23.08.2019

Wer für Employee Experience im Unternehmen zuständig ist

Im zweiten Gastbeitrag der Serie über Employee Experience erläutert Experte Maximilian Lammer, wer im Unternehmen für das Thema verantwortlich ist - vom CEO über die HR-Abteilung bis zum einzelnen Mitarbeiter.
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Employee Experience
Der CEO spielt bei der Employee Experience ebenso eine Rolle wie die HR-Abteilung und einzelne Mitarbeiter. (c) fotolia / Rido

Gleich vorweg: Die Zuständigkeit für Employee Experience verteilt sich auf verschiedene Ebenen und Funktionen im Unternehmen, mit unterschiedlicher Intensität und Rolle. Wichtig ist ein gemeinsames Mindset und Verständnis für die positive Entwicklung, die durch eine gute Gestaltung des Erlebnisses Job möglich ist. Das aktive Zusammenwirken und die gemeinsame Anstrengung aller ist das größte Erfolgskriterium.

Die Bedeutung des CEO und der HR bei Employee Experience

Wenn man Employee Experience verortet, dann kann man einige Positionen und Funktionen herausgreifen und ihre Verantwortung konkreter definieren – nämlich das C-Level, die Personalabteilung, die Führungskräfte und schließlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In einigen Unternehmen wurde für Employee Experience ein eigenes Team (in oder neben der HR) installiert, so beispielsweise beim FinTech N26. Ein anderes (ehemaliges) Startup, nämlich Airbnb, räumt Employee Experience so großen Stellenwert ein, dass der CHRO abgeschafft wurde und dafür ein CXO – ein Chief Experience Officer – ernannt wurde.

+++Teil 1 der Serie: Was ist Employee Experience und warum werden Unternehmen darin investieren?+++

Die größten Erfolge werden jene Unternehmen feiern, in denen die Initiative für Employee Experience direkt und maßgeblich vom CEO ausgeht. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass die Notwendigkeit in einem anderen Teil des Unternehmens erkannt wird und als strategisches Projekt an die Geschäftsführung herangetragen wird. Das braucht dann vielleicht stärkere Überzeugungskraft und Überredungskunst – insbesondere durch Zahlen und Fakten.

+++Mehr Tipps zu Human Ressources im HR-Channel des brutkasten+++

Die Plattform für die aktive Gestaltung von Employee Experience ist in weiterer Folge natürlich die Personalabteilung. Dort wird koordiniert, gemacht und gemessen. Eine moderne Erlebnisgestaltung braucht – so wie wir es aus dem Marketing bereits kennen – auch regelmäßige Messung, Adaption, Iteration, Feedback. In diesem Zusammenhang sprechen wir unter anderem von „People Analytics“ als neue Disziplin, die neue Skills und Profile in HR notwendig macht.

+++Mitarbeiter finden mit der Jobplattform des brutkasten+++

Der Fokus auf Employee Experience – mit seinen drei Dimensionen Arbeitsplatz, Tools und Kultur – hebt aber auch den internen Status von HR auf ein neues Bedeutungslevel. Spätestens dann ist HR die zentrale Unit im Unternehmen – die dann auch maßgeblichen Einfluss auf mitarbeiterzentrierte Entscheidungen von IT oder Facility Management hat.

Die Rolle der direkten Vorgesetzten

Eine sehr große Rolle für die Verwirklichung und Gestaltung eines guten „Erlebnisses Job“ fällt natürlich auch allen Führungskräften zu. Kaum etwas macht so viel aus wie das Verhalten von Managern und direkten Vorgesetzten. Nicht umsonst hört man oft: „People do not leave jobs, they leave bosses“. Google hat sich (wie viele andere auch) beispielsweise sehr intensiv damit auseinandergesetzt, um die 10 Eigenschaften zu benennen, die eine gute Führungskraft heute ausmachen. Alle Unternehmen denken über die Entwicklung ihrer Führungskräfte nach – das Verständnis und Mindset für Employee Experience, das sehr viel mit diesen 10 Eigenschaften zu tun hat, sollte eventuell ein Bestandteil bei diesen Programmen sein.

+++Mehr über Employee Experience am EX Summit (27. April 2020, weXelerate, Wien)+++

Bleibt noch der Beitrag jedes/r einzelnen: Die Gestaltung  von Employee Experience braucht den aktiven Input der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, somit hat jede/r eine Mitverantwortung für ein gutes Gelingen sowie Ownership in diesem Prozess. Denn: Employee Experience wird mit den Menschen gemacht, nicht für sie.


Über den Autor

Max Lammer ist Solopreneur, Trainer und Employee Experience Designer. Auf Basis seiner Erfahrung mit vielen Unternehmen – von klein bis multinational – und aus unterschiedlichen Blickwinkeln, ist er der Überzeugung, dass Employee Experience das entscheidende strategische Handlungsfeld für Organisationen egal welcher Größe und Branche ist – für mehr wirtschaftlichen Erfolg, sowie Zufriedenheit der Mitarbeiter und Kunden.

Seine berufliche und unternehmerische Erfahrung im Zusammenhang mit Innovation, Digitalisierung und New Work ist unter anderem geprägt durch beispielsweise die Initiative „Innovation to Company“ in der er etablierte Unternehmen und Startups zusammen bringt, oder das Projekt des zukunftsweisenden Innovationscampuskonzept „Talent Garden“ in Österreich . Außerdem hat er mehrere Jahre aktiv in einem österreichischen Technologiestartup mitgearbeitet.

Als Trainer und Solopreneur begleitet er Projekte zur Entwicklung von Innovationsstrategien und digitaler Transformation (in 8 Schritten) sowie zur „New World of Work“, und unterrichtet an Unis und bei Corporates mit Schwerpunkten auf Startup-Methoden, Employee Experience und Innovation. 

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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