02.01.2026
ANOTHER EARTH

Grazer Startup von Maya Pindeus setzt auf synthetische Erdbeobachtungsdaten

Dazu erhielt Another Earth über die AI Factory Austria AI:AT Zugang zum europäischen Hochleistungsrechner-System EuroHPC.
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Das Gründer:innen-Duo von Another Earth Maya Pindeus, CEO, und Felix Geremus, CTO | © Another Earth
Das Gründer:innen-Duo von Another Earth Maya Pindeus, CEO, und Felix Geremus, CTO | © Another Earth

Bekannt sind sie bislang vor allem aus dem Bereich personenbezogene Daten, um Analysen durchführen zu können, ohne in Konflikt mit dem Datenschutz zu kommen. Doch auch in anderen Bereichen spielen synthetische Daten eine immer größere Rolle. Die KI-generierten Datensätze sind zwar fiktiv, weisen aber die selben Eigenschaften auf, wie entsprechende reelle Daten, und sollen sich so für repräsentative Analysen eignen. Das Grazer Startup Another Earth setzt das Prinzip im Bereich Erdbeobachtungsdaten um.

Warum das? Zwar geht es bei Geodaten nicht um Datenschutz, wohl aber um Datenverfügbarkeit und Kosten. Another Earth synthetisiert etwa optische Satellitenbilder, Landnutzungsdaten und Höhenmodelle. Diese sollen ergänzend zu reellen Daten Analysen in Bereichen wie Klimaforschung, Energieversorgung, Krisen- und Katastrophenmanagement, Stadtplanung oder Präzisionslandwirtschaft ermöglichen. Damit schaffte das von aws und FFG unterstützte Unternehmen es unter anderem auch in den ESA-Inkubator BIC.

KI-Veteranin Pindeus als Co-Founderin und CEO

Hinter dem Startup steht mit Maya Pindeus eine der profiliertesten heimischen KI-Entrepreneurinnen. Mit ihrem später verkauften Londoner KI-Startup Humanising Autonomy, das auf das Verstehen menschlichen Verhaltens im Straßenverkehr spezialisiert war, machte sie unter anderem durch große Finanzierungsrunden auf sich aufmerksam. Nach einem Intermezzo mit der „Responsible AI“-Education-Reihe „Our AI Future“ (brutkasten berichtete) gründete sie 2024 gemeinsam mit Felix Geremus, seines Zeichens ebenfalls erfahrener KI-Entrepreneur, Another Earth.

Zugang zu europäischem Hochleistungsrechner-Netzwerk

In Sachen Rechenleistung bekommt das Grazer Startup Unterstützung vom Konsortium AI Factory Austria AI:AT. Über dieses erhält Another Earth Zugang zum europäischen Hochleistungsrechner-Netzwerk EuroHPC. „Unsere Modelle sind extrem rechenintensiv. Durch die AI Factory Austria konnten wir früh auf EuroHPC-Infrastruktur zugreifen und unsere Experimente auf leistungsfähiger GPU-Hardware durchführen. Dieser Zugang hat unseren Entwicklungsprozess deutlich beschleunigt und erweitert unser Innovationsspektrum erheblich“, sagt Co-Founder und CTO Geremus in einer Aussendung dazu.

Von dem Angebot sollen in nächster Zeit noch mehr Unternehmen profitieren, wie Thomas Mayerhofer, Head of Innovation Center der AI Factory Austria AI:AT, erklärt: „Wir sind bereits im Austausch mit weiteren Unternehmen, die ähnliche Bedarfe haben – und begleiten sie dabei, ihre Vorhaben effizient innerhalb der AI Factory Austria und des europäischen AI-Factories-Netzwerks umzusetzen.“

Unterstützung gibt es dafür auch von Innovationsminister Peter Hanke, der kommentiert: „Für KI-gestützte Weltraumanwendungen, Erdbeobachtung und nachhaltige Ressourcennutzung eröffnet der Zugang zu europäischen Supercomputern völlig neue Potenziale – von Klimaanalysen über Monitoring bis hin zu resilienter Infrastruktur. Die AI Factory Austria schafft dafür eine klare Schnittstelle und stärkt Österreichs Wettbewerbsfähigkeit. Sie ermöglicht anspruchsvolle Anwendungen und schafft Vertrauen in die Technologien von morgen.“

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Mistral.
© LinkedIn/Canva - Arthur Mensch, Co-Founder und CEO Mistral AI.

Drei Milliarden Euro. Das ist die Summe, die der französische Anthropic- und OpenAI-Herausforderer Mistral in seiner heute verkündeten Series-D-Finanzierungsrunde aufnahm. Es ist die größte VC-Runde für ein Tech-Unternehmen in der europäischen Geschichte – und das für ein gerade einmal drei Jahre altes Unternehmen.

Den Lead in der Runde übernahm mit Samsung – wenig überraschend – ein außereuropäischer Player. Dazu kommen große US-Investoren wie PSG Equity als Co-Lead, a16z und Nvidia, aber auch eine ganze Reihe europäischer Kapitalgeber, darunter der Scaleup Europe Fund der schwedischen EQT als weiterer Co-Lead.

Keine normalen Umstände

Drei Milliarden Euro. Eine Bewertung von 21 Milliarden Euro. Das sollte unter normalen Umständen ein Garant für den großen Durchbruch sein. Zum Vergleich: Meta (damals Facebook) genügten vor seinem Börsengang insgesamt 2,27 Milliarden US-Dollar VC-Kapital, um sich im Social-Media-Wettlauf klar an die Spitze zu setzen und zum Tech-Giganten zu werden.

Doch die Umstände sind nicht normal. Der KI-Wettlauf hat die Volumina an VC-Kapital vor allem in den USA auf ein nie dagewesenes Level gehievt. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat allein in seiner Series-H-Runde im Mai dieses Jahres 65 Milliarden US-Dollar aufgenommen und steht bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar. OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat diesen März in seiner Finanzierungsrunde sogar 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt und steht bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar.

Beim insgesamt aufgenommenen Kapital steht Mistral (ca. 6 Mrd. Euro inklusive Kredite) in einem Verhältnis von etwa 1:19 zu Anthropic (mindestens 130 Mrd. US-Dollar) und 1:26 zu OpenAI (mindestens 180 Mrd. US-Dollar). Das wird im beinharten internationalen Tech-Wettlauf vermutlich nicht ausreichen.

Digitale Souveränität als Verkaufsargument

Und das weiß man auch beim französischen Scaleup. Der größte Trumpf, den es in der Hand hat, ist, dass es aus Europa kommt. Punkten kann das Unternehmen vor allem bei den Themen Digitale Souveränität und Datensicherheit. Und das wiederum sind Fragen, die im B2B- und vor allem im öffentlichen Bereich deutlich schwerer wiegen als im B2C-Bereich, den aktuell Anthropic, OpenAI und Google dominieren.

„Während der ersten Welle der generativen KI lautete die zentrale Frage: Wer kann das leistungsstärkste Modell entwickeln? Unternehmen und Regierungen stellen sich nun eine andere Frage: „Wie können sie die Leistungsfähigkeit der KI für ihre geschäftskritischen Anforderungen nutzen, ohne die Kontrolle über die Infrastruktur und den Informationskreislauf abzugeben?“, heißt es von Mistral in der Presseaussendung zur aktuellen Kapitalrunde.

Die Frage will man freilich mit dem eigenen Produkt beantworten. „Die Nachfrage nach dieser Kombination aus Leistung, Kontrolle, Auswahlmöglichkeiten und Unabhängigkeit nimmt weltweit zu“, ist man sich sicher. Und Mistral sei das weltweit einzige KI-Unternehmen, das den gesamten Stack entwickle, der dafür erforderlich ist: „Open-Weight-Modelle, die Infrastruktur und die Rechenkapazität, auf der sie laufen, und die Produkte, mit denen sie in den Unternehmen wirksam werden“.

Ausstehender Beweis

Dass diese Argumente angesichts des europäischen Diskurses durchaus valide sind, liegt auf der Hand. Ob die Rechnung am Ende auch betriebswirtschaftlich aufgeht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Mistral bekommt durch die Mega-Runde genug Luft, um sich innerhalb Europas weiterhin im öffentlichen und im Unternehmenssegment zu etablieren. Doch dass das ausreicht, um das eingesetzte Kapital (mehrfach) zurückzuspielen, muss erst bewiesen werden.

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