13.09.2023

Future of Work: Vom Onboarding-Buddy und „Quiet Hiring“

Im neuen HR Trend Report 2023, basierend auf mehreren von Capterra durchgeführten Studien, werden fünf der wichtigsten Bereiche der "Future of Work" analysiert, die entscheidend für die Mitarbeiter:innenbindung sind.
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Work of Future, Zukunft der Arbeit, work buddy, Quiet Hiring, Quiet Quitting
(c) Stock.Adobe/fizkes - Veränderte Bedingungen der Arbeitswelt stellen Abteilungen vor neue Aufgaben.

Heutzutage haben besonders HR-Abteilungen mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Eine umkämpfte Talentlandschaft, eine erschöpfte Belegschaft, Kostendruck sowie der Aufstieg von Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung verlangen einen neuartigen Umgang von Unternehmen mit der Arbeiterschaft. Um Mitarbeiter:innen in Unternehmen zu halten und für neue Talente attraktiv zu sein, ist es wichtig, sich mit der Zukunft der Arbeit (Future of Work) und einer menschenzentrierten Arbeitsgestaltung zu befassen. Zu dieser Erkenntnis kam die Software-Bewertungsplattform Capterra durch ihren „HR Trend Report 2023“, der sich auf drei Studien stützt.


Studie zur Arbeitszufriedenheit in Unternehmen: Für diese Studie führte Capterra im Juni und Juli 2023 eine Online-Umfrage unter 1039 Angestellten aus Deutschland durch.

Studie zur generativen AI-Nutzung: Für diese Studie führte Capterra im Zeitraum im Juni 2023 eine Online-Umfrage unter 517 Mitarbeitern aus Deutschland durch, die generative KI mindestens ein paar mal pro Monat für ihre Arbeit nutzen.

Studie zur Unternehmenskultur: Für diese Studie führte Capterra im Juni 2022 eine Online-Umfrage unter 993 Angestellten aus Deutschland durch.


Der Report ergab unter anderem, dass 38 Prozent der Angestellten vorhaben, ihr aktuelles Unternehmen zu verlassen. Davon beabsichtigen 17 Prozent innerhalb von zwölf Monaten zu gehen, sieben Prozent innerhalb der nächsten Jahre und 14 Prozent haben es vor, ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen.

Dem Report nach werden auch Technologien, die darauf abzielen, die Arbeit zu ergänzen oder zu automatisieren, die Fähigkeiten, Rollen und Arbeitsabläufe grundlegend verändern.

KI macht produktiver und senkt Kosten

In Capterras Studie zur generativer KI am Arbeitsplatz gaben etwa 90 Prozent der Nutzer:innen an, dass sie aufgrund von generativer KI produktiver sind. Außerdem meinten 64 Prozent, dass die Technologie ihrem Unternehmen Kosten einspare.

Beteiligte wurden auch zu ihren ethischen Bedenken bezüglich der Technologie befragt. Lediglich drei Prozent der Studienteilnehmer:innen sagten, dass sie keine Bedenken im Zusammenhang mit der Nutzung generativer KI-Tools haben. Unter dem Rest der KI-User:innen sind die drei größten Bedenken: Datenschutz und Datensicherheit (50 Prozent), übermäßiges Vertrauen in KI (47 Prozent) und Vernichtung von Arbeitsplätzen (36 Prozent).

Zudem glauben 56 Prozent der Befragten, dass generative KI bereits heute fast bis zu einem Drittel ihre Arbeit ersetzen könnte.

„Die Personalabteilung spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Belegschaft auf die Auswirkungen dieser neuen Technologien vorzubereiten. Um auf die durch KI entstehenden Veränderungen reagieren zu können, sollte ein Ansatz bestehen, mit dem Fähigkeiten im gesamten Unternehmen ständig überwacht und analysiert werden können“, sagt Ines Bahr, Senior Content Analystin bei Capterra.

Wohlbefinden am Arbeitsplatz und Buddies

Weitere Erkenntnisse drehen sich rund um das Thema soziale Beziehungen am Arbeitsplatz. 62 Prozent der Befragten gaben an, dass ein gutes Verhältnis zu anderen Angestellten der wichtigste Faktor für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz sei. Erst danach folgen: einer sinnvollen, erfüllenden Arbeit nachzugehen, das Gehalt und eine gesunde Work-Life-Balance.

„Es ist besonders wichtig, den Onboarding-Prozess zu optimieren, damit neue Angestellte einen guten Einstieg in das Unternehmen haben. Hierfür kann ein Onboarding-Buddy bestimmt werden, der den neuen Kollegen oder die neue Kollegin nicht nur bei beruflichen Fragen unterstützt, sondern sie bzw. ihn auch in das Team einführt, zum Mittagessen begleitet, das Büro zeigt usw.”, so Bahr weiter.

Quiet Quitting vs Quiet Hiring

Auch Quiet Quitting war ein Thema des Reports. Bei dieser „stillen Kündigung“ tun Mitarbeiter:innen nur das Minimum ihres Jobs, um ihn zu behalten. Um dem entgegenzuwirken, wird geraten auf „Quiet Hiring“ zu setzen. Hierbei werden Angestellten neue Aufgaben zugeteilt, bei denen sie neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben.

Die Möglichkeiten zu lernen, Fähigkeiten zu verbessern und Weiterbildungen zu nutzen, zählt einer der drei Studien nach für 25 Prozent der Angestellten zu den wichtigsten Faktoren für die Arbeitszufriedenheit. Außerdem ist für 34 Prozent der Mitarbeiter:innen die Fähigkeit, Wissen zu vermitteln, das die allgemeinen Fertigkeiten der Angestellten verbessert, die wichtigste Qualität, die Führungskräfte haben sollten.

Bahr erklärt dazu: „Die Bereitstellung von Weiterbildungsmöglichkeiten steigert die Mitarbeitermotivation und das Engagement und fördert zudem die Talentbindung. Das ‚Quiet Hiring‘ ist auch mit der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz besonders wichtig. Aufgaben bzw. Aufgabenbereiche einiger Mitarbeiter können durch die Technologie übernommen werden, sodass eine Weiterbildung oder Umschulung wichtig wird, um diese in anderen Bereichen einzusetzen.“

Home-Office gegen Toxizität

Auch die Stimmung im Büro hat Capterra thematisiert. Und Folgendes herausgefunden: Unternehmen, die hybride Arbeitsformen und die Arbeit im Home-Office ermöglichen, bieten ihren Beschäftigten nicht nur mehr Flexibilität, sondern haben auch einen weiteren Vorteil. Das Arbeiten im Home-Office kann toxische Verhaltensweisen am Arbeitsplatz verringern.

Denn 31 Prozent der Angestellten berichten von weniger Streitigkeiten am Arbeitsplatz, seit sie auf Hybrid- oder Fernarbeit umgestiegen sind. Außerdem fühlen sich 22 Prozent wohler, toxisches Verhalten am Arbeitsplatz zu melden, seit sie zu Hybrid- oder Fernarbeit an ihrem aktuellen Arbeitsplatz gewechselt haben.

„Eine stressfreie Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich die Belegschaft wohlfühlt, ist entscheidend für die Mitarbeiterbindung. In einem hybriden Umfeld fühlen sich die Mitarbeiter wohl, jedoch kann die Verbundenheit zwischen Angestellten durch das Hybrid-Modell verloren gehen. Die Stärkung der kulturellen Verbundenheit ist der Schlüssel für einen erfolgreichen und nachhaltigen hybriden Arbeitsplatz“, erklärt Bahr.

Der nette Chef…

Abschließend bezieht sich die Software-Firma auf eine Gartner-Studie, in der 90 Prozent der HR-Manager:innen der Meinung sind, dass künftiger Erfolg von Führungskräften verlangt, „menschlicher zu agieren“. Allerdings seien nur etwas mehr als 25 Prozent „menschliche Führungskräfte“. Gartner nach steige diese Zahl auf fast 50 Prozent, wenn die Personalabteilung einen menschlichen Ansatz zur Unterstützung der Führungskräfte einsetzt.

„HR kann Workshops durchführen, die sich auf soziale und emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeiten, Empathie und Konfliktlösung konzentrieren“, rät Bahr. „Diese Fähigkeiten sind zentral für einen menschlichen Führungsstil.“

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Die beiden kokei-Geschäftsführer Nima Derakhshan und Alexander Groll am Standort des übernommenen Transportbetriebs Winkler F & S Transport in Hörsching. | (c) kokei

Die klassische Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie verliert in Österreich zunehmend an Bedeutung. Eine aktuelle Studie von Creditreform Österreich und CH Consult zeigt: 45 Prozent der befragten Unternehmen benötigen bis 2030 eine Nachfolgelösung. Bereits 40 Prozent planen dabei eine Übergabe außerhalb der Familie, etwa durch den Verkauf an Investoren oder die Übernahme durch das Management.

Genau hier setzt die 2025 gegründete kokei Nachfolge GmbH an. Ein bekanntes Gesicht der österreichischen Startup-Szene hat die Idee dazu ins Rollen gebracht: Daniel Horak, Mitgründer der Finanzierungsplattform CONDA. Durch Gespräche mit Unternehmen wurde er auf die zunehmende Nachfolgeproblematik im österreichischen Mittelstand aufmerksam. Gemeinsam mit Alexander Groll, Nima Derakhshan und Dirk Littig entwickelte sich daraus das heutige Geschäftsmodell. Das Wiener Unternehmen will profitable österreichische KMU übernehmen und langfristig weiterführen. Anders als klassische Private-Equity-Gesellschaften setzt kokei dabei nicht auf einen gewinnbringenden Weiterverkauf.

Erste Übernahme eines Transportbetriebs

Mit der Winkler F & S Transport GmbH aus Hörsching hat kokei seine erste Beteiligung übernommen. Der auf spezialisierte Stück- und WAP-Frachten ausgerichtete Transportbetrieb beschäftigt 55 Mitarbeitende und verfügt über rund 40 Fahrzeuge. „Aus unserer Sicht ist Winkler eben ein Hidden Champion in einer attraktiven Nische“, sagt kokei-Mitgründer und Co-CEO Nima Derakhshan. Der Familienbetrieb in zweiter Generation sei bereits profitabel und verfüge über weiteres Wachstumspotenzial.

Da die Kinder des bisherigen Eigentümers Felix Winkler andere berufliche Interessen verfolgen, fehlte dem Familienbetrieb in zweiter Generation eine interne Nachfolge. Trotz weiterer Kaufangebote habe sich Winkler bewusst für kokei entschieden, erklärt Derakhshan. Von den konkreten Übernahmegesprächen bis zum Abschluss verging etwas mehr als ein Jahr.

Digitalisierung und neue Geschäftsführung bei Winkler

Die operative Geschäftsführung hat kokei-Co-CEO Alexander Groll übernommen, Felix Winkler bleibt während einer Übergangsphase weiterhin eingebunden. Seit der Übernahme im Frühjahr 2026 hat kokei bei Winkler bereits Veränderungen angestoßen. Dazu zählen ein neues Transportmanagementsystem, digitalisierte Prozesse und eine Neuausrichtung des Fahrer-Recruitings. Auch der Einstieg in die E-Mobilität wird vorbereitet.

Langfristig will kokei zentrale Dienstleistungen für sämtliche Beteiligungen aufbauen. Bereiche wie Personalwesen, IT, Marketing, Controlling und Recht sollen künftig unternehmensübergreifend unterstützt werden. Dadurch sollen sich die übernommenen Betriebe stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Auch bei der Geschäftsführung verfolgt kokei einen operativen Ansatz. Während Groll den ersten Betrieb selbst leitet, sollen künftig weitere Geschäftsführer eingesetzt werden. Dafür steht das Team bereits mit potenziellen Kandidaten in Kontakt. Auch geeignete Mitarbeitende aus den übernommenen Unternehmen kommen infrage. Das Wiener Unternehmen will dabei weiterhin eng in die operative Entwicklung eingebunden bleiben.

Zwei bis drei weitere Übernahmen pro Jahr geplant

Bei weiteren Übernahmen ist kokei grundsätzlich branchenoffen. Gesucht werden profitable österreichische KMU mit einem EBITDA ab rund 500.000 Euro, idealerweise einer Million Euro. Die Umsatzrentabilität sollte mindestens zehn Prozent betragen. Die Umsatzobergrenze liegt bei rund 30 Millionen Euro. Sanierungsfälle schließt kokei grundsätzlich aus.

Für die Auswahl nutzt das Unternehmen einen standardisierten Kriterienkatalog. Potenzielle Übernahmekandidaten werden anhand verschiedener Faktoren mit Punkten bewertet. Erfüllt ein Unternehmen die Anforderungen, folgt eine vertiefte Prüfung. Aktuell befindet sich kokei laut Derakhshan mit rund vier Unternehmen in konkreten Gesprächen. Wöchentlich würden etwa ein bis zwei weitere Betriebe geprüft. Mittelfristig strebt das Team durchschnittlich zwei bis drei Übernahmen pro Jahr an.

Langfristige Beteiligungen statt schneller Weiterverkauf

Die Beteiligungen werden gemeinsam mit einem Netzwerk langfristig orientierter Co-Investoren finanziert. Diese werden für jede Transaktion individuell ausgewählt. Dabei achtet kokei insbesondere auf unternehmerische Erfahrung und Interesse an der jeweiligen Branche.

Eine feste Exit-Strategie verfolgt kokei nicht. Stattdessen sollen die übernommenen Unternehmen langfristig gehalten werden und durch laufende Gewinnausschüttungen Erträge für die Investoren erwirtschaften. Einen späteren Verkauf schließt Derakhshan bei einem außergewöhnlich attraktiven Angebot allerdings nicht grundsätzlich aus.

„Wir wollen ein Portfolio von Unternehmen aufbauen. Nach dem Prinzip eines unternehmerischen Zinshauses: stabile Erträge, langfristige Wertsteigerung“, sagt Derakhshan. Durch die langfristigen Beteiligungen an unterschiedlichen österreichischen KMU sollen deren Gewinne Dividendeneinnahmen ermöglichen. Potenzial sieht Derakhshan jedenfalls genug. Eine Herausforderung sei weniger die rechtliche Situation als vielmehr die heimische Unternehmenskultur. Der Verkauf eines Familienunternehmens an Dritte werde hierzulande teilweise noch skeptisch gesehen. Dabei könne eine externe Übernahme eine sinnvolle Alternative zur klassischen Familiennachfolge darstellen.

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