24.09.2019

Höhle der Löwen Folge 4: Georg Kofler rastet bei „Social Startup“ aus

In der vierten Folge der aktuellen Staffel von "Die Höhle der Löwen" ging es um Instant-Food, eine neuartige Nagelfeile und digitale Studienfinanzierung. Zudem konnte sich Investor Georg Kofler nicht im Zaum halten, redete sich in Rage und warf einem Startup "Heuchelei" vor.
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Höhle der Löwen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Judith Williams, Nils Glagau, deinestudienfinanzierung, LaRabollita, Instant, Georg Kofler
(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer - Bastian Krautwald, Alexander Barge und David Meyer präsentierten mit "deineStudienfinanzierung" eine Plattform, die das Investoren-Interesse erregte.
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Der Erste in der vierten Folge der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ war Koch Fabian Zbinden. Der gebürtige Schweizer hat mit LaRibollita (mittlerweile in Instant Fresh umbenannt) ein Fertiggericht entwickelt.

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Die Instant Meals enthielten keine künstlichen Konservierungsstoffe, seien glutenfrei und vegan, pitchte der Gründer. Die Zubereitung sei einfach: Wasser kochen, aufbrühen und umrühren. Nach vier Minuten könnten die Mahlzeit gegessen werden. Die Verpackung könne man zudem klimaschonend im Altpapier entsorgen. Der Gründer wollte 42.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

LaRibollita: „Person vor Produkt“

Nach der Kostprobe, die allen Juroren mundete, meinte Carsten Maschmeyer, im Vergleich zu anderen Instant-Gerichten, sei LaRibollita „echtes Essen“. Der Gründer überzeugte mit seiner Einstellung und wurde vom Investor als Musterbeispiel für das Prinzip „Person vor Produkt“ gelobt. Jedoch sah Maschmeyer Probleme mit der Skalierbarkeit und stieg aus. Georg Kofler fiel es schwer, sich zu verabschieden, jedoch konnte er „dem Gründer nicht helfen“ und ging ebenfalls. Ralf Dümmel meinte indes, Zbindens Business sei ein „schweres Geschäft“, die 45 Tage-Haltbarkeit des Produkts wären ein Problem. Im Lebensmittelhandel seien im Sinne der Kühlketten-Lagerung die besten Plätze in Tankstellen oder Märkten hart umkämpft. Auch er ging ohne Deal-Angebot.

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(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Fabian Zbinden kämpfte um ein Investment für sein Startup „La Ribollita“ (Instant Fresh).

Den Investor mal unterbrechen

Der Gründer gab nicht auf und pitchte weiter. Zbinden meinte, er könne sein Produkt auch „aus dem Kühlschrank“ bekommen, wenn nötig, aber prinzipiell handele es sich um ein gesundes Produkt mit Vitaminen. Als Neo-Löwe Nils Glagau bereits ansetzte, sich ebenfalls als Investor zu verabschieden, unterbrach ihn Zbinden und argumentierte erneut in seinem Sinne. Dies brachte den Investor dazu, doch noch ein Angebot zu machen: 42.000 Euro für 20 Prozent Anteile – wie gefordert.

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Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl wollte ebenfalls dabei sein und beriet sich mit Glagau. Die beiden Löwen kamen schlussendlich mit einem neuen Angebot zurück: zweimal 13 Prozent für insgesamt 66.000 Euro. Der Gründer schlug ein. Deal für LaRibollita.

Sirplus: 11 Millionen Euro Bewertung

Die zweiten bei „Die Höhle der Löwen“ waren Raphael Fellmer und Martin Schott. Mit Sirplus wollen sie den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung angehen. Das Unternehmen hat einen Onlineshop für abgelaufene, noch essbare Lebensmittel und sogenannte „Rettermärkte“, wo bereits abgelaufene, aber noch verwertbare Lebensmittel vor Ort erstanden werden können. Die Gründer wollten 700.000 Euro für 6 Prozent Anteile.

5 Jahre Geldtsreik

Nach dem Pitch lobte Ralf Dümmel das Thema des Startups und wollte mehr von den Gründern wissen. CEO Raphael Fellmer erzählte, er hätte fünf Jahre im „Geldstreik“ gelebt. Der Gründer habe aus Protest gegenüber der Verschwendung von Lebensmittel und als Erinnerung daran, dass weltweit 800 Millionen Menschen an Unterernährung leiden, in diesem Zeitraum kein Geld angenommen oder ausgegeben und als „Mülltaucher“ davon gelebt, was andere (etwa Supermärkte) weggeschmissen hätten.

Die hohe Bewertung komme deshalb zustande, so Fellmer, da Sirplus im Vorjahr 1,2 Millionen Euro Umsatz mit über 100.000 Kunden erwirtschaftete, über ein starkes Wachstum verfüge und als Ziel in den nächsten fünf Jahren über 130 Millionen Euro Umsatz habe – und das bei geplanten 26 Millionen Euro Gewinn.

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TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Investor Georg Kofler redete sich bei einem Startup ziemlich in Rage.

Eklat bei der „Höhle der Löwen“: „Moralaposteln als obergierige Kapitalisten“

Dies löste bei einem Investor Verärgerung aus. Georg Kofler störte sich am „moralisierenden Schöngerede vom Geschäftsmodell“. Er meinte, die Gründer würden nicht Lebensmittel retten, sondern ganz billig einkaufen und teurer Weiterkaufen. Es sei ein normales „kaufmännisches Geschäft“, ihr Auftritt jedoch wirke nach „Moralaposteln, die die Welt retten wollen“. Die Bewertung lasse die beiden Unternehmer als „obergierige Kapitalisten“ erscheinen.

„Kein besserer Mensch“

Nach dieser Rage, stoppte Kofler nicht und hakte nach, ob Fellmer während des Geldstreiks Steuergeld angenommen oder öffentliche Zuwendungen bezogen hätte. Es schien, als ob er den jungen Mann demaskieren wollte. Der Gründer gab zu, mit dem erhaltenem Kindergeld die Krankenversicherung bezahlt zu haben. Dies brachte den Investor dazu, dem geknickten Founder an den Kopf zu werfen, er solle in seiner moralisierenden Art und Weise nicht so tun, als ob er ein besserer Mensch wäre. Er fände dies unglaubwürdig.

„Gieriger als der freie Kapitalist“

Und es ging weiter. Kofler schaffte es nicht, sich zurückzuhalten und ging erneut auf die Bewertung ein, die er als absurd bezeichnete. Sinngemäß meinte er, die Gründer würden etwas von „Geldstreik“ erzählen und nun versuchen rasch zu Multi-Millionären zu werden. Das sei „gieriger als der freie Kapitalist“, der sich dazu bekenne. Er stieg aus.

Multi-Millionäre sind per Sie

Wo man jetzt ein Ende des Ausbruchs vermuten hätte können, irrte man als Zuseher erneut. Fellmer bedankte sich für das Statement und dutzte den Investor dabei. Dessen Reaktion: “ Wir sind nicht per Du. Unter Multi-Millionären ist man eine Weile per Sie“.

Bruch in der Erzählung

Maschmeyer ließ die Gründer danach nicht zu Wort kommen. Er fand die Aktionen des Gründers interessant, machte aber einen Widerspruch aus. Noch nie habe es in der Sendung ein Startup gegeben, dass davon sprach 26 Millionen Euro Gewinn zu machen. Das sei ein enormer Bruch vom Geldstreik zu dieser Zahl. Deshalb sei auch er raus. Und auch Dümmel verabschiedete sich.

Welt mit Geld verändern

Danach erklärte Fellmer, das weltweit jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel vernichtet würden. Es sei nicht möglich, dies alles mit „freiwilligem Engagement“ zu retten. Es gehe dem Team nicht ums Geld, sondern darum die Welt nachhaltig mit Geld zu verändern. Das sah Glagau ein, die Bewertung sei aber abschreckend – die Gründer hätten scheinbar kein Interesse an Investoren, sagte er und war ebenfalls raus.

Kein Deal für Sirplus

Dagmar Wöhrl schließlich fragte nach, warum das Duo eigentlich in der Sendung sei. Man brauche Hilfe dabei, Sirplus „groß zu machen“, so die Antwort. Die Grand Dame der Pitch-Show meinte danach, mit mehr Ehrlichkeit in Sachen „Geld verdienen“ und einer gänzlich anderen Attitüde hätten beide mit Sicherheit einen Investor gefunden. Auch sie verabschiedete sich als mögliche Investorin. Kein Deal für Sirplus.

Sirplus kein Sozialverein

Im Interview danach kamen beide Gründer auf ihre Pitch-Fehler zu sprechen und meinten, die Geschichte mit dem Geldstreik wäre eventuell zu viel gewesen. Sie zeigten sich sichtlich überrollt von der Tirade Koflers und erklärten, die Erwähnung des Gewinns von 26 Millionen Euro hätte eigentlich dazu gedient, den Investoren zu zeigen, dass Sirplus eine gewinnbringende Unternehmung wäre und kein Sozialverein. Sie selber hätten entschieden, 80 Prozent der Einnahmen in nachhaltige soziale Projekte und Vereine zu reinvestieren. „Wir wollen uns nicht bereichern“, so Fellmer.

Die Gründer, wie man im Nachspann des Auftrittes sehen konnte, hatten eine gänzlich falsche Einschätzung der Jury-Mitglieder. Sie dachten, so Fellmer abschließend, die Erwähnung des sozialen Aspektes würde die Investoren nicht interessieren, und dass deren Augenmerk bloß auf nackte Zahlen ausgerichtet sei. Ein grober Fehler, wie das Duo am Ende einsah.

Mia Mia: Nagelfeile mit Metall-Gitter-Struktur

Der nächste auf der „Höhle der Löwen“-Bühne war der Diplomingenieur Davor Petrovic. Der Wiesbadener hat mit Mia Mia ein Unternehmen aufgebaut, das eine ergonomische Nagelfeile produziert. Das Produkt sei dank der Metallgitter-Stuktur sowohl für Maniküre als auch für Pediküre geeignet, pitchte Petrovic.

Zufällig manikürt

Seine Produktidee fiel Petrovic bei der Arbeit in die Hände: beim Hantieren mit Bauteilen für Rauchwarnmelder entdeckte der Entwicklungsingenieur plötzlich seine spiegelglatten Fingernägel – offenbar durch ein spezielles Edelstahl-Metallplättchen zufällig „manikürt“. Der Entwicklungsingenieur wollte von den „Höhle der Löwen“-Juroren für die Vermarktung seiner Entdeckung 90.000 Euro für 25 Prozent Anteile haben.

Skeptische Wöhrl

Die neue (Hobel)-Methode, Nägel zu feilen, weckte besonders das Interesse von Beauty-Expertin Judith Williams. Sie inspizierte die im Studio frisch gehobelten Fingernägel von Dümmel und gab dazu Feiltipps. Sie erkannte, dass die Mia Mia-Feile nicht geeignet wäre, an die Ränder des Nagels zu gelangen. Der Gründer gab zu, dass dies genau der nächste Optimierungspunkt sei, den er angehen würde. Dagmar Wöhrl zeigte sich skeptisch gegenüber der Behauptung, dass Mia Mia auch für Hornhaut-Entfernung nutzbar sei.

Investierender Dümmel

Williams meinte danach, das Produkt müsse weiterentwickelt werden. Der Gründer eroberte aber die Herzen der Jury mit Humor und Visionen und bekam von Williams das gewünschte Angebot. Auch Ralf Dümmel wollte mitmischen und bot ebenfalls 90.000 Euro für 25 Prozent. Er bekam dann auch den Deal.

Medibino: Kissen gegen Kopfverformungen

Die vorletzte in der vierten Folge von „Die Höhle der Löwen“ war Susanne Kluba. Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin entwickelte mit ihrem Startup Medibino ein Babykopfkissen, das Schädel- bzw. Kopfverformungen bei Babys verhindern soll. Seit vielen Jahren behandelt die Ärztin Babys und Kleinkinder mit lagebedingter Plagiozephalie am Universitätsklinikum Tübingen. Das ergonomische Babykopfkissen soll Kopfverformungen durch eine gleichmäßige Druckentlastung entgegenwirken. Der Babykopfschutz bestehe zudem aus hochwertigen und hautfreundlichen Materialien, pitchte Kluba. Die Gründerin und ihr Team wollten von den „Höhle der Löwen“-Investoren 350.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Die „Löwen“ nehmen den Babykopfschutz „Medibino“ genau unter die Lupe.

Rückenlage oder nicht Rückenlage

Das Kissen von Medibino sei verstellbar und wachse sozusagen mit dem Baby mit, sagte die Gründerin. Die Erfindung ist patentiert und seit 2018 als Medizinprodukt zugelassen. Neben dem Kinderbett könne der Babykopfschutz auch im Kindersitz oder Kinderwagen angewendet werden. Dagmar Wöhrl merkte jedoch gleich an, dass Babys nicht unbedingt auf dem Rücken schlafen sollten. Dem widersprach die Gründerin mit einer offiziellen Studie zur optimalen Lage von Babys. Von der pedriatischen Gesellschaft aus den USA kam 1992 die Empfehlung, Babys in Rückenlage liegen zu lassen, um die Gefahr des plötzlichen Kindstod zu minimieren, erklärte sie.

Kein Deal für Medibino

Nachdem diese Thematik besprochen war, stieg zunächst Nils Glagau aus. Er zeigte sich skeptisch aufgrund der neuen Erkenntnisse und fand in Wöhrl eine Nachahmerin. Zwei Investoren waren damit draußen. Die Gründerin betonte daraufhin ihre Kompetenz und dass sie sich mit dem Thema über ein Jahrzehnt beschäftigt und darin habilitiert habe. Ralf Dümmel verließ den Lage-Diskurs und stieg aufgrund der zu hohen Firmenbewertung aus. Georg Kofler empfand das Produkt als „sinnvoll und liebenswert“, Medizinprodukte seien aber nicht sein Feld. Auch er ging ohne Investment.

Am Ende blieb Carsten Maschmeyer über, der selbst einmal Medizin studiert hatte. Er lobte die Dental- und Human-Ärztin „als Charakter“, jedoch sei diese Erfindung wenig innovativ. Auch er stieg aus und Medibino blieb bei „Die Höhle der Löwen“ ohne Investor über.

Digitale Studenfinanzierungs-Erleichterung

Den Abschluss der vierten Folge von „Die Höhle der Löwen“ bildeten David Meyer, Alexander Barge und Bastian Krautwald. Die Berliner kreierten mit DeineStudienfinanzierung eine digitale Plattform, die bei Studierenden Klarheit bei der Studienfinanzierung schaffen soll. Sie soll Studierende unter anderem bei der Antragstellung unterstützen, um Verschuldungen während des Studiums zu vermeiden. Umfasst werden dabei folgende Punkte: Überprüfung des Anspruchs auf BAföG, Studienkredit und Bildungsfonds Brain Capital, Berechnung der Höhe eines BAföG-Anspruchs, Formblätter erhalten und einreichen, und online Verträge unterschreiben.

+++ Finanzierung per Bootstrapping: Eine Anleitung für Neo-Gründer +++

Halbe Million Euro gesucht

In Deutschland hätten im vergangenen Jahr 250.000 Studierende ihr Studium aufgrund mangelnder finanzieller Mittel abgebrochen. Das führten die Gründer unter anderem auf Unwissenheit und die Bürokratie zur Beantragung von finanziellen Mitteln zurück. Sie wollten von den „Höhle der Löwen“-Juroren für ihre Online-Antragshilfe eine halbe Million Euro für 12,5 Prozent Beteiligung.

Williams‘ Studienabbruch

Dagmar Wöhrl hatte Probleme, die Idee aufzugreifen und stieg gleich am Anfang aus. Der Rest zeigte sich interessiert. Ralf Dümmel wollte seine Kollegen schocken und tat so, als ob er investieren möchte, wusste aber zu seinem Leidwesen nicht, wie er dem Trio helfen könne. Williams erzählte von ihrem Studienabbruch aufgrund einer Krankheit und den finanziellen Hürden, es danach wieder aufzunehmen. Sie erkenne die Sinnhaftigkeit der Plattform, stieg aber aus, da ihr das Know-How fehle, sagte sie.

Thelen: „Digitalisierung von Dokumenten eine Herzensangelegenheit“

Tech-Investor Frank Thelen nannte die Digitalisierung von Dokumenten eine „Herzensangelegenheit“, in die er viel Geld und Zeit investiert habe. Er fände, es brauche mehr Leute, die in Ruhe studieren könnten. Bezüglich der hohen Firmenbewertung erzählten die Gründer von einer bereits getätigten Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von drei Millionen Euro. Dabei seien Investoren wie Christian Gaiser, Kaufda-Gründer oder Lucas von Cranach, CEO & Founder von Onefootball.

Der „bescheidene“ Georg beim fünften „Höhle der Löwen“-Pitch

Thelen war beeindruckt und warb für sich als Partner mit seinem Netzwerk und Tech-Team. Jedoch wollte er 20 Prozent für 500.000 Euro haben. Medien-Investor Georg Kofler nannte sich in der Selbst-Darstellung bescheidener als Thelen und bot schlicht 500.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Vorteil, einen Thelen zu haben

Die Gründer kamen mit einem Gegenangebot zurück. Aufgrund des bestehenden Investorenkreises könnte man für die halbe Million nicht mehr als 15 Prozent abgeben. Es gebe bestehende Absprachen. Thelen meinte, wenn er 17,5 Prozent Anteile bekäme, würde er den Investoren die Vorteile seines Einstiegs schon noch erläutern. Halbe-Million-Deal für die DeineStudienfinanzierung.

Anmerkung der Redaktion: Wie wir vom Gründer-Trio erfuhren gelang die Vereinbarung mit den Bestandsinvestoren letztendlich nicht – mehr dazu hier!


⇒ LaRibollita

⇒ Sirplus

⇒ Mia Mia

⇒ Medibino

⇒ DeineStudienfinanzierung

⇒ DHDL-Folgen zum Nachsehen auf TVNOW

⇒ DHDL

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Schulterschluss in Paris: Macron und Modi warben auf der VivaTech 2026 gemeinsam für eine „verantwortungsvolle KI" als Wertegemeinschaft. | (c) VivaTech

Am 12. Juni erreicht Anthropic ein Brief des US-Handelsministeriums. Drei Tage zuvor war Claude Fable 5 erschienen, das leistungsfähigste allgemein verfügbare Modell des Hauses. Nun ist es für jede Person ohne US-Staatsbürgerschaft zu sperren, im In- wie im Ausland. Weil sich Staatsangehörigkeit nicht in Echtzeit prüfen lässt, schaltet Anthropic beide Modelle weltweit ab, auch für die eigenen US-Kund:innen. Betroffen sind nicht nur einzelne Nutzer:innen: Anwendungen, die das Modell direkt einbinden, stehen über Nacht still, und der Fall führt vor Augen, wie viele Produkte und ganze Geschäftsmodelle auf einem einzigen, von außen abschaltbaren Modell ruhen. Der „kill switch“, über den Europa seit Jahren theoretisch debattiert, ist plötzlich real, und er trifft die fortgeschrittenste KI ihrer Generation. Anthropic kündigte an, den Zugang so rasch wie möglich wiederherzustellen, zum Redaktionsschluss war die Sperre weiter in Kraft.

Fünf Tage später öffnet in Paris die VivaTech, Europas größte Tech-Messe, zum zehnten Mal. 15.000 Startups, Jeff Bezos als Stargast, und doch reibt sich die KI-Euphorie an der Angst vor der eigenen technologischen Abhängigkeit. Schon auf der Eröffnungsbühne nimmt Frankreichs Wirtschaftsminister Roland Lescure direkt Bezug auf die Anthropic-Sperre: Es gehe nicht länger um eine Zugangsdebatte, Regeln könnten sich über Nacht ändern, und Souveränität heiße, dann noch handlungsfähig zu sein. Tags zuvor hatte Premier Lecornu verkündet, der französische Inlandsgeheimdienst trenne sich vom US-Konzern Palantir zugunsten des heimischen Anbieters ChapsVision. Die Kulisse ist gesetzt.

Souveränität, messbar gemacht

Ausnahmsweise lässt sich Souveränität hier auch messen. Nvidia hatte auf der VivaTech 2025 mehr als 20 KI-Fabriken für Europa versprochen und Mistral zum souveränen Compute-Champion erklärt. Und anders als im Vorjahr liefert die Messe Konkretes: Mistral Compute geht als europäische GPU-Cloud teilweise in Betrieb, Foxconn und Bull kündigen eine Serverfertigung im französischen Angers an. Aus Ankündigung wird Auslieferung. Nur ist selbst das Souveräne es nur halb: Mistral Compute läuft auf 18.000 Nvidia-Chips. Die ganze europäische KI ruht auf einem nicht-europäischen Silizium-Sockel. Doch genau hier liegt Europas einziger echter Trumpf: Ohne die EUV-Lithografie des niederländischen Konzerns ASML, dessen Chef Christophe Fouquet ebenfalls in Paris war und der inzwischen Europas wertvollstes Unternehmen ist, kann weltweit niemand Spitzenchips fertigen. Abhängig auf der einen Ebene, unverzichtbar auf der anderen. Souveränität als Baustelle, nicht als Zustand.

„Tech for humanity“: Narendra Modi positionierte Indien auf der VivaTech 2026 als KI-Länderpartner Frankreichs. (c) VivaTech

Und Österreich?

Und Österreich? Steht in dieser Debatte überraschend weit vorn. Die „Declaration on European Digital Sovereignty“, die inzwischen alle 27 EU-Staaten mittragen, geht auf eine österreichische Initiative rund um Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll zurück. Wien als Anstoßgeber dessen, worüber Paris nun diskutiert. Und das Bundesheer hat seine 2020 begonnene Migration von rund 16.000 Arbeitsplätzen auf LibreOffice 2025 abgeschlossen, bewusst ohne Cloud, also ohne fremden Schalter. Die unbequeme Frage für die heimische Szene lautet, ob aus solchen Verwaltungsentscheidungen auch ein Markt für österreichische Anbieter wird, oder ob Souveränität Behördensache bleibt.

Verhandeln aus der Schwäche

Den wahren Lackmustest liefert nicht die Bühne, sondern eine Frage am Rande. Auf die Fable-5-Sperre angesprochen, fordert Emmanuel Macron keine Unabhängigkeit. Er appelliert an die USA, ihre Spitzentechnologie zu teilen, und kündigt zugleich mehr Geld für die französische KI-Industrie an. Zuerst die Bitte um Zugang, dann, hilfsweise, die eigene Souveränität. Das kann man als Schwäche lesen. Man kann es auch als nüchterne Arbeitsteilung verstehen: das Beste nutzen, das es gibt, und parallel absichern, falls es wegbricht. Dass Macron sich die politische Bühne mit Indiens Premier Narendra Modi teilte, der für eine menschenzentrierte KI jenseits von Washington und Peking wirbt, unterstreicht denselben Reflex: Souveränität wird als Wertegemeinschaft inszeniert, die offene Frage nach Compute, Kapital und Chips bleibt.

Joe Tsai Chairman at Alibaba Group bei der VivaTech | (c) brutkasten / Martin Pacher

„Souveränität ist keine Isolation, sie ist Offenheit aus einer Position der Stärke“, sagt Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger. Schön gesagt, nur verhandelte Europa diese Woche aus Abhängigkeit, nicht aus Stärke. Alibabas Joe Tsai formulierte es zynisch ehrlicher: Europa solle seine Eier in zwei Körbe legen. Ein zweiter Lieferant ist keine Unabhängigkeit. Und doch, hier wird es unbequem, ist Diversifizierung für eine Region, die den ganzen Stack realistisch nie allein bauen wird, womöglich nicht die feige, sondern die rationale Antwort. Die ehrliche Variante von Souveränität wäre dann nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit, den Lieferanten zu wechseln, wenn einer den Schalter umlegt, ohne dass das eigene Geschäft mit ihm stillsteht.

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Bleibt die Frage, die diese Ausgabe aufwirft. Dass Europa Souveränität will, bestreitet niemand. Die eigentliche Frage ist der Preis: höhere Kosten, langsamere Verfügbarkeit, weniger Zugriff auf das jeweils beste Modell. Und ob das Geld dafür da ist. Auf die USA entfallen rund 50 Prozent des globalen Risikokapitals, auf China 40, auf Europa fünf. Solange sich daran nichts ändert, bleibt Souveränität das würdevollere Wort für eine gut gemanagte Abhängigkeit. Die Fable-5-Woche hat Europa beides gegeben, den Schreck und die Ausrede. Welche Lehre hängen bleibt, entscheidet sich nicht in den Hallen von Porte de Versailles, sondern in den Beschaffungsabteilungen, die nächsten Monat wieder eine Lizenz verlängern müssen.

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