12.08.2019

Prognose: Weiter exponentielles Wachstum bei E-Scootern

Das Beratungsunternehmen Arthur D. Little geht trotz regulatorischer Hürden weltweit von einer mehr als Verzwanzigfachung der E-Scooter-Sharing-Flotten in den kommenden vier Jahren aus.
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E-Scooter: Diese Verkehrsregeln gelten ab 1. Juni 2019
(c) Dominik Perlaki / der brutkasten: E-Scooter am Gehsteig vor dem Wiener weXelerate

Nicht nur weil sie ähnlich oft unsachgemäß abgestellt werden, wird die E-Scooter-Flut, die derzeit in europäischen Städten zu erleben ist, häufig mit jener der gelben Sharing-Fahrräder verglichen, die bekanntlich unrühmlich wieder zu Ende ging. Dass die E-Roller tatsächlich das gleiche Schicksal erleiden, glaubt man beim Beratungsunternehmen Artur D. Little aber nicht. Im Gegenteil: Man prognostiziert eine glorreiche Zukunft.

+++ Fokus-Channel: Mobilität +++

2,6 Millionen Sharing-E-Scooter im Jahr 2023?

Von weltweit derzeit ca. 110.000 sollen die globalen E-Scooter-Sharing-Flotten demnach bis 2023 exponentiell auf 2,6 Millionen Stück anwachsen. 2025 soll der weltweite E-Roller-Sharing-Markt die 50 Milliarden US-Dollar-Grenze überschreiten. Getrieben werden soll dieses enorme Wachstum durch die Erschließung weiterer Städte. Denn derzeit sind E-Scooter-Sharing-Services erst in weltweit 125 Städten verfügbar – 100 davon in den USA. In Europa sind es zur Zeit des Berichts erst 20, wobei alleine der Anbieter Bird plane, noch dieses Jahr in 50 weiteren europäischen Städten zu starten.

Bird und Lime schnellste Unicorns in der Startup-Geschichte

Bird ist eines von zwei E-Roller-Unicorns. Konkurrent Lime ist mit 2,4, Bird mit zwei Milliarden US-Dollar bewertet. Die beiden seien jene Unternehmen in der Startup-Geschichte, die den Unicorn-Status am schnellsten erreicht hätten, merkt Arthur D. Little im Bericht an. Lime ist im Februar, Bird im September 2017 gegründet worden. Rund 1,2 Milliarden US-Dollar wurden in den vergangenen zwei Jahren in insgesamt 20 Player am Markt investiert. Lime hat etwa die Google-Mutter Alphabet und Uber an Bord, Bird ist mit (u.a.) Sequoia und Valor durch klassische VCs finanziert.

Regulatorische Hürden überwindbar

Regulatorische Hürden für E-Scooter-Betreiber und -Nutzer sieht Arthur D. Little als überwindbar. Insgesamt zehn Punkte seien in dem Feld User-seitig zu beachten, darunter etwa die bekannten Knackpunkte Wegnutzungsrechte, Abstellmöglichkeiten und Fragen der Haftpflicht. Die beteiligten Stakeholder, also etwa Kommunen, zu involvieren und einen Test- und Lern-Ansatz zu verfolgen, sei dabei unbedingt notwendig. Auf Seiten der Betreiber seien etwa mögliche Gebühren und Monitoring-Pflichten zu beachten.

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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

„Für das zweite Quartal könnten die Vorzeichen kaum schlechter stehen“, zitierte brutkasten Venionaire im April zur Veröffentlichung des European Venture Sentiment Index für das erste Quartal. Doch – wie so oft – kam es dann doch anders. Die im ersten Quartal durch den Angriff der USA auf den Iran hervorgerufene Krise schlug sich nämlich – anders als etwa die Krise nach Beginn des Ukraine-Kriegs – nicht auf die Risikokapital-Volumina nieder.

Die Zahlen sahen laut Venionaire-Analyse im zweiten Quartal nämlich gut aus: Die Gesamtinvestitionen am europäischen Risikokapitalmarkt nahmen weiter zu und erreichten mit 29 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekord. Weiters konnte auch die reine Deal-Anzahl um rund fünf Prozent auf 965 Deals gesteigert werden.

(c) Venionaire Capital

Knapp negativer Indexwert – abermals pessimistischer Ausblick

Dennoch sind die für den quartalsweisen Index befragten Investor:innen nicht in Jubelstimmung. Der Indexwert liegt mit 4,8 knapp unter der neutralen Marke 5. Er ist damit besser als der Wert im Vorquartal und besser als der für das Quartal erwartete Wert (siehe Grafik), aber immer noch nicht positiv. Auch die Erwartung für das kommende Quartal ist mit 4,4 wieder schlechter. „Die Zahlen zeichnen ein positiveres Bild als die Stimmung. Investor:innen sind weiterhin zurückhaltend und warten mit Investments“, analysiert Berthold Baurek-Karlic, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Venionaire Capital AG.

(c) Venionaire Capital

Man erkenne eine leichte Stabilisierung, so Baurek-Karlic weiter zum Index-Wert. „Zwar erwarten Investor:innen mehr Aktivität und Wettbewerb im dritten Quartal, doch die großen Sorgen rund um geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheit sind aber weiterhin da.“ Es verwundere also nicht, dass der erwartete Index-Wert lediglich 4,4 betrage. Investor:innen würden kurzfristig ohne verlässlichen Ausblick auf die kommenden Quartale agieren, meinen die Analysten von Venionaire Capital.

DeepTech im Vorteil

Und langfristig könnte sich eine Veränderung der Investitionskriterien abzeichnen, erwarten die Analysten. Effizienz und Produktdifferenzierung würden zunehmend als Grundvoraussetzungen gelten. In den Mittelpunkt rücke stattdessen die Frage, ob ein Unternehmen über einen dauerhaft verteidigungsfähigen Wettbewerbsvorteil verfüge. „Investoren hinterfragen verstärkt, ob KI-basierte Produkte tief in Infrastruktur und Arbeitsabläufen verankert sind oder lediglich auf bestehenden Basismodellen aufsetzen. Geschäftsmodelle, deren Kernfunktion kurzfristig von einem großen KI-Anbieter in dessen Plattform integriert werden könnte, werden entsprechend kritischer bewertet“, so Baurek-Karlic.

Davon würden insbesondere Bereiche mit höheren technologischen und physischen Eintrittsbarrieren profitieren, darunter DeepTech, Biotechnologie, Hardware, Robotik und fortschrittliche Fertigung. „Vielleicht stehen wir vor einem goldenen Zeitalter der DeepTech-Unternehmen“, mutmaßt der Venionaire-Gründer.

Größte Runden und stärkste Länder

Diese Erwartungen würden sich in den Top-Investments des zweiten Quartals widerspiegeln: Mit Eurowind Energy (2,3 Mrd. US-Dollar, Energie- und Abfallwirtschaft), Isomorphic Laboratories (2,1 Mrd. US-Dollar, KI-Biotechnologie) und Stegra (1,6 Mrd. US-Dollar, erneuerbare Energien) seien die größten Finanzierungsrunden an Unternehmen gegangen, die nicht einfach vom Markt verdrängt werden können. Im europäischen Risikokapital-Länderranking führte einmal mehr das Vereinigte Königreich (12,3 Mrd. US-Dollar) überlegen vor Deutschland (3,6 Mrd. US-Dollar) und – überraschend dank Eurowind Energy – Dänemark (3 Mrd. US-Dollar).

(c) Venionaire Capital

Und wie geht es weiter? Baurek-Karlic analysiert: „Der Risikokapitalmarkt befindet sich momentan im Wandel. Investor:innen sind bereit, mehr Kapital zur Verfügung zu stellen, wollen dafür aber auch ein gewisses Maß an Sicherheit. Auch im dritten Quartal werden es etabliertere Unternehmen mit einem felsenfesten Geschäftsmodell leichter haben.“

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