23.06.2021

Das waren die fünf Finalisten beim RBI Elevator Lab Demo Day 2021

Der Elevator Lab Demo Day der Raiffeisen Bank International (RBI) fand am 10. Juni 2021 statt - erstmals vollständig online. Der Award für den besten Pitch ging an das tschechische Fintech Zentity.
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RBI Elevator Lab Demo Day
Der Elevator Lab Demo Day fand am 10. Juni statt. | Foto: RBI
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Traditionell endet das Partnership-Programm des Elevator Lab der Raiffeisen Bank International (RBI) mit einem Demo Day, bei dem die teilnehmenden Fintechs ihre Leistungen präsentieren können. So war es auch dieses Mal – eine Premiere war allerdings, dass der Demo Day am 10. Juni 2021 aufgrund der Covid-19-Pandemie erstmals rein online stattfand.

In einem neuen und rein digitalen Format präsentierte sich auch der CEE Fintech Atlas, der ebenfalls am Demo Day vorgestellt wurde. Der Atlas liefert einen Überblick über die gesamte Fintech-Startup-Szene im Raum Zentral- und Osteuropa (CEE). Auf diesem Weg will die RBI ihre Expertise zu Fintech-Startups, aber auch generell zu Technologie- und Digitalisierungsthemen einem breiteren Publikum zugänglich machen. Außerdem soll der Atlas zu einem stärkeren Austausch zwischen Bankenbranche und Fintech-Startup-Community beitragen. Er wird regelmäßig aktualisiert.

Einen Eindruck von Fintechs aus der Region lieferte dann auch der zweite Teil der Veranstaltung: Dort präsentierten sich die Startups, die an den unterschiedlichen Tracks des diesjährigen Partnership-Programms des Elevator Lab teilgenommen haben. Außerdem war auch der Gewinner der regionalen Elevator Lab Challenge für Bosnien & Herzegowina, Kroatien und Serbien mit dabei.

Das Elevator Lab Partnership-Programm untersützt Later-Stage-Startups aus dem Fintech-Bereich über vier Monate und wird von der RBI mit ihren Tochterbanken im Raum Zentral- und Osteuropa (CEE) organisiert. Die regionale Challenge wiederum bietet Jungunternehmen die Möglichkeit, mit Branchenexperten zu arbeiten und die dabei entwickelten Lösungen ins System der regionalen Raiffeisenbanken einzubinden.

Diese fünf Finalisten präsentierten ihre Video-Pitches beim Demo Day:

iFactor

Das 2016 in Rumänien gegründete Unternehmen ist das erste Fintech, das einen hybriden Marktplatz für alternative KMU-Kredite anbietet. Auf diesem sollen Klein- und Mittelunternehmen (KMU) auf der Suche nach Liquidität einerseits mit Banken, aber andererseits auch mit Privatinvestoren zusammengebracht werden. iFactor hat am „Advanced Analytics and Loyalty Solutions“-Track des Elevator-Lab-Programms teilgenommen.

Synerise

Ebenfalls am „Advanced Analytics and Loyalty Solutions“-Track des Programms teilgenommen hat das polnische Finteh Synerise. Das Unternehmen wurde 2013 gegründet und ist in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Big Data und Advanced Analytics aktiv. Synerise hat viele globale Firmenkunden angezogen und arbeitet derzeit mit einigen der größten Einzelhandels- und Finanzdienstleistungsunternehmen der Welt zusammen.

Finlync

Finlync wiederum hat den Anspruch, Unternehmensfinanzierung schneller, sicherer und intuitiver zu gestalten. Dafür hat das 2015 gegründete Unternehmen native Treasury-Apps entwickelt, die Corporate Treasurern die vollständige und direkte Kontrolle über ihre Daten geben. Finlync kommt aus dem „Value added Services“-Tracks des Elevator-Lab-Programms.

Zentity

Zentity hat seinen Hauptsitz in Tschechien und weitere Niederlassungen in der Slowakei, Ungarn und den USA. Das Unternehmen bietet eine Plattform an, die es den Kunden ermöglicht, mehrere Dienste von Drittanbietern zu nutzen, ohne separate Apps herunterladen zu müssen. So sollen alle Leistungen in einer App gebündelt werden. Zentity hat bereits mehr als 110 Lösungen auf Basis seiner Produkte an Unternehmen in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika ausgeliefert. Das Fintech hat am „Bank as a platform“-Track des Elevator-Lab-Programms teilgenommen.

IPification

Neben den Fintechs aus dem Elevator-Lab-Programm war beim Demo Day auch der Gewinner der regionalen Elevator Lab Challenge in Bosnien & Herzegowina, Kroatien und Serbien vertreten – und das war dieses Mal IPification. Das Unternehmen bietet innovative Lösungen für die mobile Client-Authentifizierung – ohne Credentials, Token oder Gesichtsscans. Die Lösungen des Unternehmens werden aktuell von rund 550 Mio. Nutzern weltweit verwendet.

Best Pitch Award geht an Zentity

Im Anschluss an die Präsentationen stimmte das Publikum über den besten Pitch ab – der Sieg ging dabei an das tschechische Fintech Zentity. Damit auch die Vernetzung nicht zu kurz kam, hatten die Teilnehmer nach der Bekanntgabe des Gewinners die Möglichkeit, sich virtuell an den Ständen der Fintechs umzusehen und auszutauschen.

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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