11.05.2022

Foreus: Wiener Startup jagt Krypto-Räuber auf der Blockchain

Betrug, Phishing, gehackte Wallets – das neue Wiener Startup Foreus hilft, wenn Kryptowährungen gestohlen werden. Auch Banken gehören zu den Kunden.
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Stefan Embacher hat Foreus Blockchain Analytics mitgegründet © brutkasten Media
Stefan Embacher hat Foreus Blockchain Analytics mitgegründet © brutkasten Media

Das neue Wiener Startup Foreus hat eine Software entwickelt, mit der gestohlene Kryptowährungs-Beträge aufgespürt werden können. Zu den Kunden zählen auch Banken, die damit Herkunftsnachweise von größeren Summen erstellen. Co-Founder Stefan Embacher hat das notwendige Wissen und Handwerk dazu in den USA gelernt, unter anderem bei dem bekannten Sicherheitsunternehmen Palantir. Sein Mitgründer Albert Sperl war im österreichischen Verteidigungsministerium und ist auf Krypto-Forensik spezialisiert. Er habe selbst erlebt, wie das ist, „in den falschen ICO zu investieren“, erzählt Embacher dem brutkasten. Und sich dann mit Sperl Gedanken über die Aufklärung von Betrugsfällen im Kryptobereich gemacht und in den USA entsprechende Ausbildungen absolviert. 2021 haben sie Foreus Blockchain Analytics mitgegründet.

Den Weg von Kryptowährungen visualisieren

Die zwei typischen Fälle, für die Foreus beauftragt wird, sind Kapitalanlagebetrug, also etwa „Investments“ in ICOs, deren Anbieter dann mit dem Geld abhauen, und Hackerangriffe – entweder über Phishing oder mit Lösegeldforderungen. Foreus übernehme in solchen Fällen die „kryptoforensische Aufarbeitung“, wie Embacher erklärt. „Wir visualisieren den Weg des Geldes grafisch mit einer Software und können feststellen, wo die Gelder jetzt liegen und ob es einen Zugriff darauf gibt“, so der 30-jährige Firmengründer.

Ob es eine Chance gibt, das Geld wieder zu bekommen, hänge von der jeweiligen Situation ab. Jedenfalls braucht es dafür Anwälte, die bei Foreus laut Embacher immer hinzugezogen werden. „Die forensische Aufarbeitung alleine kann Wochen dauern. Dann hängt es davon ab, in welchen Ländern das Geld liegt und ob Rechtsmittel möglich sind“. Anwälte würden sich um den letzten Schritt der Aufklärung kümmern – die Schnittstelle, an der der Personenbezug zu den Tätern hergestellt wird. Das passiert, wenn es gelingt, mitunter auch über Serviceanbieter, die KYC-Prozesse (Know Your Customer) ihrer Nutzer:innen und Kund:innen durchführen.

Mehr Informationen als im Blockchain-Explorer

Das Herzstück von Foreus ist die Software. Grundsätzlich kann man Transaktionen auf einer Blockchain öffentlich einsehen. Aus den Daten schlau zu werden, ist aber nicht so einfach. „Wir visualisieren die Transaktionen und ermöglichen so eine zielgerichtete Suche. Wir bekommen über unsere Software mehr Informationen als über den üblichen Blockchain-Explorer im Browser. Zum Beispiel über das Wallet, wann es angelegt wurde, welches Handelsvolumen bereits über das Wallet abgewickelt wurde. Alle diese Informationen suchen und analysieren wir. Daraus entstehen Wahrscheinlichkeitsableitungen und dann zu rechtlichen Handlungsempfehlungen führen“, erklärt Embacher im brutkasten-Talk.

Im B2B-Bereich arbeitet Foreus für Banken, die einen Herkunftsmittelnachweis brauchen, wenn größere Summen von Kryptowährungen in Währungen wie Euro oder Dollar gewechselt werden. Bisher kommen solche Kunden aus der Schweiz und Liechtenstein – das junge Startup will diesen Bereich aber stark ausbauen. Finanziert ist Foreus bisher aus dem eigenen Cashflow.

Stefan Embacher von Foreus im brutkasten-Talk

https://www.youtube.com/watch?v=T1kvkI64_K8
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Das Arivo-Gründerteam (v.l.) Dominik Wieser und Philipp Reitter © Arivo

Vor einem halben Jahrzehnt titelte brutkasten: „Nie mehr Parktickets“. Damals trat das 2017 gegründete Grazer Startup Arivo an, um die Schrankenanlagen dieser Welt ins digitale Zeitalter zu holen (hier geht es zum damaligen Artikel). Spult man fünf Jahre vor, hat das Gründer-Duo bestehend aus Dominik Wieser und Philipp Reitter laut eigenen Angaben dieses Ziel weitgehend erreicht und das Geschäftsmodell zusätzlich strategisch weiterentwickelt.

Vom Einzelsystem zum Parking Ökosystem

„Unser Ziel war immer, das Parken digital und einfach zu machen – das haben wir mittlerweile eigentlich schon erreicht“, blickt Wieser im Gespräch mit brutkasten zurück. Das Grazer Unternehmen versteht sich in der Zwischenzeit als Anbieter eines ganzheitlichen Park-Ökosystems. Dabei kombiniert man eigens entwickelte Hardware mit modularen Software-Anwendungen wie digitaler Kundenverwaltung oder Pre-Booking-Lösungen.

Dieser technische Ansatz ermöglicht es Betreiber:innen, vom Hotel bis zum Skigebiet, ihre Flächen effizienter auszulasten und durch datenbasierte Angebote Zusatzumsätze zu generieren. Laut Wieser verzeichnen Kunden dadurch teils bis zu 40 Prozent mehr Umsatz. Auf rund 1.500 Flächen ist die Technologie mittlerweile im Einsatz.

Die Arivo Hardware im Parkhaus der Messe Graz © Arivo

Zweistellige Millionenumsätze & der Schlüssel zum Erfolg

Arivo arbeitet laut eigenen Angaben profitabel und verzeichnet mittlerweile einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich. 70 Prozent davon erwirtschaftet das Grazer Scaleup im Ausland, wobei Deutschland den mit Abstand stärksten Markt bildet.

Das Team ist auf knapp 100 Köpfe angewachsen und belegt im Grazer Headquarter inzwischen zwei Stockwerke. Für Wieser liegt genau hier der größte Lernprozess und der Schlüssel zum Erfolg: „Was sich schon immer wieder bestätigt ist, dass eigentlich alles an den Leuten hängt“. Trotz steigender Mitarbeiterzahlen habe man es geschafft die hands-on-Mentalität nicht zu verlieren.

„Wir suchen Leute, die nicht sagen: Das war immer schon so, sondern die auch hinterfragen und eigenständig Themen übernehmen, ownen und weitertreiben.“, erklärt Wieser. Aktuell hat Arivo einige Stellen im Softwaredevelopment ausgeschrieben und überlegt auch einen zusätzlichen, kleinen Standort in Klagenfurt aufzubauen.

Der bargeldlose Arivo Screen im Parkhaus der Messe Graz © Arivo

Bootstrapping statt VC-Millionen

Trotz des starken Wachstums bleibt Arivo weiterhin komplett eigenfinanziert. Anfragen externer Kapitalgeber schlägt das Gründerteam konsequent aus: „Ich glaube, es kommen jede Woche fünf Mails wo irgendwer sagt, er möchte investieren. Aber wir finden es sehr angenehm, nicht von Investoren abhängig zu sein“, gibt sich Wieser im Gespräch pragmatisch.

Die strategische Linie bleibt damit unverändert klar: Das Scaleup plant, den DACH-Raum vorerst aus eigener Kraft weiter zu durchdringen. Lediglich für eine spätere Internationalisierung über diesen Kernmarkt hinaus schließt der Gründer eine Finanzierungsrunde in der Zukunft nicht gänzlich aus.

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