24.09.2019

Höhle der Löwen Folge 4: Georg Kofler rastet bei „Social Startup“ aus

In der vierten Folge der aktuellen Staffel von "Die Höhle der Löwen" ging es um Instant-Food, eine neuartige Nagelfeile und digitale Studienfinanzierung. Zudem konnte sich Investor Georg Kofler nicht im Zaum halten, redete sich in Rage und warf einem Startup "Heuchelei" vor.
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Höhle der Löwen, Dagmar Wöhrl, Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Judith Williams, Nils Glagau, deinestudienfinanzierung, LaRabollita, Instant, Georg Kofler
(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer - Bastian Krautwald, Alexander Barge und David Meyer präsentierten mit "deineStudienfinanzierung" eine Plattform, die das Investoren-Interesse erregte.
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Der Erste in der vierten Folge der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ war Koch Fabian Zbinden. Der gebürtige Schweizer hat mit LaRibollita (mittlerweile in Instant Fresh umbenannt) ein Fertiggericht entwickelt.

+++DeineStudienfinanzierung: Höhle der Löwen-Deal platzt nach Drehschluss+++

Die Instant Meals enthielten keine künstlichen Konservierungsstoffe, seien glutenfrei und vegan, pitchte der Gründer. Die Zubereitung sei einfach: Wasser kochen, aufbrühen und umrühren. Nach vier Minuten könnten die Mahlzeit gegessen werden. Die Verpackung könne man zudem klimaschonend im Altpapier entsorgen. Der Gründer wollte 42.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

LaRibollita: „Person vor Produkt“

Nach der Kostprobe, die allen Juroren mundete, meinte Carsten Maschmeyer, im Vergleich zu anderen Instant-Gerichten, sei LaRibollita „echtes Essen“. Der Gründer überzeugte mit seiner Einstellung und wurde vom Investor als Musterbeispiel für das Prinzip „Person vor Produkt“ gelobt. Jedoch sah Maschmeyer Probleme mit der Skalierbarkeit und stieg aus. Georg Kofler fiel es schwer, sich zu verabschieden, jedoch konnte er „dem Gründer nicht helfen“ und ging ebenfalls. Ralf Dümmel meinte indes, Zbindens Business sei ein „schweres Geschäft“, die 45 Tage-Haltbarkeit des Produkts wären ein Problem. Im Lebensmittelhandel seien im Sinne der Kühlketten-Lagerung die besten Plätze in Tankstellen oder Märkten hart umkämpft. Auch er ging ohne Deal-Angebot.

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(c) TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Fabian Zbinden kämpfte um ein Investment für sein Startup „La Ribollita“ (Instant Fresh).

Den Investor mal unterbrechen

Der Gründer gab nicht auf und pitchte weiter. Zbinden meinte, er könne sein Produkt auch „aus dem Kühlschrank“ bekommen, wenn nötig, aber prinzipiell handele es sich um ein gesundes Produkt mit Vitaminen. Als Neo-Löwe Nils Glagau bereits ansetzte, sich ebenfalls als Investor zu verabschieden, unterbrach ihn Zbinden und argumentierte erneut in seinem Sinne. Dies brachte den Investor dazu, doch noch ein Angebot zu machen: 42.000 Euro für 20 Prozent Anteile – wie gefordert.

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Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl wollte ebenfalls dabei sein und beriet sich mit Glagau. Die beiden Löwen kamen schlussendlich mit einem neuen Angebot zurück: zweimal 13 Prozent für insgesamt 66.000 Euro. Der Gründer schlug ein. Deal für LaRibollita.

Sirplus: 11 Millionen Euro Bewertung

Die zweiten bei „Die Höhle der Löwen“ waren Raphael Fellmer und Martin Schott. Mit Sirplus wollen sie den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung angehen. Das Unternehmen hat einen Onlineshop für abgelaufene, noch essbare Lebensmittel und sogenannte „Rettermärkte“, wo bereits abgelaufene, aber noch verwertbare Lebensmittel vor Ort erstanden werden können. Die Gründer wollten 700.000 Euro für 6 Prozent Anteile.

5 Jahre Geldtsreik

Nach dem Pitch lobte Ralf Dümmel das Thema des Startups und wollte mehr von den Gründern wissen. CEO Raphael Fellmer erzählte, er hätte fünf Jahre im „Geldstreik“ gelebt. Der Gründer habe aus Protest gegenüber der Verschwendung von Lebensmittel und als Erinnerung daran, dass weltweit 800 Millionen Menschen an Unterernährung leiden, in diesem Zeitraum kein Geld angenommen oder ausgegeben und als „Mülltaucher“ davon gelebt, was andere (etwa Supermärkte) weggeschmissen hätten.

Die hohe Bewertung komme deshalb zustande, so Fellmer, da Sirplus im Vorjahr 1,2 Millionen Euro Umsatz mit über 100.000 Kunden erwirtschaftete, über ein starkes Wachstum verfüge und als Ziel in den nächsten fünf Jahren über 130 Millionen Euro Umsatz habe – und das bei geplanten 26 Millionen Euro Gewinn.

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TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Investor Georg Kofler redete sich bei einem Startup ziemlich in Rage.

Eklat bei der „Höhle der Löwen“: „Moralaposteln als obergierige Kapitalisten“

Dies löste bei einem Investor Verärgerung aus. Georg Kofler störte sich am „moralisierenden Schöngerede vom Geschäftsmodell“. Er meinte, die Gründer würden nicht Lebensmittel retten, sondern ganz billig einkaufen und teurer Weiterkaufen. Es sei ein normales „kaufmännisches Geschäft“, ihr Auftritt jedoch wirke nach „Moralaposteln, die die Welt retten wollen“. Die Bewertung lasse die beiden Unternehmer als „obergierige Kapitalisten“ erscheinen.

„Kein besserer Mensch“

Nach dieser Rage, stoppte Kofler nicht und hakte nach, ob Fellmer während des Geldstreiks Steuergeld angenommen oder öffentliche Zuwendungen bezogen hätte. Es schien, als ob er den jungen Mann demaskieren wollte. Der Gründer gab zu, mit dem erhaltenem Kindergeld die Krankenversicherung bezahlt zu haben. Dies brachte den Investor dazu, dem geknickten Founder an den Kopf zu werfen, er solle in seiner moralisierenden Art und Weise nicht so tun, als ob er ein besserer Mensch wäre. Er fände dies unglaubwürdig.

„Gieriger als der freie Kapitalist“

Und es ging weiter. Kofler schaffte es nicht, sich zurückzuhalten und ging erneut auf die Bewertung ein, die er als absurd bezeichnete. Sinngemäß meinte er, die Gründer würden etwas von „Geldstreik“ erzählen und nun versuchen rasch zu Multi-Millionären zu werden. Das sei „gieriger als der freie Kapitalist“, der sich dazu bekenne. Er stieg aus.

Multi-Millionäre sind per Sie

Wo man jetzt ein Ende des Ausbruchs vermuten hätte können, irrte man als Zuseher erneut. Fellmer bedankte sich für das Statement und dutzte den Investor dabei. Dessen Reaktion: “ Wir sind nicht per Du. Unter Multi-Millionären ist man eine Weile per Sie“.

Bruch in der Erzählung

Maschmeyer ließ die Gründer danach nicht zu Wort kommen. Er fand die Aktionen des Gründers interessant, machte aber einen Widerspruch aus. Noch nie habe es in der Sendung ein Startup gegeben, dass davon sprach 26 Millionen Euro Gewinn zu machen. Das sei ein enormer Bruch vom Geldstreik zu dieser Zahl. Deshalb sei auch er raus. Und auch Dümmel verabschiedete sich.

Welt mit Geld verändern

Danach erklärte Fellmer, das weltweit jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel vernichtet würden. Es sei nicht möglich, dies alles mit „freiwilligem Engagement“ zu retten. Es gehe dem Team nicht ums Geld, sondern darum die Welt nachhaltig mit Geld zu verändern. Das sah Glagau ein, die Bewertung sei aber abschreckend – die Gründer hätten scheinbar kein Interesse an Investoren, sagte er und war ebenfalls raus.

Kein Deal für Sirplus

Dagmar Wöhrl schließlich fragte nach, warum das Duo eigentlich in der Sendung sei. Man brauche Hilfe dabei, Sirplus „groß zu machen“, so die Antwort. Die Grand Dame der Pitch-Show meinte danach, mit mehr Ehrlichkeit in Sachen „Geld verdienen“ und einer gänzlich anderen Attitüde hätten beide mit Sicherheit einen Investor gefunden. Auch sie verabschiedete sich als mögliche Investorin. Kein Deal für Sirplus.

Sirplus kein Sozialverein

Im Interview danach kamen beide Gründer auf ihre Pitch-Fehler zu sprechen und meinten, die Geschichte mit dem Geldstreik wäre eventuell zu viel gewesen. Sie zeigten sich sichtlich überrollt von der Tirade Koflers und erklärten, die Erwähnung des Gewinns von 26 Millionen Euro hätte eigentlich dazu gedient, den Investoren zu zeigen, dass Sirplus eine gewinnbringende Unternehmung wäre und kein Sozialverein. Sie selber hätten entschieden, 80 Prozent der Einnahmen in nachhaltige soziale Projekte und Vereine zu reinvestieren. „Wir wollen uns nicht bereichern“, so Fellmer.

Die Gründer, wie man im Nachspann des Auftrittes sehen konnte, hatten eine gänzlich falsche Einschätzung der Jury-Mitglieder. Sie dachten, so Fellmer abschließend, die Erwähnung des sozialen Aspektes würde die Investoren nicht interessieren, und dass deren Augenmerk bloß auf nackte Zahlen ausgerichtet sei. Ein grober Fehler, wie das Duo am Ende einsah.

Mia Mia: Nagelfeile mit Metall-Gitter-Struktur

Der nächste auf der „Höhle der Löwen“-Bühne war der Diplomingenieur Davor Petrovic. Der Wiesbadener hat mit Mia Mia ein Unternehmen aufgebaut, das eine ergonomische Nagelfeile produziert. Das Produkt sei dank der Metallgitter-Stuktur sowohl für Maniküre als auch für Pediküre geeignet, pitchte Petrovic.

Zufällig manikürt

Seine Produktidee fiel Petrovic bei der Arbeit in die Hände: beim Hantieren mit Bauteilen für Rauchwarnmelder entdeckte der Entwicklungsingenieur plötzlich seine spiegelglatten Fingernägel – offenbar durch ein spezielles Edelstahl-Metallplättchen zufällig „manikürt“. Der Entwicklungsingenieur wollte von den „Höhle der Löwen“-Juroren für die Vermarktung seiner Entdeckung 90.000 Euro für 25 Prozent Anteile haben.

Skeptische Wöhrl

Die neue (Hobel)-Methode, Nägel zu feilen, weckte besonders das Interesse von Beauty-Expertin Judith Williams. Sie inspizierte die im Studio frisch gehobelten Fingernägel von Dümmel und gab dazu Feiltipps. Sie erkannte, dass die Mia Mia-Feile nicht geeignet wäre, an die Ränder des Nagels zu gelangen. Der Gründer gab zu, dass dies genau der nächste Optimierungspunkt sei, den er angehen würde. Dagmar Wöhrl zeigte sich skeptisch gegenüber der Behauptung, dass Mia Mia auch für Hornhaut-Entfernung nutzbar sei.

Investierender Dümmel

Williams meinte danach, das Produkt müsse weiterentwickelt werden. Der Gründer eroberte aber die Herzen der Jury mit Humor und Visionen und bekam von Williams das gewünschte Angebot. Auch Ralf Dümmel wollte mitmischen und bot ebenfalls 90.000 Euro für 25 Prozent. Er bekam dann auch den Deal.

Medibino: Kissen gegen Kopfverformungen

Die vorletzte in der vierten Folge von „Die Höhle der Löwen“ war Susanne Kluba. Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin entwickelte mit ihrem Startup Medibino ein Babykopfkissen, das Schädel- bzw. Kopfverformungen bei Babys verhindern soll. Seit vielen Jahren behandelt die Ärztin Babys und Kleinkinder mit lagebedingter Plagiozephalie am Universitätsklinikum Tübingen. Das ergonomische Babykopfkissen soll Kopfverformungen durch eine gleichmäßige Druckentlastung entgegenwirken. Der Babykopfschutz bestehe zudem aus hochwertigen und hautfreundlichen Materialien, pitchte Kluba. Die Gründerin und ihr Team wollten von den „Höhle der Löwen“-Investoren 350.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

TVNOW/Bernd-Michael Maurer – Die „Löwen“ nehmen den Babykopfschutz „Medibino“ genau unter die Lupe.

Rückenlage oder nicht Rückenlage

Das Kissen von Medibino sei verstellbar und wachse sozusagen mit dem Baby mit, sagte die Gründerin. Die Erfindung ist patentiert und seit 2018 als Medizinprodukt zugelassen. Neben dem Kinderbett könne der Babykopfschutz auch im Kindersitz oder Kinderwagen angewendet werden. Dagmar Wöhrl merkte jedoch gleich an, dass Babys nicht unbedingt auf dem Rücken schlafen sollten. Dem widersprach die Gründerin mit einer offiziellen Studie zur optimalen Lage von Babys. Von der pedriatischen Gesellschaft aus den USA kam 1992 die Empfehlung, Babys in Rückenlage liegen zu lassen, um die Gefahr des plötzlichen Kindstod zu minimieren, erklärte sie.

Kein Deal für Medibino

Nachdem diese Thematik besprochen war, stieg zunächst Nils Glagau aus. Er zeigte sich skeptisch aufgrund der neuen Erkenntnisse und fand in Wöhrl eine Nachahmerin. Zwei Investoren waren damit draußen. Die Gründerin betonte daraufhin ihre Kompetenz und dass sie sich mit dem Thema über ein Jahrzehnt beschäftigt und darin habilitiert habe. Ralf Dümmel verließ den Lage-Diskurs und stieg aufgrund der zu hohen Firmenbewertung aus. Georg Kofler empfand das Produkt als „sinnvoll und liebenswert“, Medizinprodukte seien aber nicht sein Feld. Auch er ging ohne Investment.

Am Ende blieb Carsten Maschmeyer über, der selbst einmal Medizin studiert hatte. Er lobte die Dental- und Human-Ärztin „als Charakter“, jedoch sei diese Erfindung wenig innovativ. Auch er stieg aus und Medibino blieb bei „Die Höhle der Löwen“ ohne Investor über.

Digitale Studenfinanzierungs-Erleichterung

Den Abschluss der vierten Folge von „Die Höhle der Löwen“ bildeten David Meyer, Alexander Barge und Bastian Krautwald. Die Berliner kreierten mit DeineStudienfinanzierung eine digitale Plattform, die bei Studierenden Klarheit bei der Studienfinanzierung schaffen soll. Sie soll Studierende unter anderem bei der Antragstellung unterstützen, um Verschuldungen während des Studiums zu vermeiden. Umfasst werden dabei folgende Punkte: Überprüfung des Anspruchs auf BAföG, Studienkredit und Bildungsfonds Brain Capital, Berechnung der Höhe eines BAföG-Anspruchs, Formblätter erhalten und einreichen, und online Verträge unterschreiben.

+++ Finanzierung per Bootstrapping: Eine Anleitung für Neo-Gründer +++

Halbe Million Euro gesucht

In Deutschland hätten im vergangenen Jahr 250.000 Studierende ihr Studium aufgrund mangelnder finanzieller Mittel abgebrochen. Das führten die Gründer unter anderem auf Unwissenheit und die Bürokratie zur Beantragung von finanziellen Mitteln zurück. Sie wollten von den „Höhle der Löwen“-Juroren für ihre Online-Antragshilfe eine halbe Million Euro für 12,5 Prozent Beteiligung.

Williams‘ Studienabbruch

Dagmar Wöhrl hatte Probleme, die Idee aufzugreifen und stieg gleich am Anfang aus. Der Rest zeigte sich interessiert. Ralf Dümmel wollte seine Kollegen schocken und tat so, als ob er investieren möchte, wusste aber zu seinem Leidwesen nicht, wie er dem Trio helfen könne. Williams erzählte von ihrem Studienabbruch aufgrund einer Krankheit und den finanziellen Hürden, es danach wieder aufzunehmen. Sie erkenne die Sinnhaftigkeit der Plattform, stieg aber aus, da ihr das Know-How fehle, sagte sie.

Thelen: „Digitalisierung von Dokumenten eine Herzensangelegenheit“

Tech-Investor Frank Thelen nannte die Digitalisierung von Dokumenten eine „Herzensangelegenheit“, in die er viel Geld und Zeit investiert habe. Er fände, es brauche mehr Leute, die in Ruhe studieren könnten. Bezüglich der hohen Firmenbewertung erzählten die Gründer von einer bereits getätigten Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von drei Millionen Euro. Dabei seien Investoren wie Christian Gaiser, Kaufda-Gründer oder Lucas von Cranach, CEO & Founder von Onefootball.

Der „bescheidene“ Georg beim fünften „Höhle der Löwen“-Pitch

Thelen war beeindruckt und warb für sich als Partner mit seinem Netzwerk und Tech-Team. Jedoch wollte er 20 Prozent für 500.000 Euro haben. Medien-Investor Georg Kofler nannte sich in der Selbst-Darstellung bescheidener als Thelen und bot schlicht 500.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

Vorteil, einen Thelen zu haben

Die Gründer kamen mit einem Gegenangebot zurück. Aufgrund des bestehenden Investorenkreises könnte man für die halbe Million nicht mehr als 15 Prozent abgeben. Es gebe bestehende Absprachen. Thelen meinte, wenn er 17,5 Prozent Anteile bekäme, würde er den Investoren die Vorteile seines Einstiegs schon noch erläutern. Halbe-Million-Deal für die DeineStudienfinanzierung.

Anmerkung der Redaktion: Wie wir vom Gründer-Trio erfuhren gelang die Vereinbarung mit den Bestandsinvestoren letztendlich nicht – mehr dazu hier!


⇒ LaRibollita

⇒ Sirplus

⇒ Mia Mia

⇒ Medibino

⇒ DeineStudienfinanzierung

⇒ DHDL-Folgen zum Nachsehen auf TVNOW

⇒ DHDL

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Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

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