EU-Reglementierungen befassen sich immer öfter mit Digitalisierung und Startups. Schon vor dem Bekanntwerden des neuen Richtlinienentwurfs für Messenger-Dienste wurde die geplante Aufhebung der Restriktionen für Sharing-Economy-Unternehmen heftig diskutiert. Und auch Steuerbestimmungen sind immer wieder ein Thema.
In den vergangenen Tagen sorgte eine Meldung der Financial Times für Aufregung: Die EU-Kommission plane, Messaging-Dienste wie Skype und Whatsapp strikteren Regulierungen zu unterwerfen, wie sie auch für herkömmliche Telekom-Anbieter gelten. Hauptsächlich gehe es dabei darum, strengere Sicherheits- und Vertraulichkeitsauflagen einzuhalten, berichtet die Financial Times. Ihr liegt der Entwurf der EU-Kommission zur Überarbeitung der Telekom-Richtlinien vor. Während es bislang kaum Regelungen für Internet-basierte Messaging-Dienste gab, sieht der Entwurf nun vor, zu regulieren, wie Geld mit Nutzerdaten verdient werden darf und wie die Anbieter mit Anfragen von Sicherheitsbehörden umzugehen haben. Offiziell soll der Entwurf im September präsentiert werden.
Obwohl die Kommission im Telekommunikationsbereich also stark durchgreifen möchte, hat sie in anderen Branchen die Richtlinien gelockert. Im Bezug auf die Sharing-Economy soll ein Leitlinien-Katalog der Kommission strengen Restriktionen, wie es sie bisher in einzelnen Mitgliedsstaaten gab, einen Riegel vorschieben. Konkret bedeutet das, dass die Länder für Unternehmen wie den Fahrtendienst Uber oder die Wohnungsvermittlungsplattform Airbnb keine erschwerten Rahmenbedingungen schaffen dürfen. Drei Kritierien muss ein Unternehmen erfüllen, um durch die neuen Richtlinien geschützt zu sein: Die Firma muss Steuern zahlen, die Rechte der Verbraucher achten und Sozial- und Arbeistrechtsvorschriften beherzigen. Ziel des Leitlinien-Katalogs zur Sharing-Economy ist es, die neuen Geschäftsmodelle nicht zu benachteiligen.
Mehrwertsteur-Regelung für Startups problematisch
Für weniger gute Laune in der Startup-Szene sorgte hingegen eine Regelung aus dem Vorjahr. Diese sieht vor, dass Produkte im B2C-Bereich künftig dem Mehrwertsteuersatz des Landes unterliegen, in dem sie in Anspruch genommen werden. So soll verhindert werden, dass Einnahmen über Länder mit geringer Mehrwertsteuer abgewickelt werden. Für Startups und Kleinstunternehmen ist die dadurch entstehende Steuerbelastung aber ein erhebliches Hindernis in der Wachstumsphase.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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