17.03.2020

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

In dieser Folge von "Die Höhle der Löwen" ging es um bequeme Stöckelschuhe, Katzenfinder-Tech und um ein Bild-Aufhängungssystem. Zudem beeindruckte ein Startup mit 1000 Euro Umsatz so manchen Löwen, während ein anderes Thelen zum Fluchen brachte.
/artikel/hohle-der-lowen-curassist
Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer - Die "Löwen" unterziehen der Fitnesshantel von "YAB Fitness" einem Praxistest.
sponsored

Den Beginn bei „Die Höhle der Löwen“ machte Christof Baum. Sein Startup Maison Baum widmet sich dem Thema „Fuß“. Der junge Mann hat in China und Holland „Fuß-Technik“ studiert und sich Rat bei seinem Vater, einem Orthopäden, geholt, um bequeme High Heels zu entwickeln. Gemeinsam mit Sophie Tréhoret zeigte er sein Produkt: Ein Damenschuh, der Dank eines anatomisch geformten Fußbetts – kleine Erhöhungen, die als Stützkissen dienen – das Gewicht optimal verlagern soll und somit ein angenehmeres Tragegefühl verspricht. 200.000 Euro wollte der Gründer haben und bot dafür 15 Prozent Firmenanteile.

+++ DHDL-Deal geplatzt: Judith Willliams investiert nicht in MIMIK Skincare +++

Löwinnen als Models

Nacht dem Pitch durften die beiden Löwinnen Dagmar Wöhrl und Judith Williams gleich die neuartigen High Heels testen und liefen wie Catwalk-Models durchs Studio. Die Familien-Unternehmerin zeigte sich überrascht, dass sie in zehn Zentimeter hohen Absätzen bequem herumlief und lobte die Gründer.

Evolution der Stöckelschuhe

Williams wiederum nannte die Schuhe eine bessere Lösung, die man gleich beim Gehen spüren würde. Danach philosophierten die beiden Damen der Runde über „Steh-“ und Flachschuhe, bis Baum erklärte, dass in dieser Branche seit Erfindung des Stöckelschuhs nur beim Design eine Evolution stattgefunden hätte. Nicht bei der Funktionalität.

Fragestunde bei „Die Höhle der Löwen“

Multi-Investor Carsten Maschmeyer nahm sich aufgrund mangelnder Kenntnisse als Financier raus. Danach kam es zu einer Art schnellen Fragerunde, bei der sich die restlichen Löwen alle beteiligten. Es ging um den Verkaufspreis von rund 260 Euro, die Produktionskosten, die bei etwa 60 Euro lägen, ob dieser Preis in diesem Segment zu teuer sei und welchen Umsatz das Startup in seinen zwei Wochen seit Bestehen mit seiner Erfindung geschafft habe.

„WTF“ bei 55.000 Euro Umsatz

Als Baum 55.000 Euro nannte, entfleuchte Tech-Investor Frank Thelen gar ein „WTF“. Die gesamte Jury zeigte sich beeindruckt. Während Ralf Dümmel seine Meinung kundtat, planten Williams und Thelen leise bereits ein Partner-Angebot.

Alle Männer weg

Nachdem der Handels-Experte vor den Schwierigkeiten der Schuh-Verkaufs-Branche warnte und sich schlussendlich zurückzog, meinten die Gründer, dass sie selbstverständlich noch einiges in Sachen Design in der Hinterhand hätten. Trotzdem ging Thelen und ließ die beiden Jurorinnen zurück.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer –  Die Investorinnen Dagmar Wöhrl (r.) und Judith Williams betätigen sich als Stöckel-Models im Studio.

Doch kein Deal

Und die Damen berieten sich. Wöhrl meinte, dass die beiden Erfinder viel mehr Cash Flow bräuchten, als die geforderten 200.000 Euro und stieg aus. Auch Williams verspürte keine Lust zu investieren. Das Produkt habe sie nicht derart gepackt, wie es hätte sollen. Kein Deal für Maison Baum.

Ein Bild-Aufhänge-System bei „Die Höhle der Löwen“

Der zweite auf der Höhle der Löwen“-Bühne war Alexander Schophoff mit flexylot. Dabei handelt es sich um ein Bild-Aufhänge-System, das Bilderrahmen und Keilrahmen mit Hilfe der mitgelieferten Bildaufhänge-Schiene problemlos Zentimeter für Zentimeter verschieben kann. Der Gründer forderte 125.000 Euro für 25,1 Prozent Anteile.

Die Reifeprüfung

Es gibt flexylot in der Pro- und Basic-Version, für unterschiedliche Bildergrößen. Frank Thelen, der sein Leben lang noch nie ein Bild an die Wand gehängt hatte, probierte sich am Produkt des Gründers und hatte keine Probleme bei seiner „Reifeprüfung“.

Keine Konkurrenz am Markt?

Danach konnte der Tech-Profi nicht glauben, dass es ein derartiges Produkt nicht bereits am Markt gebe. Als der Gründer die Besonderheit von flexylot erläutern wollte, unterbrach ihn Dümmel und meinte, es gebe Ähnliches zwar, jedoch nicht in der vorgestellten Kombination.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Alexander Schophoff aus München präsentiert mit „flexylot“ ein Aufhängungstool für Bilder.

Spontaner Gründer gefragt

Maschmeyer nannte Schopphof eine „coole Socke“ und zeigte Interesse. Dies bemerkte Dümmel, unterbrach kurze Zeit später den Gründer bei der Beantwortung einer Frage und wollte wissen, ob er spontan sei. Nach dessen Bejahung folgte ein Angebot des Handels-Experten, der zudem noch die weitreichenden Möglichkeiten einer Kooperation mit ihm pries: 125.000 Euro für 30 Prozent.

Ein zögerlicher Founder

Bevor der Gründer so richtig erklären konnte, dass er sich gerne weitere Meinungen anhören würde, stiegen Maschmeyer und Medien-Investor Georg Kofler aus. Trotzdem zögerte der junge Hamburger etwas. Ihm fehlte ein Teilaspekt im Angebot. Als Dümmel auf Social Media zu sprechen kam und von seinen großen Möglichkeiten, darin Marketing zu betreiben erzählte, öffnete Schophoff seine beiden Arme und empfing den glücklichen Löwen als neuen Partner.

Missstände der Pflege

Als dritter bei „Die Höhle der Löwen“ folgte Thomas Müller. Durch einen gesundheitlichen Schicksalsschlag kam der Gründer zum ersten Mal persönlich mit dem Thema Pflege in Berührung. Geprägt durch diese Erfahrung beschäftigte er sich derart intensiv mit der Branche, dass ihm einige Missstände auffielen. Oftmals waren die Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen schwierig und der Schritt in die Selbstständigkeit kompliziert.

+++ Repuls: Wiener MedTech startet nach Rückschlag in 23 arabischen Ländern +++

Plattform gegen bürokratische Hürden

Deshalb hat Müller mit curassist ein Dienstleistungsportal für ausgebildete Pflegekräfte entwickelt, die sich selbstständig machen wollen. Seine Plattform hilft, bürokratische Hürden zu meistern, indem für zukünftige Freiberufler beispielsweise das Ausfüllen von Anträgen übernommen wird. Damit das Unternehmen weiter ausgebaut werden kann, benötigte der Koblenzer 500.000 Euro und war bereit, 15 Prozent der Firmenanteile abzugeben.

800 Seiten Bürokratie

Mit 21 hatte der Gründer ein erfolgreiches IT-Startup gegründet, bis er eine Krebs-Diagnose bekam. Die Erfahrungen in der Pflege bis zu seiner Gesundung führten dazu, dass der 43-Jährige nun selbst die Pflege-Branche verbessern will. Besonders die Bürokratie – bis zu 800 Seiten „Bürokram“ pro Patient – würde ihr im Wege stehen. Deshalb die Entwicklung von curassist.

App für Anmeldeprozess

Damit soll Pflegekräften per App der komplette Patienten-Anmeldeprozess und die komplexe Kassenabrechnung abgenommen werden, sodass Menschen auf dem freien Markt ihren Beruf als Pfleger selbstbestimmt wahrnehmen können.

Ein Monat statt zwölf bei curassist

Maschmeyer war von des Gründers Weg „vom Patienten bis zum Unternehmer“ beeindruckt und ließ sich nochmal den genauen Zustand von Pflegern erläutern: Sobald eine Pflegekraft ihr Angestellten-Verhältnis verlässt, ist sie als solche nicht mehr „anerkannt“ und darf keine medizinischen Dienste mehr anbieten. Die Krankenkassen würden in so einem Fall nicht mehr zahlen. Der Antrag auf Patientenpflege dauere im Schnitt zwölf Monate. Bei curassist brauche man nur einen Monat dafür, erklärte Müller.

Höhle der Löwen, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Thomas Müller aus Koblenz präsentierte mit „Curassist“ eine Dienstleistung für Pflegekräfte.

Der Verlust der Pflegerinnen

In weiterer Folge sprach der Founder die Schwierigkeiten an, die vor allem Pflegerinnen  erfahren würden. Da es sich bei ihrem Job um einen Schichtdienst handelt, würden viele etwa nach dem Kinderkriegen nicht mehr in den Job zurückkehren. „Das Kind muss um acht Uhr in den Kindergarten gebracht werden. Da ist die Frühschicht schon beinahe aus. Die Mütter verlassen dann den Beruf und kehren nicht mehr wieder“, sagte er und betonte den aktuellen Pflege-Notstand, der vorherrsche.

Ein Appell an die Regierung

Nils Glagau nannte den Gründer authentisch, konnte ihn aber nicht unterstützen. Der Konzernchef rief noch die deutsche Regierung auf, etwas besser beim Thema zuzuhören. Und ging als potentieller Financier.

3,4 Milliarden-Markt

Das Unternehmen curassist besteht seit 2015 und verfügt über 550 Pflegekräfte als Kunden. Was einen Umsatz von 1000 Euro pro Monat bedeutet. Dies erschrak Georg Kofler etwas, der Gründer jedoch sprach sofort den potentiellen Markt an. Wer die Masse an Pflegekräften habe, könne Großes erreichen: Deutschland hat 3,4 Millionen Pflege-Bedürftige, der ambulante Markt ein Volumen von 3,4 Milliarden Euro. 75 Prozent aller Pflegefälle wären daheim zu behandeln.

Ein Löwe weniger

Während dieser Argumentation Müllers berieten sich Maschmeyer und Wöhrl leise im hinteren Teil des Studios. Kofler verabschiedete sich als Investor. Kontakte, Vernetzung und Marketing – das alles bräuchte der Gründer von den Löwen, sagte der Medien-Profi als Rat und ging.

Zwei Löwen für ein Portal

Die ehemalige Miss Germany Wöhrl meinte daraufhin, der Gründer habe für ein großes Problem eine gute Lösung. Sie werde gerne investieren und machte gemeinsam mit Carsten Maschmeyer ein Angebot: 500.000 Euro für jeweils 15 Prozent. Nach kurzer Überlegung kam es zum Deal für curassist.

+++Warum der Deal mit curassist im Nachhinein platzte+++

Katzensuche bei „Die Höhle der Löwen“

Die vierten bei „Die Höhle der Löwen“ waren Alan Ellenberger, Claudio Goor und Reto Büchel. Die Schweizer haben mit petTracer ein Hightech-Katzenhalsband entwickelt, mit dem man die eigene Katze schnell und einfach wiederfinden kann. Auch in Garagen, wo ein reines GPS-Halsband versagt, so die Gründer.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer -Claudio Gllor (Foto), Alan Ellenberger und Reto Büchel aus der Schweiz präsentierten mit „petTracer“ ein Katzenhalsband mit GPS und Peilsender.

Hohe Firmenbewertung

Dabei verbindet der Tracer zwei Technologien: Die GPS-Technologie für eine Ortung im Freien und die Peilsender-Technologie für eine Ortung an Plätzen ohne GPS-Empfang. Das Gerät hat eine Akkulaufleistung von bis zu 30 Tagen und wiegt 34 Gramm. Über die App kann der Besitzer sehen, wo sich seine Katze gerade befindet. Für ihre Erfindung forderten die Gründer 750.000 Euro für zehn Prozent Anteile.

Fast zwei Millionen Euro ins Startup gesteckt

In der Diskussion danach ging es um die genaue Funktionsweise des Halsbandes und die Abo-Gebühr für die Nutzung der App. Maschmeyer merkte kritisch an, dass 700 Kunden in einem Jahr wenig seien für eine scheinbar überlegene Technik. Und für die hohe Bewertung.

Exodus der Löwen

Wie auch Glagau kritisch anfragte und Kofler deutlicher erwähnte, sei die „stratospherische Bewertung“ von 7,5 Millionen Euro bloß auf einer zukünftigen Umsatzkalkulierung aufgebaut. Der Südtiroler stieg aus. Wöhrl meinte, der USP mit dem Peilsender sei bloß für Sonderfälle geeignet. Sie stieg ebenso wie Glagau aus.

Unfruchtbarer Kampf

Die Gründer kämpften, was Dümmel positiv honorierte. Doch auch er stieg als letzter Löwe aus. Kein Deal für das Tier-Startup.

Innovative YABs bei „Die Höhle der Löwen“

Den Abschluss von „Die Höhle der Löwen“ gebührte Christian Polenz. Der Buxtehudener hat mit YAB Fitness eine neuartige Fitnesshantel entwickelt. Die YABs sind innovative Trainings-Gewichte, die aufgrund ihrer Form und unterschiedlichen Greif- und Haltevariationen verschiedenste Einsatz-Möglichkeiten schaffen und Trainingsreize setzen sollen.

Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler, Ralf Dümmel, Startup
(c) TVNOW / Bernd-Michael Maurer – Christian Polenz aus Buxtehude hoffte mit „YAB Fitness“ und seiner ergonomischen Fitnesshantel auf ein Investment.

Eine Hantel – mehrere Gewichte

Drei verschiedene Griffstellungen mit einer Hantel erzeugen durch die Hebelkraft drei unterschiedliche Gewichte. Die Befestigungs-Möglichkeit am Fuß mit dem YAB.BELT soll zudem neue Trainingsmöglichkeiten der Bein-, Gesäß- und Bauchmuskulatur schaffen. Die Forderung: 150.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile.

Digitale Anleitungen zum Trainieren

Der Gründer ließ es sich nicht nehmen, mit der Jury eine kleine Fitness-Session im Studio zu veranstalten. Nach dem Auf und Ab der Löwen und Löwinnen erfuhr Judith Williams auf Nachfrage, dass es zum Produkt selbst noch eine App, ein virtuelles Trainings-Programm und ein YouTube-Channel gebe, auf denen User vorgegebene Einheiten finden könnten.

Clevere Ideen

Wöhrl meinte, ihre Schwerpunkte lägen woanders und ging als potentielle Investorin. Als der Gründer sein Zusatzprodukt, eine passgenaue YAB-Matte für den Stepper, vorstellte, merkten die restlichen Gründer, dass Polenz einige „clevere“ Ideen hatte.

Zwei Löwen mit dem gleichen Angebot

Williams meinte sogar, der Gründer habe alle Probleme gelöst, die sie beim Training habe. Sie hätte aber keine Kontakte in der Fitness-Branche und stieg aus. Kofler hingegen bot 150.000 Euro für 20 Prozent. Glagau wiederholte das Angebot seines Vorgängers.

Nachbesserung des Deals bei „Die Höhle der Löwen“

Polenz forderte danach plötzlich 100.000 Euro zusätzlich als working capital. Während Glagau ablehnte, änderte Kofler seinen Vorschlag: 200.000 für 25 Prozent Anteile. Deal für YAB Fitness.


⇒ Maison Baum

⇒ flexylot

⇒ curassist

⇒ petTracer

⇒ YABFitness

⇒ DHDL zum nachsehen auf TVNOW

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
30.09.2026

„Sales before the product“: Florian Kandler über Traction und den Weg zu den ersten Kund:innen

„Ich kann nichts verkaufen, ich habe das Produkt noch nicht": Für Florian Kandler ist das einer der großen Denkfehler junger Gründer:innen. Im Interview erklärt der Startup-Coach, wie man Traction aufbaut, bevor das Kapital dafür da ist.
/artikel/sales-before-the-product-florian-kandler-interview
30.09.2026

„Sales before the product“: Florian Kandler über Traction und den Weg zu den ersten Kund:innen

„Ich kann nichts verkaufen, ich habe das Produkt noch nicht": Für Florian Kandler ist das einer der großen Denkfehler junger Gründer:innen. Im Interview erklärt der Startup-Coach, wie man Traction aufbaut, bevor das Kapital dafür da ist.
/artikel/sales-before-the-product-florian-kandler-interview
Startup-Coach Florian Kandler rät Gründer:innen, schon vor dem fertigen Produkt zu verkaufen | Foto: Bianca Perfahl

Florian Kandlers Startup Report erscheint heuer in elfter Ausgabe und wurde im Mai gemeinsam mit KPMG präsentiert. Er ist bewusst kein Datenwerk und kein politisches Papier: Die Zahlen bekomme man ohnehin auf Knopfdruck, so Kandler. Stattdessen befragt er jene Gründer:innen, die bereits Funding eingesammelt haben, nach ihren konkretesten Learnings. Kandler hat seit seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley über 3.000 Gründer:innen begleitet, die zusammen mehr als eine Milliarde Euro aufgenommen haben, und ist bereits im achten Jahr offizieller Startup-Coach bei „2 Minuten 2 Millionen“.

Aus den Antworten lässt sich heuer eines klar herauslesen: Der Druck Richtung Traction steigt. Kapital konzentriert sich auf wenige Segmente, die Abstände zwischen den Runden werden länger, und Investor:innen wollen Proof from the Market sehen, nicht bloß eine gute Geschichte. Lukas Lauder von Repark bringt es im Report auf den Punkt: „Investors don’t invest in your product, they invest in momentum.“

Daraus ergibt sich ein Dilemma, das gerade First-Time-Founder kennen: Wie baut man Traction auf, wenn das Kapital dafür noch fehlt? Kandlers Antwort ist ein Mindset-Shift, den er „Sales before the product“ nennt.

Du machst den Report seit elf Jahren. Welcher Trend sticht heuer am stärksten heraus?

Die starke Verschiebung hin zu Traction. Die Leute wollen immer mehr Momentum und Proof from the Market sehen, nicht nur den Beweis, dass jemand eine gute Geschichte erzählen kann oder dass theoretisch Potenzial da ist. Stefan Steiner von Don’t Call it Deo sagt es so: nicht nur auf die Idee fokussieren, sondern auf Market Traction. Storytelling ist für Pitch Competitions oder Community Pitches nett, aber wenn du mit Investor:innen sprichst, musst du in einen anderen Gang schalten. Da zählt Groove.

Zieht sich das durch alle Phasen?

Durch alle Fundingphasen, von den ganz Kleinen bis zu den Großen. Nur bedeutet Traction in jeder Phase etwas anderes, und es verschiebt sich, was dort durchschnittlich und was überdurchschnittlich ist. Was sich nicht verschiebt: Es muss heute einfach mehr an Traction da sein als noch vor einigen Jahren. Eine Idee und eine tolle Vision allein, und dann kommt das Geld, das funktioniert nicht mehr.

Das klingt nach einem Dilemma: Ohne Kapital ist Traction schwer aufzubauen.

Das ist einer der großen Denkfehler, die ich bei jungen Gründer:innen immer wieder sehe. Viele kommen mit: „Ich hatte vor Jahren die Idee, habe daran gebastelt, das Potenzial ist riesig, und jetzt suche ich einen strategischen Investor, der mich bei Marketing und Vertrieb unterstützt.“ Bastler mit Idee, null Market Validation. Oder: „Ich kann ja nichts verkaufen, ich habe das Produkt noch nicht.“ Das ist grundfalsch. In der Sekunde, in der du die Idee hast, überlegst du: Wer ist die ideale Zielgruppe? Du baust deine Hypothese darum, gehst raus und sprichst mit diesen Leuten, auch wenn dein Produkt erst in drei Jahren fertig ist. Die Traction, die du aufbaust, ist das Interesse, das du dort erzeugst.

Hast du ein Beispiel?

Ich betreue gerade einen Gründer, der schon jetzt Pre-Orders schreibt und pro Kunde 10.000 Euro kassiert, damit sich diese das Recht sichern, die ersten Pilotkunden werden zu dürfen. Das Produkt ist noch lange nicht fertig, er hat aber ganz klar einen Nutzen bei den Kunden identifiziert und mit smartem Verkauf FOMO erzeugt. So konnte er schon Aufträge erhalten, bevor das Produkt fertig ist. Das ist Traction.

Und im Consumer-Bereich?

Da sage ich den Leuten bei „2 Minuten 2 Millionen“: Der Pitch ist so gut, wie er sein kann. Aber bis du in sechs Wochen im Studio bist, mach eine einzige Sache. Geh raus in alle Mom-and-Pop-Shops, die dein Produkt brauchen können, verkauf es ihnen, gib es ihnen auf Kommission, erzeug Traction. Wenn das Produkt noch nicht fertig ist, hol dir zumindest ein Stück Papier, etwa eine unterzeichnete Absichtserklärung, das zeigt: Die Leute wollen das. Erst letzte Woche hat ein Gründer aus Tirol, der sich gerade auf seinen großen Auftritt im Studio vorbereitet, genau das umgesetzt. Fünf Tage später schickte er mir eine aufgeregte WhatsApp-Nachricht, dass er über sein altes berufliches Netzwerk bereits zwei Vorbestellungen gewinnen konnte.

Was braucht es, damit das gelingt?

Zwei Dinge. Erstens ein Produkt, das wirklich mit dem Markt resoniert. Wenn du das nicht hast, hast du ohnehin kein Anrecht auf Kapital. Und zweitens die Fähigkeit und die Bereitschaft, rauszugehen. Die fehlt vielen, teils weil sie es nicht können, teils weil sie es nicht wollen. Aber das lässt sich mit Kompetenzaufbau ganz gut heilen: Sobald du merkst, das funktioniert und die Leute finden es geil, kriegst du auch Mut. Ich sehe das regelmäßig in meinen Beratungen, wie meine Gründer dann plötzlich Eigendynamik entwickeln. „Sales before the product“ ist einer der größten Mindset-Shifts, die junge Gründer:innen verstehen müssen. Wenn man die Methoden einmal kennt, kann das wirklich jeder umsetzen.

Und wenn diese Bereitschaft im Team fehlt?

Dann wird es schwierig. Wenn alle Angst vor dem Kunden haben, fehlt genau die Person, die keine Angst hat, und die braucht es. Die anderen verkriechen sich hinterm Computer, denken sich digitale Ad-Kampagnen aus oder gehen zum Investor und sagen: „Ich brauche 300.000 Euro, davon 150.000 fürs Marketing.“ Das gibt dir niemand, solange du nicht im Kleinen getestet hast, ob die Leute es überhaupt brauchen. In 99 Prozent der Fälle gibt es Growth Hacks, mit denen du ohne Cash-Budget Staub aufwirbeln und sehen kannst, ob es funktioniert oder nicht.

Konkret: Wie geht man mit einem unfertigen Produkt im B2C auf Kund:innen zu?

Ein möglicher Weg im Consumer-Bereich ist, die Leute auf Social Media abzufangen. Ich betreue gerade eine Gründerin, die eine sehr intelligente Functional-Cosmetics-Brand aufbaut. Jeder Investor hofft, dass jemand im Team versteht, daraus auf Social Media Buzz zu bauen. Wenn dein Produkt neuartige Eigenschaften hat, musst du es so vermarkten, dass die Leute heiß werden und du vielleicht einen Pre-Sale machst, wie beim Fashion Drop: Die Kollektion kommt erst im September, aber die Leute zahlen heute schon. Irgendjemand muss diese Message rüberbringen, ob als Person und Fürsprecherin, wie coole Food-Gründerinnen, die vor der Kamera ihr Produkt zeigen, oder abstrakter über Content und meinetwegen KI-generierte Avatare. Und das ist nur einer von mehreren möglichen Wegen, die man je nach Unternehmen und Situation einschlagen kann.

Und im B2B?

Da musst du ran an den Speck, und Networking ist entscheidend. Ich gebe in Workshops eine Übung: Nimm dein Telefon, schau, wer da drin ist und wer von denen wen kennen könnte. Ruf deine zehn besten Freunde an, die dich mögen, dir Gutes wollen und die wissen, dass du kein Depp bist, und sag: „Ich suche jemanden in dem und dem Bereich, kennst du wen?“ Du wärst überrascht, wie schnell die ersten Termine stehen. Funktioniert auch auf Konferenzen und Events, wo diese Menschen herumlaufen. Aber weg von diesen drögen Kundeninterviews à la „Würdest du das kaufen?“. Das ist fast wertlos, für die Unternehmer:innen wie für Investor:innen. Wer es ernst meint, liest „The Mom Test“, denkt den Inhalt dieses Buchs konsequent wie ein Verkäufer weiter und baut aus dem Gespräch direkt einen Sales-Funnel. Im besten Fall ist das eine Pre-Order mit Cash, im nächstbesten eine Pre-Order ohne Cash, dann ein Letter of Intent.


Info: Fundraising Winter Camp™ 2026

Jeden Winter bereitet Florian Kandler eine kleine Gruppe von zehn Startups in drei Wochen online auf ihre Investor:innen-Suche vor. Das Camp 2026 startet am 14. Jänner.. Die Sommer-Version des Camps läuft seit 10 Jahren immer im Juli. Die Plätze sind jedes mal ausgebucht. Wer beim nächsten Durchgang dabei sein will, kann sich über Florian Kandlers Newsletter auf www.GetFunding.how/camp voranmelden und wird zum nächsten Camp eingeladen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Höhle der Löwen: Startup curassist mit 1000 Euro Umsatz holt halbe Million

  • Ein erstaunlicher 2-Wochen-Umsatz von Maison Baum ließ Investor Frank Thelen fluchen.
  • Flexylot soll beim Aufhänger der Bilder blefen.
  • Mit curassist sagt Thomas Müller der Pflege-Bürokratie den Kampf an.
  • petTracer verfeinert die Suche nach entlaufnen Haustieren.
  • YAB Fitness produziert eine ergonomische Hantel, die aufgrund verschiedener Halte- und Griff-Variationen unterschiedliche Gewichte fürs Training ermöglicht.