

Dann sprach Maschmeyer. Er hatte die sorgen, dass die Gründer zu viel Gutes gleichzeitig machen wollen würden. Das müsse man sortieren. Kindergarten, Bodenschutz und dergleichen, so der Löwe weiter, könne von den Foundern ruhig angegangen werden – von ihrem Gewinnanteil. Er selbst würde einen Teil seines Profits auch mit „reinstecken“, wenn ihm das Projekt gefalle. Man müsse sich zuerst als Firma auf die Hauptaufgabe konzentrieren.

Er forderte 25,1 Prozent – denn die Gründer hätten zu viele Ideen, sie bräuchten große Hilfe. Bei einem „Ja“ würde er versuchen Wöhrl oder weitere Löwen zum Einstieg zu überzeugen. Die drei Pitcher hatten eine andere Idee.

„Verzockt“

Der Gegenvorschlag der Gründer beinhaltete nach kurzer Beratung eine Million Euro für 20 Prozent Abgabe, plus Mitspracherecht in den bestimmten und besprochenen Sozial-Bereichen. Das zweite Treffen des Löwen-Gespanns fiel danach ganz kurz aus. Kein Deal für Repaq.

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Wiewohl die Debatte rund um den Klimawandel in den vergangenen Jahren nachweislich leiser geworden ist, bleibt die Energiewende großes Ziel – in Österreich und Europa alleine schon wegen der brandaktuellen Frage der Souveränität. Dabei versteht man unter Energiewende keineswegs weltweit das selbe, meint Angela Wilkinson, Secretary General und CEO des World Energy Council (WEC) im Interview.

Wir trafen die Chefin der in London ansässigen Dach-Organisation, die über 3.000 Partner-Organisationen in mehr als 100 Ländern hat, beim Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien, wo sie auch eine Keynote hielt und an einer Podiumsdiskussion teilnahm. Ihre Kernaussage: Die Menschheit brauche in der Energiewende eine positive gemeinsame Vision.


brutkasten: Was macht das World Energy Council eigentlich genau?

Angela Wilkinson: Das World Energy Council wurde vor 100 Jahren am Ende des Ersten Weltkriegs gegründet. Die ursprüngliche Mission lautete: Wie verhindern wir am Ende der großen Weltreiche eine Situation, in der Nationalstaaten wegen knapper Ressourcen gegeneinander Krieg führen? Das sind die Wurzeln unserer Organisation. Seit 100 Jahren arbeiten und wachsen wir als globale Gemeinschaft – ein verteiltes Netzwerk aus Expertinnen und Experten, Entscheidungsträgern, Unternehmern und Innovatoren, die eine gemeinsame Mission teilen: mehr und bessere Energie für alle Menschen auf der Welt.

Wie kann man sich die konkrete Arbeit des WEC vorstellen?

Wir haben drei Hauptaktivitäten: Erstens erstellen wir Berichte – keine rein technischen Datenstudien wie die IEA (Anm. Internationale Energieagentur), sondern nutzen eigene Frameworks wie den „World Energy Trilemma“-Ansatz. Damit erfassen wir praktische Erfahrungen aus verschiedenen Ländern dazu, wie Regierungen Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Nachhaltigkeit bei der Gestaltung ihrer Energiesysteme in Einklang bringen. Wir analysieren Praxisbeispiele, um Märkte und Politiken zu verbessern.

Zweitens organisieren wir Veranstaltungen: Wir bringen unsere Gemeinschaft aus 120 Ländern zusammen. Unser nächster World Energy Congress findet vom 26. bis 29. April 2027 in Riad statt und führt über 100 Ministerinnen und Minister, mehr als 5.000 CEOs und rund 18.000 Teilnehmende zusammen. Angesichts der globalen Elektrifizierungswelle untersuchen wir, was das System zusammenhält – von Verträgen über Vertrauen, Narrative und Daten bis hin zur Infrastruktur. Wir agieren dabei technologieagnostisch.

Drittens betreiben wir Community Building: Nachhaltige Veränderungen erfordern echte Gemeinschaften. Wie hier beim Ökosystem von Verbund X schafft eine Gemeinschaft das nötige Vertrauen für konstruktive Debatten und arbeitet pragmatisch mit den vorhandenen Stärken, statt in polarisierte Diskussionen zu verfallen.

Sie haben in Ihrer Keynote gesagt, es gebe weltweit recht klare Ziele für die Energiewende, aber es fehle an einer positiven Vision. Können Sie das näher ausführen?

Energiewende ist zu einem der am meisten missverstandenen Begriffe geworden. Europäer verstehen darunter den Verzicht auf fossile Brennstoffe, Golfstaaten das Eliminieren von Treibhausgasemissionen, während man in den USA den Begriff derzeit überhaupt meidet und lieber von „Energieüberfluss“ spricht. Die Realität ist jedoch: Energie ist das Betriebssystem und das Fundament des Ökosystems unserer Zivilisation. Wir sprechen meist nur darüber, was die Zukunft nicht sein soll. Wir führen aber keine inspirierende Debatte mit den Menschen auf der Straße darüber, welche neuen Möglichkeiten ihr Leben verbessern können. Die Energiewende wird zu sehr als Geschichte von Verzicht und Leiden dargestellt.

Sie meinten in Ihrer Keynote auch, es brauche die Aktivierung noch nicht vorhandener Nachfrage…

Es geht darum, Nachfrage als aktiven Gestalter der Energiewende einzubinden, statt nur als deren Folge. Ein Beispiel: Meine 26-jährige Tochter arbeitet in der Modeindustrie und hat per se keinen Bezug zur Energie; aber Branchen wie die Bekleidungsindustrie besitzen reale Stellschrauben. Anstatt nur über Erzeugung, Übertragung und Speicherung zu sprechen und den Endverbraucher zu vernachlässigen, müssen wir in der Energiebranche vom konkreten Nutzen für das tägliche Leben der Menschen aus denken. Wenn Menschen verstehen, wie Energie ihr Leben verbessert, begreifen sie auch deren Wert. Wir brauchen eine Geschichte der Möglichkeiten aus dem Alltag heraus und keine reine Technologie-Story von oben.

Sie sagten in Bezug auf die Energiewende auch: „Moleküle werden bleiben.“ Wie lautet dazu Ihre Prognose?

Selbst wenn wir das Ziel von 50 bis 60 Prozent Elektrifizierung bis 2050 erreichen, bleiben 40 Prozent übrig. Meine Wette gilt sauberen Molekülen – sei es durch CO2-Abscheidung, dekarbonisierte Barrels oder wasserstoffbasierte Treibstoffe. Flüssige und gasförmige Brennstoffe bieten eine Transportfähigkeit, Energiedichte, saisonale Speichermöglichkeit und Flexibilität, die Elektronen und Batterien schlicht nicht haben. Die Zukunft gehört einer Kombination aus Elektronen, Molekülen und Qubits.

Als CEO des World Energy Council haben Sie eine globale Perspektive. Welche Rolle spielen Europa und speziell Österreich in diesem globalen System?

Österreich verfügt mit Initiativen wie dem Verbund X Accelerator über ein starkes Innovations-Ökosystem. Meine Aufgabe besteht darin, solche lokalen Innovatoren auf die globale Bühne zum World Energy Congress zu bringen, damit verschiedene Regionen voneinander lernen können. Verbund X hat Gegenstücke in vielen Ländern. Bottom-up-Initiativen sind hervorragend, aber Bottom-up und Top-down müssen sich treffen, um echte Wirkung zu entfalten.

Zum Abschluss: Wie würden Sie in sehr wenigen Worten die wichtigsten Maßnahmen beschreiben, um die von ihnen skizzierte Vision umzusetzen?

In zwei Begriffen: Energy Literacy und Energy Fluency. Die meisten der neun Milliarden Menschen verstehen das Energiesystem nicht und wissen nicht, woher ihre Energie kommt. Selbst wenn ich in Europa Energieexperten frage, wie viel Energie sie verbrauchen, können es viele nicht beantworten. Wenn wir nicht einmal unseren eigenen Energieverbrauch benennen können – was verwalten wir dann überhaupt?

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