06.10.2025
HUMABLY

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

Carina Zehetmaier und Gabriele Bolek-Fügl, ehemalige Präsidentin und Vize-Präsidentin von Women in AI Austria, haben die KI-Plattform Humably gegründet. Die Lösung richtet sich an Unternehmen, die sich auf die kommenden Anforderungen des AI-Acts vorbereiten und ihre Governance- und Compliance-Prozesse verbessern wollen. Die Gründerinnen erzählen über das "neu Denken" von Webseiten, rechtliche Konformität und berichten über ein geleaktes Dokument, das die Problematik bei KI-Nutzung verdeutlicht.
/artikel/ehemalige-woman-in-ai-fuehrung-gruendet-neue-ki-plattform-150-000-e-foerderung
humably, paiper one, women in ai
© zVg - CarinaZehetmaier (l.) und Gabriele Bolek-Fügl.

Carina Zehetmaier und Gabriele Bolek-Fügl sind Seriengründerinnen und waren lange Jahre als Präsidentin und Vize-Präsidentin bei Women in AI Austria tätig, bevor sie im März 2025 ihre Posten abgaben und nun im Beirat vertreten sind – brutkasten berichtete.

Humably entsteht

Beide haben bei ihrer langjährigen Arbeit festgestellt, dass sie besonders gut zusammenarbeiten – auch unter großem Druck. Also blieben sie nach vier Jahren als Führung einander treu und es folgten gemeinsame Workshops und Begleitung von Unternehmen hinsichtlich KI-Nutzung. Bis Bolek-Fügl einen Vorschlag machte: „Ich habe zur Carina gesagt, wir könnten natürlich weiterhin Workshops anbieten, aber so skalieren wir nicht. Eine Plattform für Themen wie AI-Act, Governance und AI-Compliance wäre doch eine gute Idee.“

So entwarf man den KI-Assistenten Humably (Human Enablement), hinter dem die Firma paiper.one steht, die es bereits seit über einem Jahr gibt; und die sich momentan in einem Re-Branding befindet, wie die beiden Founderinnen erklären. Dafür gab es eine aws-AI-Adoption-Förderung in Höhe von 150.000 Euro.

Zehetmaier verfügt durch ihre Arbeit als „Chairwoman of the Working Group“ bei Austrian Standards und als „Member of the Austrian AI Advisory Board“ über ausreichend Erfahrung im KI-Bereich. Bolek-Fügl hat mit ihrem Unternehmen Compliance 2b und als Projektberaterin von „Fair AI“ ebenfalls das nötige Know-how, um, wie beide sagen, aus der Vor-Front heraus, die wichtigsten Fragen zum EU-AI-Act und AI-Compliance zu klären und zu erklären.

Denn, mit der nächsten Umsetzungsphase des AI-Acts kommenden Sommer kommen auch verschiedene Fragen auf Unternehmer:innen zu, die sie sich bereits heute stellen sollten: „KI-Kompetenzen müssen alle aufbauen“, mahnt Zehetmaier. „Gibt es Maßnahmen, um die Kompetenz zu sichern; wenn ja, welche? Wie sieht es mit Transparenzpflichten aus? Etwa bei Chatbots, Verpflichtungen, Rollen und Risikostufen, die einhergehen. Unser Assistent stellt die richtigen Fragen, um zu eruieren, wo das Unternehmen steht. Wir merken, hier in Österreich herrscht ein großer Bedarf.“

Neue Rollen benötigt

Zu den Kunden der Plattform gehören bereits die Stadt Leoben oder Haus der Barmherzigkeit, wo man Belegschaften in KI-Basis-Kenntnissen schult. „Zusätzlich erarbeiten wir generelle Schulungsvideos für Organisationen basierend auf internen Vorgaben – Lern-Content speziell mit Avatar-Videos. Weil sich so schnell viel in diesem Bereich verändert und Anpassungen per Avatar leichter umsetzbar sind“, sagt Zehetmaier.

Die Arbeit in Unternehmen ändere sich gerade dort, wo KI eingesetzt werde. Man müsse viel mehr auf Datenqualität achten, denn beim Befüllen von KI-Systemen könnten Abweichungen und Fehler große Effekte auf Unternehmen haben, erklärt Bolek-Fügl: „Wir brauchen neue Rollen, die darauf achten, dass alles korrekt funktioniert.

„Laptop lebt?“

Beide Founderinnen wissen, dass es Leute gibt, die bei diesem Thema Widerstand in sich tragen. Das sei zum Teil dem Namen geschuldet, dem man dieser Art von Software verpasst habe: Künstliche Intelligenz. „Manche haben den Eindruck, dass ihr Laptop irgendwie ‚lebt‘ und wollen das nicht“, erklärt Zehetmaier. „Dem ist natürlich nicht so. Wir haben bisher gelernt, mit einer regelbasierten Software umzugehen, nun sind nicht-regelbasierte Systeme dran. Wir geben in unseren Kursen Menschen die Sicherheit, diese Art zu beherrschen.“

Das betrifft rechtliche und ethische Aspekte sowie ein Grundverständnis von Datenschutz und Urheberrecht. Aus Sicht von Zehetmaier gibt es in Unternehmen sehr wohl einzelne Personen, die Handlungsbedarf sehen – HR, Culture-Management oder Compliance-Officers – jedoch werde diese Einstellung von oben oftmals nicht gelebt.

„Ich beobachte in Gesprächen, dass das Commitment von oben fehlt. Das ist ein riesiges Hemmnis. Wenn die Leadership-Ebene es nicht für gut befindet, haben Mitarbeitende auch Zurückhaltung. Das ist sehr herausfordernd. Je weniger ich als Organisation weiß, was passiert, desto größer die Risiken“, sagt Zehetmaier. Sie rät dazu, auf Organisationsebene den Umgang mit KI nicht allein Mitarbeitenden zu überlassen, sondern einen Verhaltenskodex zu implementieren: „Ich muss klar sagen: Was dürfen sie, was nicht? Wie gehen wir mit Daten um?“

Webseiten neu denken

Bolek-Fügls Erfahrung nach warten viele Unternehmer noch ab, was sie als großen Fehler ansieht, weil die Konkurrenz bereits viel weiter sei. „Ein konkretes Beispiel ist die Google-KI-Unterstützung“, sagt sie. „Viele Personen suchen (Anm.: beim Googeln) nicht mehr die Homepages auf, was schlicht bedeutet, man muss die eigene Website anders gestalten als früher. So, dass sie für den KI-Algorithmus interessant ist und ins Sprachmodell hineinpasst.“

Beide Founderinnen richten daher einen Dringlichkeitsappell an Unternehmer:innen. Man müsse sich jetzt mit Risikomanagement beschäftigen, um für diverse Situationen bereit zu sein. Ein Beispiel aus Zehetmaiers jüngster Vergangenheit verdeutlicht, was man im Entrepreneurship künftig ebenso bedenken muss.

Ein Leak

Bei einer internen Sitzung einer Konferenz wagt die Gründerin ein kleines Experiment und forderte ChatGPT auf, alles zu einem bestimmten Thema herauszufinden. Die Folge: Die KI „leakte“ ein geheimes Dokument, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. „Es gibt ein großes Potential, dass Sachen ans Licht kommen, die unter das Geschäftsgeheimnis fallen“, sagt sie.

Die Echtheit des besagten Dokuments wurde bestätigt und sorgte für einen großen Schock, so Zehetmaier weiter. Es wurde mittlerweile entfernt.

Bolek-Fügl weist hier darauf hin, dass bereits eine einfache Übersetzungsaufforderung von Mitarbeiter:innen – aus dem Englischen ins Deutsche – dazu führen könnte, dass betriebsfremde Personen mit den richtigen Prompts leicht Dinge über Unternehmen herausfinden könnten und das auch rechtliche Folgen nach sich ziehen kann.

„Auf rechtlich-konformer Ebene bleiben“

Oder wie Zehetmaier sagt: „In Hochrisikobereichen, wo Compliance nötig ist, können Mitarbeitende leicht in solche verbotenen Sphären eintreten. Das lässt sich aber mit einem klaren Kodex, Schulungen und Prozessen zur Behandlung von Use-Cases verhindern. Man darf sich nicht nur die Tools ansehen, sondern auch die Einsatzgebiete beim AI-Act. Damit man auch auf der rechtlich-konformen Ebene bleibt.“

Deine ungelesenen Artikel:
03.07.2026

Mehr Laborflächen für Spinoffs: XISTA Science Park eröffnet weiteren Bauteil

Der XISTA Science Park in Klosterneuburg wurde um einen neuen Bauteil erweitert. Auf 3.000 Quadratmetern entstehen neue Labore, in denen das Biotech-Spinoff Solgate als erstes Unternehmen einzieht.
/artikel/mehr-laborflaechen-fuer-spinoffs-xista-science-park-eroeffnet-weiteren-bauteil
03.07.2026

Mehr Laborflächen für Spinoffs: XISTA Science Park eröffnet weiteren Bauteil

Der XISTA Science Park in Klosterneuburg wurde um einen neuen Bauteil erweitert. Auf 3.000 Quadratmetern entstehen neue Labore, in denen das Biotech-Spinoff Solgate als erstes Unternehmen einzieht.
/artikel/mehr-laborflaechen-fuer-spinoffs-xista-science-park-eroeffnet-weiteren-bauteil
Der neue Bauteil 4 des XISTA Science Parks © XISTA

Mit dem extra eingerichteten Shuttlebus kommt man von Wien recht gemütlich bis nach Maria Gugging, dem Teil von Klosterneuburg, in dem der Campus des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) zu Hause ist. Wo sich sonst Wohnhäuser und landwirtschaftliche Flächen abwechseln, ist ein moderner Science-Hub gewachsen, der 2024 auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besucht wurde. Nun wurde der dazugehörige XISTA Science Park offiziell um einen neuen Bauteil erweitert.

v.l. LAbg. Bürgermeister Christoph Kaufmann, Uli Grabenwarter (Equity Investments at European Investment Fund), ISTA-Präsident Martin Hetzer, Geschäftsführerin tecnet equity Doris Agneter, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Hwst. Prälat Anton W. Höslinger, (Can.Reg, Propst des Stiftes Klosterneuburg), ecoplus Geschäftsführer Helmut Miernicki, Markus Wanko, XISTA und Superintendent Michael Simmer (Evangelische Kirche A.B. in Niederösterreich) © NLK Pfeiffer

3.000 Quadratmeter Forschungsfläche

Der von der Wirtschaftsagentur ecoplus unter der Leitung von Bernadette Schabbauer „on time und in budget“ errichtete Neubau erweitert die vermietbare Fläche um rund 3.000 Quadratmeter für Biotech- und Deep-Tech-Unternehmen. Rund 22 Millionen Euro soll die Errichtung des neuen Bauteils gekostet haben, wie auf Nachfrage von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erwähnt wird. Damit möchte der Standort auf die steigende Nachfrage nach spezialisierten Chemie-, Zellkultur- und Mikrobiologielabors reagieren. Ein Großteil der neuen Flächen wird vorerst vom ISTA selbst beansprucht, mit dem Ziel, dort künftig bis zu vier Spinoffs unterzubringen.

„Im Kern steht die Entwicklung neuer Unternehmen aus der Forschung heraus“, erklärte Markus Wanko, Geschäftsführer von XISTA. Während das ISTA die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung mit rund 90 Forschungsgruppen und 1.400 Mitarbeitenden abdeckt, übersetzt XISTA diese Erkenntnisse über den Science Park und den Venture-Arm XISTA Science Ventures in die Praxis.

Biotech-Startup Solgate zieht ein

Als erstes Unternehmen nutzt das Biotech-Startup Solgate die neu geschaffenen Laborflächen. Die Ausgründung des ISTA und des CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin) fokussiert sich auf die Entwicklung neuartiger Therapeutika, die gezielt auf Membran-Transportproteine wirken. Mit der Laborinfrastruktur vor Ort möchte das internationale Team unter der wissenschaftlichen Leitung von Enrico Girardi, der durch die neu bezogenen Räumlichkeiten führte, seine Pharma-Forschung direkt am Standort fortsetzen.

Laborflächen am ISTA-Gelände © ISTA

30. Investment von XISTA-Fund

Die Erweiterung fällt mit Fortschritten auf der Finanzierungsseite zusammen. Erst vor wenigen Tagen besiegelte der XISTA-Science-Venture-Fonds sein mittlerweile 30. Investment, wie Geschäftsführer Markus Wanko verrät. Genauere Details über den Deal möchte man aktuell noch nicht verraten.

Was man hingegen deutlich hervorheben möchte, ist der wirtschaftliche Hebel des Standorts. Bisher wurden laut eigenen Angaben über XISTA etwas mehr als 30 Millionen Euro in Startups investiert. „Die Unternehmen selbst haben das genutzt, um 300 Millionen Euro selbst einzuwerben. Also ich glaube, wir haben es geschafft, da ein System aufzubauen. Das funktioniert“, so Wanko über den Hebeleffekt von 1:10.

Die europäische Komponente

Unterstützt wird das Modell auch von europäischer Seite. Uli Grabenwarter vom European Investment Fund (EIF), der als Ankerinvestor bei XISTA Science Ventures Funds II fungiert, betonte: „Das Engagement des EIF spiegelt unser Vertrauen in die enge Anbindung von XISTA an führende Forschungseinrichtungen sowie in seinen langfristigen Ansatz im Deep-Tech-Bereich wider. Genau das, was Europas Innovationsökosystem braucht“.

Für das ISTA ist der Neubau ein zentraler Baustein der eigenen Translation. „Dieses Gebäude ist ein ganz essentieller Teil, dass wir eine Wirkung, die über die Forschung und die Labors hinausgeht, in die Gesellschaft hineinbringen“, hielt ISTA-Präsident Martin Hetzer fest.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Ehemalige „Woman in AI“-Führung gründet neue KI-Plattform – 150.000 € Förderung