„Höhle der Löwen“-Startup Von Floerke schlittert in die Insolvenz
Das deutsche Mode-Startup Von Floerke – bekannt aus Höhle der Löwen – ist insolvent. Wie Gründer David Schirrmacher über Social Media und eine Pressemeldung mitteilte, lief ein schon länger laufendes Sanierungsverfahren schief.
Das 2015 in der TV-Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ bekannt gewordene Bonner Modestartup Von Floerke schlitterte in die Insolvenz. Das Startup rund um den polarisierenden Bonner Unternehmer David Schirrmacher hatte sich ursprünglich auf den Vertrieb von exklusiver Herrenkleidung spezialisiert.
In der TV-Show „Die Höhlen der Löwen“ beteiligten sich damals die Investoren Frank Thelen, Judith Williams und Vural Öger. Williams und Öger zogen allerdings ihre Beteiligungen nach einem Jahr wieder zurück.
Die Herrnmode wurde nicht nur über einen eigenen Online-Shop verkauft, sondern auch in großen Geschäften, wie Galeria Kaufhof. In jüngerer Zeit erweiterte Schirrmacher sein Sortiment um luxuriöse Lebensmittel, wie Kaviar und Spirituosen.
Strategiewechsel nicht abgesprochen
Dieser Strategiewechsel soll laut deutschen Medienberichten zufolge nicht mit Thelen abgesprochen worden sein und hatte zur Folge, dass der Investor schlussendlich absprang. Der Streit zwischen Thelen und Schirrmacher wurde auch öffentlich ausgetragen.
Das Startup geriet zunehmend unter Druck, wobei chaotische Rabattaktionen folgten. Zudem sollen Kunden mehrere Monate auf ihre Bestellungen gewartet haben. Wie im Dezember 2018 bekannt wurde, folgten Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdacht und Insolvenzverschleppung.
Aktualisierung (Februar 2025):
Das Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung wurde von der Staatsanwaltschaft Bonn im vergangenen Jahr gemäß § 170 Abs. 2 StPO und somit mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt, wie David Schirrmacher gegenüber der brutkasten-Redaktion mitteilte.
Facebook-Posting und Pressemitteilung
Schirrmacher teilte vergangenen Freitag via Facebook-Positing mit, dass sein Startup in die Insolvenz schlitterte und kommentierte es wie folgt: „Fertig in der Kanzlei. Insolvenzantrag eingereicht.“ Wie dem Posting weiters zu entnehmen ist, soll das Insolvenzverfahren heute Montag offiziell eröffnet werden.
Zudem wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es hieß: „Trotz intensiver Verhandlungen mit den Gläubigern der Schirrmacher Moden GmbH, und einer Zustimmungsbereitschaft von über 90 Prozent zum bestehenden Sanierungsplan, konnten sich im Ergebnis leider nicht alle Partner zur Zustimmung entschließen.“ Somit sei die Antragstellung auf Insolvenz unumgänglich.
Unkonventionelle Methoden
„Ich habe wirklich alles versucht, um durch Livestreams, Sonderaktionen, neue Produkte und manchmal sicher auch auf etwas ungewöhnlichen Wegen die Firma und alle damit verbundenen Arbeitsplätze zu retten.“, so Schirrmacher weiter. Abschließend bedankte er sich bei seinen Mitarbeitern und dem Rechtsanwalt, der das Insolvenzverfahren aktuell betreut. Der Internetauftritt von „Von Floerke“ ist inzwischen offline, wobei es heißt: „Wir sind bald wieder online“.
„Ohne die Hilfe wären wir nicht da, wo wir heute stehen“
Das Burgenland sticht unter den heimischen Startup-Standorten durch großes Wachstum hervor. Großen Anteil daran hat StartUp Burgenland mit seinen Inkubator- und Accelerator-Programmen. Wir sprachen mit zwei Teilnehmer:innen.
„Ohne die Hilfe wären wir nicht da, wo wir heute stehen“
Das Burgenland sticht unter den heimischen Startup-Standorten durch großes Wachstum hervor. Großen Anteil daran hat StartUp Burgenland mit seinen Inkubator- und Accelerator-Programmen. Wir sprachen mit zwei Teilnehmer:innen.
Die Gründungszahlen gingen in den meisten österreichischen Bundesländern laut aktuellem Austrian Startup Monitor zuletzt zurück oder stagnierten. Große Ausnahme ist ausgerechnet das Bundesland mit der geringsten Bevölkerungszahl: Gerade in den vergangenen Krisenjahren stieg die Zahl der Neugründungen im Burgenland um nicht weniger als 65 Prozent.
Heute sind es insgesamt rund 90 Startups – und diese weisen laut Monitor noch eine weitere Besonderheit auf: Das Burgenland ist auch österreichweiter Spitzenreiter bei Profitabilität. Mehr als 60 Prozent der Startups im östlichsten Bundesland sind demnach bereits profitabel oder haben den Break-even erreicht.
StartUp Burgenland: 50 Startups seit dem Start 2021
Doch wie kommt es zu dieser Dynamik entgegen des österreichweiten Trends? Der Gründergeist hat sich in den vergangenen Jahren nicht zufällig im Burgenland etabliert. „Es gab früher keine Anlaufstelle, kein strukturiertes Programm. Wer hier gründen wollte, ist nach Wien oder Graz ausgewichen – oder hat es alleine versucht“, sagt Michael Sedlak. Er ist Leiter von StartUp Burgenland, das genau diesen Umstand in den vergangenen Jahren geändert hat.
Die Zahlen sprechen dabei für sich. Seit dem Start 2021 gingen durch die Inkubator- und Accelerator-Programme mehr als 50 Startups. 70 Prozent davon schafften den Markteintritt und schufen damit 129 Arbeitsplätze. Sie kommen auf eine Gesamtkapitalisierung von 10,7 Millionen Euro. Und dieser Impact zeigt sich auch in der Zufriedenheit der Teilnehmer:innen: 95 Prozent der Alumni empfehlen die Programme von StartUp Burgenland weiter.
CRANii: über Ärtztepraxen zu den Patient:innen
Eine der aktuellen Teilnehmer:innen ist Christiane Hofer-Marbet. Sie hat mit ihrer Schwester Katharina Koller-Hofer das Startup CRANii gegründet. Das app-gestützte Therapiekonzept für Kopf- und Kieferbeschwerden, vor allem die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD), bietet Patient:innen strukturierte Kieferphysiotherapie für zuhause. „Für die Patienten ist es oftmals schwierig, Therapieplätze zu finden, weil es zu wenige Spezialisten in dem Bereich gibt und es natürlich auch eine Kostenfrage ist. Wir haben eine Software entwickelt, bei der die Patienten an die Hand genommen werden, um zu Hause die Übungen gemeinsam mit uns zu machen“, erklärt Hofer-Marbet gegenüber brutkasten.
(v.l.) Die Therapeutinnen und Schwestern Christiane Hofer-Marbet und Katharina Koller-Hofer haben CRANii gegründet | (c) CRANii
Gerade erst vor wenigen Wochen gelauncht, führt der Weg zu den Patient:innen für CRANii über einen B2B2C-Ansatz, konkret über die Kooperation mit Ärztepraxen und Reha-Kliniken. „Momentan bedienen wir Reha-Kliniken, Zahnarztpraxen und HNO-Praxen österreichweit und weiten nun auf die Orthopädie und Neurologie aus.“ Dabei strecke man schon jetzt in der Launch-Phase die Fühler im gesamten DACH-Raum aus und führe etwa bereits Gespräche in der Schweiz.
„Wir sind Therapeutinnen und hatten von BWL am Anfang null Ahnung“
Nicht nur bei der Entwicklung dieser Go-to-Market-Strategie holte sich CRANii Unterstützung von StartUp Burgenland. „Ich glaube, ohne die Hilfe wären wir nicht da, wo wir heute stehen“, sagt Hofer-Marbet. „Wir kommen eigentlich nicht von der unternehmerischen Seite. Wir sind Physiotherapeutinnen und hatten von BWL am Anfang null Ahnung“, so die Gründerin. „Seit wir dabei sind, ist es krass: Unser Coach Felix Lenhard geht den Business-Plan Schritt für Schritt mit uns durch, wir sind in Coachings mit Silicon-Valley-Investoren und haben es jetzt drauf, auf Deutsch und auf Englisch aus dem Stegreif zu pitchen.“
Man habe angetrieben durch den zweiten Coach, Michael Sedlak, auch an Messen und Kongressen teilgenommen, man schätze die Struktur des Programms und: „Das Netzwerk, das uns an die Hand gegeben wird, ist einfach gigantisch“, so Hofer-Marbet.
„Die meisten Leute wollen etwas von dir, wenn sie dir so ein Netzwerk vermitteln.“
Diesen Aspekt betont auch Edris Paknehad: „Felix [Anm. Lenhard], Michael [Anm. Sedlak] und Raphaela [Anm. Graf] haben mir in Eins-zu-Eins-Betreuung überall geholfen, wo ich nicht weitergekommen bin, und wenn sie es selbst nicht wussten, haben sie immer Leute gefunden, die mir helfen konnten. Die meisten Leute wollen etwas von dir, wenn sie dir so ein Netzwerk vermitteln. Sie nicht.“
Edris Paknehad | (c) PAK Immo
Mit seinem E-Learning-Startup PAK Immo hat Paknehad bereits das Accelerator-Programm von StartUp Burgenland durchlaufen. Das Unternehmen hat mit seiner E-Learning-Plattform für die Befähigungsprüfung zum Baumeister eine Nische gefunden, die es erfolgreich besetzt. „Die Baubranche in Österreich ist extrem altmodisch. Man redet die ganze Zeit von Digitalisierung, etwa mit BIM [Anm. Building Information Modeling], aber was die Bildung angeht, ist alles sehr veraltet“, erklärt der Gründer.
PAK Immo: effizient genutzte Fahrzeit
So habe man für besagte Befähigungsprüfung bislang einen Kurs in Präsenz belegen müssen, der zwischen 15.000 und 18.000 Euro kostet. „Dabei ist man in dem Beruf zeitlich extrem eingeschränkt. Wenn man auch noch eine Familie hat, kann man sich unmöglich drei- oder viermal in der Woche in einen Kurs setzen. Das war auch bei mir damals der Fall. Ich habe viel Geld bezahlt und 70, 80 Prozent des Vorbereitungskurses verpasst. Ich dachte mir: Das muss besser gehen!“ PAK Immo biete mit seinen Kursen nicht nur einen um mehrere Tausend Euro günstigeren Preis. „Bei uns kann man die Inhalte anhören, wie einen Podcast. Ich sitze etwa auch heute vier Stunden im Auto, weil die Baustelle zwei Stunden Autofahrt entfernt ist. Das ist bezahlte Arbeitszeit und man kann sie gleichzeitig nutzen, um zu lernen“, so Paknehad.
Auch er bekam von StartUp Burgenland nicht nur Coachings, Netzwerk und Sichtbarkeit, sondern auch Unterstützung bei sehr konkreten Tasks, erzählt der Gründer: „Was mir besonders geholfen hat: Ich hatte am Anfang kein eigenes CRM-System. Hier wurde mir geholfen, eines aufzubauen – davor war das eher ein Chaos.“
„Du brauchst kein Silicon Valley. Du brauchst ein funktionierendes Ökosystem.“
Auch Paknehad betont die Struktur des Programms, die besonders am Anfang geholfen hat. Seitens StartUp Burgenland hat man diese zuletzt übrigens noch stärker individualisiert. Seit diesem Jahr gibt es keinen Batch-Betrieb und keinen fixen Zeitrahmen mehr, dafür zu 100 Prozent individuelle Begleitung. „Dein Fahrplan, dein Tempo“, fasst Michael Sedlak zusammen. Und er verrät das Erfolgsrezept des Programms: „Du brauchst kein Silicon Valley. Du brauchst ein funktionierendes Ökosystem. Und das gibt es im Burgenland.“
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