21.11.2025
CLOUD-SERVICES

Europa: Digitale Souveränität wird zum Großthema

Österreich initiierte jüngst eine "Declaration on European Digital Sovereignty", die von allen 27 EU-Mitgliedstaaten unterstützt wird. Profitieren könnte davon auch der in Kärnten ansässige Cloud-Anbieter Anexia. Gründer Alexander Windbichler sprach zum Thema im brutkasten-Talk.
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Anexia-Gründer Alexander Windbichler im brutkasten-Talk | (c) brutkasten / Dervisevic
Anexia-Gründer Alexander Windbichler im brutkasten-Talk | (c) brutkasten / Dervisevic

Erst der Ukraine-Krieg, dann Donald Trump: Die geopolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre befeuern zusehends eine Diskussion rund um Abhängigkeiten Europas. Das Wort der Stunde lautet „Souveränität“ – auch und vor allem im Digital-Bereich.

Daten-Einblick und „Killswitch“

Im Cloud-Computing ist die Rechtslage in den USA eindeutig – und das im Zweifelsfall sehr zu Ungunsten Europas. Der Patriot Act und der Cloud Act führen nicht nur dazu, dass US-Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft oder Google US-Behörden auf Weisung Einblick in Daten auf ihren Servern gewähren müssen – selbst wenn diese in der EU stehen. Sogar eine Weisung zur Abschaltung durch die US-Regierung ist rechtlich möglich.

Alexander Windbichler, Gründer und Group CEO des in Kärnten ansässigen Cloud-Anbieters Anexia, nennt das im brutkasten-Talk einen „Killswitch“. „Um es sehr plakativ auszudrücken: Trump könnte sagen: ‚Gebt mir Grönland, oder ich schalte Europa die Cloud ab“, warnt der Gründer. Und er präzisiert: „Das würde bedeuten, dass keine Züge mehr fahren, keine Post mehr zugestellt wird, kein Zahlungsverkehr mehr geht und so weiter und so fort. Das sehe ich als Europäer einfach als großes Problem.“

EU-Politik könnte Anexia zugute kommen

Anexia könnte freilich sehr von verstärkten europäischen Bemühungen zur digitalen Souveränität im Cloud-Bereich profitieren. Schon jetzt betreibt das Unternehmen weltweit mehr als 100 Server-Standorte und wächst stetig weiter. Es gehe aber nicht darum, etwas gegen die USA zu haben. Er wünsche sich „eine Partnerschaft auf Augenhöhe“ sagt Windbichler über die europäisch-amerikanischen Beziehungen im Digital-Bereich – und gibt damit wohl auch das Ziel aus, das er für sein Unternehmen im Vergleich zu den großen US-Anbietern hat.

Einem entsprechenden Push von politischer Seite könnte die EU nun tatsächlich einen Schritt näher sein. Denn jüngst unterzeichneten alle 27 Mitgliedsstaaten die von Österreich initiierte „Declaration on European Digital Sovereignty“. „Alle haben die Wichtigkeit verstanden. Nun haben wir ein gemeinsames Ziel und haben den Weg dorthin festgelegt. Denn digitale Souveränität ist Sicherheitspolitik, Innovationspolitik und Demokratiepolitik zugleich“, kommentiert Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll in einer Aussendung. „Digitale Souveränität heißt, dass Europa selbst entscheidet, wie es seine Technologien nutzt, Daten schützt und Innovationen gestaltet – unabhängig, sicher und im Einklang mit unseren Werten.“

US-Anwendungen auf europäischen Servern

Auch Windbichler begrüßt die EU-Erklärung und kommentiert: „Die digitale Souveränität Europas ist kein Traum, sondern ein realistisches Ziel.“ Europa habe „zahlreiche starke Unternehmen, die diese Aufgabe stemmen können und wollen“. Dazu wäre aber gewiss noch einiges an Arbeit zu leisten und Infrastruktur zu schaffen. Globale Anbieter dominieren aktuell noch den Markt in Österreich wie eine umfassende Erhebung durch A1 vergangenes Jahr zeigte (brutkasten berichtete).

Sie werden nicht zuletzt auch wegen ihrer mit den Cloud-Diensten verknüpften global verbreiteten Software-Anwendungen genutzt. Für Windbichler stellt das im brutkasten-Talk kein Hindernis dar: „Microsoft hat super Produkte. Wir verwenden ja genauso Teams. Mein Ansatz ist: Ich möchte weiterhin diese Produkte nutzen, aber digital souverän in Europa ohne ‚Killswitch‘. Und zu einem fairen Lizenzpreis.“ Dann würden auch tatsächlich beide Seiten profitieren, meint der Gründer.

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Eine Auswahl an Speaker:innen von brutkasten MOMENTUM

Am 5. November öffnet das Wiener Palais Berg seine Türen für eine Premiere: Erstmals findet brutkasten MOMENTUM statt, das neue Flagship-Innovationsevent von brutkasten. Rund 300 kuratierte Gäste aus der Startup-, Investment- und Innovationsszene kommen zusammen – invite only, ohne Ticketverkauf und ohne Messestände. Der Anspruch: Gespräche zwischen Menschen, die man sonst selten gemeinsam in einem Raum antrifft.

Genau darin liegt die Stärke von brutkasten und MOMENTUM. Gründer:innen, Investor:innen, Corporate-Entscheider:innen sowie Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft begegnen einander hier auf Augenhöhe – ein Netzwerk, wie es in Österreich nur selten so geballt zusammenkommt. Die Türen öffnen um 14:30 Uhr, danach führt ein hochkarätiges Bühnenprogramm durch den Nachmittag, ehe der Tag mit der Verleihung des Innovator of the Year seinen feierlichen Höhepunkt erreicht.

Zwei Formate unter einem Dach

MOMENTUM und der Innovator of the Year sind zwei eigenständige Formate, die an diesem Tag unter einem Dach zusammenfinden: Ab 15:30 Uhr gehört die Bühne den Panels und Keynotes, am Abend folgt im Rahmen von MOMENTUM die feierliche Award Ceremony, bei der brutkasten die innovativsten Köpfe des Landes vor den Vorhang holt. Über allem steht eine Frage, die das gesamte Ökosystem beschäftigt: Was braucht es, damit aus guten Ideen richtig große Unternehmen werden?

Hochkarätiges Lineup für Österreichs exklusivstes Innovationsevent

Antworten darauf liefern jene, die es wissen müssen: Auf der Bühne treffen Gründer:innen, die es geschafft haben, auf Investor:innen und Konzernlenker:innen, die den Wandel vorantreiben. Etwa Julian Teicke: Der Seriengründer hat als CEO das Insurtech wefox zum Unicorn gemacht und ist heute Founding Investor bei The Delta. Gemeinsam mit Codesphere-Gründer Elias Schneider, der eine europäische Alternative zu den US-Hyperscalern aufbaut, geht er der Frage nach, ob man für echtes Wachstum in die USA muss – oder ob Europa selbst skalieren kann.

Ganz persönlich wird es im Kamingespräch mit Damian Izdebski. Wie nur wenige in der heimischen Szene hat der techbold-Gründer die Höhen und Tiefen des Unternehmertums erlebt. Er erzählt, was er nach Pleite und Neustart beim zweiten Mal anders gemacht hat, bis hin zum erfolgreichen Exit. Für den krönenden Abschluss des Bühnenprogramms sorgt Sarah Buchner, Gründerin und CEO von Trunk Tools, mit ihrer Keynote zu Risiko und Mut. Zwei Eigenschaften, die am Abend auch bei der Award Ceremony im Mittelpunkt stehen.

Dazwischen bildet das Programm die ganze Bandbreite des Ökosystems ab: Alexander Brix (fonio.ai) und Petra Dobrocka (byrd) sprechen über die Schlüsselmomente beim Skalieren, Business Angel Felix Porsche und Stiftungsvorstand Johannes Braith (RMF Privatstiftung, Franziska Fries Privatstiftung) über Familien- und Stiftungsgeld für Startups, Gerhard Schwarz (Swarovski), Matthias Leibetseder (WaVe-X) und Michael Harnisch (BCG) darüber, wie aus Innovation in etablierten Unternehmen tatsächlich neues Geschäft wird. Matthias Fukac (CeLLAI) und Andreas Gruber (NT-X Technology) rücken bahnbrechende Technologien made in Austria ins Rampenlicht.

Innovator of the Year: die Bühne für Österreichs Innovator:innen

Um 19:15 Uhr wird es feierlich. Mit dem Innovator of the Year holt brutkasten heuer bereits zum sechsten Mal die innovativsten Köpfe des Landes vor den Vorhang. Vergeben wird der Award in drei Kategorien: Startups, Scaleups und Corporate Innovation. Die Nominierten hat die brutkasten-Redaktion in einem sorgfältigen Auswahlprozess bestimmt, über die Sieger:innen hat die Community per Voting entschieden. Die Eröffnungsrede zur Verleihung hält Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Nach der Verleihung ist der Abend noch lange nicht vorbei: Beim anschließenden Networking bleibt bei Drinks Zeit, mit den Gewinner:innen anzustoßen, die Gespräche des Nachmittags weiterzuführen und neue Kontakte zu knüpfen.

10 Tickets zu gewinnen

Wer noch keine Einladung hat, kann trotzdem dabei sein: brutkasten verlost 10 Tickets für MOMENTUM und die Innovator of the Year Award Ceremony.


Möglich gemacht wird MOMENTUM von unseren Partner:innen BCG, Polestar, der Österreichischen Notariatskammer, der St. Martins Therme & Lodge und dem Science Park Graz.

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